Elisabeth von Rochlitz

Ich liebe Atlanten mit Karten und vielen Informationen. Noch mehr liebe ich Geschichtsatlanten. So war ich begeistert, dass es auch für die Zeit der Reformation einen Übersichtsatlas gibt, den das mir gut bekannte Verlegerehepaar Anna und Janos Stekovics 2018 herausgebracht haben. Auf 212 S. mit 27 schwarz-weißen und 137 farbigen Abbildungen, sowie 77 Karten findet sich alles zur Reformation. Und das war keine reine Männerangelegenheit, wie immer vergessen wird, weswegen ich zum Frauentag 2021 eine Reformatorin vorstellen möchte: Elisabeth von Hessen oder wie sie meistens heißt: Elisabeth von Rochlitz.

Frauentag 2021: Eine Fürstin und Spionin im Dienste der Reformation

Sie war sicherlich nicht die einzigste wichtigste Frau in der Reformation, die immer mit dem feisten Gesicht des Antisemiten Martin Luther verbunden wird. Auf den war Elisabeth nicht immer gut zu sprechen, fand sie doch, er würde zu oft wie „ein altes Weib“ schelten, sollte sich aufs Evangelium beschränken, von dem er was verstehe. Als weitere wichtige Frau erwähnt der Reformationsatlas Katharina, die Ehefrau von Herzog Heinrich von Sachsen. Da gab es sicher noch ein paar mehr. Doch als Reformatorin wollen wir Elisabeth von Rochlitz herausgreifen, da sie in ihrem kleinen fürstlichen Wittum die Reformation eigenhändig und eigenständig durchsetzte. Dafür blieben ihr nur 10 Jahre, aber es war nachhaltig erfolgreich.

Seite aus dem Reformationsatlas „Aufenthaltsorte Elisabeths“

Geboren wurde Elisabeth am 4. März 1502 in Marburg als Tochter von Landgraf Wilhelm II. von Hessen und seiner Frau Anna von Mecklenburg. Bereits im Alter von drei Jahren wurde sie Johann von Sachsen (1498–1537) versprochen, den sie mit 15 Jahren heiratete und damit ab 1519 in Dresden bei ihrem Mann verweilte. Wenn von Elisabeth im Atlas heißt, sie wäre „eigenwillig“ gewesen und der MDR, der ihr übrigens eine der „Geschichten Mitteldeutschlands“ gewidmet hat, schreibt, sie wäre „frei erzogen“ worden, meinen die Verfasser (Männer) wohl, sie wäre keine der unterwürfigen Gattinnen gewesen, die man(n) sich am Dresdner Hof so vorgestellt hatte. Das sie damit selbst frauenverachtende Sprache und Ansichten weiter transportieren, sei hier nur am Rande festgestellt.

Wir sind über Elisabeth so gut informiert, weil sie etwa 2000 Briefe hinterlassen hat. Deswegen ist ihre Auflehnung gegen ihren antireformatorischen Schwiegervater, Georg der Bärtige (1471–1539), ab dem Jahr 1526 klar zu fassen. Von 1532 an verweigerte sie offen kath. Abendmahl und Beichte. Mit Ehebruchsvorwürfen versuchte der Hof sie gefügig zu machen. Doch als Georgs Ehefrau Barbara 1534 starb, wurde Elisabeth die erste Dame am Hof, auf die man Rücksicht zu nehmen hatte. Es wurde ihr sogar das evangelische Abendmahl gestattet, allerdings nur im Geheimen. Lt. Atlas begann sie zu dieser Zeit bereits, den evangelischen Fürsten Informationen über den Hof Georgs weiterzugeben, um die Sache der Reformation zu stärken.

Fürstin in Rochlitz, Beitritt zum schmalkaldischen Bund

Nach dem Tod von Erbprinz Johann 1537 erhielt Elisabeth vertragsgemäß ihr Wittum, bestehend aus den Städten Rochlitz, Mittweida, Geithain, sowie das Schloss Kriebstein mit Hartha und Waldheim. Sie zögerte nicht, sondern führte in ihrem kleinen Fürstentum sofort die Reformation ein, evangelisches Abendmahl und Priesterehe wurden gestattet. 1538 trat Elisabeth als einzige Frau dem Schmalkaldischen Bund der Fürsten und Städte bei. Das gefiel Herzog Georg von Sachsen natürlich gar nicht, versuchte über die Bischöfe von Meißen und Merseburg die Schwiegertochter aus Rochlitz wieder zu vertreiben, strengte sogar einen Prozess beim Reichskammergericht an. 1539 entspannte sich die Lage zwar durch den Tod , aber Nachfolger Herzog Moritz von Sachsen, obwohl evangelisch, stand auf Seiten des Kaisers, was Elisabeth in eine schwierige politische Lage brachte. Selbst kinderlos hatte früher ihre Fürsorge eben diesem Moritz, dem Neffen von Herzog Georg, gegolten. Sie mußte sich entscheiden! Und sie entschied sich für ihren Bruder Philipp von Hessen und dem Schmalkaldischen Bund, die Sache der Reformation

Im Schmalkaldischen Krieg, 1546 bis 1547 von Karl V. (Carlos I. v. Spanien) gegen den Schmalkaldischen Bund entfacht, stand Moritz von Sachsen auf Seiten des siegreichen Kaisers und vertrieb Elisabeth 1547 aus ihrem kleinen Fürstentum, entzog ihr zudem unter Vorwurf des Hochverrats das Wittum. Auch der Schmalkaldische Krieg ist im Reformations-Atlas mit übersichtlichen Kartenwerk gut zu verstehen. Der Vorwurf der Spionage war, wie wir schon aus Elisabeth Nachrichtenübermittlung vom Dresdner Hof wissen, sicher nicht unberechtigt gewesen. Die Reformatorin aus Rochlitz verlor alles, verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Schmalkalden. Die Reformation blieb. Elisabeths Wirken war nicht nur unter reformatorischen Gesichtspunkten erinnerungswert, auch als Landesmutter hatte sie sorgsam, sparsam und im Sinne ihrer Untertanen gewirkt. Sie war gewissermaßen die erste Dienerin ihres kleinen Staates gewesen, lange bevor jemand an einen gewissen Friedrich von Preußen gedacht hatte.

Torsten Kreutzfeldt

Bildnachweise:

Lucas Cranach der Ältere oder Werkstatt, Public domain, via Wikimedia Commons

Verlag Janos Stekovics

Atlas der Reformation:

Markus Hein, Armin Kohnle, Julian Fuhrmann, Roland M. Lehmann, Steffen Lehmann: Der Reformationsatlas, Die Reformation in Mitteldeutschland. 27 schwarz-weiße und 137 farbige Abbildungen, 77 Karten. ISBN: 3899233840, Fotos von János Stekovics, Stekovics, Janos, Juli 2018 – 212 Seiten, 39,80.

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