Rotunde (Nachtrag): Die Jakobskapelle in Halle

Aprilregen über dem Herzogtum Sachsen und über den Burgen an der Saale. Unser Hoster hat auf eine neue WordPress-Version umgestellt, deswegen können wir unser Design nun auch individueller gestalten. Wer dazu Vorschläge hat, gerne…

Dann einen Nachtrag zu unserer „Rotunden-Diskussion“. In dem Zusammenhang war hier auch die (nicht mehr existierende) Rotunde in Halle, die Jakobskapelle, erwähnt worden. Bei meinen Recherchen zur „Frühstadt“ von Halle und zu der Burg Giebichenstein fand ich einige interessante Informationen zur Jakobskapelle:

karte-kirchen-halleaus Geschichte der Stadt Halle Bd. 1, Halle, 2006, S. 27

Der rote Pfeil kennzeichnet die Lage der mutmaßlichen Rotunde (Jakobskapelle) nahe eines Herrenhofes (Burggrafenhof ?). Dietrich Claude in „Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert ; Teil 1″ erwähnt die Schenkung der Kapelle 1118 durch Erzbischof Adelgot an das Kloster in Pegau, Hauskloster der Groitzscher. Enno Bünz konstruiert daraus in „Der Jakobskult in Sachsen, S. 90“ dies hätte Adelgot auf Veranlassung seines Verwandten Wiprecht getan. Allerdings geht daraus nicht hervor, dass Wiprecht die Rotunde auch gebaut hat (War es überhaupt eine?). Doch zeigt die Quelle: 1. Die Kapelle muss vor 1118 schon gestanden haben und 2. der Hof war höchstwahrscheinlich noch in der Verfügung des Magdeburger Burggrafen Hermann von Sponheim.  Zudem war der ältere Groitzscher bis 1116 noch in der Haft des Kaisers Heinrich V. und wurde danach erst gegen Heinrich Haupt ausgetauscht. Volker Hermann in „Vom karolingischen Grenzkastell… “ in Geschichte der Stadt Halle Bd. 1, Halle, 2006, S. 15-52″ verweist auf das Urkundenbuch der Stadt Halle, Eintrag Nr. 16. Ob hier oder in den Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis ein Beweis für die These enthalten ist, dass Wiprecht die Jakobskapelle gebaut hat (oder war es doch Erzbischof Adelgot oder einer seiner Vorgänger), kann ich erst nächste Woche überprüfen.

Bis dahin.

Euer Isíisi-avatar

Ergänzung zum Thema Rotunde

Neben der im Bericht erwähnten Rotunde auf dem Petersberg bei Halle und Rotunde auf der Wiprechtsburg bei Groitzsch gibt es noch eine weitere interessante Rundkirche bei Leipzig.

Mit der Eingemeindung des Dorfes Knautnaundorf zu Leipzig zählt die Andreaskapelle zu den ältesten Gebäuden der Stadt Leipzig.Andreaskapelle in Knautnaundorf 2011

Interessanterweise wurde die Andreaskapelle ebenfalls von Wiprecht von Groitzsch im ausgehenden 11. Jhd. errichtet. Beide Rundkirchen entstanden ca. 1080 nach der Rückkehr Wiprechts aus Böhmen. Wiprecht war mit einer Tochter des böhmischen Königs Vratislav II. verheiratet. Somit weisen auch diese Rundkirchen Bezüge zu den Prager Rundkirchen auf.

Im Netz findet man zu den entsprechenden Stichwörtern weiterführende Hinweise und Beschreibungen.

Während jedoch die Andreaskapelle auch heute noch genutzt wird, ist die Rotunde der Wiprechtsburg ein typisches Beispiel für einen denkmalpflegerischen Kompromiss.

 

 Wiprechtsburg Groitzsch 2011

Wer angeregt durch Literatur und diverse Beiträge im Netz die Wiprechtsburg besucht, wird erst einmal enttäuscht sein. Die Bedeutung der Burg und der vorhanden Ruinen wird zwar auf sehr schönen Tafeln erklärt, geboten wird jedoch nur eine Bühnendekoration. Die beiden Ruinen des Turmstumpfes und der Rotunde sind fester Bestandteil der Freilichtbühne. Umrahmt von einer Sammlung sächsischer Meilen- und Grenzsteine. Für die Gemeinde Groitzsch ist das zwar praktisch und die Gebäudereste werden gepflegt und erhalten. Der Bedeutung der Ruinen wird diese Form der Erhaltung jedoch nicht gerecht. Im Gegensatz zu anderen bekannteren Orten merkt man hier sehr deutlich, dass in Sachsen der Schwerpunkt der touristischen  Vermarktung eher bei August oder Napoleon liegt.

Gruß

Buteo

Bibliothekstagebuch 3

fasst zwei Bibliotheksnachmittage und ein bißchen mehr zusammen: Ich habe den Artikel von Ákos Nemcsics zu Ende gelesen und auch einige Fotos dazu gemacht. Zudem hatte ich kurzen Kontakt über die elektronische Post mit ihm.

Ungarische Rotunden

Die ersten Rotunden wurden in Ungarn aus Lehm-Flechtwerk hergestellt. Nemcsics führt in seinem Artikel weiter aus: Die Rekonstruktion erfolgte auf Grundlage der damaligen mathematischen und naturwissenschaftlichen Bildung. Ab Spätmittelalter erfolgte tatsächlich auch eine Festsetzung der Gewölberegeln zum Beispiel bei Alberti und Blondel. Nemcsics und sein Team von Studenten hat den Bau der Rundkirche als experimentelle Archäologie betrachtet. Im Artikel, wie im letzten Bibliothekstagebuch bibliographiert, beschreibt er diese Arbeiten ausführlich. Hier eine Abb. daraus:

Rotunde31

Die Arbeit an der Rotunde mit modernen Werkzeugen

Wie auf einigen Fotos zu sehen ist, erfolgt der Bau allerdings mit modernen Werkzeugen. Es werden unbehauene Steine verwendet. Das Bindematerial wurde nicht klar definiert. Wie auf den Fotos allerdings zu sehen ist, wird mit modernen Werkzeugen und moderner Kleidung gebaut.  Nemcsics schrieb mir dazu:  Wir bauen die Rutunda mit Studenten jährlich in einem Sommercamp. Der Camp dauert meistens 7-9 Tagen inklusive Vorbereitung und Nacharbeiten. Wir bauen es schon in diesem Jahr da zehnte Mal. Unsere Haupaufgabe ist nicht, daß wir  schnell mit der Rotunda fertig zu werden, sondern der authentische Bau. Wir sind noch damit nicht fertig. Ich schätze, daß wir in einigen Jahren fertig werden.

Ein schönes Projekt also, wobei ich hinter dem experimentellen Charakter ein kleines Fragezeichen setzen würde. Aber das offenbart unsere Probleme bei solchen Experimenten: Entweder man verabschiedet sich ganz aus dem modernen Leben, um sich ganz dem Experiment zu widmen, oder man arbeitet an einem historischen Projekt zwischendurch, immer wenn Zeit ist, aber dann verabschiedet man sich zumindest teilweise von einer experimentellen Variable, dem Zeitfaktor.

Flachbodenschiffe

Aus Lübeck zurück, etwas maritime Luft geschnuppert und mich deswegen auf folgendes gestürzt: Unter der Signatur V 965 fand ich in der Arch.-Bibl. die Broschüre des Landesamtes von Schleswig-Holstein (zur Zeit auch noch im Buchhandel erhältlich) mit dem Titel „Der Prahm aus dem Hafen von Haithabu : Antike und mittelalterliche Flachbodenschiffe.

Flachbodenschiff

So schaut es aus: Das Flachbodenschiff von Haithabu. 

Der Fährprahm im Haddebyer Noor ist nicht aus der Wikingerzeit, sondern hat Leute über die Schlei nach Schleswig, Haithabus Nachfolger auf der anderen Seite, übergesetzt. Datiert ist es das Flachbodenschiff oder Prahm auf etwa 1184. Ein ähnliches Schiff, der Egernsund-Prahm stammt von 1200. Ich habe allerdings einen Vergleichsfund in meinen Unterlagen, der so einen Kahntyp bereits für das Jahr 800 nachweist, hier zum karolingischen Lastkahn.

Mittwoch wird weitergelesen, Euer Isí

Bibliothekstagebuch 2, Bodfeld (2), Rotunde

Zurück auf dem Sofa in der Arch.-Bibl. : Wir sind weiter auf der Suche nach dem Jagdhof Bodfeld. Köhler untersuchte verschiedene archäologische Untersuchungen, die für einen Standort relevant wären:

  1. Die Andreaskirche auf dem Papenberg, sowie die dazugehörige Dorfwüstung Bodfeld. Gef. Eisenschlacken  deuten auf Eisenverarbeitung hin. Das Dorf fiel bereits vor dem 13. Jahrhundert wüst.
  2. Die Ruine Königsburg. Diese wurde erst im frühen 13. Jhd. vom Rittergeschlecht von Bodfeld (1226 – 1312). Gef. Keramik ist dem frühen 13. Jhd. zuzuordnen (Grimm). Keine frühere Bauschicht unter der Anlage des 13. Jhd. Allerdings fanden sich im Vorgelände der Burg Keramikreste des 10./11. Jhd.
  3. Wüstung Ertfeld, keine belegte Grabung, evt. 9./10. Jhd. bis 14./15. Jhd. Hier fand sich frühmittelalterliche Kugeltopfware bis hoch- und spätmittelalterliche Keramik.
  4. Der Schlosskopf. Hier fand unter Brinkmann eine Grabung im Jahre 1885/86 statt. Keramik wurde von ihm nicht beachtet. Bauanlage einer Pfalz des 9. – 10. Jhd, wahrscheinlicher Standort des Jagdhofs Bodfeld. Ein späterer Standortwechsel erscheint Köhler aber auch möglich. Schlosskopf Standort oder erster Standort des Jagdhofes.

Damit bestätigt Köhler auch das, was in der Wikipedia vermutet wird. Ganz genau weiß man es indes nicht und Brinkmanns Grabungen werden bereits viel zerstört haben. Archäologisch interessante Funde, z.B. von mit der Jagd zusammenhängenden Alltagsgegenständen, kann ich in diesem Zusammenhang auch nicht bieten. Deswegen müssen wir den Inhalt Bodfeld schließen.

 Neues Thema: Rekonstruktion einer Rotunde

Es war aber noch etwas Zeit und ich griff in den Regalen in der Nähe (d.h. oben auf meiner Sofa-Galerie) nach interessanten Inhalten und fand die Signatur Zen b 354 b Exp. Archäologie in Europa Bilanz 2009 und blätterte wahllos darum rum.

Besonders der Artikel von Ákos Nemcsics hatte es mir angetan: Erfahrungen über den Bau einer Rotunde. Diese kleinen Kapellen des beginnenden Hochmittelalters hatte ich zuerst in Prag kennengelernt, wo sich noch mehrere im Stadtgebiet und in der Umgebung erhalten haben. Hier ein Beispiel:

Rotunde

Rotunde in Prag (Longinus-Rotunde, 12. Jhd. mit Laterne oben aus dem 17. Jhd.)

Ganz in der Nähe von Halle aber wurde wahrscheinlich um oder vor 1100 auch eine Rotunde errichtet, nämlich auf dem Petersberg, später abgelöst von der Stiftskirche und dem Grabkloster der Wettiner. Heute gibt es nur noch die Fundamente davon:

Vielleicht wurde sie im 11. Jhd. errichtet, vielleicht erst im frühen 12., kurz vor der Erbauung der Stiftskirche. Der Form war sie eng verwandt mit der um 1100 entstandenen Rundkapelle der Burg Groitzsch und höchstwahrscheinlich auch mit der 1118 geweihten Jakobskapelle in Halle, beide erbaut durch Markgraf Wiprecht von Groitzsch.
aus: Die Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle, 4., neu bearbeitete Aufl., Regensburg, 2002

Hier mehr zur Groitzscher Rotunde. Da kommen mir ganz komische Ideen für ganz neue Projekte.  Deswegen schließe ich für heute erst einmal

Euer Isí