Alchemie in Halle

Dr. Wunderlich, unser Ehrenmitglied im Lebendige Geschichte e.V. Für ihn lassen wir es schon mal krachen
Dr. Wunderlich, unser Ehrenmitglied im Lebendige Geschichte e.V., und bekannter Alchemist. Für ihn lassen wir es schon mal krachen

Wieder gab es eine Ausstellungseröffnung in Halle. Das Thema heißt „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“ Natürlich war ich bei der Ausstellungseröffnung dabei. Aber dieses Mal soll es keinen eigenen redaktionellen Beitrag von mir geben, sondern ich werde mit Erlaubnis des HalleSpektrums zwei Beiträge von den Kolleg/innen übernehmen:

Alchemie – Neue Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte

Ein sensationeller Fund aus dem ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg ist für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle Anlass zu einer Sonderausstellung mit dem Titel „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“. Im Mittelpunkt stehen die Überreste eines alchemischen Laboratoriums des 16. Jahrhunderts. Rund um den Fund geht die Schau nicht nur dem Thema Alchemie, sondern auch den Anfängen der modernen Naturwissenschaften bis zur heutigen Zeit nach. Hier bitte weiterlesen …

Das Puzzle aus 10.000 Scherben

Die Inszenierung der Funde im Atrium
Die Inszenierung der Funde im Atrium

Da die neue Sonderausstellung „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“ im Landesmuseum für Vorgeschichte ab morgen für Besucher geöffnet hat, blickt Halle-Spektrum hinter die Kulissen. Di
eses Mal beleuchten wir die Restaurierung der Wittenberger Alchemistenfunde. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen etwa 50 alte Arbeitsgeräte der Alchemie-Werkstatt in Wittenberg aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Hier bitte weiterlesen….

Noch ein kleiner eigener Eindruck von mir am Schluss: Wie gestern der Landesarchäologe Meller sagte, ist es eine kleinere Sonderausstellung. Das kann ich bestätigen, aber es ist auch eine sehr feine Ausstellung. So etwas, eine ganze Alchemistenwerkstatt, ist noch nie gefunden, geschweige denn gezeigt worden. Ich erwarte Euch in Halle!

Euer Isidorus

biller

Die mittelalterlichen Stadtbefestigungen

Thomas Biller hat mit dem zweibändigen und rund 720 Seiten zählenden Handbuch der mittelalterlichen Stadtbefestigungen (im deutschsprachigen Raum) eine Mammutaufgabe abgeliefert, die ihn nach eigenen Angaben 10 Jahre lang beschäftigt und „jeden Urlaub geschluckt“ hatte. Die Lebensgefährtin und spätere Frau Billers hatte romantische Stunden nur noch in der Nähe von Stadtmauern erleben dürfen und die Abgabefrist beim Verlag hatte sich um gute 7 Jahre verschoben. Am Ende erhebt er den Anspruch ca. 99 % der erhaltenen Baureste gesehen und begutachtet zu haben. Rechtfertigt das Ergebnis den Aufwand? Leider muss ich schreiben: Bauhistorisch sicherlich, historisch habe ich einige Zweifel beim Lesen bekommen. Das macht mich angesichts des Aufwandes traurig, dazu am Ende mehr.

Der Rezensent hat sich natürlich darüber gefreut, dass es jetzt ein Standartwerk zum Thema Stadtbefestigungen gibt und fürchtet doch gleichzeitig, dass man mit einer kurzen Buchbesprechung diesem gewaltigen Werk niemals gerecht werden kann. Versuchen wir es mit einem Überblick: Band 1 des Handbuchs von Biller befaßt sich auf 360 Seiten systematisch mit Forschungsstand, der geschichtlichen Entwicklung (von der spätrömischen Befestigung bis zum Festungsbau), der Organisation der Mauerverteidigung und der Stadtmauer als Städtisches Symbol. Band 2 geht auf 360 Seiten topographisch vor und kann von Stadtmauerfreunden als einer Art „Mauerreiseführer“ durch den (im Mittelalter) deutschsprachigen Raum benutzt werden.

billerDie Freude am (Stadtmauer-)Detail

Im ersten Band erfahren wir alles über die mittelalterliche Befestigung. Wir steigen ein in die geschichtlichen Entwicklung dieser wichtigen städtischen Einrichtung, die als Stadtmauerbau erst im 12. Jahrhundert so richtig in Gang kam. Keinesfalls war eine Stadtmauer rechtlich notwendig, um den Status einer Stadt zu erlangen, erklärt der Autor. Der Leser kann sich anschließend ausführlich den einzelnen Komponenten einer Schutzanlage, zu der Mauerkörper, Türme und Tore gehören, widmen. Da HalleSpektrum-Redakteure sich gerade die Vor- und Nachteile einer spätmittelalterlichen Kanone („Feuerwaffen werden sich nie durchsetzen!“) haben vorführen lassen: Wie mussten sich die Verteidigungsanlagen einer Stadt im Zeitalter der Feuerwaffen ändern? Bei dieser Freude zum Detail blieb auch noch Zeit, sich über Organisation und Instandhaltung einer solchen Anlage Gedanken zu machen. Philosophisches wie die „Stadtmauer als Symbol“ kommt am Ende und geht fließend in einer längeren Zusammenfassung des ersten Bandes über.

Die falsche Brille bei der regionalen Betrachtung

Band zwei beginnt im Österreichischen Alpenland und die Reise (im Buch) endet im Deutschordensland Preußen. Dabei wird mehrmals die Grenze der heute noch mehrheitlich deutschsprachigen Länder überschritten. So sind Südtirol, Elsass, Lothringen, Schlesien, und Pommern selbstverständlich drin. Es fehlt allerdings Nordschleswig. Auch ein Kapitel „norddeutsche Hansestädte“ fehlt, stattdessen wurden Lübeck, Bremen und Hamburg mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein in ein knapp sechsseitiges Kapitel gestopft. Die Erklärung für diese Kürze überzeugt nicht wirklich. Ob die Niederlanden noch hinein gehört hätten, darüber kann gestritten werden. Biller hat sich dagegen entschieden. Die Vermischung von heutigen Bundesländern und historischen Landschaften wirkt inkonsequent.

Der Abschnitt, der Sachsen-Anhalt betrifft, beginnt auf Seite 204 des 2. Bandes und endet bereits mit Seite 210 (im Anschluss kommt Sachsen S. 211 bis 220). Das ergibt einen recht guten Überblick über die noch vorhandenen Stadtmauern in unserem Bundesland (und wie sie einmal ausgesehen haben mögen). Höhepunkt für den Autor ist Zerbst: Der Ort „besitzt die besterhaltene Mauer in Sachsen-Anhalt, die ins 13. Jahrhundert zurückreicht.“ Die Stadtmauer in Halle des 10. Jahrhunderts (rund um den alten Markt) streicht Biller ersatzlos, da wäre nur ein Graben nachgewiesen. Halles Befestigung begann nach dem Autor ab 1182 als Umwallung, die später in Stein ausgeführt worden ist. Wiprecht von Groitzschs Bemühungen um eine Stadtbefestigung wird mit den Worten „war eine Burg“ abgetan. (Genauer gesagt war es nur ein Wohnturm, aber adlige oder bürgerliche Wohntürme als Teil der städtischen Verteidigung kommen bei Biller nicht vor). Auch der spätmittelalterliche Ausbau der Befestigungen von Halle, Zwingeranlagen und Leipziger Turm werden erwähnt. Die zwei erzbischöflichen Burgen innerhalb des heutigen Stadtgebietes fehlen. Magdeburg wird nur kurz abgehandelt, da durch den späteren Festungsbau die Stadtmauer des 13. Jahrhunderts bereits verschwunden war. Eine ottonische Befestigung wäre bis jetzt nicht aufgefunden worden, so Biller.

Eingeschränkt als Handbuch zu verwenden

Biller konzentriert sich auf die Beschreibung der Stadtmauern und ihrer Bauteile. Das kann er, es gelingt ihm ausgezeichnet. Landwehren werden erwähnt, aber nicht ausführlich beschrieben. Innere Befestigungsteile wie Burgen und Wohntürme kommen wenig bis gar nicht vor. Insgesamt wirkt es das Werk etwas süddeutschlandlastig, was aber mein persönlicher Eindruck sein kann. Auch über einige historische Ungenauigkeiten, die bei einem derartig umfangreichen Werk geschehen können, mag gnädig hinweg gelächelt werden. Wie aber über mittelalterliche Städte und ihre Befestigungen berichtet werden kann, ohne das Phänomen der Handels- und Städtebündnisse (z.B. die Hanse) überhaupt zu erwähnen, hat mich nicht nur wegen meiner lübschen Abstammung entsetzt. Ich habe deswegen noch extra gesucht, ob ich etwas überlesen habe. Nein, das scheint so gewollt gewesen zu sein. Was auch immer mit dieser Weglassung beabsichtigt worden ist, sie befremdet. Oder sollte der bauhistorische Experte für mittelalterliche Stadtbefestigungen noch nie von der Hanse gehört haben? Wie sind angesichts dessen alle anderen Informationen zu bewerten? Für mich ist das „Handbuch“ insgesamt ein fleißiger „Handbuchversuch“, eine Anregung, oder ein Stadtmauerreiseführer, wie ich schon schrieb. Die enthaltenen Informationen sind vor Ort zu überprüfen und lassen sich durchaus auch anders bewerten.

Die mittelalterlichen Stadtbefestigungen im deutschsprachigen Raum, 2 Teile, Ein Handbuch. Systematischer Teil / Topographischer Teil, Biller, Thomas, Verlag: Zabern (2016), Gebunden, 720 S., 529 SW-Abb., Subskriptionspreis 99,95 € (ab 01.02.17 129,00 €)

TK

Archäologentag zu Migration und Integration erfolgreich beendet

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Auf dem 9. Mitteldeutschen Archäologentag

Ein verregneter Samstagmorgen, an dem ich mich zum neuen Steintorcampus aufmache. Im Hörsaal I. finden die letzten Veranstaltungen des diesjährigen Mitteldeutschen Archäologentages statt. Ich bin früh da und freue mich, mit Bekannten aus der Archäologie einige Worte wechseln zu können. Erst langsam trudeln die anderen Teilnehmer ein. Heute moderiert Univ.-Prof. Dr. Falko Daim aus Mainz. Die archäologische Migrationsreise geht am letzten Tag in die Spätantike, Völkerwanderung und das Mittelalter. Es wird gleich losgehen.

Der Mitteldeutsche Archäologentag wird jährlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt veranstaltet. Die internationale Tagung greift jeweils eine archäologische Thematik auf, um durch einen interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs auf Grundlage der jeweils fachspezifischen Datenbasis neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die diesjährige Konferenz widmet sich in diesem Jahr einem besonders aktuellen und viel diskutierten Themenfeld: Migration und Integration. Die wissenschaftliche Leitung in diesem Jahr haben Prof. Dr. Harald Meller, LDA Halle, Prof. Dr. Falko Daim, RGZM Mainz, Prof. Dr. Johannes Krause, MPI Jena und Prof. Dr. Roberto Risch, UAB Barcelona inne.

Es geht um Angeln, Sachsen usw.
Es geht um Angeln, Sachsen usw.

Eine gewisse Internationalität ist also gewährleistet. Stephan Schiffels beginnt mit „Insights into the Anglo-Saxon migration period from a genetic perspective“. Der Mann ist also Genetiker. Und Genetiker sind für die großen Würfe zuständig, während sich die Archäologen um die kleinen Dinge bemühen, Knochen, Keramik, Kleinkram, davon können die meisten im Saal ein Lied singen. Erstaunlich ist dennoch, was man mit Vergleichsdaten und genetischen Untersuchungen inzwischen herausfinden kann. So waren die meisten römischen (Besatzungs-)Soldaten genetisch nicht weit von der einheimischen Bevölkerung entfernt. Ausnahmen waren ein Mann, der aus dem Nahen Osten stammte und ein Soldat, der eher dem germanischen Genmaterial nahe kam. Ergebnis der Untersuchung von Schiffels ist, dass etwa 38 % – 50% der DNA der heutigen englischen Bevölkerung mit dem Erbgut der Angelsachsen übereinstimmt. Der heutige Engländer liegt etwa in der Mitte zwischen der eisenzeitlichen Urbevölkerung und den damals eingewanderten Angelsachsen. Bereits der angelsächsische Friedhof Oaktington Site zeigt bei 100 % angelsächsischen Grabbeigaben dennoch ein Mix der dort beerdigten Bevölkerung.

I´m a diaspora viking
I´m a diaspora viking

Auch der zweite Vortrag ist auf engl. und handelt von Angelsachsen. Der Archäologin Catherine M. Hill aus Cambridge gelingt es mit einem archäologischen Feuerwerk den vorherigen Vortrag zu unterfüttern. Interessant ist ihre Aussage, dass es in einigen Gebieten von England nichts zu den Angelsachsen zu finden gibt. Selbst dort, wo in römischen Zeiten noch eine größere Bevölkerung lebte, scheint es für die neuen Einwanderer uninteressant gewesen zu sein. Vielleicht entstanden hier neue Wälder, bis die Gebiete im Mittelalter wieder besiedelt worden sind. Neben der Faszination der „empty areas“ war bei den frühen Urnenfriedhöfen der Angelsachen in den funddichten Gebieten eine erstaunliche Ähnlichkeit mit ähnlichen Fundkomplexen in Jütland, Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen festzustellen, die Heimat der eingewanderten Stämme. Es gab neben den Migranten also noch Angelsachsen die zu Hause blieben, wir nannten sie früher die „fußkranken Angelsachsen“.

aus dem charmanten Vortrag von Judith Jesch, Nottingham
aus dem charmanten Vortrag von Judith Jesch, Nottingham

Die weiteren Vorträge heute sind „Zwischen Bosporus und Samarkand“, „Formen der Migration ins frühmittelalterliche Süditalien“ und der besonders charmante Vortrag von Judith Jesch aus Nottingham über „The viking diaspora: Continuity and variation.“ Sie betrachtet die Wikingerexpansion nicht als Kolonisation, sondern als Diapora-Siedlungen. Die Untersuchung der Professorin of Viking Studies beruht stark auf literarischen Studien der isländischen Sagas. Den Abschlussvortrag des Archäologentages trägt der Leipziger Matthias Hardt mit dem Thema „Zuwanderer im Hochmittelalterlichen Landesausbau im östlichen Mitteleuropa“ vor. Er hält den hochmittelalterlichen Landesausbau, der seiner Ansicht keine „Ostkolonisation“ war, für ähnlich umwälzend wie die spätere Industrialisierung. Im Mittelalter und in der Slawenfrage sieht Dr. Meller in der anschließenden Diskussion eigene Versäumnisse: „Hier ist die Archäologie gefragt“. Man hat zu lange nur auf die Keramik geschaut. So ist es, es gibt im Landesamt im Moment niemanden, der zum Landesausbau und der vorherigen slawischen Besiedlung eine kompetente Antwort geben kann, ergaben frühere Recherchen von uns “Ottonenzeitlern”. Ob diese Themen mehr in den Fokus des Landesamtes rücken werden?

Die "Stammeshäuptlinge" wirken bei den Schlussworten müde, kein Wunder
Die “Stammeshäuptlinge” wirken bei den Schlussworten müde, kein Wunder

Es wird Zeit für den Abschluss eines erfolgreichen Archäologentages. Die wissenschaftlichen Leiter der Veranstaltung betreten das Podium für abschließende Worte und Würdigungen. Der Landesarchäologe Harald Meller würdigt die Genetiker mit den Worten „Genetik stellt der Archäologie neue Fragen“ und kündigt den 10. Mitteldeutschen Archäologentag für den 19. – 21. Okt. 2017 an. Thema steht noch nicht fest. Dr. Krause findet, dass Genetik und Archäologie „wieder neu zusammenkommen müssen“ und wünscht sich eine neue Generation von Archäo-Genetikern. Prof. Risch aus Barcelona schließt „Migration ohne Gewalt muss nicht negativ sein, bringt Dynamik, bringt Fortschritt.“.

leicht gekürzter Artikel von Paula Poppinga mit freundlicher Genehmigung des Hallespektrums

Das Konzert in der Stiftskirche

Capella
Die Capella Antiqua Bambergensis

Zusammen mit dem Sprecher Udo Schenk und den beiden Solisten Murat Coskun (Percussion) und Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe) trat am 17. September 2016 um 18 Uhr in der Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg auf. Wir waren als Ottonen eingeladen (jedenfalls teilweise). Das Konzert haben wir in ottonischer Tracht besucht und setzten damit noch einen zusätzlichen Farbpunkt, so hoffen wir.

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Thomas Spindler begrüßt die Ottonen in der Stiftskirche

Wer jetzt nach der Ankündigung eines “Heinrich II.”-Programms ottonische Musik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Aber das habe ich bereits an anderer Stelle mit Thomas Spindler ausdiskutiert. Kritisch könnte auch angemerkt werden, dass das Programm stark spanienlastig war: Mit den Cantigas de Santa Maria, dem Llibre Vermell, der Hymne der Jakobspilger “Dum Pater Familias” und einem sephardischen Lied bestanden 5/8 des Programms aus Musik, die auf der iberischen Halbinsel entstand oder damit in ganz enger Beziehung stand. Was hat das mit Heinrich II. zu tun? Die Nykelharpa/harfe (aus Schweden stammend) scheint im Moment das Modeinstrument der alten Musik und der Mittelaltermusik zu sein. Ähnliche Instrumente sind aber auf dem “Musikportal” der Kathedrale von Santiago/C. (Pórtico de la Gloria 12. Jhd.) abgebildet. Damit sind wir dann wieder in Spanien. Verdammt!

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Alle (anwesenden) Ottonen waren begeistert vom Konzert

Musikdarbietung und der Textvortrag von Udo bereiteten uns einen Abend (fast) ohne Fehl und Tadel. Jule Bauer entführte uns mit ihrer lyrischen Stimme in die fernen Zeiten, deren Kleidung wir gerade trugen. Allerdings sollte sie noch etwas an der Artikulation arbeiten. Texte waren schwer zu verstehen. Ein tolles Rahmentrommelsolo gab es von Murat Coskin im Duell mit Thomas Spindler, MA-Percussion. Bei aller keiner Nörgelei: Das war ein wundervoller Abend, für den wir uns bei der gesamten Capella Antiqua Bambergensis und den Solisten ganz herzlich bedanken. Wir hoffen, dass wir einen ähnliche Darbietung auch einmal an einem anderen ottonischen Ort oder vielleicht sogar in Halle erleben können. Wir bleiben mit Thomas Spindler im Gespräch.

Euer Isidorus

Die Kreuzzüge

Kreuzzüge
Quelle: Verlag Zabern

Warum noch ein Buch über die Kreuzzüge? Wenn ich in die Buchkataloge oder auch nur in mein Regal schaue, gibt es zahllose Publikationen dazu. Deswegen hat mich das Werk des Cambridger Professors Jonathan Riley-Smith wirklich überrascht. Es eröffnet einen neuen Blick auf die Zeit der Kreuzzüge und revidiert an vielen Stellen alten Forschungsstand. Besonders durch die Klarheit der Vermittlung ist es nicht nur ein Buch für Fortgeschrittene, historisch Interessierte und Mittelalterbegeisterte, sondern ein wichtiges Buch für alle über diese Epoche. Wer die ausgefahrenen Gleise verlassen und vorgefassten Bilder über Bord werfen möchte, für den könnte der Griff zu diesem Buch mehr als hilfreich sein. Wer aber einen kurzgefassten Überblick die Kreuzzüge sucht, würde sich mit den fast 500 Seiten und den Aufbau des Werkes überheben.
Um einen Überblick zu gewinnen, sind die ersten Seiten des Werkes von Riley-Smith den verschiedenen Interpretationsschulen der Geschichtswissenschaft zu den Kreuzzügen gewidmet. Traditionalismus, Materialismus und verschiedenen Alternativen in der Geschichtswissenschaft in Bezug zu den Kreuzzügen werdendiskutiert. Um zu unterstreichen, wie sehr sich das Bild der Öffentlichkeit von den Kreuzzügen im Vergleich zum aktuellen Forschungsstand unterscheidet, führt Riley-Smitz die Wirkung populärer Stoffe wie Sir Walter Scotts Kreutzfahrerromane wie „The Talisman“ und „Ivanhoe“ auf. Er vergisst auch nicht den auch in Deutschland stark wirksamen Film „Königreich der Himmel“. Riley-Smith möchte mit seinen neuen „Die Kreuzzüge“ eine breitere Öffentlichkeit mit den Vorstellungen der Forscher bekanntmachen, um einen realistischeren Blick auf die Kreuzzüge und ihre Wirkung auf unsere europäische Kultur zu eröffnen.

Theorie und Geburt der Kreuzzugsbewegung

Nach dieser Einführungen in die verschiedenen Interpretationsversuche der Geschichtswissenschaft geht es im 1. und 2. Abschnitt des Werkes um die theologischen Grundlagen und Bezüge der Kreuzzüge (von S. 47 bis 86). Das Entstehen der Kreuzzugsbewegung aus der Theologie wird in historischen Werken zwar immer auch angerissen, aber so ausführlich und anschaulich habe ich es selten abgehandelt gelesen. Vieles habe ich erst jetzt verstanden und die entsprechenden Kapitel lohnen sich, sie ein weiteres Mal zu lesen. Hier drängt sich der Kirchenhistoriker positiv in den Vordergrund. Die theologischen Hintergründe der Kreuzzüge sind in ihren Aspekten als Heilige Kriege und als Bußwallfahrten untersucht und erklärt. An dieser Stelle kommen auch die „Grauen Kästen“ (erklärende Exkurse) das erste Mal ins Spiel. Denn auch jemand mit christlichen oder gar katholischen Hintergrund sind die Begrifflichkeiten Buße und Ablass unter Berücksichtigung der Denkweise im 11. Jahrhundert nicht gänzlich geläufig, für einen völligen Laien sind diese Erklärungen absolut notwendig, um einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Es begann am 27. November 1095

Jonathan Riley-Smith setzt den Beginn der Kreuzzugsbewegung konsequent (und macht dies auch in seiner Zeitleiste klar) in das Jahr 1095. Er kehrt zurück zum Bittgang der Byzantiner auf dem Konzil Piacenza ausgelöst durch den Vormarsch der türkischen Seldschuken und deren Sieg 1071 in der Schlacht von Manzikert. Am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont erging nach einer längeren Predigtreise von Papst Urban II. der groß inszenierte Aufruf zum Kreuzzug. Sogenannten „Kreuzzugsvorgängern“ erteilt der Autor eine Absage und weiß dies auch theologisch und sachlich gut zu begründen. Predigten z.B. zur Befreiung Spaniens vom Islam hatte es bereits vorher gegeben. Sie hatten aber nicht die theologische Konsequenz und Wirkung wie das, was Urban II. in Clermont auf den Tisch brachte. Der Waffendienst als Buße war etwas, was Riley-Smith nicht in den Abwehrkampf gegen die Mauren verortet, sondern seine Wurzeln im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst hatte. Die Sündhaftigkeit der Welt und die eigene Sündhaftigkeit war vor Gott nur mit einem außerordentlichen Bußgang zu tilgen. Mit dem Kreuzzug und der Hinwendung auf (imaginär göttliches) Jerusalem hatte das Papsttum einen Ausweg geschaffen. Eine Idee, die länger im Bewusstsein blieb, als wir es bisher annahmen. Ein Abebben der Kreuzzugsideen und -Bewegung bereits im Hochmittelalter erteilt der Autor eine klare Absage. Bislang galten die „Kreuzzüge im Innern“ als Pervertierung der Kreuzzugsidee. Auch hier stellt Riley-Smith klar, dass diese Einsätze von Beginn an bereits in der Kreuzzugstheologie fest inbegriffen waren. Nach dem Motto: Einheit im Innern, Zugriff auf Jerusalem und das Heilige Land draußen. Die Kreuzzüge waren vordergründig auch keine Raubzüge. Der Autor stellt klar, dass Herrscher und Kirche des Abendlandes unerhörte Lasten durch Finanzierung, Organisation und Durchführung von Kreuzzügen zu stemmen hatten. Einzelne Teilnehmer verschuldeten sich in unglaublicher Weise. Der Gewinn durch Raub und Handel finanzierte die Verteidigung des Heiligen Landes oder blieb in den Händen italienischer Stadtrepubliken. Dennoch blieb der Kreuzzugsgedanken in vielen Familien über Generationen erhalten. Wäre es um Bereicherung durch Raub gegangen, dann waren Kreuzzüge eher der falsche Weg.

Pilgerfahrten der büßenden Krieger

Tempelritter heute
Tempelritter heute, Quelle: Odo von Crain

Ab dem 3. Kapitel ist das Buch eine Schilderung der Ereignisgeschichte der Kreuzzüge wie bereits 100x (gefühlt) an anderer Stelle gelesen. Allerdings mit einem großen Unterschied: Es ist glasklar aus der Perspektive des Papsttums geschrieben (was bei einem Kirchenhistoriker keine Verwunderung hervorruft!). Die eher sprunghaft geschriebene Ereignisgeschichte ist immer klar und verständlich, wenn es bei der Linie von Exkursen, Erläuterungen und Abschweifungen bleibt. Eine Zeitleiste im Anhang kann selbst bei leichter Verwirrung auf den Ereignispfad zurückführen. Das Buch wird schlecht, wenn Riley-Smith versucht, zu viele Informationen und Daten in kurze Textabschnitte zu verarbeiten. In diesem Fall hetzt der Leser mit durch die Datenfülle und das Gefühl schwingt mit, dass auch dem Autor die betreffenden Abschnitte nicht richtig Spaß gemacht hatte, sie aber der Vollständigkeit halber enthalten sein mussten.

Frauen in den Kreuzzügen

Ein wichtiges Anliegen von Riley-Smith ist die Rolle der Frau in den Kreuzzügen. Ausgehend von Mathilde von Tuszien als Mentorin der „Denkfabrik“ des Investiturstreits über Elenore von Aquitanien bis zu Alix von Blois, die ihre eigenen Truppenkontingente kommandierte. Auch der Frauenorden der Johanniter spielte eine große Rolle in der Kreuzzugsbewegung.
Die Schlacht von Hattin und der Verlust von Jerusalem wird von Riley-Smith in einen genaueren geschichtlichen Zusammenhang gestellt. Denn hier war die Kreuzzugsbewegung nicht an ihr Ende gekommen, sondern „Die Kreuzzugsbewegung wird erwachsen“, wie der Autor sein 7. Kapitel überschreibt, um dort auf den 3. Kreuzzug und die treibenden Kräfte danach einzugehen, z. B. Papst Innozenz III. , der wie keine anderer theologisch und politisch die Kreuzzugsbewegung prägte. Er geht auch auf Familientraditionen (in Frankreich) ein, die den Kreuzzug zu einer quasi weltlichen Familiensache machten: Urgroßvater war beim ersten Kreuzzug dabei, Großvater beim zweiten, Vater mit dem Sohn auf den dritten Kreuzzug, Sohn war Teilnehmer beim vierten Kreuzzug. „Die vor 1187 entstandenen Familientraditionen machten das Kreuzfahrertum zudem zu einem Bestandteil so weltlicher Angelegenheit wie der Abstammung, des Aussehens und der häuslichen Sitten.“ (S.215)
Die Kreuzzüge verloren ihre Jerusalem-Fixiertheit und verlagerten sich mehr und mehr in andere Richtungen: Ketzerkreuzzüge, Politische Kreuzzüge, ständige Kreuzzüge ins Baltikum. Erst der französische König Ludwig IX., der Heilige, brachte der Kreuzugsbewegung mit Truppen, Geld und weiteren Kreuzzügen neuen Schwung. Doch all diese Anstrengungen blieben vergebens. Das Heilige Land ging verloren. Es war abzusehen gewesen. Warum es dennoch nach 1272 keinen weiteren Unterstützungskreuzzug mehr gegeben hat, erklärt der Autor auf Seite 308. Der komplexe Kontext ist ihm leider bei der vielen Ereignisgeschichte etwas zu knapp ausgefallen.

Auf zum Pauschalkreuzzug!

Der Rest ist Epilog könnte man denken. Aber mit dem Verlust des Heiligen Landes kam die Kreuzzugsbewegung weder theologisch noch praktisch zu einem Ende. Konsequent ist Riley-Smiths 10. Kapitel deswegen mit „Die Vielfalt der Kreuzugsidee (ca. 1291 – 1523)“ überschrieben. Während die Templer untergingen, gelang es den anderen Ritterorden, ihr Aufgabenfeld zu verlagern. Erheitert nimmt man zur Kenntnis, dass die vom Deutschen Orden „angebotenen“ Preußenreisen zu einer Art Pauschalkreuzzügen wurden.
Die spanischen Verhältnisse, Kreuzzüge in der Reconquista, hält er kurz und knapp, ist sich wohl selbst bewusst, dass er hier nicht auf den neuesten Forschungsstand ist. Aufgeräumt wird von ihm auf jeden Fall die alte Mär, dass die Pyrenäenfeldzüge französischer und catalanischer Adliger trotz Segen des Papstes als eine Art Ouvertüre zu den Kreuzzügen zu betrachten sind. Catalanische und nordspanische Christen schlossen sich demzufolge auch dem ersten Kreuzzug an, da sie zwischen dem sarazenischen Feind, der das Heilige Land besetzt hielt, und dem maurischen Nachbarn, bei dem man rauben ging und der einen beraubte, zu dem man aber auch oft freundschaftliche Beziehung pflegte (sogar verwandtschaftliche) ganz klar unterschieden.

Der Papst glaubt nicht mehr dran (ab 1344)

Mehr und mehr verlagerte sich der Kreuzzugskampf auf das Meer. Kreuzzüge werden von Kreuzzugsligen abgelöst. Riley-Smith stellt fest, das der Heilige Stuhl ab 1344 nicht mehr mit einer Rückeroberung von Palästina-Syrien rechnete. Denn auch viele Seesiege über die Türken halten die osmanischen Sultane auf dem Land nicht auf. Nordafrika und der Balkan werden unterworfen, die Türken stehen am Ende vor Wien. Die Christen haben mehr mit sich selbst zu tun: 1378 – 1417 führte das große abendländische Schisma, d.h. mehrere Päpste existierten gleichzeitig, zu vermehrten internen Kreuzzüge. Es folgten 1420 – 1431 fünf Hussitenkreuzzüge, dies „waren beinahe die sinnlosesten Kriege der ganzen Kreuzzugsbewegung.“ Die Eroberung von Konstantinopel 1453, der Hauptstadt der griechischen Christenheit, durch die Osmanen führte zu einem Beleben der Kreuzugsidee und es folgen „Renaissancekreuzzüge“, ebenso wie „Armenkreuzzüge“ auf dem Balkan gegen die Türken und „ungläubige Adlige“. Wahrscheinlich war die Eroberung des maurischen Granada 1482 – 1492 durch die vereinigten Heere der katholischen Könige Isabela und Ferdinand das letzte große Ergebnis der Päpste. Das dieser fanatische „Kreuzzug“, in dessen Verlauf Isabela sich angeblich nicht die Unterröcke gewaschen hatte bis Granada fiel, vorbereitet wurde durch die Vertreibung der sephardischen Juden, eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung, verschweigt uns Riley-Smith, denn er muss weiter durch die Geschichte hetzen: Die Kreuzzüge Karls V., bzw. Karls I., dem Enkel von Isabela, die Kreuzzüge Philipps II. und seine Sieg gegen die Türken bei Lepanto (seine Vertreibung der spanischen Mauren verschweigt uns der Autor wieder), auch Philipps gescheiterter Angriff der Armada gegen Spanien war ein päpstlich unterstützter Kreuzzug.

Portugals Adel verloren in der Wüste

Besonders der Kreuzzug des portugiesischen Königs Sebastian, der 1578 versuchte mit seinem Heer durch Nordafrika bis Palästina zu marschieren, wird in der Geschichte als eine Tat eines religiösen Fanatikers, ja Verrückten, charakterisiert. Es war der „letzte Kreuzzug alter Machart“. Nach Riley-Smith entstammte diese Idee von der spanischen Kirche und den Päpsten lange gehegte Plänen, den Islam aus Nordafrika zu verdrängen und danach Palästina zurückzuerobern. Demzufolge begleiteten päpstliche Legaten den Kreuzzug. Sein Scheitern wird symbolisch für den „langsamen Tod der Kreuzugsbewegung 1553 -1892“. Fast jeder waffenfähige Mann des portugiesischen Adels wird in der marrokanischen Wüste abgeschlachtet. Wieder verschweigt uns Riley-Smith die Folgen: Portugal wird im Anschluss von Spanien annektiert, eine Wunde, die bis heute nicht ganz geschlossen ist, kein Papst ruft Philipp II. zur Ordnung.
Warum das Thema bis zum bitteren Ende ausgelutscht werden muss und krampfhaft noch ein Beispiel für die Kreuzzugsbewegung Ende des 19. Jhd. gefunden werden muss, versteht vielleicht nur der Autor. Bereits im Imperialismus gab es mehr Kreuzfahrerrhetorik als wirkliche Kreuzzugsmotivation. Erst im 20. Jahrhundert ist das Thema Kreuzzüge in Europa nach Riley-Smiths Meinung vollkommen vergessen. Es würde keiner von uns mehr „das Kreuz nehmen“, oder? Aber die Leute wallfahren wieder in Massen nach Compostela, Rom, Jerusalem und „Werweißgottwohin“. Ich habe auch nicht geglaubt, dass nationales Gedankengut wieder so salonfähig wird.

Warum nicht wieder einen Kreuzzug?

Ich denke, es ist Riley-Smith gelungen, dem Leser trotz einiger Schwächen im Buch einen aktuellen Gesamtüberblick über die derzeitige Kreuzzugsforschung zu geben. 11 Karten zu Beginn und ein Anhang mit kommentierter Bibliographie, Zeittafel, Abkürzungsregister und Namens- und Ortsregister runden den Band ab. Genaue wissenschaftliche Quellenangaben sind nicht vorhanden. Am Ende noch ein Lob für die Übersetzer und das Lektorat. Hier ist sehr sorgsam übertragen und lektoriert worden. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.

TK

In Zusammenarbeit mit dem Hallespektrum
Riley-Smith, Jonathan: Die Kreuzzüge
Übersetzung: Gabel, Tobias; Möhring, Hannes
Originaltitel: The Crusades
Verlag: Zabern (2016)
Gebunden, 484 S., 7 SW-Abb., 11 Ktn.
ISBN-10: 3-8053-4959-9
49,95 €
im Original zuerst erschienen bei Bloomsbury Academic 2014

Die Capella Antiqua Bambergensis am 17. September 2016 in Quedlinburg

Capella
Capella Antiqua Bambergensis, Foto mit freundlicher Genehmigung

Zusammen mit dem Sprecher Udo Schenk und den beiden Solisten Murat Coskun (Percussion) und Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe) tritt am 17. September 2016 um 18 Uhr in der Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg die Capella Antiqua Bambergensis auf, inzwischen fast schon eine Legende im Bereich der (ernsthaften) mittelalterlichen Musik.

Es geht um die Ottonen!

Sie waren die bedeutenden Kaiser und Könige im Frühmittelalter. Über 100 Jahre lang prägten sie die Geschichte Europas: die Ottonen. Von König Heinrich I. bis zu Kaiser Heinrich II. spannt sich ein faszinierender Bogen von Kunst- und Kulturgeschichte(n), von Krieg und Frieden, von Sagen und Legenden. So mächtig diese Herrscher waren, so wichtig und einflussreich waren die Frauen an ihrer Seite. Das Königspaar Heinrich und Mathilde erhob Quedlinburg zur Königspfalz und gründete das weltberühmte Frauenstift. Für das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde war Quedlinburg eine der wichtigsten Residenzen ihres Reiches. Heute gilt die UNESCO-Welterbe-Stadt
Quedlinburg als eine der schönsten mittelalterlichen Städte der Welt. Die Musikwelt der Kaiser und Könige des Mittelalters erklingt durch die mehr als 40 historischen Musikinstrumente der Capella Antiqua Bambergensis, Jule Bauers (Nykelharpa&Gesang) und Murat Coskuns (Percussion).

Udo Schenk schlüpft in die Rolle des Thietmar von Merseburg, Foto mit freundlicher Erlaubnis der Capella Antiqua Bambergensis
Udo Schenk, Foto mit freundlicher Erlaubnis der Capella Antiqua Bambergensis

In der Quedlinburger Stiftskirche St. Servatii lässt Udo Schenk als Sprecher die Zeitgeschichte zwischen Heinrich und Heinrich lebendig werden. Der Schauspieler und Synchronsprecher Udo Schenk verleiht nicht nur Hollywoodgrößen wie Gary Oldman und Ray Liotta seine markante Stimme, er spielt auch als „Dr. Rolf Kaminski“ eine der Hauptrollen in der erfolgreichen TV-Serie „In aller Freundschaft“.

größtmögliche Authentizität der Instrumente

Die Capella Antiqua Bambergensis lässt auf ihren Konzerten über 40 mittelalterliche Instrumente erklingen – Sackpfeifen, Platerspiele, Drehleiern, Chalumeaux, Organetto,
Cornetto Muto, Flöten verschiedenster Größe, Schlüsselfiedel und Schlagwerk. Dabei wird
auf größtmögliche Authentizität der Instrumente Wert gelegt, die zu einem guten Teil aus
der Werkstatt des Capella-Mitglieds und Instrumentenbaumeisters Andreas Spindler
stammen.
Murat Coskun (Percussionist bei Giora Feidmann und dem Ensemble FisFüz) ist ein europaweit gefragter Percussionist, der seine musikalische Inspiration aus seiner eigenen
Tradition, der türkisch-orientalischen Musik, schöpft. Gleichzeitig nutzt er alle Elemente der alten und neuen Musik des Okzidents und verbindet sie mit Rhythmen und Melodien der traditionellen arabischen Musik.
Jule Bauer ( Musikerin der Band Triskilian) ist eine Virtuosin auf der Schlüsselfiedel-Nykelharfe und verzaubert das Publikum mit ihrer ausdrucksvollen Stimme. Sie lässt die andalusischen Cantigas ebenso virtuos erklingen, wie arabische Weisen aus dem Morgenland.
Informationen und Karten unter:
Domschatz Quedlinburg,
Schlossberg 1g,
06484 Quedlinburg
Telefon +49 (3946) 709900,
quedlinburg@die-domschaetze.de
www.die-domschaetze.de

Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Hallespektrum.

Wikinger, El Argar und Minnegesang

So sehen Wikinger aus?
So sehen Wikinger aus?

Die Woche brachte in den Medien schreckliches und sehr erfreuliches. Zeit online mußte uns mit der Navigation der Wikinger beglücken und dazu ein Bild von einem Karnevalisten von den Shetlands posten. Ob das einer wissenschaftlich fundierten Geschichtsvermittlung dient? So etwas Schlechtes hätte ich von der “Zeit” nicht vermutet, aber es gab auch ein gutes Beispiel: Über die bei uns fast unbekannte bronzezeitliche El-Argar-Kultur (vor einigen Jahren hatte Prof. Rische aus Barcelona in Halle einen Vortrag darüber gehalten) hat der Wissenschaftsresortleiter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Ulf von Rauchhaupt, zwei Artikel veröffentlicht, die einen ersten Einblick in die faszinierende und auch erschreckende Welt von El Argar geben: Der erste Staat des Westens und Macht ohne Schnörkel . Unbedingt lesen!

Auf der Turmhügelburg Lütjenburg ist auch wieder etwas los: Ab dem 22. August sind wieder Ottonen auf der Burg, aber vorher gibt es noch Minnegesang (bis wir da sind, hat sich der Regen dann hoffentlich verzogen):

“Wach auf mîn hort”
Minnesang und Geschichten aus alter Zeit

Auf eine Reise über 500 Jahre zurück in die Vergangenheit begeben sich die Minnesänger Holger Schäfer und Ralf Popken am 06. August 2016 um 19:30 Uhr und mit hoffentlich vielen Zuhörern in der Lütjenburger Turmhügelburg.
Holger Schäfer war bereits Minnesänger des Jahres in 2008 und 2012, im Mai 2014 erhielt er beim großen Falkensteiner Minne-Turnier den ersten Preis. Der sympathische Sänger zählt zu den ganz Großen seines Fachs. Auf dem Programm des bekannten Sängers mit der Harfe stehen mittelhochdeutsche Lieder der großen Minnesänger wie Walther von der Vogelweide, Ulrich von Liechtenstein, Oswald von Wolkenstein sowie deren Übersetzungen.
Ralf Popken ist ebenfalls ein weithin bekannter Sänger, Instrumentalist und Chorleiter, und tritt bereits seit mehreren Jahren mit Holger Schäfer zusammen als Minnesänger auf. Viele bekannte Stücke, wie “Tristan und Isolde” oder “Parsival” haben sie schon gemeinsam ihren Zuhörern nahe gebracht.
Auf den Spuren des “letzten Minnesängers” Oswald von Wolkenstein begegnen uns Abenteuer, Legenden und unglaubliche Reisen. Ein Gang durch das Leben Oswalds, durch die Geschichte des Minnesangs wird dabei ebenso zu hören und erleben sein wie Geschichten und Legenden rund um die historischen Sänger und ihre Zeit. Harfen, Blockflöten, Dudelsack und allerlei andere Instrumente bringen die besondere Musik des Mittelalters zum Klingen.
Stimmungsvoll im Schein von Kerzen und Öllampen erwartet den Besucher in der festlich geschmückten Halle ein verzauberter höfischer Abend auf der Turmhügelburg.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und wegen der immer größer werdenden Nachfrage, hat der Verein für 2016 erneut beschlossen, Karten bereits im Vorverkauf anzubieten. Es empfiehlt sich, diesen auch zu nutzen, denn die Besucherzahl ist wegen der vorhandenen Räumlichkeiten begrenzt. Als Eintritt für diese Veranstaltung bittet der Turmhügelburg-Verein um ein Burgopfer von € 8,00 im Vorverkauf (Mitgliedern € 5,00), Restkarten an der Abendkasse € 10,00.

So schauen heute Minnesänger aus
So schauen heute Minnesänger aus

Vorverkauf:  In der Tourist-Information Lütjenburg und Hohwacht gegen sofortige Bezahlung. Im Internet bestellen unter der e-mail “buchung@turmhuegelburg.de”. Sie werden dann mit einer Antwortmail informiert, ob noch Karten vorhanden sind und aufgefordert, den Betrag auf ein Konto zu überweisen, Nach Eingang des Geldes werden die Karten für Sie reserviert und liegen an der Abendkasse bereit.
Für Interessenten ohne Internet-Zugang: Unter der Telefonnummer 04381 – 3315 anmelden. Dort gibt es weitere Hinweise. Ohne vorherige Bezahlung werden keine Karten zurückgelegt.
Sollten alle Karten bereits im Vorverkauf vergeben sein, werden wir dies über Presse und Internet veröffentlichen, damit niemand umsonst anreisen muss. Für Getränke während der Veranstaltung ist gesorgt. Freie Parkplätze stehen auf den ausgeschilderten Parkflächen im Bunendorp in genügender Anzahl zur Verfügung. Die Turmhügelburg freut sich auf viele Besucher!

Euer Isí

Auf der Ostsee mit einer Hansekogge

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Mein “Foto des Jahres” : Sommerregen auf einer Hansekogge

Wem das Meer fehlt (so wir mir), der hat heute Gelegenheit in unserem gar nicht so sommerlichen Beitrag etwas Meerluft zu schnuppern: Mitglieder der “Lebendigen Geschichte” waren auf einer Tour mit einer Hansekogge. Und das natürlich in spätmittelalterlich-hanseatischer Ausstattung. Das Wetter war durchwachsen, es hat auch ab und an mal geregnet und zum Glück war genug Wind, so dass wir zumindest raus auf die Kieler Bucht segeln konnten. Selbst als es dann aber anfing zu regnen und alle unter Deck verschwanden, blieben nur die Crew und unsere Mitsegler dank ihrer wetterfesten Mittelalterklamotte auf Deck. Denn so ein büschen Regen kann unsere Hanseaten nicht erschüttern. Wir würden uns freuen, wenn wir in der “Ottonenzeit” auf diese Weise bald noch mehr Meerluft schnuppern könnten. Wir werden sehen und lassen uns überraschen.

An Deck trotz Regen
An Deck trotz Regen
Noch eine Kogge: Die „Ubena von Bremen“
Noch eine Kogge: Die „Ubena von Bremen“

Lis / Isí

Büchersommer

Sommerbücher
Sommerbücher

Während die alle anderen unterwegs sind, z.B. im Geschichtspark Bärnau-Tachov oder auf der Turmhügelburg Lütjenburg (mache auch auf Hansekoggen, dazu bald mehr), beschäftige ich mich momentan nur theoretisch mit Geschichte. Und für unsere Eremitage in Thüringen liegen schon einige Bücher zum Lesen bereit: Gespannt bin ich auf “Die mittelalterlichen Stadtbefestigungen” und auf “Die Kreuzzüge”. Zu den Kreuzzügen ist wieder einmal “Das Standartwerk” herausgekommen, ich bin schon sehr gespannt.

Eure Geschichtsleseratte Isidorus

Purpurpergamente und ihr kleines Geheimnis

zinnober
Abbildungsquelle: Veranstaltungseinladung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Über diese Einladung habe ich mich besonders gefreut: Am Mittwoch, 15. Juni 2016, hielt Frau Dr. phil Doris Oltrogge von der Fachhochschule Köln einen Vortrag mit dem Titel “Zinnober, Krapp und Flechtenpurpur”. Es ging in aller Kürze (und Würze) um Farbmittel und Maltechniken der spätantiken Buchmalerei u. a. der Vergilius Vaticanus und der Vergilius Romanus, aber auch die Quedlinburger Itala und des Codex Argenteus (Wulfila-Bibel) kamen vor. Zunächst gab Dr. Oltrogge eine kurze Einführung in die verschiedenen Farbmitteln und Schreibtinten der Spätantike und des Mittelalters: Vom Flechtenpurpur über Krapp, Hollunderbeere, Ocker, Zinnober, Waid, Lapislazuli, Gold-, Silber-  und Eisengallustinte u.a. wurde das ganze Spektrum abgehandelt. Pergament als Beschreibstoff wurde vorausgesetzt. Es wurde auch auf einige Farbmittel und ihre Verwendung in den oben genannten Codices ausführlich eingangen. Zinnober war z.B. eins der teuersten Farbmittel, weil es bis heute ausschließlich in Zentralspanien gewonnen wird. Wer wie ich naiv davon ausgegangen war, dass die Purpurpergamente tatsächlich mit Schneckenpurpur (mehreren Sorten Meeresschnecken der Levante genauer gesagt) gefärbt worden sind, den belehrte Frau Dr. Oltrogge eines Besseren: So erhielten einige dieser Pergamente ihre Purpurdurchfärbung nicht durch den teuren Meeresschneckenpurpur sondern durch Purpur aus u.a. der Rocella tinctoria, das ist Flechtenpurpur. Die für uns Ottonen bedeutsame Pergamentrolle “Hochzeitsurkunde der Theophanu” erhielt ihre Färbung durch Krapp und ist somit im Grunde auch kein Purpurpergament. Dieses Farbmittel,  aus der Wurzel der Krapppflanze erwonnen, war in der Antike ein beliebtes Schminkmittel. In der mittelalterliches Buchmalerei verschwand die rote Krappfarbe aus der Farbpalette, blieb aber in der Färberei bedeutsam erhalten, wie wir wissen.

Purpurschnecke, Foto: Privat Dr. Wunderlich
Purpurschnecke, Foto: Privat Dr. Wunderlich

Frau Dr. Oltrogge referierte weiter über Silbertuschen und auf Nachfrage auf Bindemittel der Farben. Hinsichtlich der Farbgestaltung der spätantiken Buchmalerei gelang ihr eine gute Einführung. Da war vieles bereits bekannt, aber hinsichtlich der Purpurpergamente für mich einiges Neues. Die Purpurpergamente haben also ein kleines Geheimnis und sind gar nicht so “purpur”, wie wir dachten.

Euer Isidorus