Wer baute den Dom zu Magdeburg?

frei nach Brecht.

St.Gereon

St. Gereon Kodex auf dem Weg zur Ausstellung. Bildrechte:  Pressebüro Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Otto der Große und das Römische Reich“

…. Otto I. war es nicht. Er ordnete es höchstens an. Vieles an der Kirchenlandschaft in Magdeburg entstand ohnehin erst nach seiner Lebenszeit. Herr Puhle war es auch nicht. Auch wenn er manchmal so tut. Der langjähriger Leiter des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und verantwortlich für die Magdeburger Ottomania wechselt nun ins Kultusministerium von Sachsen-Anhalt und wird dort verantwortlich für den Bereich Kultur und damit für alle Museen im Land. Hoffentlich agiert er dort mit sicherer Hand als bei der „Editha-Affäre“. Sein letzter Streich als Museumsleiter war die Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“, die ab heute, 27.08. 2012, bis zum 9. Dezember 2012 dem Publikum, dass sich von mächtigen Kaisern und ihren Hinterlassenschaften blenden lassen möchte, etwa 350 hochkarätige Exponate vorstellt. Anlass genug dazu ergab sich durch den 1100 Geburtstag des ersten kaiserlichen Ottos und des 1050. Jahrestages seiner Kaiserkrönung. Mit der Ausstellung soll das Entstehen, die Entwicklung des römischen Kaisertums und die Umwandlung dieser Kaiseridee zum mittelalterlichen Kaisertum von Karolingern und Ottonen nachzeichnen. Inwiefern das gelingt, mag der Ausstellungsbesucher entscheiden. Falls nicht, kann sich dieser mit wundervollen Kunstgegenständen und herrlichen Büchern (wieder ist die Magdeburger Ausstellung stark urkunden- und bücherlastig) trösten: Die erst kürzlich gefunden Insignien des Kaisers Maxentius, die frisch restaurierte römische Kaiserstatue aus dem Pergamonmuseum in Berlin, die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu aus dem Staatsarchiv Wolfenbüttel, der Chludow-Psalter aus dem Staatlichen Historischen Museum Moskau all dies und noch viel mehr ist zu sehen. Wer zu faul ist hinzugehen oder einfach zur Vor- oder Nachbereitung Bücher braucht: Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog sowie ein Kurzführer. Zum wissenschaftlichen Begleitband habe ich bereits folgendes bei Chronico gesagt:

Kaisertum bei Chronico

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Ich freue mich darüber, dass es eine Ausstellung im weitesten Sinne zum Thema Ottonen gibt. Ich freue mich darüber, dass die Schau die Ottonenzeit wieder in den Blickpunkt rückt, ganz wie es Herr Puhle heute früh bei MDR Figaro sagte: „wir müssen dran bleiben an der Zeit der Ottonen“. Es wäre für jemanden, der den Alltag der Ottonenzeit versucht nachzustellen und zu rekonstruieren, ja unnatürlich, wenn ich mich nicht freuen würde.

Ich werde die Ausstellung dennoch nicht besuchen und kann hier die Gründe auch schildern. Wie bei dem Magdeburger Dom war es nicht nur ein Mann, der die Ottonenzeit gestaltete, mag Otto I. noch so viel Bedeutung für Magdeburg haben. Ich halte es für bedenklich, eine ganze Epoche auf das Wirken eines Mannes zu reduzieren. Nach der ganzen Aufregung um Editha frage ich mich ohnehin, warum es wieder Otto sein musste. Zudem wird so getan, als würde es sich um eine Mittelalterausstellung handeln. Das ist aber nicht richtig. Die Auseinandersetzung und die Entwicklung des Kaisertums ist eine Sache der Antike und dementsprechend sind auch viele der angekündigten Ausstellungsstück aus dieser Epoche. Die Entwicklung des römischen Kaisertums mag theoretisch sehr interessant sein und mit großen Interesse habe ich deswegen auch den wissenschaftlichen Begleitband gelesen (ja, von der ersten Seite bis zur letzten !), aber gibt das genug her für eine Ausstellung? Und wenn, interessiert das dann? Und welche Relevanz hat das bitte? Wird Geschichte wieder wie im 19. Jahrhundert auf die Taten der Herrscher reduziert. Ging Otto alleine nach Italien und wurde dort Kaiser? Wer bestellte zu Hause die Felder? Wer spann die Fäden, wer webte die Tuche, um Bauer, Edelmann und Kaiser zu kleiden? Das werden wir in dieser Ausstellung gewiss nicht erfahren. Die vom Geschichtsredakteur des MDR, Herr Nölke, heute früh angesprochene Urkunden- und Bücherlastigkeit der Magdeburger Ausstellungen hat mich bereits bei den zwei vorherigen Otto-Ausstellungen in Magdeburg ermüdet. Ich schimpfe ja oft und gerne über die Kunstlastigkeit des Landesmuseums in Halle, aber gelangweilt habe ich mich dort noch nie. Genau das befürchte ich bei der dritten Ottoausstellung aber. Von einem Erkenntnisgewinn ganz abgesehen. Ich liebe Bücher, aber der Gedanke an endlosen Vitrinen mit Urkunden und Büchern vorbeischreiten zu müssen, die ich nicht anfassen, in denen ich nicht blättern kann, macht mich schon ganz trübsinnig. Aber das ist nur eine museumsdidaktische Kritik.

Den Geldgeber das Museums aber möchte ich fragen: Müssen wir Geschichte auf einen Mann und auf die Institution „Kaiser“ reduzieren? Sicherlich ist es angemessen, dies zu erforschen, aber muss ein demokratisches Land dies auf diese Weise feiern und würdigen? Sind wir nicht längs darüber hinaus, die Geschichte vieler auf das Wirken eines einzelnen und seines Amtes zu reduzieren? Sicherlich hätte sich ca. 1874 Kaiser Wilhelm I. über diese Ausstellung maßlos gefreut und sich bestätigt gefühlt. Sind wir aber noch Preußen? Können wir uns mitfreuen? Etwas weniger Kaiser Otto und etwas mehr Mensch Otto und Ottonenzeit wäre wünschenswerter gewesen.

Und der Link zur Ausstellung ist

http://www.otto2012.de/

Euer Isí