Die Kreuzzüge

Kreuzzüge
Quelle: Verlag Zabern

Warum noch ein Buch über die Kreuzzüge? Wenn ich in die Buchkataloge oder auch nur in mein Regal schaue, gibt es zahllose Publikationen dazu. Deswegen hat mich das Werk des Cambridger Professors Jonathan Riley-Smith wirklich überrascht. Es eröffnet einen neuen Blick auf die Zeit der Kreuzzüge und revidiert an vielen Stellen alten Forschungsstand. Besonders durch die Klarheit der Vermittlung ist es nicht nur ein Buch für Fortgeschrittene, historisch Interessierte und Mittelalterbegeisterte, sondern ein wichtiges Buch für alle über diese Epoche. Wer die ausgefahrenen Gleise verlassen und vorgefassten Bilder über Bord werfen möchte, für den könnte der Griff zu diesem Buch mehr als hilfreich sein. Wer aber einen kurzgefassten Überblick die Kreuzzüge sucht, würde sich mit den fast 500 Seiten und den Aufbau des Werkes überheben.
Um einen Überblick zu gewinnen, sind die ersten Seiten des Werkes von Riley-Smith den verschiedenen Interpretationsschulen der Geschichtswissenschaft zu den Kreuzzügen gewidmet. Traditionalismus, Materialismus und verschiedenen Alternativen in der Geschichtswissenschaft in Bezug zu den Kreuzzügen werdendiskutiert. Um zu unterstreichen, wie sehr sich das Bild der Öffentlichkeit von den Kreuzzügen im Vergleich zum aktuellen Forschungsstand unterscheidet, führt Riley-Smitz die Wirkung populärer Stoffe wie Sir Walter Scotts Kreutzfahrerromane wie „The Talisman“ und „Ivanhoe“ auf. Er vergisst auch nicht den auch in Deutschland stark wirksamen Film „Königreich der Himmel“. Riley-Smith möchte mit seinen neuen „Die Kreuzzüge“ eine breitere Öffentlichkeit mit den Vorstellungen der Forscher bekanntmachen, um einen realistischeren Blick auf die Kreuzzüge und ihre Wirkung auf unsere europäische Kultur zu eröffnen.

Theorie und Geburt der Kreuzzugsbewegung

Nach dieser Einführungen in die verschiedenen Interpretationsversuche der Geschichtswissenschaft geht es im 1. und 2. Abschnitt des Werkes um die theologischen Grundlagen und Bezüge der Kreuzzüge (von S. 47 bis 86). Das Entstehen der Kreuzzugsbewegung aus der Theologie wird in historischen Werken zwar immer auch angerissen, aber so ausführlich und anschaulich habe ich es selten abgehandelt gelesen. Vieles habe ich erst jetzt verstanden und die entsprechenden Kapitel lohnen sich, sie ein weiteres Mal zu lesen. Hier drängt sich der Kirchenhistoriker positiv in den Vordergrund. Die theologischen Hintergründe der Kreuzzüge sind in ihren Aspekten als Heilige Kriege und als Bußwallfahrten untersucht und erklärt. An dieser Stelle kommen auch die „Grauen Kästen“ (erklärende Exkurse) das erste Mal ins Spiel. Denn auch jemand mit christlichen oder gar katholischen Hintergrund sind die Begrifflichkeiten Buße und Ablass unter Berücksichtigung der Denkweise im 11. Jahrhundert nicht gänzlich geläufig, für einen völligen Laien sind diese Erklärungen absolut notwendig, um einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Es begann am 27. November 1095

Jonathan Riley-Smith setzt den Beginn der Kreuzzugsbewegung konsequent (und macht dies auch in seiner Zeitleiste klar) in das Jahr 1095. Er kehrt zurück zum Bittgang der Byzantiner auf dem Konzil Piacenza ausgelöst durch den Vormarsch der türkischen Seldschuken und deren Sieg 1071 in der Schlacht von Manzikert. Am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont erging nach einer längeren Predigtreise von Papst Urban II. der groß inszenierte Aufruf zum Kreuzzug. Sogenannten „Kreuzzugsvorgängern“ erteilt der Autor eine Absage und weiß dies auch theologisch und sachlich gut zu begründen. Predigten z.B. zur Befreiung Spaniens vom Islam hatte es bereits vorher gegeben. Sie hatten aber nicht die theologische Konsequenz und Wirkung wie das, was Urban II. in Clermont auf den Tisch brachte. Der Waffendienst als Buße war etwas, was Riley-Smith nicht in den Abwehrkampf gegen die Mauren verortet, sondern seine Wurzeln im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst hatte. Die Sündhaftigkeit der Welt und die eigene Sündhaftigkeit war vor Gott nur mit einem außerordentlichen Bußgang zu tilgen. Mit dem Kreuzzug und der Hinwendung auf (imaginär göttliches) Jerusalem hatte das Papsttum einen Ausweg geschaffen. Eine Idee, die länger im Bewusstsein blieb, als wir es bisher annahmen. Ein Abebben der Kreuzzugsideen und -Bewegung bereits im Hochmittelalter erteilt der Autor eine klare Absage. Bislang galten die „Kreuzzüge im Innern“ als Pervertierung der Kreuzzugsidee. Auch hier stellt Riley-Smith klar, dass diese Einsätze von Beginn an bereits in der Kreuzzugstheologie fest inbegriffen waren. Nach dem Motto: Einheit im Innern, Zugriff auf Jerusalem und das Heilige Land draußen. Die Kreuzzüge waren vordergründig auch keine Raubzüge. Der Autor stellt klar, dass Herrscher und Kirche des Abendlandes unerhörte Lasten durch Finanzierung, Organisation und Durchführung von Kreuzzügen zu stemmen hatten. Einzelne Teilnehmer verschuldeten sich in unglaublicher Weise. Der Gewinn durch Raub und Handel finanzierte die Verteidigung des Heiligen Landes oder blieb in den Händen italienischer Stadtrepubliken. Dennoch blieb der Kreuzzugsgedanken in vielen Familien über Generationen erhalten. Wäre es um Bereicherung durch Raub gegangen, dann waren Kreuzzüge eher der falsche Weg.

Pilgerfahrten der büßenden Krieger

Tempelritter heute
Tempelritter heute, Quelle: Odo von Crain

Ab dem 3. Kapitel ist das Buch eine Schilderung der Ereignisgeschichte der Kreuzzüge wie bereits 100x (gefühlt) an anderer Stelle gelesen. Allerdings mit einem großen Unterschied: Es ist glasklar aus der Perspektive des Papsttums geschrieben (was bei einem Kirchenhistoriker keine Verwunderung hervorruft!). Die eher sprunghaft geschriebene Ereignisgeschichte ist immer klar und verständlich, wenn es bei der Linie von Exkursen, Erläuterungen und Abschweifungen bleibt. Eine Zeitleiste im Anhang kann selbst bei leichter Verwirrung auf den Ereignispfad zurückführen. Das Buch wird schlecht, wenn Riley-Smith versucht, zu viele Informationen und Daten in kurze Textabschnitte zu verarbeiten. In diesem Fall hetzt der Leser mit durch die Datenfülle und das Gefühl schwingt mit, dass auch dem Autor die betreffenden Abschnitte nicht richtig Spaß gemacht hatte, sie aber der Vollständigkeit halber enthalten sein mussten.

Frauen in den Kreuzzügen

Ein wichtiges Anliegen von Riley-Smith ist die Rolle der Frau in den Kreuzzügen. Ausgehend von Mathilde von Tuszien als Mentorin der „Denkfabrik“ des Investiturstreits über Elenore von Aquitanien bis zu Alix von Blois, die ihre eigenen Truppenkontingente kommandierte. Auch der Frauenorden der Johanniter spielte eine große Rolle in der Kreuzzugsbewegung.
Die Schlacht von Hattin und der Verlust von Jerusalem wird von Riley-Smith in einen genaueren geschichtlichen Zusammenhang gestellt. Denn hier war die Kreuzzugsbewegung nicht an ihr Ende gekommen, sondern „Die Kreuzzugsbewegung wird erwachsen“, wie der Autor sein 7. Kapitel überschreibt, um dort auf den 3. Kreuzzug und die treibenden Kräfte danach einzugehen, z. B. Papst Innozenz III. , der wie keine anderer theologisch und politisch die Kreuzzugsbewegung prägte. Er geht auch auf Familientraditionen (in Frankreich) ein, die den Kreuzzug zu einer quasi weltlichen Familiensache machten: Urgroßvater war beim ersten Kreuzzug dabei, Großvater beim zweiten, Vater mit dem Sohn auf den dritten Kreuzzug, Sohn war Teilnehmer beim vierten Kreuzzug. „Die vor 1187 entstandenen Familientraditionen machten das Kreuzfahrertum zudem zu einem Bestandteil so weltlicher Angelegenheit wie der Abstammung, des Aussehens und der häuslichen Sitten.“ (S.215)
Die Kreuzzüge verloren ihre Jerusalem-Fixiertheit und verlagerten sich mehr und mehr in andere Richtungen: Ketzerkreuzzüge, Politische Kreuzzüge, ständige Kreuzzüge ins Baltikum. Erst der französische König Ludwig IX., der Heilige, brachte der Kreuzugsbewegung mit Truppen, Geld und weiteren Kreuzzügen neuen Schwung. Doch all diese Anstrengungen blieben vergebens. Das Heilige Land ging verloren. Es war abzusehen gewesen. Warum es dennoch nach 1272 keinen weiteren Unterstützungskreuzzug mehr gegeben hat, erklärt der Autor auf Seite 308. Der komplexe Kontext ist ihm leider bei der vielen Ereignisgeschichte etwas zu knapp ausgefallen.

Auf zum Pauschalkreuzzug!

Der Rest ist Epilog könnte man denken. Aber mit dem Verlust des Heiligen Landes kam die Kreuzzugsbewegung weder theologisch noch praktisch zu einem Ende. Konsequent ist Riley-Smiths 10. Kapitel deswegen mit „Die Vielfalt der Kreuzugsidee (ca. 1291 – 1523)“ überschrieben. Während die Templer untergingen, gelang es den anderen Ritterorden, ihr Aufgabenfeld zu verlagern. Erheitert nimmt man zur Kenntnis, dass die vom Deutschen Orden „angebotenen“ Preußenreisen zu einer Art Pauschalkreuzzügen wurden.
Die spanischen Verhältnisse, Kreuzzüge in der Reconquista, hält er kurz und knapp, ist sich wohl selbst bewusst, dass er hier nicht auf den neuesten Forschungsstand ist. Aufgeräumt wird von ihm auf jeden Fall die alte Mär, dass die Pyrenäenfeldzüge französischer und catalanischer Adliger trotz Segen des Papstes als eine Art Ouvertüre zu den Kreuzzügen zu betrachten sind. Catalanische und nordspanische Christen schlossen sich demzufolge auch dem ersten Kreuzzug an, da sie zwischen dem sarazenischen Feind, der das Heilige Land besetzt hielt, und dem maurischen Nachbarn, bei dem man rauben ging und der einen beraubte, zu dem man aber auch oft freundschaftliche Beziehung pflegte (sogar verwandtschaftliche) ganz klar unterschieden.

Der Papst glaubt nicht mehr dran (ab 1344)

Mehr und mehr verlagerte sich der Kreuzzugskampf auf das Meer. Kreuzzüge werden von Kreuzzugsligen abgelöst. Riley-Smith stellt fest, das der Heilige Stuhl ab 1344 nicht mehr mit einer Rückeroberung von Palästina-Syrien rechnete. Denn auch viele Seesiege über die Türken halten die osmanischen Sultane auf dem Land nicht auf. Nordafrika und der Balkan werden unterworfen, die Türken stehen am Ende vor Wien. Die Christen haben mehr mit sich selbst zu tun: 1378 – 1417 führte das große abendländische Schisma, d.h. mehrere Päpste existierten gleichzeitig, zu vermehrten internen Kreuzzüge. Es folgten 1420 – 1431 fünf Hussitenkreuzzüge, dies „waren beinahe die sinnlosesten Kriege der ganzen Kreuzzugsbewegung.“ Die Eroberung von Konstantinopel 1453, der Hauptstadt der griechischen Christenheit, durch die Osmanen führte zu einem Beleben der Kreuzugsidee und es folgen „Renaissancekreuzzüge“, ebenso wie „Armenkreuzzüge“ auf dem Balkan gegen die Türken und „ungläubige Adlige“. Wahrscheinlich war die Eroberung des maurischen Granada 1482 – 1492 durch die vereinigten Heere der katholischen Könige Isabela und Ferdinand das letzte große Ergebnis der Päpste. Das dieser fanatische „Kreuzzug“, in dessen Verlauf Isabela sich angeblich nicht die Unterröcke gewaschen hatte bis Granada fiel, vorbereitet wurde durch die Vertreibung der sephardischen Juden, eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung, verschweigt uns Riley-Smith, denn er muss weiter durch die Geschichte hetzen: Die Kreuzzüge Karls V., bzw. Karls I., dem Enkel von Isabela, die Kreuzzüge Philipps II. und seine Sieg gegen die Türken bei Lepanto (seine Vertreibung der spanischen Mauren verschweigt uns der Autor wieder), auch Philipps gescheiterter Angriff der Armada gegen Spanien war ein päpstlich unterstützter Kreuzzug.

Portugals Adel verloren in der Wüste

Besonders der Kreuzzug des portugiesischen Königs Sebastian, der 1578 versuchte mit seinem Heer durch Nordafrika bis Palästina zu marschieren, wird in der Geschichte als eine Tat eines religiösen Fanatikers, ja Verrückten, charakterisiert. Es war der „letzte Kreuzzug alter Machart“. Nach Riley-Smith entstammte diese Idee von der spanischen Kirche und den Päpsten lange gehegte Plänen, den Islam aus Nordafrika zu verdrängen und danach Palästina zurückzuerobern. Demzufolge begleiteten päpstliche Legaten den Kreuzzug. Sein Scheitern wird symbolisch für den „langsamen Tod der Kreuzugsbewegung 1553 -1892“. Fast jeder waffenfähige Mann des portugiesischen Adels wird in der marrokanischen Wüste abgeschlachtet. Wieder verschweigt uns Riley-Smith die Folgen: Portugal wird im Anschluss von Spanien annektiert, eine Wunde, die bis heute nicht ganz geschlossen ist, kein Papst ruft Philipp II. zur Ordnung.
Warum das Thema bis zum bitteren Ende ausgelutscht werden muss und krampfhaft noch ein Beispiel für die Kreuzzugsbewegung Ende des 19. Jhd. gefunden werden muss, versteht vielleicht nur der Autor. Bereits im Imperialismus gab es mehr Kreuzfahrerrhetorik als wirkliche Kreuzzugsmotivation. Erst im 20. Jahrhundert ist das Thema Kreuzzüge in Europa nach Riley-Smiths Meinung vollkommen vergessen. Es würde keiner von uns mehr „das Kreuz nehmen“, oder? Aber die Leute wallfahren wieder in Massen nach Compostela, Rom, Jerusalem und „Werweißgottwohin“. Ich habe auch nicht geglaubt, dass nationales Gedankengut wieder so salonfähig wird.

Warum nicht wieder einen Kreuzzug?

Ich denke, es ist Riley-Smith gelungen, dem Leser trotz einiger Schwächen im Buch einen aktuellen Gesamtüberblick über die derzeitige Kreuzzugsforschung zu geben. 11 Karten zu Beginn und ein Anhang mit kommentierter Bibliographie, Zeittafel, Abkürzungsregister und Namens- und Ortsregister runden den Band ab. Genaue wissenschaftliche Quellenangaben sind nicht vorhanden. Am Ende noch ein Lob für die Übersetzer und das Lektorat. Hier ist sehr sorgsam übertragen und lektoriert worden. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.

TK

In Zusammenarbeit mit dem Hallespektrum
Riley-Smith, Jonathan: Die Kreuzzüge
Übersetzung: Gabel, Tobias; Möhring, Hannes
Originaltitel: The Crusades
Verlag: Zabern (2016)
Gebunden, 484 S., 7 SW-Abb., 11 Ktn.
ISBN-10: 3-8053-4959-9
49,95 €
im Original zuerst erschienen bei Bloomsbury Academic 2014

Die Capella Antiqua Bambergensis am 17. September 2016 in Quedlinburg

Capella
Capella Antiqua Bambergensis, Foto mit freundlicher Genehmigung

Zusammen mit dem Sprecher Udo Schenk und den beiden Solisten Murat Coskun (Percussion) und Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe) tritt am 17. September 2016 um 18 Uhr in der Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg die Capella Antiqua Bambergensis auf, inzwischen fast schon eine Legende im Bereich der (ernsthaften) mittelalterlichen Musik.

Es geht um die Ottonen!

Sie waren die bedeutenden Kaiser und Könige im Frühmittelalter. Über 100 Jahre lang prägten sie die Geschichte Europas: die Ottonen. Von König Heinrich I. bis zu Kaiser Heinrich II. spannt sich ein faszinierender Bogen von Kunst- und Kulturgeschichte(n), von Krieg und Frieden, von Sagen und Legenden. So mächtig diese Herrscher waren, so wichtig und einflussreich waren die Frauen an ihrer Seite. Das Königspaar Heinrich und Mathilde erhob Quedlinburg zur Königspfalz und gründete das weltberühmte Frauenstift. Für das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde war Quedlinburg eine der wichtigsten Residenzen ihres Reiches. Heute gilt die UNESCO-Welterbe-Stadt
Quedlinburg als eine der schönsten mittelalterlichen Städte der Welt. Die Musikwelt der Kaiser und Könige des Mittelalters erklingt durch die mehr als 40 historischen Musikinstrumente der Capella Antiqua Bambergensis, Jule Bauers (Nykelharpa&Gesang) und Murat Coskuns (Percussion).

Udo Schenk schlüpft in die Rolle des Thietmar von Merseburg, Foto mit freundlicher Erlaubnis der Capella Antiqua Bambergensis
Udo Schenk, Foto mit freundlicher Erlaubnis der Capella Antiqua Bambergensis

In der Quedlinburger Stiftskirche St. Servatii lässt Udo Schenk als Sprecher die Zeitgeschichte zwischen Heinrich und Heinrich lebendig werden. Der Schauspieler und Synchronsprecher Udo Schenk verleiht nicht nur Hollywoodgrößen wie Gary Oldman und Ray Liotta seine markante Stimme, er spielt auch als „Dr. Rolf Kaminski“ eine der Hauptrollen in der erfolgreichen TV-Serie „In aller Freundschaft“.

größtmögliche Authentizität der Instrumente

Die Capella Antiqua Bambergensis lässt auf ihren Konzerten über 40 mittelalterliche Instrumente erklingen – Sackpfeifen, Platerspiele, Drehleiern, Chalumeaux, Organetto,
Cornetto Muto, Flöten verschiedenster Größe, Schlüsselfiedel und Schlagwerk. Dabei wird
auf größtmögliche Authentizität der Instrumente Wert gelegt, die zu einem guten Teil aus
der Werkstatt des Capella-Mitglieds und Instrumentenbaumeisters Andreas Spindler
stammen.
Murat Coskun (Percussionist bei Giora Feidmann und dem Ensemble FisFüz) ist ein europaweit gefragter Percussionist, der seine musikalische Inspiration aus seiner eigenen
Tradition, der türkisch-orientalischen Musik, schöpft. Gleichzeitig nutzt er alle Elemente der alten und neuen Musik des Okzidents und verbindet sie mit Rhythmen und Melodien der traditionellen arabischen Musik.
Jule Bauer ( Musikerin der Band Triskilian) ist eine Virtuosin auf der Schlüsselfiedel-Nykelharfe und verzaubert das Publikum mit ihrer ausdrucksvollen Stimme. Sie lässt die andalusischen Cantigas ebenso virtuos erklingen, wie arabische Weisen aus dem Morgenland.
Informationen und Karten unter:
Domschatz Quedlinburg,
Schlossberg 1g,
06484 Quedlinburg
Telefon +49 (3946) 709900,
quedlinburg@die-domschaetze.de
www.die-domschaetze.de

Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Hallespektrum.

Wikinger, El Argar und Minnegesang

So sehen Wikinger aus?
So sehen Wikinger aus?

Die Woche brachte in den Medien schreckliches und sehr erfreuliches. Zeit online mußte uns mit der Navigation der Wikinger beglücken und dazu ein Bild von einem Karnevalisten von den Shetlands posten. Ob das einer wissenschaftlich fundierten Geschichtsvermittlung dient? So etwas Schlechtes hätte ich von der “Zeit” nicht vermutet, aber es gab auch ein gutes Beispiel: Über die bei uns fast unbekannte bronzezeitliche El-Argar-Kultur (vor einigen Jahren hatte Prof. Rische aus Barcelona in Halle einen Vortrag darüber gehalten) hat der Wissenschaftsresortleiter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Ulf von Rauchhaupt, zwei Artikel veröffentlicht, die einen ersten Einblick in die faszinierende und auch erschreckende Welt von El Argar geben: Der erste Staat des Westens und Macht ohne Schnörkel . Unbedingt lesen!

Auf der Turmhügelburg Lütjenburg ist auch wieder etwas los: Ab dem 22. August sind wieder Ottonen auf der Burg, aber vorher gibt es noch Minnegesang (bis wir da sind, hat sich der Regen dann hoffentlich verzogen):

“Wach auf mîn hort”
Minnesang und Geschichten aus alter Zeit

Auf eine Reise über 500 Jahre zurück in die Vergangenheit begeben sich die Minnesänger Holger Schäfer und Ralf Popken am 06. August 2016 um 19:30 Uhr und mit hoffentlich vielen Zuhörern in der Lütjenburger Turmhügelburg.
Holger Schäfer war bereits Minnesänger des Jahres in 2008 und 2012, im Mai 2014 erhielt er beim großen Falkensteiner Minne-Turnier den ersten Preis. Der sympathische Sänger zählt zu den ganz Großen seines Fachs. Auf dem Programm des bekannten Sängers mit der Harfe stehen mittelhochdeutsche Lieder der großen Minnesänger wie Walther von der Vogelweide, Ulrich von Liechtenstein, Oswald von Wolkenstein sowie deren Übersetzungen.
Ralf Popken ist ebenfalls ein weithin bekannter Sänger, Instrumentalist und Chorleiter, und tritt bereits seit mehreren Jahren mit Holger Schäfer zusammen als Minnesänger auf. Viele bekannte Stücke, wie “Tristan und Isolde” oder “Parsival” haben sie schon gemeinsam ihren Zuhörern nahe gebracht.
Auf den Spuren des “letzten Minnesängers” Oswald von Wolkenstein begegnen uns Abenteuer, Legenden und unglaubliche Reisen. Ein Gang durch das Leben Oswalds, durch die Geschichte des Minnesangs wird dabei ebenso zu hören und erleben sein wie Geschichten und Legenden rund um die historischen Sänger und ihre Zeit. Harfen, Blockflöten, Dudelsack und allerlei andere Instrumente bringen die besondere Musik des Mittelalters zum Klingen.
Stimmungsvoll im Schein von Kerzen und Öllampen erwartet den Besucher in der festlich geschmückten Halle ein verzauberter höfischer Abend auf der Turmhügelburg.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und wegen der immer größer werdenden Nachfrage, hat der Verein für 2016 erneut beschlossen, Karten bereits im Vorverkauf anzubieten. Es empfiehlt sich, diesen auch zu nutzen, denn die Besucherzahl ist wegen der vorhandenen Räumlichkeiten begrenzt. Als Eintritt für diese Veranstaltung bittet der Turmhügelburg-Verein um ein Burgopfer von € 8,00 im Vorverkauf (Mitgliedern € 5,00), Restkarten an der Abendkasse € 10,00.

So schauen heute Minnesänger aus
So schauen heute Minnesänger aus

Vorverkauf:  In der Tourist-Information Lütjenburg und Hohwacht gegen sofortige Bezahlung. Im Internet bestellen unter der e-mail “buchung@turmhuegelburg.de”. Sie werden dann mit einer Antwortmail informiert, ob noch Karten vorhanden sind und aufgefordert, den Betrag auf ein Konto zu überweisen, Nach Eingang des Geldes werden die Karten für Sie reserviert und liegen an der Abendkasse bereit.
Für Interessenten ohne Internet-Zugang: Unter der Telefonnummer 04381 – 3315 anmelden. Dort gibt es weitere Hinweise. Ohne vorherige Bezahlung werden keine Karten zurückgelegt.
Sollten alle Karten bereits im Vorverkauf vergeben sein, werden wir dies über Presse und Internet veröffentlichen, damit niemand umsonst anreisen muss. Für Getränke während der Veranstaltung ist gesorgt. Freie Parkplätze stehen auf den ausgeschilderten Parkflächen im Bunendorp in genügender Anzahl zur Verfügung. Die Turmhügelburg freut sich auf viele Besucher!

Euer Isí

Auf der Ostsee mit einer Hansekogge

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Mein “Foto des Jahres” : Sommerregen auf einer Hansekogge

Wem das Meer fehlt (so wir mir), der hat heute Gelegenheit in unserem gar nicht so sommerlichen Beitrag etwas Meerluft zu schnuppern: Mitglieder der “Lebendigen Geschichte” waren auf einer Tour mit einer Hansekogge. Und das natürlich in spätmittelalterlich-hanseatischer Ausstattung. Das Wetter war durchwachsen, es hat auch ab und an mal geregnet und zum Glück war genug Wind, so dass wir zumindest raus auf die Kieler Bucht segeln konnten. Selbst als es dann aber anfing zu regnen und alle unter Deck verschwanden, blieben nur die Crew und unsere Mitsegler dank ihrer wetterfesten Mittelalterklamotte auf Deck. Denn so ein büschen Regen kann unsere Hanseaten nicht erschüttern. Wir würden uns freuen, wenn wir in der “Ottonenzeit” auf diese Weise bald noch mehr Meerluft schnuppern könnten. Wir werden sehen und lassen uns überraschen.

An Deck trotz Regen
An Deck trotz Regen
Noch eine Kogge: Die „Ubena von Bremen“
Noch eine Kogge: Die „Ubena von Bremen“

Lis / Isí

Büchersommer

Sommerbücher
Sommerbücher

Während die alle anderen unterwegs sind, z.B. im Geschichtspark Bärnau-Tachov oder auf der Turmhügelburg Lütjenburg (mache auch auf Hansekoggen, dazu bald mehr), beschäftige ich mich momentan nur theoretisch mit Geschichte. Und für unsere Eremitage in Thüringen liegen schon einige Bücher zum Lesen bereit: Gespannt bin ich auf “Die mittelalterlichen Stadtbefestigungen” und auf “Die Kreuzzüge”. Zu den Kreuzzügen ist wieder einmal “Das Standartwerk” herausgekommen, ich bin schon sehr gespannt.

Eure Geschichtsleseratte Isidorus

Purpurpergamente und ihr kleines Geheimnis

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Abbildungsquelle: Veranstaltungseinladung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Über diese Einladung habe ich mich besonders gefreut: Am Mittwoch, 15. Juni 2016, hielt Frau Dr. phil Doris Oltrogge von der Fachhochschule Köln einen Vortrag mit dem Titel “Zinnober, Krapp und Flechtenpurpur”. Es ging in aller Kürze (und Würze) um Farbmittel und Maltechniken der spätantiken Buchmalerei u. a. der Vergilius Vaticanus und der Vergilius Romanus, aber auch die Quedlinburger Itala und des Codex Argenteus (Wulfila-Bibel) kamen vor. Zunächst gab Dr. Oltrogge eine kurze Einführung in die verschiedenen Farbmitteln und Schreibtinten der Spätantike und des Mittelalters: Vom Flechtenpurpur über Krapp, Hollunderbeere, Ocker, Zinnober, Waid, Lapislazuli, Gold-, Silber-  und Eisengallustinte u.a. wurde das ganze Spektrum abgehandelt. Pergament als Beschreibstoff wurde vorausgesetzt. Es wurde auch auf einige Farbmittel und ihre Verwendung in den oben genannten Codices ausführlich eingangen. Zinnober war z.B. eins der teuersten Farbmittel, weil es bis heute ausschließlich in Zentralspanien gewonnen wird. Wer wie ich naiv davon ausgegangen war, dass die Purpurpergamente tatsächlich mit Schneckenpurpur (mehreren Sorten Meeresschnecken der Levante genauer gesagt) gefärbt worden sind, den belehrte Frau Dr. Oltrogge eines Besseren: So erhielten einige dieser Pergamente ihre Purpurdurchfärbung nicht durch den teuren Meeresschneckenpurpur sondern durch Purpur aus u.a. der Rocella tinctoria, das ist Flechtenpurpur. Die für uns Ottonen bedeutsame Pergamentrolle “Hochzeitsurkunde der Theophanu” erhielt ihre Färbung durch Krapp und ist somit im Grunde auch kein Purpurpergament. Dieses Farbmittel,  aus der Wurzel der Krapppflanze erwonnen, war in der Antike ein beliebtes Schminkmittel. In der mittelalterliches Buchmalerei verschwand die rote Krappfarbe aus der Farbpalette, blieb aber in der Färberei bedeutsam erhalten, wie wir wissen.

Purpurschnecke, Foto: Privat Dr. Wunderlich
Purpurschnecke, Foto: Privat Dr. Wunderlich

Frau Dr. Oltrogge referierte weiter über Silbertuschen und auf Nachfrage auf Bindemittel der Farben. Hinsichtlich der Farbgestaltung der spätantiken Buchmalerei gelang ihr eine gute Einführung. Da war vieles bereits bekannt, aber hinsichtlich der Purpurpergamente für mich einiges Neues. Die Purpurpergamente haben also ein kleines Geheimnis und sind gar nicht so “purpur”, wie wir dachten.

Euer Isidorus

Reise ins slawische Mittelalter

Mit slawischen Charme präsentiert sich der Freilichtteil des Heimatmuseums
Mit slawischen Charme präsentiert sich der Freilichtteil des Heimatmuseums

Wieder einmal ein kleiner Veranstaltungsrückblick, diesmal geht es um Stary Lud : 11. Fest des slawischen Mittelalters in Dissen, Landkreis Spree-Neiße. Schon im vorherigen Jahr gab es einen kleinen Bericht.  “Ein ganz besonderes Mittelalterfest”, hat es die Lausitzer Rundschau dieses Jahr genannt und dem können wir uns anschließen. “Bunt, weltoffen und vielsprachig”, hat es die Frau an meiner Seite bei Twitter gepostet. Ich möchte ergänzen: Es ist so unerwartet ruhig und friedlich.

Wie eine Reise in eine Zeit vor 1000 Jahren

Hinter dem Haus des Heimatmuseums und der Kirche gibt es einen kleinen Platz für Gastronomie und eine Bühne für Darbietungen. Danach tritt der Besucher ein in ein kleines frühmittelalterliches Slawendorf mit Bohlenweg und 5 Grubenhäusern.  Und weil heuer ein Fest ist, stehen Zelte dazwischen und Handwerker gehen spannenden Tätigkeiten nach, wie man sie kaum noch so sieht: Ein Glasperlenmacher, ein Schmied, ein Truhenmacher und dergleichen mehr. Auch nach dem Dorf bis auf die nächste Wiese erstrecken sich Lager und Menschen, die vor 1000 Jahren gelebt haben mögen. Weitere Handwerker aus allen Herren Ländern sind dabei, slawische Krieger aus den Fürstenhöfen des Ostens und Normanen aus dem Westen. Sogar ein jüdischer Händler aus Córdoba und Barcelona hat unbekannte Gewürze und Medikamente aus Andalusien mitgebracht. Es ist alles anders, man begibt sich auf die Reise in eine Zeit vor 1000 Jahren!

Was ist anders als auf einem Mittelaltermarkt ?

Lebendige Museumswelten
Lebendige Museumswelten

Warum muss ich es eigentlich noch erklären? Wenn ein Museum und sei es nur ein kleines Heimatmuseum zwischen Spreewald und Cottbus es schafft, etwa 120 handverlesene Geschichtsdarsteller zusammen zu bekommen, unterscheidet es sich schon dadurch von einem kommerziellen Mittelaltermarkt in der Qualität und der Art der Vermittlung. Wie erklärte es der slawische Kollege so schön bei den Kampfvorführungen: “Wir müssen am Mo. alle wieder vor unserem Chef stehen.” Aber nicht nur der Enthusiasmus und das Engagement macht dieses Fest so besonders. Da sich die meisten der Darsteller bereits sein Jahren und Jahrzehnten mit der Materie beschäftigen, ist hier eine Qualität der Handwerker, Kämpfer und Rekonstrukteure erreicht, dass sich jedes mit Frühmittelalter beschäftigte Museum die Finger lecken könnte. Und der Zulauf der Besucher seit über 10 Jahren zeigt uns auch, das dieses Konzept angenommen wird. Denn nicht nur Engagement, an vordester Linie unsere Gastgeber Babette Zenker, Museumsleiterin, und Kornelius Kusch, Orga., Qualität und Authentizität der Geschichtsdarstellung sind besonders, sondern auch das Publikum, das sehr wißbegierig, kommunikativ und freundlich ist. Die beste Gewürz- und Medikamenteerklärerin jenseits von Al Andalus mußte sich dieses Mal nur deswegen nicht heiser erklären, weil unser Gewürzteppich etwas versteckt hinter dem Lager der Normannen lag. Vielleicht ist das Interesse einfach heimatbezogener, historischer und nicht so klischeebelastet, wenn es um Slawen und Umfeld geht, statt bei den wesentlich mehr bekannten Leitkulturen Wikinger und Ritter. Deswegen mußte dieNiederlausitz aktuell wenigstens einmal Wikinger hineinbringen, obwohl diese nur wenige Handwerker stellten und die slawischen Schläfenringe bei den Damen überwogen.

Ohne Kampf kein Fest

Aber auch die Darstellung des slawischen Mittelalters in Dissen kommt nicht ohne Abstriche an den Publikumsgeschmack aus. Und will es womöglich auch gar nicht. Wenn Mittelalter, dann müssen auch Schilde, Lanzen, Schwerter her (für Bögen und Schleudern ist das Gelände zu

Kampfvorführungen am Rande der Grubenhäuser
Kampfvorführungen am Rande der Grubenhäuser

klein!). Die Geschichte der Slawen im Gebiet zwischen Saale, Elbe, Oder und Neiße war auch eine Geschichte des Kampfes, des Widerstandes und des Untergangs. Das könnte bis heute erzählt werden. Dieses Jahr hatten wir zwei Kampfgruppen von insgesamt 12 Kämpfern, die ausgesprochen gut miteinander harmonierten und sich sehr gute (freie) Kämpfe lieferten. Ich bin in der Hinsicht schon etwas abgestumpft, aber das war ausgesprochen spannend, Jungs. Das 2. Pennon des franko-flämischen Contingents, das an den Kämpfen beteiligt war, wird sich dieses Jahr in Hastings gut machen. Und wehe, ihr gewinnt nicht! Stichwort: Schleuderblei! Der Abstrich an den Geschmack meint, dass eigentlich keine Mittelalterveranstaltung, die Kleine und Große einen populären Eindruck vermitteln möchte, ohne Gewalt auskommt. Film und Fernsehen ziehen daraus oft den Schluss Mittelalter = Gewalt. Aber diese ist falsch. Und betrachtet man den heutigen täglichen Horror, ist rasch klar, welche Zeit mehr Gewalt, Tod und Unrecht zu bieten hat. Heute hätte keine Minderheit wie die Spree-Neiße-Sl

Am 2. Oktober sind wieder die Krieger geladen
Am 2. Oktober sind wieder die Krieger geladen

awen gegen einen übermächtigen Gegner überleben können. Wie lange aber das Sorbische in Dissen überleben konnte, daran erinnert heute das Heimatmuseum und hier eine kleine Einführung.  Die Veranstalter werden übrigens im Herbst noch eine Extra-Kampfveranstaltung einschieben. Unter dem Titel “Es riecht nach Streit : Krieger beim alten Volk” werden am 2. Oktober noch einmal Kämpfer und andere Darsteller in Dissen auflaufen.

Falls Museen gute Geschichtsdarsteller wollen, müssen sie sie wie Gäste und gute Freunde behandeln, darin ist das Heimatmuseum Dissen mit Stary Lud vorbildlich. Es machte Spaß, hier den ganzen Tag in Sachen “Geschichte” zu arbeiten. Deswegen möchte ich diesen kleinen Bericht mit einen herzlichen Dank für

Gewürze und Medikamente aus Córdoba
Gewürze und Medikamente aus Córdoba

die freundliche Aufnahme und Versorgung während des Festes enden lassen. Wie die anderen kommen wir gerne wieder, ganz sicher …

Euer Isidorus

 

 

 

In einer alten Synagoge

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“Ich habe noch einen Schlüssel in Barcelona”

So ein bißchen habe ich es immer für eine sephardische Legende gehalten: Es sollen die Familien nach der Vertreibung aus Spanien (1492) die Schlüssel ihrer Häuser behalten und sie über Generationen als Memoria weitergegeben haben. Jetzt habe ich im Museum acb (Call Association of Barcelona) diesen Schlüssel entdeckt (Bild links). Es ist zwar nicht der Schlüssel einer sephardischen Familie, sondern einfach ein alter Schlüssel, den man als Ausstellungsstück genommen hat, aber erzählt wird genau diese Geschichte. Neben Hörensagen habe ich davon im Buch “Sefarad” von Antonio Muñoz Molina gelesen, das hat mich stark beeindruckt. Dies sind offenbar keine Einzelbeispiele, und nicht nur von Toledo und Barcelona wird über die “Schlüsselgeschichte” berichtet, sondern es genügt eine oberflächliche Internetrecherche um weitere Beispiele aufzufinden: So blieb auch der Schlüssel der letzten Synagoge von Zamora in León in den Händen der sephardischen Familie Casim, die 1492 über den Hafen Barcelona die spanischen Königreiche in Richtung Syrien verließ. Die ganze Geschichte erzählt der mexikanische Wissenschaftler Carlos Zarur einer Zeitung in Zamora, hier nachzulesen … Wer des Spanischen nicht mächtig ist, dem kann ich noch zusätzlich zum Eingangssatz berichten, dass der Schlüssel zwar ein Familienerbstück der Casims ist, der ganz aus Sepharad (Spanien) stammt, aber von dem nicht ganz sicher ist, ob es sich um einen Hausschlüssel oder eben um den Schlüssel einer vergessenen Synagoge handelt. Der Historiker Jesús Jambrina stellte die Hypothese auf, dass dieses Familienerbstück zur Synagoge von Zamora gehörig sein könnte. Aber das muß nicht so sein.

Kehren wir nach Barcelona zurück. Zum Aufstieg Barcelonas vom Grafensitz bis zur großen Handelsstadt und Hauptstadt von Aragón-Catalunya trug auch die jüdische Bevölkerung der Stadt

Die alte Synagoge im Call nach der Renovierung
Die alte Synagoge im Call nach der Renovierung

maßgeblich mit bei. Während aber in Kastilien die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung erst 1492 mit der Vertreibung ihren großen Höhepunkt erreichte, war in Barcelona bereits mit dem Progrom 1391 Schluss. Obwohl Juden und Christen so lange Zeit friedlich zusammengelebt hatten,  wurde der alte und der neue Call, die Judenviertel von Barcelona, angegriffen und 300 Einwohner kamen zu Tode. Die übrigen mußten zum Christentum übertreten oder falls es Ihnen noch möglich gewesen war, fliehen. Zwar lebten auch noch weiterhin Juden in der Stadt, aber in kaum noch nenneswerter Anzahl oder als Konvertiten. Die alten Synagoge im Call wurde seitdem nicht mehr benutzt. Seit 1996 bemühte sich die Call Association of Barcelona um die Renovierung der alten Synagoge im Viertel und inzwischen wird diese auch wieder als Gotteshaus benutzt. Besonders berührt hat mich die Hochzeit eines canadischen Paares, die erste seit mehr als 600 Jahren, hier nachzulesen … Dazu muß man wissen, dass der Hass von Franco auf Mitglieder der jüdischen Religion fast genauso groß war wie der seines großen Vorbildes Franco. So war es erst nach der Diktatur möglich, dass wieder etwas jüdisches Leben in das Call eingezogen ist. In einer Zeit, in der immer mehr Hass auf andere Religion zu einer Art Modedroge wird, ist dies für mich ein starkes Hoffnungsszeichen. Neben der acb, kümmert sich übrigens auch eine Nebenstelle des Städtischen Museums um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte im Call. Zudem kann man auf einem mit Hinweistafeln ausgestatteten Rundgang durch die jüdischen Viertel spazieren. Am Ende noch ein engl.-sprachiges Video zur Geschichte des Juden in Barcelona.

Euer Isidorus

Der 10. Heerbann in Berlin-Brandenburg

Heerbann 2008 mit viel Sonne
Heerbann 2008 mit viel Sonne

Seit 10. Jahren besteht der Heerbann als interne Großveranstaltung im Raum Berlin-Brandenburg. Gegründet wurde er, um die Berliner Mittelaltergruppen wieder näher zusammen zu führen. Seit 2008 sind die Ottonen dort als Teilnehmer mit dabei. Möchte ich ein Fazit ziehen, so brauchte ich nur am Wochenende in das Gesicht von Odo von Craien zu schauen: So locker und gelöst habe ich ihn während des Heerbanns selten erlebt. Er schaute erleichtert und zufrieden auf zehn Jahre zurück.

War der 10. Heerbann groß oder klein? Ich hatte das Gefühl, der Heerbann wäre im Vergleich zu den vorherigen etwas geschrumpft, und die Zahlen von Odo bestätigen das auch: Wir waren 540 Teilnehmer in diesem Jahr. Ich kann mich noch an 707 Teilnehmer erinnern. Aber nicht auf die Größe kommt es schließlich an.

Odo organisiert seit 10. Jahren den Heerbann
Odo organisiert seit 10. Jahren den Heerbann

Ganz bestimmt nicht! Die Qualität der Darsteller nimmt jedes Jahr zu, dabei ist es ein Kämpfertreffen (fast). Bei dieser merklichen Steigerung der Darstellung kann auf etwas Quantität ruhig verzichtet werden. Workshops gab es, einen kleinen internen Markt (der immer noch größer war als Vergleichbares auf “Mittelaltermärkten”) und natürlich die Kämpfe und Schlachten. Jedes Jahr wundere ich mich, dass die Jungs (und Mädels) heil wieder kommen. Und Odo atmet wahrscheinlich am Ende auf.  Das viele Kämpfer zu sehen sind wie sonst vielleicht nur bei den ganz gr0ßen Reenactmentschlachten (Hastings, Waterloo, etc.), leider zeitengemischt,  daran gewöhnt man sich irgendwie im Laufe der Jahre, aber das lebendige Zelt-(Heer-)lager ist jedes Jahr immer wieder imponierend. Natürlich spielt auch das Wetter eine Rolle wie gut die Stimmung ist. Das war f

Die Ottonen mitten im Zeltlager

rüher so und ist auch heute nicht anders. 2008 war, wie oben auf dem Foto zu sehen ist, von sommerlicher Wärme geprägt. 2016 im Jubiläum kam oft die Sonne heraus, aber wir befanden uns mitten in der Schafskälte, immerhin blieb es überwiegend trocken und das ist die Hauptsache. Odo drückte es so aus:  Das Bier war dieses Jahr gut gekühlt.

Was wäre das Fest ohne ein Bankett? Dazu bringen alle ihre Bänke und Tische auf den “Hauptplatz” mitten im Lager. Wikinger, Ottonen, Hochmittelalterliche, Germanen, Slawen, Spätmittelalterliche bunt gemischt waren plötzlich mit Möbel unterwegs! Innerhalb von Minuten entstand ein Freilichtbankett, von dem die Galier nur träumen konnten (da sie ja nie die “freundlichen” Legionäre aus der Nachbarschaft dazu eingeladen hatten). Schon am Morgen gab es Schnitttest an 5 Schweinen, die danach den ganzen Tag auf dem Feuer garten und nun serviert wurden. Danke an Rainer, den Schweinebräter. Das Bier mußte noch verteidigt werden, dann durfte Odo eine Rede halten. Besonders war Hagen zu danken, der uns die

Ottonischer Möbeltransport zum Bankett
Ottonischer Möbeltransport zum Bankett

Wiesen zur Verfügung stellte. Plötzlich stand eine Molle gefüllt mit leckeren Grillschwein auf unserem Tisch und wem dies nicht genug war, der konnte von Tisch zu Tisch gehen und sich an vielen Essen aus allen Ländern und allen (mittelalterlichen) Zeiten eindecken. Unsere mit Pfeffer gewürzten Käsebällchen (Ottonenbällchen) bekamen den Status “legendär”. Danke für das Lob! Es lag nicht an der Musik, dass sich die Runde lichtete, sondern eher an der Kälte, viele strebten zu ihren Feuern.

Der Heerbann-Sonntag ist stets vom Mittelalter-Flohmarkt geprägt. Es wurde verkauft, was nicht mehr gebraucht wird. Auch das in der Schlacht nun verkleidete Kämpfer auftauchten z.B. als Weihnachtsmänner, hat bereits eine lange Tradition. “Verkleidete” verkleiden sich. Den besonderen Preis verdient der Kämpfer mit dem Bananenhörnerhelm.

Das Bankett mit Ottonenbällchen im Vordergrund
Das Bankett mit Ottonenbällchen im Vordergrund

Auch der 10. Heerbann mußte zu Ende gehen. Die meisten Teilnehmer konnten ihre Zelt trocken abbauen, wie ich hörte. Ein Termin für die 11. Heerbann (wahrscheinlich der 29-30.4.2017) ist schon festgelegt. Meine Vermutung, Odo würde es mit 10x genug sein lassen, hat sich also nicht bestätigt. Menschen, die es gut wissen müssen, bescheinigen ihm bei der Organisation eine Meisterleistung. Dem schließen wir uns gerne an. Fotos gibt es in Massen wieder beim Fotofloh.

Euer Isidorus

Fotos: 1. Isidorus 2.-5. Lis u. Hermann

Giftmischer in Halle

Foto: T. Kreutzfeldt
Foto: T. Kreutzfeldt

Zwischendurch eine wunderschöne Geschichte aus der Restaurationswerksstatt in Halle über den “Giftmischer von Wittenberg”. Damit ist nicht unser Ehrenmitglied Heinrich Wunderlich gemeint, sondern … ach, lest selbst, mit Video hier …

Auf jeden Fall eine tolle Geschichte über eine Alchemistenwerkstatt in unserer Gegend und man kann dem Spiegel nur danken, dass so etwas in diesem Magazin immer mal wieder möglich ist.

Euer Isidorus