Blick in die Stadtarchäologie Halles

Im Moment wird bei uns im Innenstadtbereich sehr stark gebaut. Es mag bedauerlich sein, dass alte Gebäude abgerissen werden müssen und Handelsketten dort etwas Neues hinklotzen, aber für die Archäologie eröffnet es natürlich Chancen. So gibt es momentan eine kleine Grabung in der Großen Ulrichstraße: Dort sind ungestörte Teile des Friedhofes der alte Ulrichskirche, die sich dort in der Nähe befand, gefunden worden (siehe Plan, St. Ulrich.)
karte-kirchen-halleEine größere Grabung wird derzeit an der Leipziger Straße durchgeführt (unterhalb des roten Pfeils auf der Karte) und ich erhielt gestern im Rahmen des Stammtisches der Archäologischen Gesellschaft die Gelegenheit eine kleine Führung dort zu genießen. Das war eine schöne Überraschung, die ich sehr begrüßte, denn ich habe schon eine Zeitlang der der Stelle Kiebitz gespielt. Natürlich möchte ich hier nicht die Ergebnisse des Ausgräbers, Herrn Neumann, und der Stadtarchäologie vorwegnehmen. Aber so ein bißchen über das Gesehene erzählen darf ich sicherlich: Die Mauerreste reichen bis ins 16. Jhd. vielleicht auch noch später zurück. Keramik ist von spätslawischer Keramik bis Steinzeug und glasierter Keramik das ganze Spektrum der mittelalterlichen Keramik Halles gefunden worden. Alles paßt ins Bild, das auch Volker Herrmann am Marktplatz vorgefunden hat. Ein steingefasster Brunnen kam erst vor kurzem zum Vorschein und anhand bearbeiteten Horn- und Knochenteilen wird angenommen, dass sich auch hier die Werkstatt eines Knochenschnitzers und Kammmachers befand. Wie aus der Karte oben hervorgeht, liegt die Ausgrabung außerhalb der ottonischen Kernsiedlung. Inwiefern die spätslawische Keramik auf eine Besiedlung bereits im 11. Jahrhundert an dem Standort hinweist oder aus anderen Gründen in die Erde gelangte, bleibt ungeklärt.

Euer Isí