Ein kleines Detail der Bekleidung

Die Darstellungen von Tuniken sind häufig nicht einfach zu interpretieren. Aus diesem Grund hält man sich bei den Kitguides und bei der Darstellung an die wenigen gefundenen Originale. In den Abbildungen von Tuniken sieht man jedoch häufiger einen schlüssellochförmigen Ausschnitt, der wirklich eng am Hals anliegt und nicht durch eine Fibel geschlossen wird. Näht man dann eine Tunika mit einem solchen engen Halsausschnitt, stellt man fest, dass man diesen Schlitz offen lassen muss, um die Tunika anziehen zu können. Nach dem Anziehen muss man den Halsausschnitt schließen.  Aber wie,  wenn keine Fibel eingesetzt werden soll? Die meisten zeitgenössischen Darstellungen geben darauf keine Auskunft. Umso interessanter ist daher eine Darstellung, die genau den Verschluss des Halsausschnittes an einer solchen Tunika zeigt. Und dies praktischerweise in einer Darstellung, die nicht so weit von den Ottonen entfernt ist.

Bei einem Besuch des Domes in Merseburg in diesem Jahr haben wir uns auch wieder die Grabplatte von Rudolf von Rheinfelden,  Herzog von Schwaben und Gegenkönig zu Heinrich IV.,  angesehen.

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Diese Grabplatte wurde nach dem Tode von König Rudolf nach der Schlacht von Hohenmölsen im Jahre 1080 von Bischof Werner von Merseburg in Auftrag gegeben und stellt das älteste figürliche Grabmal eines deutschen Königs dar.

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Detailliert zeigt die Grabplatte die Bekleidung eines ostfränkischen – salischen Königs. Von besonderem Interesse ist hierbei der im Detailfoto dargestellt Bereich.

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Deutlich ist der über der rechten Schulter gefibelte Mantel zur erkennen. Die Fibel ist viereckig mit leicht eingezogenen Seiten und verziert. Über der Borte des Mantels am Hals erkennt man die Borte der Tunika, und im Streiflicht ist deutlich zu erkennen, dass diese Tunika am Halsausschnitt durch eine Schleife geschlossen wurde. Auf den meisten Fotos der Grabplatte ist dieses Detail nicht zu erkennen. Erst wenn man es einmal gesehen hat, erkennt man es auch auf anderen Fotos der Grabplatte, die in Büchern (z.B. Salierkatalog 1992) abgebildet sind.

Gruß Buteo

Nachtrag:

im Buch: “ Königinnen der Merowinger“ von Patrick Périn wird die Tunika (bestickter Überwurf)  der Königin Balthilde vorgestellt. Auch hier ist der Halsauschnitt enganliegend. Dabei wird der Ausschnitt seitlich (über der rechten Schulter) geöffnet. Und auch dieser Ausschnitt wird durch Bändsel – Schleifen geschlossen.

Gruß Buteo

„Völkerschlacht überrollt Sachsen“

„Völkerschlacht überrollt Sachsen“

Dieser Satz wurde zum Programm am Wochenende des 19. und 20.10.2013.

Der Eindruck von mir (Reenactor Frühmittelalter)  als Zuschauer bei dieser Großveranstaltung ist zwiespältig. Auf der einen Seite die wirklich riesigen Biwaks, die vielen Teilnehmer aus der ganzen Welt und die eigentlich gut choreografierte Schlachtdarstellung. Auf der anderen Seite eine Organisation, die von ihrem eigenen Werbeerfolg praktisch überrollt wurde.

Aber der Reihe nach.

Die ganze Woche stand in Leipzig im Zeichen der Völkerschlacht. Man konnte den Medien nicht entgehen. Das Thema wurde ausführlich von allen Seiten bearbeitet. Störend fiel mir nur auf, dass man sich als Reenactor für sein Hobby rechtfertigen muss. Warum eigentlich?

Am Sonnabend waren wir in Liebertwolkwitz.  Der öffentliche Nahverkehr funktionierte. Und so haben wir relativ schnell das Dorf erreicht. Bereits beim Zugang zum Dorf (Eintritt 8€) fiel auf, dass mit dermaßen vielen Leuten kaum einer gerechnet hatte. Lange Schlangen überall, zu wenig Speise- und Getränkeversorgung, die noch dazu vorzeitig ausverkauft war, und sehr schnell kam bei einigen Leuten Unmut auf. Im Großen und Ganzen aber eine schöne Veranstaltung, zumal der ganze Ort am Geschehen teilnahm. In und bei Liebertwolkwitz gab es noch Biwaks. Diese konnte man ebenfalls besichtigen. Und auch hier gaben sich die Darsteller große Mühe, ihre jeweils spezielle Darstellung zu erklären. Die Abendveranstaltung „Entzünden der Wachfeuer“ kostete nochmals Eintritt 6€.

Von Liebertwolkwitz ging es weiter nach Markleeberg und Dölitz. Hier in den Biwaks das gleiche Bild. Schöne Biwaks (der Besuch nur der Biwaks ohne Programm war kostenfrei), nette Erklärer und sehr viele Besucher.

Am Sonntag dann das Hauptevent -> die Schlachtdarstellung. Hier zeigte sich dann, dass die Organisation für die Darsteller halbwegs funktionierte, die Organisation für die zahlenden Zuschauer (Eintritt 15€) jedoch völlig überfordert war. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren war ein anderes, deutlich größeres Gelände gewählt und abgesperrt worden. Was für die Darsteller viel Platz einbrachte, war für die Zuschauer eher frustrierend, denn geschätzte 70% der Zuschauer durften vom Geschehen auf dem Schlachtfeld mangels Sicht aus der 3. bis letzten Reihe sehr wenig mitbekommen haben. Es gab nur verhältnismäßig wenig Stehplätze, die einen Einblick auf das Schlachtfeld und somit das Geschehen gestatteten. Die Schlacht konzentrierte sich auf den mittleren bis rechten Teil des Schlachtfeldes. Der linke Teil sah zwar die französische Armee aufmarschieren und vorgehen, der Rest des Geschehens war dann aber weit weg oder nicht zu sehen und somit nicht mehr gut zu verfolgen. Hinzu kamen die mangelhaften Erklärungen zum Geschehen. Zwischendurch gab es sogar eine halbstündige Lücke ohne jegliche Erklärung. Als Erläuterung für dieses Schweigen wurde gesagt, dass das Fernsehen auch originalen Gefechtslärm wollte, und so wurde eben gar nichts mehr erklärt. Die Handlungen, die in ca. 3 Stunden die Schlacht von 4 Tagen zusammenfassen sollte, liefen somit im Pulverdampf für die meisten Zuschauer als Rätsel ab. Der Gipfel des Geschehens war der Abschluss mit einer Schweigeminute für die vor 200 Jahren gefallenen Soldaten und zivilen Opfer. Nicht einmal auf dem Schlachtfeld kehrte wirklich die erwartete Ruhe ein. Es wurden weiter Befehle gebrüllt und Einheiten marschierten weiter. Von Gedenken kaum eine Spur.

Der Moderator der Veranstaltung verstieg sich bereits am Anfang zu der Bemerkung, er wäre überrascht über die vielen Gäste. Was sollte denn dies bedeuten? Wenn ich 27.000 Karten im Vorkauf verkaufe, dann muss ich damit rechnen, dass diese Leute auch wirklich kommen. Und 15€ für einen Stehplatz nur für die Gefechtsdarstellung ist ja nicht gerade wenig. Also sollte dieser Besucherandrang nicht überraschend sein. Letztendlich werden ca. 32.000 – 35.000 Zuschauer bei dieser Veranstaltung gewesen sein. Und dafür war sowohl das Gelände für die Zuschauer als auch die Versorgung nicht geplant. Ein schönes Erlebnis war es wohl nur für die Besucher des VIP-Bereiches, der Presse und der Tribünen, die direkt am Zentrum lagen. So bleibt bei vielen ein schaler Nachgeschmack. Dass die LVB in dem Ansturm kaum bewältigte, war dann nur noch ein Punkt in der organisatorischen Fehlleistung. Frech auch die Meinung des Veranstalters auf mdr 1 Radio Sachsen, wer nichts sehen konnte, weil er hinten stand, hätte eben eher kommen müssen. Dazu das bekannte Zitat von Gorbatschow (Wer zu spät kommt, …). Dass so viele Besucher nichts sehen konnten, lag nicht am Zuspätkommen. Wer sich die Luftbilder der Gefechtsdarstellung vom Sonntag ansieht, kann erkennen, dass diese Darstellung nur für das Fernsehen (MDR) und für die VIPs organisiert wurde.

So bleibt festzuhalten, es hätte sehr schön werden können, wenn nur nicht so viele Zuschauer gekommen wären. -> „Völkerschlacht überrollt Leipzig“

Noch einige Bemerkungen vom Reenactor zum Reenactment:

–         Perkussionsgewehre gehören nicht in die Darstellung der Befreiungskriege.

–         Wer 2.000 – 3.000€ für seine Uniform ausgibt, sollte die 200€ für richtige Schuhe auch noch drauflegen. Was hier manchmal gezeigt wurde, war schon gruselig. Auch wenn man es auf den Fotos kaum erkennen kann.

–         Die Gefechtsdarstellung auf zwei Tage zu verteilen, wäre für die Zuschauer sicher angenehmer gewesen.

–         Die Darstellungen müssen erklärt werden, gerade die Gefechtsdarstellungen. Auch die jeweils agierenden Gruppen/Truppen hätten wenigstens kurz beschrieben werden müssen.

Wenigstens hat es den meisten Darstellern gefallen.

Fazit: Beim nächsten Großevent in Leipzig nur noch die Biwaks, die Gefechte dann im Fernsehen. Das ist preiswerter und man sieht wenigstens etwas.

Mit Grüßen Rike, Hemmo und Buteo

Ergänzung zum Thema Rotunde

Neben der im Bericht erwähnten Rotunde auf dem Petersberg bei Halle und Rotunde auf der Wiprechtsburg bei Groitzsch gibt es noch eine weitere interessante Rundkirche bei Leipzig.

Mit der Eingemeindung des Dorfes Knautnaundorf zu Leipzig zählt die Andreaskapelle zu den ältesten Gebäuden der Stadt Leipzig.Andreaskapelle in Knautnaundorf 2011

Interessanterweise wurde die Andreaskapelle ebenfalls von Wiprecht von Groitzsch im ausgehenden 11. Jhd. errichtet. Beide Rundkirchen entstanden ca. 1080 nach der Rückkehr Wiprechts aus Böhmen. Wiprecht war mit einer Tochter des böhmischen Königs Vratislav II. verheiratet. Somit weisen auch diese Rundkirchen Bezüge zu den Prager Rundkirchen auf.

Im Netz findet man zu den entsprechenden Stichwörtern weiterführende Hinweise und Beschreibungen.

Während jedoch die Andreaskapelle auch heute noch genutzt wird, ist die Rotunde der Wiprechtsburg ein typisches Beispiel für einen denkmalpflegerischen Kompromiss.

 

 Wiprechtsburg Groitzsch 2011

Wer angeregt durch Literatur und diverse Beiträge im Netz die Wiprechtsburg besucht, wird erst einmal enttäuscht sein. Die Bedeutung der Burg und der vorhanden Ruinen wird zwar auf sehr schönen Tafeln erklärt, geboten wird jedoch nur eine Bühnendekoration. Die beiden Ruinen des Turmstumpfes und der Rotunde sind fester Bestandteil der Freilichtbühne. Umrahmt von einer Sammlung sächsischer Meilen- und Grenzsteine. Für die Gemeinde Groitzsch ist das zwar praktisch und die Gebäudereste werden gepflegt und erhalten. Der Bedeutung der Ruinen wird diese Form der Erhaltung jedoch nicht gerecht. Im Gegensatz zu anderen bekannteren Orten merkt man hier sehr deutlich, dass in Sachsen der Schwerpunkt der touristischen  Vermarktung eher bei August oder Napoleon liegt.

Gruß

Buteo