Jubiläumsbelebung auf der Turmhügelburg

100_6611Und schon ist es wieder vorbei! Lange haben wir uns auf den Besuch und die Burgbelebung auf der Turmhügelburg Lütjenburg gefreut, siehe ausführlicher Bericht über die Burg, aber nichts ist von Dauer. Es waren wieder schöne Tage, leider diesmal nur mit kleiner Besetzung (aber mit vielen, vielen Kindern) und ohne befreundete Gruppen, aber die Freude ist natürlich groß, dass die Zusammenarbeit zwischen Ottonenzeit und Turmhügelburg Lütjenburg bereits 5. Jahre lang andauert und wir unsere 5. Burgbelebung gerade erfolgreich durchführen konnten. Bei Lis u. Hermann, bei Herrn Eller und dem gesamten Vorstand des Vereins „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e. V.“ möchten wir uns für die schöne Zeit und die Unterstützung ganz herzlich bedanken. Jedes Jahr ist es ein bisschen anders, finde ich. Und ob es wirklich Werwölfe auf Lütjenburg gibt, tja, dass kann in diesem Blog, der sich der strengen Wissenschaftlichkeit unseres Hobbies verschreibt, auch nicht beantwortet werden.
Da es dort, wo ich gerade bin, ausgiebigst regnet, habe ich auch noch die Muße ein, zwei Impressionen von diesem Jahr einzustellen:

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Kräutergarten und Motte der Turmhügelburg Lütjenburg
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Die Hüter des Feuers – Im Gesindehaus der Turmhügelburg Lütjenburg
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Wir bauen ein Mühlespiel – vor dem Gesindehaus Turmhügelburg Lütjenburg
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Sommeridylle – vor der Motte der Turmhügelburg Lütjenburg
Abendstimmung vor der Schmiede der Turmhügelburg Lütjenburg

Das letzte Fotos ist von Torsten Mann. Herzlichen Dank. Allen diesjährigen Belebern sei am Ende auch noch gedankt. Und die sieht ihr alle hier:

Bis zum nächsten Mal auf der Turmhügelburg!

Euer Isí (oben ganz rechts)

1. Deutsche Meisterschaften Steinschleudern

Deutsche Meisterschaft Schleudern 2012

Auf dem Festgelände der Turmhügelburg Lütjenburg fanden am Sa. 28. Juli die ersten Deutschen Meisterschaften im Steinschleudern statt.

Der erste Deutsche Meister ist Jaegoor (Silvio Vass) aus Celle, Träger des Schleudererschülergrades ROT.

Die weiteren Ergebnisse:

Qualifikation: 20 m, 20 Würfe

1. Jaegoor (roter Schleuderer), 14 Punkte auf die Ariane
2. Fundibularius (weiß), 5 Punkte
2. Isidorus (gelb), 5 Punkte
4. Hubert (weiß), 4 Punkte
6. Jörn (weiß), 3 Punkte
7. Hermann (gelb), 0 Punkte

Finale: 30 m, 10 Würfe

1. Jaegoor, 10 Punkte
2. Fundibularius, 8 Punkte
3. Isidorus, 2 Punkte

Ich war mit unserem ersten Versuch sehr zufrieden. Es gibt jetzt einen Wanderpokal, es gab eine tolle Gemeinschaft und  sehr gute Ergebnisse.

Euer Isí

Geplante Schänke auf der Turmhügelburg, Bibliothekstagebuch

Es gibt Neuigkeiten von der Turmhügelburg. Herr Eller, Vorsitzender des Trägervereines, erklärt in einem Video für den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, dass es in den nächsten Bauabschnitten eine Burgschänke und ein Museumsgebäude mit einem Museumsshop geben soll. Ob es in der Burgschänke dann Sonderkonditionen für die „Burgbeleber“, die auch in der Schänke für Ambiente sorgen, geben wird, gilt es dann wohl noch auszuhandeln…

So verbringe ich meine Mittwochnachmittage …

Ich habe in meinem Bibliothekstagebuch eine Menge Mittwochnachmittage aufzuarbeiten. Es ist einfacher, sich gemütlich hinzusetzen und zu lesen, sich an den Recherchen zu freuen, aber schwieriger diese aufzuarbeiten, wiederzugeben und zu vermitteln. Naja, versuchen wir es einfach einmal. Ich beginne am Besten von hinten und arbeite mich dann vor: Am 11/04/012 hatte ich zu tun, die Suppenkelle aus dem Fund von Rotemulde/Alt-Römhild auszumessen. Außerdem habe ich zwei Quellen durchgeschau, die in Timpels Grabungsbericht über Rotemulde erwähnt wurden:

1. Rempel, Heinrich: Reihengräberfriedhöfe des 8. – 11. Jhd., Bd. Aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, 1966, LB/6/87. Das wird mit der Durchsicht noch einige Zeit dauern. Aber eine interessante Sache fand ich fürs Erste. Ich wußte gar nicht, dass es vom Reiterstein von Hornhausen noch weitere Bruchstücke gibt. Das bekannteste Stück, nämlich der Reiter, ist in Halle. Wo wohl die anderen Bruchstücke sind? Im Buch gibt es eine Abb. vom Stein IV.  (neben den Abb. der Steine I. – V.) das ein interessantes Detail zeigt:

 Hornhausen Stein IV

 Täusche ich mich, oder ist das tatsächlich ein Wimpel an einem Lanzenbruchstück ? Zuerst dachte ich, es wäre eine Tasche, aber erschien mir nicht richtig. Was meint ihr dazu? Nebenbei zeigt das Kreuz übrigens eindeutig, dass die Bruchstücke von Hornhausen zu einem christlichen Kontext gehören.

2. Timpel, Wolfgang: Gommerstedt : Ein hochmittelalterlicher Herrensitz in Thüringen, 1982, LB/8/297.  Etwas Gruseliges fand ich im Ausgrabungsbericht der Motte Gommerstedt (Thüringen). Im Turm der (Stein-)Motte fand sich außerhalb des Begräbnisplatzes (Kirche in der Mottensiedlung) in den Fundamenten eine „Kinderbestattung“ eines Babies von ca. 0 – 1/2 Jahre. Ausgräber Wolfgang Timpel gibt dazu keine weiteren Erklärungen ab, jedenfalls fand ich keine. Kann mir auch denken, dass er nur beschreiben wollte und sich deswegen jegliche Deutung ersparte.  Hier ein Blick auf die Rekonstruktion der Motte Gommerstedt:

Gommerstedt

aus Timpel: Gommerstedt

Irgendwie erinnert mich das an die Anlage von Lütjenburg. Das war es für heute aus meinem Bibliothekstagebuch. Bald geht es weiter.

Euer Isí

Nachtrag: Auch die anderen Bruchstücke sind in Halle. Es kann sein, dass ich sie sogar schon mal gesehen habe, hier nachzulesen …

Die Turmhügelburg zu Pfingsten

Wir sind wieder für eine Woche auf der Turmhügelburg. Und wir erwarten weitere Freunde aus der „Ottonenzeit“.  Von Ihnen wird im Verlauf des Berichtes die Rede sein. Am Ende gibt es eine Liste mit den beteiligte Gruppen bei unserer diesjährigen „Burgbelebung“.

Turmhügelburg Lütjenburg

Lütjenburg liegt nördlich von Hamburg. Es ist ein kleiner Ort in Ostholstein an der Ostseeküste. Ostholsteins Besonderheit ist, dass es relativ spät deutsch erobert und besiedelt worden ist. Erst im 12./13. Jhd. wurde es kolonisiert und christianisiert. Hölzerne Turmhügelburgen entstanden deswegen etwas später als im übrigen Heiligen Römischen Reich.  Eine große Rolle spielten dabei die Schauenburger Grafen, hier dazu mehr Informationen …

Nahe Lütjenburg im Nienthal wurde eine Turmhügelburg der Schauenburger Zeit von einem rührigen Verein rekonstruiert und neu errichtet. Sie besteht aus dem Eichenholzturm, der „eingemottet“ auf einem Hügel steht und von einem Wassergraben umgeben ist. Nur eine schmale Holzbrücke, die leicht zu entfernen ist, führt hinauf zu diesem letzten Verteidigungspunkt. In der Vorburg steht ein Ensemble von 5 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und die Kapelle. Umgeben ist die Vorburg von einem Wall, der von einem Flechtzaun bekrönt ist. Es ist also keine Steinsburg des Klischeemittelalters, drohendes Gemäuer auf einem Berg oder Hügel, sondern eine Vorform, wie es sie auch im Frühmittelalter in zahlreichen Niederungen gab (deswegen aus Niederungsburg). Wir passen als Ottonen hier also ganz gut herein, wenn auch die meisten Gebäude nicht aus „unserer Zeit“ sind.

Lageplan Turmhügelburg

Am Pfingstwochenende findet auf der Festwiese traditionell das „Wikingerfest“ statt. Deswegen konnten wir unsere Belebung erst am Pfingstmontag beginnen. Diesmal schlafen wir nicht im Gesindehaus, sondern im Wirtschaftsgebäude. Die meisten „Wikinger“ waren bereits abgereist, als wir kamen. Auch Bodendieks Gesinde, die Burgtruppe, zu der seit Neustem auch unser Jaegoor gehört, waren am Abreisen.

Wirtschaftsgebäude Turmhügelburg

Vorher saßen wir zusammen, aßen gemeinsam Hirsebrei und erzählten uns die neusten Erlebnisse. Das ist auch in Zeiten des Internets und der Informationsüberflutung schön. Oder gerade deswegen! Die stillen Tage in Lütjenburg begannen. Selten hatten wir es so ruhig.

Im Sommer am frühen Morgen, wenn die Sonne scheint und bevor die ersten Besucher komme, ist es in der Burg am Schönsten: Ich sitze im Ritterhaus oder in der Sonne auf dem Platz vor der Schmiede und schreibe. Der Tag beginnt gut.

Ritterhaus Turmhügelburg

Die Ruhe währt nicht ewig. Die Bodendieks sind abgereist, aber die ersten Freunde sind angekommen und wollen untergebracht werden: Elke und Jürgen, die Zähringer, sind zwei junggebliebene und herzensgute Schwaben, die uns damals in Tilleda sehr geholfen haben und die arme Orga immer wieder aufgerichtet haben, sie wohnen im Turm. Das war immer schon Jürgens Traum.

Burgturm Turmhügelburg

Kathrin und Holger kennen wir von unserer ersten ernstzunehmenden Veranstaltung in Quedlinburg 2006, dem Reenactorlager auf dem Schlossberg. Jonathan ist Kathrins Sohn. Sie haben ein Zelt neben der Kapelle aufgeschlagen.

Kapelle mit Zelt Turmhügelburg

In dieser Ruhe und Stille drängt sich die Frage auf: Was macht man den ganzen Tag in der Burg?

Die Frage ist einfach zu beantworten, aber nicht so einfach zu erklären: Wir „beleben“ die Turmhügelburg, die sich von Beginn an als „Lebendiges Museum“ verstanden hat. Was heißt das? Natürlich, wir tragen mittelalterliche Kleidung. Das ist nicht so einheitlich, wie man sich das so vorstellt. Fast 1000 Jahre dauerte das Mittelalter, das ist länger als der Zeitraum vom Ende des Mittelalters bis heute. Da wechselten oft Kleidung und Baustile. Die lütjenburger Turmhügelburg repräsentiert nur den letzten Rest dieser Zeit, etwa ab dem 11. Jahrhundert mit dem „ältesten Gebäude“ der Anlage, dem „Wohn- und Stallgebäude“ bis zum Ende des Spätmittelalters mit dem jüngsten Gebäude, der Kapelle. Dennoch kann man sich so etwa eine Anlage um 13oo vorstellen. Es ist natürlich nur Rekonstruktion und im Nienthal stand nie eine Burg. Doch rund um Lütjenburg fanden sich  allein 11 dieser kleinen adligen Befestigungsanlagen (im Kreis Plön etwa 45) und so gehört die Turmhügelburg ganz eindeutig zur typisch mittelalterlichen Geschichte der Gegend.

Der Bau von Turmhügelburgen begann in Deutschland etwa ab dem 10./11. Jahrhundert, in Frankreich noch früher, Spanien ging mit seinen Stadtburgen eigene Wege und über Italien weiß ich nicht viel. In Ostholstein errichtete der Holsteinisch-Sächsische Adel diese Burgen, um die slawischen Einwohner zu unterwerfen und das Land deutsch zu kolonisieren. Wie aus anderen Untersuchungen (z.B. auf Rügen und in Mecklenburg) zu ersehen ist, war es z.T. auch der einheimische Adel, der sich dem neuen Oberherr, hier die Schauenburger Grafen, unterworfen hat und sich den neuen Sitten anpaßte, d.h. Adelsburgen auf seinem Besitz baute. Die Bewohner der Turmhügelburgen müssen also nicht immer „Deutsche“ gewesen sein.

Turmhügelburg Belebung

Was machen wir noch, außer unsere rekonstruierte Kleidung zu tragen, in unserem Fall die Mode der Ottonen- und Salierzeit? Eins können wir nicht und zwar mittelalterlichen Alltag nachstellen. Uns fehlen hierbei die täglichen Aufgaben, die Tiere etc. Wir können kleinen Handwerken nachgehen, einfache Handarbeiten machen, unser tägliches Essen kochen. Und wir machen einen guten Eindruck natürlich. Von Zeit zur Zeit und wenn man nett ins Gespräch kommt, führen wir die Besucher auch gerne durch das Gelände.

Inzwischen sind fast alle angekommen. Unsere Berliner Freunde Buteo, Hemmo u. Rieke waren leider aber nur kurz da. Der Uhl zu Wilhaim, seine Frau Cutani und die zwei Kinder Natalie und Jenny sind in das Gesindehaus gezogen, Kerstin mit Zelt auf die Wiese, Lis und Hermann in den Kornspeicher, die Liudolfinger Bruno und Baldwin und Jörn und Familie zu uns ins Wirtschaftsgebäude. Lis und Hermann von Gesinde der Burg schlafen im Kornspeicher.

Doch nun regnet es. Das hat uns leider unseren Schleuderwettbewerb geschmissen. Zu allem Überfluss ist auch noch unser Schleudermeister, der Jaegoor, krank geworden. Deshalb fühlte sich unsere Schleuderscheibe etwas allein gelassen.

Schleuderscheibe Turmhügelburg

Historisches Steinschleudern ist eine der Aktivitäten, die sich auf den Wiesen an der Seite der Turmhügelburg ausgezeichnet durchführen lassen. Im Mittelalter war eher die Stabschleuder verbreitet, da sich diese leichter bedienen ließ als das Spezialistenwissen der Bedienung der Handsteinschleuder mit Schlingen, die eher weitflächig in der Antike verbreitet war, jedoch als Waffe auch noch im Mittelalter nachweisbar ist (s. Funde z.B. in Schleswig).

Backofen Turmhügelburg

Ein Höhepunkt des diesjährigen Aufenthalts auf der Turmhügelburg war die Inbetriebnahme des kleinen Lehmbackofens neben dem Kräuterbeet. Das war etwas, was ich eher zum Alltagsleben einer Turmhügelburg zählen würde, leicht von einem Mann zu bewältigen. Wir waren dagegen zu viert/fünft: Zuerst wurde Holz gehackt, möglichst klein zum Anzünden und weiterbefeuern. Bruno machte Feuer und blieb zum Weiterbefeuern einige Stunden dabei. Der Mann, die Frau oder das Kind damals wird seinen Ofen gekannt haben, wir dagegen mussten uns erst mit ihm vertraut machen, bevor er richtig heiß wurde. Der Huginn-Ofen in Tilleda hatte, so erinnerten wir uns, einen Abzug, oder? Dieser hier nicht! Dennoch kamen am Ende drei leckere Brot und da die Hitze noch vorhanden war, ein sehr schmackhaftes Fischgericht aus Plattfischen und Kräutern der Provinz heraus (dem Schleifischer und dem Ökohof Tuch herzlichen Dank!). Sicherlich der kulinarische Höhepunkt des Aufenthaltes, ohne den kochenden Damen und Herren nahe treten zu wollen: Auch Hollunderküchle, die Gerstenfladen und die Zwiebelhühner in Weinsauce in den Kugeltöpfen waren ausgesprochen lecker! Mein Favorit aber war diesmal das Backofen-Menü! Hier zwei Bilder:

Fischgericht Turmhügelburg

 Brot Turmhügelburg

Da dieser Bericht endlich einmal zu Ende gehen muss und auf die Veröffentlichung wartet, nur noch einige schöne Kleinigkeiten, an denen sich bestimmt alle gerne erinnern: Die Nachtwanderung durch die Hügel von Ostholstein bis zu einem geheimnisvollen See. Auch die „Kampfübungen“ mit den Kindern trugen sehr zur Unterhaltung bei. Was ich immer wieder feststelle: Die Zeit geht viel zu schnell vorbei.

Am Ende gab es noch etwas Feierliches. Ein Templer kam und der Altknappe von leider erkrankten Jaegoor, Kai, wurde Ritter. Da waren wir aber schon am Einräumen und schon fast auf der Straße nach Hause. Auch hier ein schönes Bild davon.

Turmhügelburg Ritterschlag

Wir sind wieder zu Hause. Aus den in der Küche gestapelten Kisten und dem Geschirr entströmt noch der Geruch des Holzfeuers … Die Turmhügelburg fehlt uns jetzt schon sehr!

Beteiligte Gruppen der Ottonenzeit mit ggf. Internetseiten

Regenbogen Turmhügelburg

Bis bald !

Turmhügelburg Nachtschau