Der Heerbann 2013

100_6193Einer der schöneren Momente des Heerbanns, die Sonne kam am Sonntag heraus

… ist vorüber. Wir bedanken uns ganz, ganz herzlich bei Odo von Crain für seine Organisation, die viel Zeit und Mühen gekostet hat. Zwar waren wir Ottonen wieder nur eine Randgruppe, etwa knapp ein Dutzend (in zwei Gruppen) waren von uns da. Aber das Kommen macht uns trotzdem sehr viel Spaß. Und das erste Mal war es ein Heerbann, der fast etwas in Wasser fiel. Meine Schuhe können ein Lied davon singen, aber da es “Haus Meer”-Schuhe sind, blieben sie natürlich trocken.

100_6186Blick auf eine der großen Zeltstraßen, Zelte über Zelt von ca. 700 Teilnehmern

Es ist ein großes Familientreffen, ein Wiedersehensfest. Auch wenn es darunter auch mal einen gibt, den man nicht wiedersehen möchte. Aber das kommt vor. Die vielen, die man lange nicht mehr gesehen hat und trotzdem (und ohne Brille) wiedererkennt wiegen das dicke auf. Immer mehr wird auch der Heerbann zur “Reenactment-Messe”. Viele, viele Händler haben aufgebaut und boten dem Anfänger und Fortgeschrittenen ein umfangreiches Angebot an. Sie waren mit Ambiente und Verkauf auch sehr zufrieden, wie eine nicht repräsentative Befragung ergab. Im Durchschnitt konnte der unbebrillte Beobachter auch mit der Qualität der Darstellungen zufrieden sein. Sabine war auf ihrem ersten Heerbann sehr überrascht davon und ich denke, da haben sie auch eine Menge Leute inzwischen verbessert. Über die anderen decken wir den Mantel des Schweigens.

In erster Linie ist der Heerbann jedoch ein Kämpfertreffen. Und so domierten natürlich Linienkampf, Schlachtdarstellung, Bogenschützenturnier, Pferdeübungen und auch Schleuderer den Heerbann. Die von mir angemahnte Helmpflicht ist überwiegend eingehalten worden.

100_6180Die Schlachtreihen

100_6182Schlachtreihe aus der Nähe

100_6183Kämpferpause

 100_6196Die Ottonin und ihr neuer Scherenstuhl

100_6198Hans als “Touristendarsteller”: Kann ich ein Foto machen?

100_6177rbb-Filmteam, “Making-of”

Euer Isí

 

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Sonderband über Edithas Grablegen

06Foto: LDA Sachsen-Anhalt, J. Lipták

So wie hier auf dem Bild des LDA konnte ich auch den Restauratoren unseres Landesamtes über die Schulter schauen, wenn sich die Gelegenheit ergab. Und habe auch schon zuvor darüber geschrieben, siehe Chronico. Lange habe ich auf den (vorläufig) abschließenden Band über die Untersuchungen der Grablegen der Editha (1. Frau v. Otto I.) gewartet. Jetzt ist er endlich raus und ich habe es fast vergessen. Dabei ist der Band für die Ottonendarsteller immens wichtig. So schaut er aus:

Cover_EdithaGrablegen

Wichtige Frage, wo ist der Editha-Sonderband zu bekommen, außer in unseren Lieblingsbibliotheken? Der Buchhandel hat es nicht, auch nicht die Tante A. mit den niedrigen Löhnen. Zu bekommen ist es direkt beim LDA Sachsen-Anhalt. Hier die Bestellliste. Eine Bestelladresse ist dabei. Schlagt zu, ihr werdet es nicht bereuen!

Und was steht drin? Oh, eine ganze, ganze Menge. Der Eindruck, außer das ich unseren Lieblingsheinrich dort ständig abgebildet sehe, ist ein guter! Der 289 S. starke, mit Beilagen und tollen Abb. und Fotos ausgestattete Band gliedert sich folgendermaßen:

Der erste und kürze Teil “Archäologie .- Kunstgeschichte – Historische Einordnung” von Rainer Kuhn, Ange Neugebauer/Heiko Brandl und Caspar Ehlers schildert das Drumherum der Wiederauffindung des Grabes im Rahmen der Ausgrabungen am und im Dom von Magdeburg. Es wird kunstgeschichtlich ausführlich auf das Grabmal Edithas eingegangen. Seitenlang wird danach der historische Rahmen um die Königin geflochten, inkl Itinerar Edithas und Ottos. Sehr informativ und nützlich, muß ich zugeben.

Der größte Teil des Buches widmet sich der “Analysen – Forschung – Ergebnisse”. Und ich verspreche nicht zu viel: Alle Ottonenfreunde und Ottonendarsteller werden sich beim Lesen alle 10 Finger lecken. Ich erwähne nur kurz besondere Artikeltitel: “Aus dem Bleisarg der Editha – Untersuchung der Textilien” (Teil 1 und Teil 2), “Die Kaiserin im roten Gewand – Zur Identifizierung des roten Textilfarbstoffes in Edithas letztem Kleid” und “Pflanzenreste im Editha-Bleisarg aus dem Dom zu Magdeburg. Natürlich wird auch ausführlich auf die vielfältigen Insektenfunde im Bleisarg eingegangen. Da bleibt keine Frage offen. Heinrich meinte, so viel Viecherei hatte er noch nie in einem Fundgut gehabt. Moose und Mineralien werden auch untersucht. Kein Krümel, der hier unerwähnt bleibt. Freut Euch schon auf die Muster von Edithas Kleid!

Der kürzeste Teil des Bandes widmt sich dem damaligen Presseecho und ist betitelt “Königin Editha als Identifikationsfigur” Ohne Fragezeichen, was mich etwas verwundert hat.

Das soll es zunächst gewesen sein. Jetzt geht es ans ausführliche Lesen.

Euer Isí

editha_magdeburg_09

Foto: LDA Sachsen-Anhalt, J. Lipták

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Wetter (Nachtrag)

Auch andere sorgen sich momentan um das Wetter vergangener Zeiten, hier z.B. der Spiegel.

Euer Isí

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Wetterbericht

um das Jahr 1000 und drum herum:

Guten Tag,

es folgt der ausführliche Wetterbericht für Karolinger, Ottonen und Salier. Im Anschluß noch eine Wetterwarnung für “unsere Jungs”, die gegen den ungerechten Kaiser Heinrich V. auf dem Welfesholz kämpfen müssen.

Zunächst die Vorhersage für das 8. – 10. Jahrhundert: Es ist mit relativ kalten Wintern bzw. Wintermonaten zu rechnen. Planen Sie bitte auch warme und trockene Sommer ein. Insgesamt wird in Mitteleuropa ein überwiegend kontinentales Klima vorherrschen. Besonders der Sommer 993 wird extrem trocken und heiß ausfallen. Die Feldfrüchte benötigen Bewässerung, sonst können sie nicht zur Reife gelangen. Im Winter 993/994 ist mit großer Kälte und extremen Schneefall zu rechnen, der an einigen Orten von Nov.  bis Mai gehen kann. Im Jahr 994 kann sogar noch im Juli mit Nachtfrost zu erwarten sein. Außerdem herrscht gleichzeitig extreme Trockenheit. Führen Sie rechtzeitig ihren Fischteichen Wasser zu, damit es nicht zu Schäden bei den Fischen kommt. Schützen Sie außerdem ihre Bevölkerung vor Seuchen.

Kommen wir jetzt zur Vorhersage für das 11. Jahrhundert, zunächst der Überblick: Die Sommermonate werden überwiegend war/heiß und trocken, es ist mit kühlen Herbsttemperaturen zu rechnen, die Winter werden streng und kalt und der Frühling zumeist feucht.

Hier nun die Detailprognosen für das frühe 11. Jahrhundert: Im Gegensatz zu den überwiegend heißen Sommern des 11. Jahrhunderts ist 1oo1 mit einem sehr feuchten Sommer zu rechnern, ebenso 1012 und 1018. Im Trend bzw. mit besonders großer Hitze liegen die Jahre 1022, 1030, 1039. Warnung: Es wird ein großer Wassermangel vorherrschen! 1041 – 1060 sind gegen den Trend nasse und kalte Sommer zu erwarten. 1043 wird sogar mit eher winterlichen Temperaturen zu rechnen sein. Achtung! Der Wein wird sauer, die Ernte schlecht. Hinweis an die Herrschaft: Das Aufkommen verstärkter Landflucht wird zu erwarten sein.

Zum Herbst im 11. Jahrhundert liegen uns leider nur ungenügende Informationen vor. Die Tendenz neigt zur Kühle. Es ergehen Sturmflutwarnungen für die Reichsküste im Jahr 1014 und im Jahr 1042. 1057 und 1070 werden angenehme und warme Herbstmonate angezeigt. 1077 rechnen Sie bitte mit einem frühen Wintereinbruch bereits im Herbst.

Der Winter von 1000 bis etwa 1180 wird überwiegend sehr kalt, nur unterbrochen von einem warmen Jahrzehnt von 1081 bis 1090. Nun die Einzelvorhersagen: Im Jahr 1003 rechnen Sie bitte mit einem sehr strengen Winter, 1010 eher milder, 1013 ergeht die Warnung an die Donaugegend: Retten Sie sich rechtzeitig vor dem Hochwasser! 1014 wird wieder extrem kalt, aber Febr. 1016 kommen Stürme auf Sie zu. Schneereich wird es im Winter 1029, ebensolche Ausnahmewinter kommen auf Sie 1036, 1040, 1042 zu. Sorgen Sie für ausreichend Feuerholz und warme Kleidung. Erst 1086 gibt es Entspannung. Das wird ein sehr warmer und angenehmer Winter.

Was macht der Frühling in diesen Jahren? Rechnen Sie immer und stets mit einem feuchten Frühjahr! Warme Frühlingsgefühle gibt es lediglich 1011 und 1014. In den Jahren 1013 und 1018 sind Frühjahrstürme zu erwarten. 1035 ergeht eine Hochwasserwarnung für die Mosel. 1057 wird es noch am 1. Mai Schnee geben. 1063 gibt es im Frühjahr einen starken Kälteeinbruch. Der Frühling 1068 ist verregnet, 1077 ist sich auf strengen Winter bis Ende März einzurichten.

Am Ende der Spezialwinterbericht Winter 1115 für die erwarteten Kämpfe zwischen unseren (Sachsen-)Jungs und den Kaiserlichen: Zieht Euch warm an, verdammt warm. Im Febr. 1115 ist mit sehr tiefen Temperaturen und Schneefall zu rechnen, evt. sogar mit Schneestürmen. Es kann sein, dass ihr die Schlacht sogar um einen oder mehrere Tage verschieben müßt. Aber, im Namen des Herrn, siegt !

Ihr Wetterfrosch Isidorus

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P.S.: Alle Angaben stammen aus: Glaser, Rüdiger: 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Mit Prognosen für das 21. Jahrhundert. 3., unveränd. Aufl., Sonderausg. VIII, 264 S. m. 67 meist farb. Abb. u. 11 Tab. sowie 36 farb. Ktn. 27,5 cm 1234g , in deutscher Sprache. 2013   Primus Verlag, ISBN 978-3-86312-350-5
sehr zum Weiterlesen empfohlen!

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Rotunde (Nachtrag): Die Jakobskapelle in Halle

Aprilregen über dem Herzogtum Sachsen und über den Burgen an der Saale. Unser Hoster hat auf eine neue WordPress-Version umgestellt, deswegen können wir unser Design nun auch individueller gestalten. Wer dazu Vorschläge hat, gerne…

Dann einen Nachtrag zu unserer “Rotunden-Diskussion”. In dem Zusammenhang war hier auch die (nicht mehr existierende) Rotunde in Halle, die Jakobskapelle, erwähnt worden. Bei meinen Recherchen zur “Frühstadt” von Halle und zu der Burg Giebichenstein fand ich einige interessante Informationen zur Jakobskapelle:

karte-kirchen-halleaus Geschichte der Stadt Halle Bd. 1, Halle, 2006, S. 27

Der rote Pfeil kennzeichnet die Lage der mutmaßlichen Rotunde (Jakobskapelle) nahe eines Herrenhofes (Burggrafenhof ?). Dietrich Claude in “Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert ; Teil 1″ erwähnt die Schenkung der Kapelle 1118 durch Erzbischof Adelgot an das Kloster in Pegau, Hauskloster der Groitzscher. Enno Bünz konstruiert daraus in “Der Jakobskult in Sachsen, S. 90″ dies hätte Adelgot auf Veranlassung seines Verwandten Wiprecht getan. Allerdings geht daraus nicht hervor, dass Wiprecht die Rotunde auch gebaut hat (War es überhaupt eine?). Doch zeigt die Quelle: 1. Die Kapelle muss vor 1118 schon gestanden haben und 2. der Hof war höchstwahrscheinlich noch in der Verfügung des Magdeburger Burggrafen Hermann von Sponheim.  Zudem war der ältere Groitzscher bis 1116 noch in der Haft des Kaisers Heinrich V. und wurde danach erst gegen Heinrich Haupt ausgetauscht. Volker Hermann in “Vom karolingischen Grenzkastell… “ in Geschichte der Stadt Halle Bd. 1, Halle, 2006, S. 15-52″ verweist auf das Urkundenbuch der Stadt Halle, Eintrag Nr. 16. Ob hier oder in den Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis ein Beweis für die These enthalten ist, dass Wiprecht die Jakobskapelle gebaut hat (oder war es doch Erzbischof Adelgot oder einer seiner Vorgänger), kann ich erst nächste Woche überprüfen.

Bis dahin.

Euer Isíisi-avatar

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Noch im Schnee

… aber die ersten unruhigen Geschichtsdarsteller ließen sich nicht abschrecken und belebten trotz “Märzwinter” den Geschichtspark Bärnau-Tachov, wie hier in diesem Filmbericht zu sehen:

http://www.otv.de/mediathek/kategorie/die-nachrichten/video/saisoneroffnung-geschichtspark-und-freilandmuseum/#.UUcGeFeRdLQ

Tapfer, tapfer, denkt Euer Isí, der zu Hause saß und genäht hat.

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Frühjahrsklausur 2013

ottonische Talglampenproduktion

Die diesjährige Frühjahrsklausur fand wieder in Gifhorn statt. Neben den alljährlichen Vereinsregularien (Jahresberichts, Kassenbericht, Vorstandswahl etc. … gähn) war es hauptsächlich ein gemütliches Treffen mit Gesprächen, Informationsaustausch und gemeinsamen Zusammensitzen mit Handarbeiten. Neben diesen kleinen Dingen gab es nur einen etwas größeren Programmpunkt: Die Herstellung von kleinen Talglampen nach Fund (sorry, da muss ich unsere Töpferin Sabine noch mal fragen), wie oben auf dem Foto zu sehen ist.

Auch der Vereinsnachwuchs war zugegen, was alle sehr erfreut hatte. Auch konnte uns  gastliche Haus in Gifhorn alle gut, reichlich und in aller Gemütlichkeit bewirten. Das Treffen zeigte mir wieder, vielleicht stimmen die anderen darin überein, dass wir mit unseren Hobby in erster Linie uns Freude bereiten wollen, wir erst dann zu einer stimmigen Außenwirkung kommen. Die Ottonenzeit ist in ein ruhiges Fahrwasser geraten, hat aber im vergangenen Jahr einen Haufen Mitglieder dazugewonnen und ist von Augsburg bis Kiel aktiv. Wir sind keine schnittige Jacht (um weiter in maritimen Metaphern zu reden), kein Schlachtschiff, sondern eher ein gemütlicher Handelsknoor (oder eine Dhau) auf beständiger Fahrt durch die Jahressaison.

Was will man mehr, Euer Isí

Schuhproduktion am Kachelofen, daneben “Stickhasenkram”

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Archäologische Funde in Calbe

Die Funde aus den letzten Grabungen vor den Toren von St. Stephani (ottonisch-romanischer Ursprung) in Calbe

http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/fund_des_monats/2012/juli/

 

sind noch vom 26.01 bis 23.03. in der Heimatstube, Markt 13, 39240 Calbe zu besichtigen.

 

Euer Isí

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Die drei Burgen von Giebichenstein (Bibliothekstagebuch)

Meine Mittwochsnachmittage haben durch die Anregung aus dem Raubschiff ein neues Thema bekommen, so bleiben alle anderen erst einmal liegen bzw. wurden durch eine übereifrige Bibliothekarin ohnehin zurück ins Regal geräumt (hallo, wozu lege ich einen Zettel mit der Bitte “Bitte liegen lassen” zu meinem Büchern?). Das neue Thema lautet Burg Giebichenstein und hat auf jeden Fall auch etwas mit der Ottonenzeit zu tun.

Wir wollen uns im Raubschiff dransetzen, die Burg als Modell zu rekonstruieren. Die Quellenlage erscheint mir ausreichend. Ordentlich sammengefaßt hat den momentanen Erkenntnisstand Volker Herrmann in der zweibändigen “Geschichte der Stadt Halle, Halle, 2006″. Die Erkenntnisse der neueren Grabungen von Mario Küßner und Torsten Schunke (Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Oberburg Giebichenstein, Stadt Halle (Saale) / Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. – Halle, Saale : Landesgruppe. – Bd. 14.2005, S. 39-74) und der älteren Grabungen von Mrusek (Die Funktion und baugeschichtliche Entwicklung der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) und ihre Stellung im früh- und hochfeudalen Burgenbau / von Hans-Joachim Mrusek, 1970) sind miteingeflossen. Die historischen Fakten rund um die Burg hat Elisabeth Schwarze-Neuß in zwei Artikeln (In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Bd. 6 (1997) und Bd. 4 (1995) so zusammengefaßt, bzw. ich gebe hier mal wieder, wie ich ihre Ausführungen verstanden habe:

Die älteste urbane Ansiedlung des Mittelalters im heutigen Stadtgebiet von Halle lag um die alte Burg Giebichenstein, hier im Gebiet der heutigen Unterburg (fränk.-karolingische Funde). Es ist nur den ergiebigeren Solequellen im Hall-Gebiet zu verdanken, dass die Stadt heute Halle und nicht Giebichenstein heißt. Was ist nun aber mit den Burgen? Wir müssen in Giebichenstein von insgesamt drei Burgen ausgehen:

  1. Die alte Burg: karolingisch bis ottonisch-salisch, diese lag auf dem Hügel gegenüber dem Felsensporn der Oberburg und zwar dort, wo heute der Amtsgarten (auf dem “Römerberg”) liegt. Die Burg wurde im Zuge von Heinrich I. Burgenorganisation verstärkt und blieb auch lange noch Reichsburg, während die Civitas und die neue Burg „auf dem Stein“ an den Magdeburger Erzbischof ging. Die alte Burg fiel evt. der Burgenzerstörungwelle nach dem Sieg der Sachsen am Welfesholz 1115 zum Opfer. Die Oberburg wurde weiter ausgebaut. Gärtnerische Umgestaltung des Gebietes der alten Burg im 18./19. Jahrhundert mit Fund von römischen Münzen (?), keine wiss. Auswertung der Funde.
  2. Die Oberburg auf dem Felsensporn über der Saale, romanisch-gotisch, heute in Ruinen. Ausbau der ersten Burganlage Ringmauer, Torturm, Wohnturm, und Kapelle sowie Versorgungsgebäude in der Zeit von 968 bis 1018.
  3. Die Unterburg, ursprünglich wohl Civitas und später zur Renaissance-Festung ausgebaut. Zusammen mit der Oberburg Residenzburg der Erzbischöfe von Magdeburg bis zur Errichtung der Moritzburg (1484-1517) in Halle.

Und das fränkische Kastell, das in der Ersterwähnungsurkunde Halles von 806 erwähnt ist? Könnte es nicht vielleicht auch sein, dass dieses Kastell die oben aufgeführte alte Burg am Giebichenstein ist? Immerhin ist bei den Grabungen in den Achtziger Jahren Graseweg-Domplatz kein fränkische Wall angeschnitten worden, obwohl er dort vermutet worden ist. Die einzigen belegten fränkischen Funde wurden in der Unterburg Giebichenstein gemacht. Die  Ottonische Schenkungen von 961 erwähnen jedenfalls Halle nicht, sondern den Gau Neletici und die Civitas Giuicansten (Giebichenstein). Trotha, Giebichenstein und Halle muß man sich noch weit bis ins 11. Jahrhundert als von Deutschen bewohnte Brückenköpfe im slawischen Gebiet vorstellen. 

Die Erzbischöfe von Magdeburg nutzten den Giebichenstein auch bereits in der Frühzeit gerne als Residenz, so dass hier nicht von einer Ritterburg, vielmehr von einer Bischofsburg gesprochen werden sollte. Ich möchte den Erzbischof Adalbert (im Amt von 968 – 981) erwähnen, ebenso Gisilher (981-1004), der bereits den Giebichenstein als zeitweilige Residenz nutzte und hier für Heinrich II. Kriegsvorräte sammelte. Unter ihm wurde das erzbischöfliche Münzrecht für Giebichenstein genehmigt, dass aber später nach Halle wanderte. Unter seinen kaisertreuen Nachfolgern diente die alte Burg zeitweilig als Gefängnis für hochgestellte Reichsfeinde. Die Erzbischöfe Werner, Hartwich und Heinrich gehörten dem kaiserfeindlichen Lager an. Erzbischof Adalgot (1107-1119) wurde zunächst vom Kaiser investiert, wechselte im Sachsenaufstand die Seiten und gehörte zu den Gewinnern der Schlacht am Welfesholz (1115). Davor oder danach ist auch die alte Burg in die Hände der Erzbischöfe gefallen und verfiel endgültig oder wurde sogar absichtlich geschliffen.

Zu einigen Erzbischöfen, besonders zu Adalgot evt. später etwas. Wir werden uns bei der oben erwähnte Burg-Reko. auf die Oberburg beschränken. Und damit waren dies gewiß ausreichend viele erste Gedanken zum (Bau-)Projekt Burg Giebichenstein.

Euer Isí

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Saisonauftakt 2013

Templerkapelle Mücheln

Willkommen im Jahr 2013! Allen Vereinsmitgliedern, Freunden und Lesern der Ottonenzeit wünschen wir ein gutes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

Und damit starten wir auch schon in die neue Saison: Es gab eine Exkursion zu verschiedenen mittelalterlichen Bauwerken rund um Halle. Denen, die aus gesundheitlichen Gründen absagen mußten, auf diesem Wege alle guten Wünsche.

Zuerst ging es nach Wettin, Ortsteil Müncheln. Dort ist seit 1270 auf einem ehemaligen Hof der Wettiner Grafen die durch die Grafen von Brehna, die den Templern nahestanden, erbaute Kapelle unserer lieben Frau, kurz Templerkapelle bekannt. Wir bekamen eine sehr fachkundige Führung inkl. einiger noch ungelöster Rätsel geboten und konnten in Ruhe besichtigen und fotografieren. Dafür der Gemeine Wettin einen herzlichen Dank.

Templerkapelle Mücheln

Reste der Wandmalerei aus dem 13. Jhd.

Templerkapelle Mücheln

Der Innenraum voller Licht

Templerkapelle Mücheln

 Als Zwischenstück statteten wir der Stiftskirche St. Petrus auf dem Petersberg einen Besuch ab. Die erste Bauphase war zwischen 1142 u. 1151  abgeschlossen. “Der heutige Aufriß mit den Arkaden über Achteckpfeilern u. den zu gr. Obergaden- u Seitenschifffenstern stellt im wesentlichen eine Rekonstruktion des 19. Jh. dar.” (Straße der Romanik, Leipzig, 1994). Die Stiftskirche diente als Grablege der frühen Wettiner und dem Familiengedenken.

Stiftskirche Petersberg

Der eindrucksvolle Innenraum der Stiftskirche ist eine Rekonstruktion des 19. Jhd.

Seit 1999 lebt wieder eine Brüdercommunität im Kloster auf dem Petersberg.

Unsere nächste Station war Landsberg, dort wartete Herr Georg auf uns und sollte eine lange und eindrucksvolle Führung für uns bereithalten.

Doppelkapelle Landsberg

Die Doppelkapelle auf dem Porphyrfelsen

Zwischen 1160 u. 1210 entstand einer der beeindruckendsten Burgen Mitteldeutschlands, von der leider nur noch die Doppelkapelle erhalten ist. Burg und Berg wurden im Verlauf der Zeit abgetragen.

Burg Landsberg

So könnte die Burg ausgesehen haben, Modell vor Ort

Bei Landsberg handelt es sich um eine Doppelkapelle, eine nur für Deutschland und nur für die Hohenstaufenzeit typische Form von Herrschaftskapelle, wobei es für Doppelkapellen keine einheitliche Bauform feststellbar ist. Alles Weitere ist ausführlich vor Ort bei einer Führung zu erfahren.

Doppelkapelle Landsberg

 Doppelkapelle Landsberg

Doppelkapelle Landsberg

Doppelkapelle Landsberg

Detail an der “Blutsäule”, einer antiken Säule evt. aus Italien herangeholt

ottonisches Schwert

Ottonisches Schwert aus dem Fundgut von Landsberg

Doppelkapelle Landsberg

Der Ausblick vom obersten Stockwerk der Doppelkapelle

Alle fanden, dass es ein gelungener Saisonauftakt war und ich kann mich mit herzlichen Dank an die Teilnehmer nur anschließen.

Euer Isí

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