Archäotechnica in Brandenburg

Nach langer Blogpause gibt es wieder etwas nachzutragen. Eine der schönsten Veranstaltungen in den letzten Jahren, an denen wir teilnehmen durften, war die Archäotechnica in Brandenburg. Darüber gab es einen Beitrag im HalleSpektrum, den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen dürfen:

Ottonen aus Berlin, die zum Lebendige Geschichte e.V. gehören.

Am 19. und 20. August fand im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im St. Pauli Kloster in der Stadt Brandenburg die Archäotechnica 2017 statt. Zwei Vereine/Gruppen aus Halle trugen mit zum Erfolg der Veranstaltung bei. Die Archäotechnica fördert ein tieferes Verständnis für die Entwicklung vom ersten Steinwerkzeug zur heutigen hoch technologisierten Gesellschaft. Sie präsentiert jährlich an zwei Veranstaltungstagen einzelne Facetten handwerklicher und technischer Methoden, aber auch komplexe Entwicklungsvorgänge.

Hallenser Vereine tragen zum Erfolg mit bei

Dieses Jahr stand die Archäotechnica unter dem Motto „Slawen und Deutsche im Mittelalter“ und da wurde im Kreuzgang und im Klostergarten den Besuchern einiges zum Thema geboten. Im Kreuzgang befanden sich neben der Anthropologin Dr. Bettina Jungklaus, die anhand von (echten) slawischen Skeletten die Zeit um 1000 erklärte, der Stand des jüdischen Händlers Ibrahim ibn Jakub, eine christliche Stiftsdame, ein Baumeister und die Textilfachfrau Sylvia Crumbach, die slawische und deutsche Textilien erläuterte. Draußen im Klostergarten wurde es mit der Blide, Schleudergeschütz aus dem 12. Jahrhundert, von Experimentum e.V., den Ottonen aus Halle und Berlin, einer Schmiede, einem Adelspaar aus dem 12. Jahrhundert, slawischen Dorfbewohnern und einem slawischen Adligen nebst baltischer Gattin, Wache und Sklaven noch lebendiger.

Experimentum e.V. mit mittelalterlichem Belagerungsgeschütz

Bei den Vorführungen erklärte Snorri Varnarsson aus dem Freilichtmuseum Düppel die Geschichte der Slawen zwischen Elbe und Oder vom 7.-10. Jh. Ihm zur Hand gingen sein Freund, der jüdische Händler Ibrahim ibn Jakub (Lebendige Geschichte e.V. , Halle), und der wikingerzeitliche Händler Sven. Besonders bemühte sich der Wikinger Sven die Klischees von den unerschrockenen Kämpfern aus dem Norden zu widerlegen. Experimentum e.V. erklärte anschaulich und mit Vorführungen das mittelalterliche Katapult als Belagerungswaffe. Klein und groß freuten sich mit einem Belagerungsgeschütz schießen zu dürfen (mit Schaumstoffbällen). Ottonenzeitliche Rüstungen und Kampftechniken wurden durch den Hallenser Philipp Herzog erklärt. Was trug man in der Lebenswelt der Deutschen und Slawen?  Die Textilfachfrau Sylvia Crumbach ging mit einer historischen Modenschau weit in die Vergangenheit zurück und erklärte die Unterschiede der Trachten.

Damen der IG Wolf im Kreuzgang

Jahrzehntelange Erfahrung bei den Geschichtsdarstellern

Die Archäotechnica ist eine gelungene Mischung aus experimenteller Archäologie, Reenactment (Geschichtsnachstellung) und Geschichtstheater. Die Qualität der präsentierten Trachten war beeindruckend. Jeder Darsteller war ein Experte auf dem Gebiet, das er/sie präsentierte. Gruppen wie die IG Wolf (Stiftsfrau, Baumeister, Adel usw.) betreiben ihre Tätigkeit z.T. seit Jahrzehnten. Die Dauerausstellung konnte während der Archäotechnica selbstverständlich auch besucht werden. Zwar sind wir durch unser eigenes Landesmuseum archäologisch sehr verwöhnt, aber auch Brandenburg lohnt (nicht nur zur Archäotechnica, aber dann besonders) einen Besuch. Ich kann es jedenfalls sehr empfehlen.

Paula Poppinga