Bibliothekstagebuch 1

Januar 19th, 2012

 Der argentinische Schriftsteller Borges sagte einmal: “Ich hatte mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt. Andere Leute denken dabei eher an einen Garten, wieder andere an einen Palast. Da war ich also. Nun befand ich mich im Paradies.

Ich könnte ergänzen. Und mitten im Paradies steht ein fettes Sofa, auf dem ich mich niederlassen und lesen kann. Da war ich also. Wo aber lag mein Paradies?

Ich habe bereits schon zuvor meine Begeisterung für die Archäologische Bibliothek in Halle geäußert. Nun ist sie neu eröffnet worden, hier nachzulesen, und meine Begeisterung kennt keine Grenzen mehr. Dieser möchte ich regelmäßig an dieser in einem regelmäßigen Bibliothekstagebuch Ausdruck verleihen. Heute also der Teil 1:

Es ist schon schon etwas verrückt. Ich arbeite in einer Bibliothek, verlasse diese und die Franckeschen Stiftungen und begebe mich hinüber in die Innenstadt von Halle. Dort liegt hinter dem Markt von Halle versteckt in einem Innenhof die Bibliothek des Arch. Landesamtes von Sachsen-Anhalt. Diese wurde gerade in neuen Räumen neu eröffnet. Ich melde mich an, werde von der Kollegin Frau Alferi herzlich begrüßt und suche das Buch, welches ich schon einige Zeit für unseren Wilderich durchschauen wollte. Orientierung in Bibliotheken ist für mich kein Problem und mit der Systematik habe ich mich schon vor einiger Zeit vertraut gemacht. Das anvisierte Buch mit der Signatur LB7/7/1103 wurde rasch gefunden und entpuppte sich als Broschüre oder Doktorarbeit. Der genaue Titel lautet:  Zum Stand der Diskussion über die Lage des mittelalterlichen Jagdhofes Bodfeld im Nordharz / Gerhard Köhler, Magdeburg, 2003, 83 Bl. : Ill.
Ich stieg hinauf bis ins dritte Stockwerk und dann noch hinauf auf die Galerie mit Blick auf das runde Dachfenster. Hier steht das  gemütliche Sofa, das ich zu Beginn bereits erwähnte. Habe ich es schon gesagt? Diese Bibliothek ist eine Präzenzbibliothek, ich kann die Bücher also nicht nach Hause nehmen. Das hat auch Vorteile. Man arbeitet vor Ort in der Zeit, die man hat und verschiebt es nicht auf morgen, übermorgen, auf das Wochenende… Kennen wir alle!

Thema heute: Ein königlicher Jagdhof

Es geht heute und wahrscheinlich auch das nächste Mal um den königlichen Jagdhof Bodfeld im Harz. Die Ottonen, die bei der “Wanderausstellung” dabei waren, kennen die Gegend schon. Der Jagdhof mitten im Harz wurde wahrscheinlich unter Heinrich I. angelegt. Erste Erwähnung fand er 935 in der Vita Mathildis: Dort ist von der Krankheit Heinrichs und dem Tod in Memleben die Rede. Die erste Urkunde wurde am 19.09. 944 ausgestellt. 29 Urkunden folgten an diesem Ort, davon 21 im Sept. (Rotwildzeit). Als Actum Bodfeld  taucht der Ort in den Urkunden auf. Ebenso erwähnt wurde der Jagdhof Siptenfelde.

Unter Heinrich II. ging der Wirtschaftshof Bodfeld an das Kloster Gandersheim im Tausch gegen Besitzungen des Kloster im Herzogtum Franken, die Heinrich für den Aufbau des Bistums Bamberg brauchte. Der Jagdhof  Bpdfeld muss allerdings weiter im könglichen Besitz verblieben sein, denn hier jagten weiterhin die salischen Könige. Die letzte Urkunde wurde 1068 von Heinrich IV. ausgestellt, aber 1194 tauchte der Ort als loco qui Botvelde dictur noch einmal auf und bezeichnete die Stelle, an der Heinrich der Löwe auf seinem Weg nach Saalfeld vom Pferd fiel. Aber wo ist dieser Ort ? Dazu kann Köhler keine Erkenntnisse aufzeigen, nur Vermutungen äußern. Soweit meine gestrigen Recherchen zu Bodfeld bei Köhler. Die Wiki. scheint hier schon weiter …

Für Heute das Bibliothekstagebuch Euer Isí

Die Arch. Bibliothek Halle hat auch eine Internetseite.

Fahnensticken, Ottobuch …

Januar 16th, 2012

An den besinnlichen Weihnachtstagen bin ich wieder zum Sticken gekommen. Dank unserer Stiftsfrau habe ich nun einen größeren Stickrahmen. Die Fahne nach Motiven aus dem Saint-Sever-Codex (1020) sieht nun so aus:

Fahne Wilderrich

Die Fahne ist etwa 70 cm lang und an der breitesten Kante etwa 40 cm breit, wenn ich mich nicht vermessen habe. Sie wird aber nicht bei mir bleiben, sondern geht nach Augsburg zu unserem Wilderrich. Ich hoffe doch, sie gefällt ihm …

Weitere Bilder der neuen Fahne sind hier zu sehen …

Es gibt ein neues Buch zur künftigen Otto-Ausstellung in Mageburg. Ich habe schon einmal einen Blick reinwerfen dürfen, und hier meine Meinung dazu in Chronico.

Noch vor dem Morgenrot, Euer Isí

Ein neues Jahr …

Januar 13th, 2012

… beginnt in der Ottonenzeit. Kurz vor Weihnachten hat mich die “Schwindsucht” erwischt und der Husten hat sich immer noch nicht vollkommen davon gemacht. Allen Freunden, allen Geschichtsdarstellern, Geschichtsinteressierten und hier Mitlesenden wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr 2012. Bleibt gesund, habt gute Veranstaltungen und bewahrt Euch den Spass an der Sache.

Vor 1000 Jahren war bereits Heinrich II. Herrscher des ottonischen Reiches (seit 1002), aber die wichtigste Nachricht des Jahres 1012 kommt aus Merseburg: Der dortige Bischof Thietmar beginnt die Abfassung seiner Chronik, an der er bis zu seinem Tod im Jahre 1018 arbeitet. Wir bekommen auch einen neuen Papst, Benedikt VIII., der bis 1024 regiert. Das zeigt schon, dass er sich mit Heinrich II. arrangieren konnte und konsultierte auch weitgehendst selbsttätig den Kirchenstaat, mehr Machtpolitiker als Kirchenoberhaupt. Er setzte aber auch zusammen mit Heinrich II. theologische Akzente.

Vor 1100 Jahren regierte Konrad I. das Ostfrankenreich (seit 911). Er setzt erste Akzente für das zukünftige ottonische Reich, das seine Schatten vorauswirft. Im Jahr 912 wird Heinrich der Vogler Herzog von Sachsen und folgt seinem Vater Otto (der Erlauchte). Und ein weiteres Ereignis ist für uns wichtig: Im Nov. wird Otto I. geboren. Ein wichtiger islamischer Herrscher tritt in diesem Jahr die Regierung an:  Abd ar-Rahman III. wird Emir von Córdoba und begründet die Glanzzeit des Emirats. Er wird zum ersten Kalifen von Spanien und regiert bis 961.

Möge Gott uns ebenso ein erfolgreiches und langes Leben schenken. Das wünsche ich allen zum neuen Jahr.

Euer Isí

Heute ist Nikolaus…

Dezember 6th, 2011

und was hat das mit der Ottonenzeit zu tun ? Aber sehr viel ! Mit der Kaiserin Theophanu ist das Andenken und Gedächtnis dieses Heiligen erst nach Italien und Mitteleuropa gekommen. Hier habe ich schon mal mehr dazu geschrieben … klick

Für solche Gelegenheiten könnte man auch die alte Burgkapelle der Ottonenzeit wiederbeleben. Ich würde sie dann aber in Hofkapelle umbenennen. Die Hofkapelle war kein fester Ort, kein Gebäude, sondern bezeichnete die Gruppe von Geistlichen, die mit dem ottonischen König/Kaiser durch das Land zogen. Ich weiß, die Wiki. kann das evt. viel besser erklären, deswegen hier der Verweis.

Wenn ich also alle zwei, drei Monate mal was Heiliges poste, dann nicht wundern. Die Hofkapelle ist wieder unterwegs!

Also, liebe Mitottonen und -ottoninnen, wenn Eure wendegenähten Schuhe und Stiefel heute reich gefüllt waren, dankt der Kaiserin Theophanu Augusta

Euer Isí

TIRADA INTERNACIONAL CIUTAT DE SOLLER

November 1st, 2011

Gute Ergebnisse beim 1. Internationalen Wettkampf  der Steinschleuderer auf den Balearen haben unsere Mitschleuderer Jaegoor und Hubert erreicht.  Zwar mussten beide schon in der Qualifikation aufstecken und kamen nicht ins rein von Einheimischen dominierten Finale, aber mit den Plätzen 12. (Jaegoor) und 20. (Hubert) in der Qualifikation waren sie die besten Nichtbalearen, die angetreten waren. Jaegoor hat außerordentlich knapp am Finale vorbeigeschleudert.

Hier die Ergebnisse der Quali.:
http://www.tirdefona.org/actas/TIC.pdf

Hier die Ergebnisse des Finales:
http://www.tirdefona.org/Espa%C3%B1ol/marcoesp.htm

 Tirada1

 Jaegoor bei der Qualifikation, 6 Punkte, einmal ins Zentrum der Diane.

 trobada2.jpg

Hubert bei der Qualifikation, 4 Punkte, einmal ins Zentrum der Diane, Super !

Fotos: Joan Oliver i Ramon. Danke schön !

Der Wettkampf fand auf dem Camp Municipal d’Esports Jaume Oliver i Sastre, Soller, Mallorca, am 30. Oktober 2011 statt. Ausrichter war die Federació Balear de Tir de Fona. Wir bedanken uns bei Mateo und der ganzen Federacío für die Gastfreundschaft und diesen wunderschönen Wettbewerb.

Leider zu Hause geblieben, Euer Isí

Wanderausstellung 2011

Oktober 27th, 2011

Wanderausstellung1

Wie im Jahr davor, siehe hier, trafen wir uns zum Saisonabschluss wieder zu einer herbstlichen Wanderung. Der Teilnehmerkreis ist gewachsen, statt einer Handvoll Leute waren wir nun schon eine  kleine Wandergruppe von 13 Leuten und ein Baby im Bollerwagen. Möglich wurde dies auch durch die salische Verstärkung von der Lütjenburg. Herzlichen Dank! Eine kleine Fotoreportage folgt hier:

Dieses Jahr ging durch Blankenburg hindurch zum Michaelstein bis Volkmarskeller. Wir wollten, das gebe ich ehrlich zu, noch ein Stückchen weiter, warum es nicht klappte, verrate ich gleich. Zunächst stelle ich die Wandergruppe vor:

Wanderausstellung2

 Das sind natürlich noch nicht alle. Diese beiden fehlen auf dem Bild:

Wanderausstellung3

 Und so schaut eine ottonische Wanderausstellung aus, wenn sie in Bewegung ist:

Wanderausstellung4

Es war ein herrlicher Herbsttag und wir kamen auf dem Marktplatz in Blankenburg an:

Wanderausstellung5

Es ging weiter bis zum Michaelstein. Hermann erfand auf dem Weg das “Salisch Walking”:

Wanderausstellung6

Und weil er so im Schwung war, eröffnete er uns kurz darauf das Ziel unserer Wanderung:

Wanderausstellung7

Das ist doch gut zu schaffen! Aber nur, wenn es zwischendurch erholsame Pausen gibt, z.B. hier am Michaelstein:

Wanderausstellung8

Wir waren ein begehrtes Fotomotiv. Zum Kloster gibt es hier einiges zu lesen. Wir stärkten uns, sonnten uns und nach der Pause ging es hinein in den Harz:

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Über Stock und Stein, immer höher hinauf. Bis wir merkten, wir haben uns verlaufen und hätten einen ganz anderen Weg nehmen müssen. Es ging wieder zurück:

 Wanderausstellung10

Unser Ziel war nun Volkmarskeller. Weiter würden wir für heute nicht kommen. Im Mittelalter hätten wir hier Schutz und Übernachtung gesucht.

Deswegen etwas über unser Ziel: Wahrscheinlich wurde die natürliche Karsthöhle bereits in prähistorischer Zeit genutzt, die erste nachweisbare Erwähnung des Volmarskellers erfolgte durch die Einsiedlerin Liutbirg in der Mitte des 9. Jhd:

 Wanderausstellung11

Nein, das ist nur unsere Stiftsdame Harlindia! Aber so konnten wir es uns gut vorstellen. Zufälligerweise ist der Volkmarskeller tatsächlich ein ottonisches Ziel, denn in einer Schenkungsurkunde unseres Königs Otto I. von 956 an das Stift Quedlinburg ist hier eine Michaelskirche erwähnt. Hier sind einige Grundmauern von der Anlage:

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Sie könnte so ausgesehen haben:

 Wanderausstellung13

Aber da das Kloster längst verfallen war, keine Einsiedlerin uns helfen konnte, hieß es  also für uns, den Heimweg anzutreten:

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Über Michaelstein ging es zurück nach Blankenburg zum Essen. Es war eine anstrengende Tour, auch durch unser historisches Schuhwerk, welches dieses Jahr bei allen gut durchgehalten hat, aber es hat allen viel Spaß gemacht. Auch für die Spaziergänger im Harz war die “Wanderausstellung” sicher ein Erlebnis. Wenn ein ganzer Zug Ottonen durch den Wald spaziert, ist wie ein Blick wie in eine andere Zeit.

Wie letztes Jahr beendeten Sabine, Annette und ich (diesmal in Begleitung unseres Besuchs aus Tokio) das Wanderwochenende durch eine Einkehr in die Stiftskirche, um in der Krypta unter dem Westchor zur Ruhe zu kommen:

wander15.jpg

Ich weise hier auch noch einmal auf die Ausstellung Schleierhaft über die Stiftsdamen in Gernrode gerne hin, die auch ausgezeichnet im Internet dokumentiert ist und dies auch hoffentlich noch einige Zeit bleibt. Wenn dann noch Zeit bleibt, empfehlen wir den Besuch des “Froschkönigs”, um wie “in alter Zeit” einen Kaffee zu trinken, wenn auch nicht ottonisch. Für die Eiligen gibt es das hier: wanderausstellung16

Euer Isí

Fotos von Joachim, Lis, Hermann (Danke Euch!)

Internationaler Wettkampf der Schleuderer

Oktober 25th, 2011

Nun hat auch der Spiegel das Schleudern entdeckt, hier nachzulesen …

logo-sl2.jpg Der Jaegoor macht sich am Freitag auf, um im internationalen Wettkampf auf den Balearen mitzuschleudern.  Wir drücken ihm die Daumen und hoffen auf ein gutes Ergebnis.

Euer Isí

Im Geschichtspark Bärnau

Oktober 8th, 2011

Zum Tag des offenen Denkmals waren wir ein Wochenende im Geschichtspark Bärnau.

Meinen Bericht dazu könnt ihr hier lesen …

Viel Spass, Euer Isí

Schachspiel endlich fertig !

Oktober 7th, 2011

Rekonstruktion eines ottonischen Schachspiels:

Schach21

Es begann am Anfang des Hobbies  noch in den Tagen als wir “Pfalzbelebungen” in Tilleda durchführten. Das muss so 2005 oder 2006 gewesen sein. Da nahm ich mir ein paar Buchholzstäbe und schnitzte los. Als Vorlage gab es kein vollständig gefundenes Schachspiel, sondern nur einzelne Fundstücke, die ich in den Katalogen Otto der Große, Magdeburg und Europa (2 Bände: Katalog und Essays) und Kaiser Heinrich II. (Ausstellungskatalog der Ausstellung in Bamberg) fand.  Andere Figuren Rukh=Turm und Wesir=Dame empfand ich nach. Der Klops ist mir dabei mit dem Rukh passiert, der bereits eine turmartige Gestalt hat, wie sie heute üblich ist. In dieser Form taucht die Figur erst im Schachbuch von Alfonso X. (El Sabio) im 13. Jahrhundert auf. (Das Schachbuch lohnt übrigens einen eigenen Beitrag bei Gelegenheit)  Auch wäre Haselholz evt. besser als Buchenholz gewesen. Aus Haselholz waren die Schachfiguren vom Fundplatz Charavines (1008 - 1010), am lac de Paladru zwischen Grenoble und Lyon. Bergkristall, das für viele frühe Schachfiguren nachgewiesen wurde, wäre doch etwas zu wertvoll gewesen! Doch die wichtigste Frage ist zunächst:

Wurde Schach im Ottonenreich gespielt?

Daran gibt es keinen Zweifel. Zwar ist die Nachricht, dass Kaiserin Theophanu das Schachspiel aus Byzanz mitgebracht hat, nur mit Hilfe von Indizien zu belegen: Heinrich II. war in Besitz von Schachfiguren, die aus dem von der Kaiserin mitgebrachten byzantinischen Schatz stammen könnten. Diese aus Achat und Chalzedon gearbeiteten Figuren wurden als Schmuckstücke in die Kanzel des Aachener Doms eingearbeitet, die Heinrich stiftete. Dort kann danach gesucht werden. Kostbare Schachspiele wurden gerne an die Kirche verschenkt, das war nicht nur bei Heinrich der Fall, sondern auch Urkunden (die früheste von 1008 oder 1010 vom katalanischen Grafen Ermengaud) bezeugen, das kostbare Schachspiele verschenkt worden sind.

Doch es gibt noch einen weiteren Fund aus dem Gebiet der Ottonen: Auf der Burg auf dem Kanstein nahe Langelsheim wurde eine ins 10. Jhd. datierte Schachfigur aus Zahnbein (Elfenbein) vom Pottwal gefunden, die von der Formgebung “den abstrakten orientalischen Vorbildern” folgt. Womöglich ist sie auch im Orient oder in Spanien hergestellt worden. Da die Ottonenzeit auch einmal als Schülerprojekt gestartet ist, verlinke ich hier ein ähnlich schönes Projekt über die Kansteinburg.

Schachfiguren Caravines

Schachfiguren aus Caravines aus verschiedenen Materialien, Foto: Uhl

Der oben bereits erwähnte Fundort Charavines zeigt an, dass einfachere Schachspiele aus Holz, Knochen oder Hirschgeweih bereits zu Beginn des 11. Jahrhunderts auf Herrenhöfen und Adelssitzen vorhanden waren und damit auch gespielt wurden.  Hier zum Anschauen Funde von weiteren historischen Schachfiguren …

Figuren aber kein Brett !

Die Figuren konnten also nach den Vorlagen nach empfunden und rekonstruiert werden. Das helle Buchenholz habe ich für die weißen Figuren nur geölt und für die schwarzen Figuren verwendete ich eine von Dr. Wunderlich empfohlene Lasur aus Walnussschalen. Hier dazu mehr …

Die fertigen Figuren sehen nun so aus:

Schachfiguren

Bei allen Recherchen fand ich aber kein Schachbrett für das 10. Jahrhundert. Wie ein Schachbrett mit Einlegearbeit hergestellt wird, fand ich zwar im Schachbuch des Alfonso X. von León-Kastilien. Aber dies ist erst 13. Jahrhundert! Wir entschieden uns für eine Variante aus Stoff (siehe oben), die ebenso gut wie die Figuren in einem Beutel verstaut werden kann. Genauso gut wäre denkbar, dass vor Ort auf einem Tisch ein einfaches Schachbrett eingeritzt wurde. Und wie könnte der Beutel ausgesehen haben?

Beutel für Schachfiguren

Auch hier sagt die Befundlage für das 10./11. Jhd. gar nichts ! Die Vielfalt der Abbildungen von Beuteln und Behältnissen für Schachfiguren im Schach- und Spielebuch vom bereits erwähnten Alfonso X. war so groß, dass wir nun nicht mehr widerstehen konnten und für Figuren und Brett aus Stoff einen dieser Beutel nachmachten.  Da diese Beutel im 13. Jhd. so selbstverständlich waren und fast auf jeder Abb. dazugemalt wurden, nehmen wir eine ähnliche Aufbewahrungsart für das Alltagsschach auch im 10. und 11. Jahrhundert an. Isi

Damit war unsere Rekonstruktion fertiggestellt und kann künftig in Museen und Lagern gespielt werden. Am Ende noch ein Tipp zum Weiterlesen und evt. zum Besuchen: Das Schachdorf Ströbeck und sein Schachmuseum.

Euer Isí

Ottonische Schleuderer

September 30th, 2011

Es war immer etwas ungewiß, ob Schleuderer für die Ottonenzeit zu belegen sind. Archäologische Funde sind bei Schleudern sehr selten und runde Steine im Fundzusammenhang können alles möglich sein. Ich hatte deswegen auch immer etwas Magenschmerzen, als “ottonischer Schleuderer” aufzutreten. Aber das ist jetzt vorbei. In der Szene der Belagerung Jerusalems aus dem Evangeliar Otto III. (oder Heinrichs II.) sind eindeutig Schleuderer abgebildet. Noch schöner: Sie tragen sogar Rüstungen und Schilder. Im Verbund mit einem Bogenschützen räumen sie die Mauern ab. Diesen Fund verdanken wir übrigens dem Uhl zu Wilhaim. Danke schön!

Ottonische Schleuderer

Quelle: Das Evangeliar Ottos III. oder Evangeliar Heinrichs II. ist ein Werk der ottonischen Buchmalerei und zählt zu den Hauptwerken dieser Epoche. Die Handschrift entstand vermutlich um das Jahr 1000 im Auftrag Ottos III. (Regierungszeit 983–1002) oder dessen Nachfolger Heinrichs II. (Regierungszeit 1002–1024) im Kloster Reichenau. (aus Wikipedia)

Außerdem bin ich gerade am Planen und Zusammenstellen der Termine für 2012. Da kommt doch wieder eine Menge zusammen. Ganz bin ich noch nicht fertig. Es lohnt sich also in den nächsten Tagen noch mal draufzusehen.

Mit ottonischen Grüßen, Euer Isí