Wie kochte man in der Grafschaft Barcelona?

Die Grafschaft Barcelona ist einer der frühmittelalterlichen Nachfolgestaaten des Frankenreichen, hier kurz nachzulesen, und steht uns deswegen kulturell näher, als die eher westgotisch-islamischen Königreiche Nordspaniens. Aus diesem Grund ist es interessant einen Blick auf einige arch. Funde zu richten. Dabei möchte ich mich auf das kleine Detail Kochen konzentrieren:kochen2Aus karolingischer Zeit stammen diese Tonfunde, die vom Museum (Historisches Museum der Stadt Barcelona), als Tonbratpfanne interpretiert wurden. Ich bin etwas unschlüssig, ob ich bei dieser Interpretation mitgehen möchte. Falls aber doch, können wir unser Kochgeschirr um ein interessantes Stück Keramik erweitern. Damit zu kochen wird ein interessantes Experiment.

Der nächste Fund dürfte am ehesten von der Größe verwundern. Dafür springen wir ins 12. Jhd.: kochen3Diese zwei Herren in diesem der Romanik zugeschriebenen Bildausschnitts (im nationalen Kunstmuseum Catalunyas) benutzen einen schönen Topf, der mich an Töpfe aus römischer Produktion gemahnte (Römer, bitte an die Wissensfront !) Aufhängung und Kette sind sicher authentisch, über das zubereitete Mahl läßt sich streiten. Es handelt hier um eine der typischen Folterszenen in Märtyrerviten. Von einer Nachahmung mit Verkostung wird dringend abgeraten. Menschenfleisch stand im Mittelalter nicht auf den Speiseplan und ist deswegen nicht authentisch. Bitte den inhaltlichen Kontext beachten!

Vom Topf aus Eisen, Kupfer oder Bronze springen wir weiter zu einer Tonarbeit aus dem 13. Jhd., die ich auch sehr interessant fand:

kochen1Entschuldigt die schlechte Bildqualität, aber die Lichtverhältnisse im Museum waren schlecht und beim ersten Mal habe ich schon den Blitz benutzt, beim zweiten Mal hätte ihr mich nicht wiedergesehen! Die Wärter sind gnadenlos und machen aus Blitzern Eintopf (siehe Bild 2). Ich denke aber, Tontopf und „Stöpfchen“ für das Feuer sind doch zu erkennen. Das hat mich an die Tonfeuerstellen aus Marokko erinnert, auf die man die Tajine, den marokkonischen „Dampfkochtopf“ draufstellt. Und hier gibt es sicher auch eine Verbindung. Zwischen 11. und 13. nahmen die Einmischungen aus Nordafrika in Spanien zu. Davon ist auch Barcelona kulturell nicht unbeeindruckt geblieben. Im Beispiel aber ist die Tonfeuerstelle für einen hübschen Kugeltopf gemacht. Holzsparend und wie gemacht für Lager, wo keine Feuerstellen ausgehoben werden dürfen. Ggf. sogar für große Zelte geeignet. Kochen wie in Barcelona aber leider erst ab dem 13. Jhd., ich würde für für Leute im Cid-Zeitalter noch ein Auge zudrücken, aber nicht für Ottonen! Tut mir leid.

Und da der Missionar jetzt gar ist (siehe erneut Bild 2), muss ich zum Esstisch. In Apfelwein geschmort, schmeckt selbst der zäheste Esel gut.

Heute am Kochlöffel, euer Isí