Ein Heiliger Krieg ist schlecht für das Geschäft

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Ausgekämpft! Das Paradies vom Büchersofa geräumt…

Paul M. Cobbs „Kampf ums Paradies“ 

„Der Islam gehört zu Deutschland“ sagen die einen und die anderen formieren sich als sogenannte „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Das römisch-katholische Abendland entdeckte sich womöglich durch die (kurzfristigen) Gemeinsamkeiten in den Kreuzzügen. Wie aber wurde dieser historische Aufbruch, der vom Papsttum gleichzeitig zur Befriedung der innerchristlichen Streitigkeiten begriffen wurde (Gottesfriedenbewegung), auf der Seite des Islams aufgenommen? Professor Paul M. Cobb von der Universität von Pennsylvania hat mit seinem „Kampf ums Paradies“ versucht, die Perspektive zu drehen und die Kreuzzüge und ihre Zeit aus islamischer Sicht zu schildern. Ob dies schon eine islamische Geschichte der Kreuzzüge ist (so auch der Titel im engl. Original) dazu kommen wir noch. Mir lag die dt. Übersetzung von Michael Sailer vor, die in diesem Frühjahr im Verlag Philipp von Zabern erschienen ist. Wer eine kurze Bewertung möchte, der kann gleich unten das Fazit lesen.

Tausendundeine Zerstörung Syriens

Natürlich darf in Prof. Cobbs Darstellung der aktuelle Bezug zum heutigen Syrienkonflikt nicht fehlen. Erschreckend nimmt man zur Kenntnis, dass Syrien nicht nur heutzutage vollkommen zerstört wird, sondern auch in Cobbs Buch tausendundeine totale Zerstörung aus der Vergangenheit geschildert wird. Aber hinzugefügt wird der verzweifelte Appell an den Leser: …weder der Islam noch das Christentum ist von Natur aus gewaltätig; beide waren und sind als Denksysteme innerlich viel zu breit gefächert, um auf diesen einfachen Nenner gebracht zu werden. (S. 42, Dt. Ausgabe). Widmen wir uns nun den einzelnen Kapiteln des Buches:

Die Welt des Islam und die Barbaren

Das erste Kapitel ist eine intensive Einführung in das Thema: Obwohl bereits lange Handelsbeziehungen in den barbarischen Norden bestanden, war das Wissen über die Völker Europas, im folgenden „Franken“ genannt, im „Haus des Islams“ begrenzt. Im ersten Kapitel beschreibt Cobb zunächst die Weltsicht der islamischen Welt im Mittelalter und ihr Wissen über benachbarte Landschaften und Völker, hier besonders die Welt der „Franken“. Erschreckend muss er feststellen, dass das Wissen und Verstehen der christlichen Welt bei islamischen Gelehrten, Geistlichen und Herrschern im Verlauf der Zeit der Kreuzzüge weder zugenommen, noch sich verändert hat. Sind unsere christlichen Vorfahren so barbarisch und verbohrt gewesen, wie der Islam sie schildert, oder war die islamische Welt einfach unbelehrbar und von den eigenen Vorurteilen überzeugt? Die zivilisatorischen Unterschiede zwischen einem urbanen Orient und einem noch überwiegend ländlich geprägten Abendland, werden zu diesen Urteilen beigetragen haben. Kurz geht Cobb auf den „Ring der Gerechtigkeit“ in der islamischen (Staats-)lehre ein, darauf kommt er im weiteren Buchinhalt immer wieder zurück. Auch gibt es wichtige Worte zum Unterschied zwischen Kreuzzug und Dschihad. Bei seiner Darstellung benutzt der Autor nach eigenen Angaben islamische Quellen, greift aber zum Vergleich auch auf „fränkische“ Chronisten zurück.

 Überraschende Angriffe auf die Häuschen des Islam

Darstellungen der Kreuzzüge beginnen in der Regeln mit den ersten Kreuzzugspredigten der Päpste, bei den Volkskreuzügen und Judenprogromen (s. z.B. Runciman: Geschichte der Kreuzzüge). Bei neueren Darstellungen taucht auch die Papst-Predigt von 1063 und der Angriff auf die maurische Stadt Barbastro und deren Einnahme durch südfranzösische Kreuzfahrer 1064 auf. Cobb versucht im Gegensatz dazu die islamische Welt umfassender zu sehen, schildert wie bei beginnender Instabilität(sunnitisch-schiitische Auseinandersetzungen)im 11. Jahrhundert die Angriffe der „Franken“ auf das islamische Haus zunehmen. Dabei kann in dieser Zeit nach dem Zusammenbrüchen der beiden letzten großen Kalifate Córdoba und Bagdad (Bagdad bestand nur noch auf dem Papier unter der Herrschaft der türkischen Großseldschuken weiter) nicht mehr von einem Haus des Islam geredet werden, sondern von vielen Häuschen und Hütten, zwischen denen tiefe Gräben und Mauern gezogen waren. Ich möchte niemanden mit den vielen Namen der „Kalifate“, Sultanate und Emirate langweilen, die sich in der ganzen islamischen Welt von Spanien bis in den Fernen Osten selbstständig gemacht hatten. Ein starkes einheitliches Haus des Islam gag es schon lange nicht mehr, als die Kreuzzüge losgingen.

Und wann fing es an?

Mit irgendetwas muss es begonnen haben und das zweite Kapitel des Buches verrät es uns: Für Prof. Cobb beginnen die Kreuzzüge mit den Eroberungszügen, die die Normannen auf Sizilien unternommen haben. Einen zweiten Start setzt er mit der beginnenden christlichen Reconquista in Al-Andalus (Spanien). Trotz dieser Attacken war die islamische Welt überrascht und gedemütigt, als durch Anatolien die fränkischen Streitkräfte zogen und ihre Eroberungen in Syrien/Palästina fortsetzten. Dieser Angriff auf die islamische Levante geschah gerade zu einer Zeit, in der die große Regionalmacht Ostrom/Byzanz dort tatenlos und machtlos jeden Einfluss verloren haben schien. Von Ostrom drohte der islamischen Welt keine Gefahr mehr. Die neuen Angreifer waren auch Christen, aber von einem ganz anderen Zuschnitt als die Römer. Diese Barbaren aus dem Norden eroberten also innerhalb kurzer Zeit weite Teile von Syrien und Palästina, darunter die auch dem Islam heilige Stadt Jerusalem, in der die Kreuzfahrer das bereits hinlänglich bekannte Blutbad anrichteten. Nur wenige Städte (Damaskus) und kleine Emirate (Schaizar der ibn Munquid) konnten sich halten.
Und hier setzt meine erste Kritik an. Für die islamischen Quellen, wie sie uns Cobb präsentiert, kamen die Angriffe und Eroberungen in Al-Andalus, Sizilien und Syrien (inkl. Palästina) wie aus dem Nichts. War das so?

Was Cobb vergisst: Söldner und Landsuchende

Denn all dies hat eine Vorgeschichte, ohne die die gesamte adlige Kreuzzugsbewegung nicht erklärbar ist: So ahnungslos können die islamischen Chronisten nicht gewesen sein, dass sie den Sieg der Araber in Süditalien gegen den gesamten Reichsadel der deutschen Herzogtümer nicht erwähnt haben. Danach holte der Papst zum Schutz des Kirchenstaats normannische Söldner ins Land, deren Nachkommen den Angriff auf Sizilien starteten, um ihr Gebiet zu vergrößern und quasi als Vorwärtsverteidigung. Eine ähnliche Struktur von Kämpfern und Söldnern bildete sich in den christlichen Königreichen und Grafschaften Spaniens, von Richard Fletcher in seiner Cid-Monographie im Kapitel „Wenige Männer in einem großen Land“ eindrucksvoll geschildert: Hier waren es nicht die Normannen, sondern die Castellanos (Kastilier), die aus ihrer kleinen Grafschaft heraus bald die ganze Halbinsel dominieren sollten und es sprachlich heute noch tun. Da diese „ritterlichen“ Söldner des 11. Jahrhunderts auch für islamische Herrscher und Byzanz in den Krieg zogen, waren sie dem Islam bekannt, aber ihre Gefährlichkeit ist wohl schlicht und einfach unterschätzt worden. Wie gut man diese Männer, Normannen, Kastilier und andere, bezahlen musste, erwähnt Osama ibn Munquid in einer Anekdote. Da sich auch der Islam Soldtruppen und Wafffensklaven bediente, wäre dieses Phänomen einem näheren Blick wert gewesen. Aber eine Beleuchtung der Strukturen (Militär- und Alltagsgeschichte) wollte und konnte Cobb anscheinend nicht leisten. Schade!

 Gewohnter Ablauf der Ereignisse

Von nun nimmt auch diese Geschichte der Kreuzzüge den gewohnten Ablauf von Eroberungen und Rückeroberungen im Heiligen Land. Die Sicht aus den islamischen Quellen heraus eröffnet jedoch auf viele Ereignisse eine völlig neue Sicht. Die uns gut bekannten Anekdoten von Usama ibn Munquid erhalten endlich den nötigen geschichtlichen Rahmen. Cobb zeigt aus den Quellen heraus, dass sich die islamische Welt nur einmal von den „Franken“ überraschen ließ. Danach waren die Herrscher in Ägypten, Syrien und Anatolien erstaunlich gut informiert, was sich in den fränkischen Ländern abspielte und wer dort wieder für einen Zug in Richtung der syrischen Levanteküste oder nach Ägypten rüstete. Herausragend der Abschnitt über Friedrich II. von Hohenstaufen (7. Kapitel), der in Verhandlungen Jerusalem wieder gewann. Das war zwar nur ein kurzfristiger politischer Erfolg, aber garantiert von ihm auch so geplant gewesen. In diesem Abschnitt kommt das schöne Zitat über die Vorgehensweise mancher islamischer Herrscher in der Kreuzzugszeit vor: Ein Heiliger Krieg ist schlecht für das Geschäft. (S. 268, dt. Ausgabe).

Im Jahr 1291 ist es nicht vorbei

Als die Mamluken (Waffensklaven) Ägyptens, die inzwischen Saladins Familie abgelöst hatten, 1291 Akkon eroberten, ist für die meisten Historiker die Kreuzzugszeit vorbei. Die Christen sind von der syrischen Levanteküste und aus dem Heiligen Land vertrieben. Alles andere ist Schlussgeplänkel. Das die Mamluken ihren Aufstieg auch ihren taktisch klugen Siegen gegen die Mongolen verdanken, kommt in den meisten Darstellungen vor. In den Quellen, die Cobb benutzte, sind diese ägyptisch-mongolischen Auseinandersetzungen aber nicht auf eine Schlacht beschränkt geblieben. Dreimal gewinnen die Mamluken, einmal die Mongolen. Das reichte, um die Oberhand zu behalten. Cobb endet mit dem osmanischen Aufstieg, der Vertreibung der Mauren aus Spanien und einem wunderschön poetischen Epilog.

Schlecht bewältigt: Spanien und Saladin

Bei aller Begeisterung gibt es auch ein, zwei negative Anmerkungen: Ganz schlecht wirkte auf mich das 3. Kapitel: Hier hatten sich im Teil über Al-Andalus viele den Inhalt entstellende Druckfehler eingeschlichen. Aber sachlich war dies ein Tiefpunkt: Ein rascher Blick in die Monographie über El Cid von Fletcher hätte gezeigt, das der Herr von Vivar 1063 noch viel zu jung war, um königlicher General der Kastilier im Gefecht von Graus zu sein (hier agierte sein Mentor Sancho, Infant von Kastilien) Das ist eine läßliche Sünde, aber ich hatte danach Zweifel, ob Prof. Cobb wirklich so sorgfältig mit allen Fakten umgegangen ist, wie er behauptet. Oder sind die Schnitzer im 3. Kapitel der dt. Übertragung anzulasten? Was dann Herrn Cobb im Saladin-Abschnitt (6. u. 7. Kapitel) geritten hat, das entzieht sich meiner Kenntnis. Da im gesamten Buch eine sachliche Darstellung vorherrschend ist, die angenehm zu lesen und spannend erzählt herüber kam, so tauchte im Saladin-Abschnitt plötzlich Emotion und Bewertung auf. Wenn er Saladins Rolle in der Kreuzzugszeit entmystifizieren wollte, dann war dies definitiv der falsche Moment. Dies ist auch bereits besser gelungen (z.B. Möhring: Saladin: der Sultan und seine Zeit, 1138-1193). Man erkennt Cobbs Absicht und ist verstimmt, wie es so schön heißt. Ähnlich neben die Sachebene gehauen wie beim Saladin-Abschnitt sind die Bewertungen von Schlachten bei Cobb. Da er kein Militärhistoriker ist, hätte er besser die Finger davon gelassen oder in die entsprechenden Publikationen geschaut.

Fazit

Der Autor bietet einen sehr guten historischen Überblick über die Kreuzzugszeit aus „islamischer Sicht“, eine islamische Geschichte der Kreuzzüge ist es meiner Meinung nicht. Die sachliche und spannende Bewältigung des Themas ist beeindruckend. „Der Kampf ums Paradies“ liest sich weg wie ein Krimi. Insgesamt liefert er nur wenig neue Fakten, auch wenn der Blickwinkel aus den islamischen Quellen heraus seinen besonderen Reiz hat. Die Ratlosigkeit dieser Quellen gegenüber den Angriffen der „Franken“ gibt uns Cobb weiter. Eine nähere Betrachtung der Vorgeschichte der Normannen in Süditalien und des Aufstiegs von Kastilien u.a. hätte Cobb dem Phänomen näher gebracht. Dementsprechende (vorhandene) Quellen standen ihm nicht zur Verfügung oder er ließ sie aus. Er kann uns außer einer weiteren Ereignisgeschichte der Kreuzzüge nichts bieten. Es ist eine wichtige Ergänzung zu den herkömmlichen Darstellungen, aber beim Propheten, da hätte er mehr daraus machen können.

Der Kampf ums Paradies von Cobb, Paul M.;
Eine islamische Geschichte der Kreuzzüge. Übersetzung: Sailer, Michael .   Originaltitel: The Race for Paradise 432 S. 15 SW-Abb., 10 Ktn. 230 mm 850g , in deutscher Sprache.
2015   Zabern, ISBN 3-8053-4884-3, Preis: 29,95 €

Euer Isidorus

Geschichtsdarstellers Bücherfrühling (2015)

Viele Bücher ergeben nur Brei … deswegen meine Vorschau

Es ist zwar noch nicht Frühling, aber dennoch wage ich bereits einen Blick auf drei Neuerscheinungen in diesem Frühjahr, die für Geschichtsdarsteller bzw. Reenactors interessant sein könnten. Alle drei Titel möchte ich im Laufe des Jahres noch ausführlich besprechen, werde sie aber schon einmal kurz vorstellen:

  1.  Für meinen Lieblingstempler Odo könnte dieses Buch, das bereits im nächsten Monat erscheint, interessant sein: Paul M. Cobb erzählt in seinem „Kampf ums Paradies“ die Geschichte der Kreuzzüge auf Basis der auch zahlreich vorhandenen islamischen Quellen. Ich kann mich gut erinnern, dass in einem Buch in meinem Bestand christliche und islamische Quellen bereits gegenüber gestellt worden sind (Peter Milger: Die Kreuzzüge, 1988). Ansonsten ist die Annahme des Autors völlig richtig: Die Geschichte der Kreuzzüge wird in Schule und Historie aus der christlichen Sicht erzählt. Manches Vorurteil alter Kreuzzugspredigten scheint bis heute im Staub der Studierstuben überlebt zu haben. Mit der Veröffentlichung der im Escorial aufgefundenen Lebensgeschichtes des syrischen Ritters Usama ibn Munqidh ergab sich erstmals ein wichtiger Perspektivwechsel. Meine Hoffnung ist, dass uns Herr Cobb mit der Hinzuziehung weiterer Quellen eine ganz andere Sicht auf die Kreuzzüge eröffnet. Andererseits herrscht bei mir eine große Angst vor, dass diese neue Publikation wieder nur ein weiterer Fall für die Abteilung „Orientalistenromantik“ wird. Drücken wir gemeinsam die Daumen! Mit 29,95 € ist jeder Kreuzfahrer und Glaubenskrieger dabei!
  2. Die Mode der frühen Hellenen unter dem Titel „Helenas Töchter – Frauen und Mode im frühen Griechenland“ von Klaus Junker und Sina Tauchert macht mich sehr neugierig. Paris erstes Anliegen nach dem Raub der Helena war, wie seine neue Braut zu angemessener Kleidung und Ausstattung kam. Haben die frühen Griechen die Mode erfunden? Oder ist schöne Kleidung von Mann und Frau der erste Schritt in die Zivilisation für die alten Griechen? Denn wie elegant schon Altägypter, Zweistromländler und Etrusker waren, wissen wir. Ich bin zwar definitiv aus dem Alter raus, um nach der schönen Helena zu haschen, aber für jeden Darsteller, der über den Tellerrand gucken möchte, ist dies eine unerläßliche Ergänzung für die Bibliothek. Das Werk erscheint im April und kostet 29,95 €
  3. Kehren wir ins Mittelalter zurück (dort, wo wir hingehören): Nach „Mittelalter selbst erleben“ und „Spielen wie im Mittelalter“ bringt Doris Fischer nun auch „Kochen wie im Mittelalter“ heraus. Nach den beiden ersten Bänden erwarte ich kein Werk auf Darstellerniveau, eher gute Einstiegsliteratur wie bei den ersten beiden Bänden auch. „Mittelalter selbst erleben“ wartete mit einigen guten Tipps auf. „Spielen wie im Mittelalter“ fand ich sehr oberflächlich, wenn man sich mit Originalquellen beschäftigt hat. Nicht viel erwartend, möchte ich dennoch von der Kochkunst von Doris Fischer gerne überraschen lassen. Denn was es bislang in der Hinsicht auf dem Markt gibt und uns bereits zu einem eigenen internen „Kochführer“ gezwungen hat, ist zum größten Teil nicht zum Genießen und bezieht sich stets auf das Spätmittelalter. Mal sehen, ob Frau Fischer für uns bekömmlicher abschmeckt.  Für 16,95 € sollte ein Gast bei ihr satt werden. Nichts für den sorfortigen Hunger, denn aufgetischt wird erst im Mai.

Euer Bücher-Blumenpflücker Isidorus

 

Sarazenen

Sarazenen

Draußen schneit es.  Es ist eiskalt. Da macht es Sinn sich auf einen Teppich zu setzen und in eine heiße Wüste zu träumen. Und in die Spätantike! Das passt zwar nur am Rande zu einem Ottonenblog, aber dennoch heute ein Lektüretipp und gleichzeitig einige Begriffs(er)klärungen daraus:
Holland, Tom
Im Schatten des Schwertes
Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs, Übersetzt von Held, Susanne
Verlag : Klett-Cotta, ISBN : 978-3-608-94380-1

Das wäre auch ein guter Tipp für den Gabentisch. So nun aber zur Sache: Holland beginnt nach einem langen Durchmarsch durch jüdische, römische und persische Spätantike zu den Berührungspunkten der arabischen Stämme mit diesen im Gegensatz zu vielen Vorurteilen kraftvollen Zivilisationen zu kommen. Interessant sind dabei die Bündnispartner die Banu Lakhm (Sasanidische Foederati) und die Banu Ghassan (Römische Foederati). Auch die arabische Königin von Palmyra, Zenobia, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Beide zuerst genannten Verbündeten sind keine eigenständigen Ethnien oder Stämme, sondern Stammesverbände unter einem charismatischen und mächtigen „Warlord“. Solche Partnerschaft wurde für die Kriegsführung und großflächige Beutegewinnung geschlossen. Die Stämme nannte diese Bündnisse Shirkat. Bei Erfolg lockte ein Shirkat immer weitere junge Krieger aus den Wüstenstämmen an. Die arabischen Verbündeten der Römer hießen in den Quellen seit dem 4. Jahrhundert Sarazenen, eine Bezeichnung, die sich von dem arabischen Shirkat ableitet so Holland. So sind Sarazenen im ursprünglichen Sinn also die arabischen Foederati der Römer gewesen. Angetroffen werden konnten die Sarazenen in einem Hira, dem altsyrischen Wort für ein Zeltlager. Dort wohnte selbst die Führungsschicht in einer Jaima, einem Beduinenzelt. Die Hauptstadt der Banu Lakhm bekam sogar den Namen Hira, fiel aber spätestens ab dem 11. Jahrhundert durch das nahe islamische Kufa in die Bedeutungslosigkeit und dem Vergessen anheim. Aber auch die Araber übernahmen Begriffe von ihren Bündnispartner, besonders was dem militärischen Bereich betrifft. Ein Beispiel darf hierfür genügen:  Der Begriff qasr für Burg oder Festung leitet sich ohne Zweifel von den Lagern der Grenze, den römischen castra ab.

Das die arabischen Stämme nicht nur das spätantike Wissen bewahren, sondern sogar Kinder der spätantiken Welt inkl. ihrer neuen Religion sind, das habe ich schon länger vermutet. Und damit mag der Ausflug in die Spätantike vorerst beendet sein. Wer längere Reisen wünscht, der soll sich vertrauensvoll an den oben genannten Reiseleiter wenden.

Euer Reisebüro für spätantike Studienfahrten Isí