Besuch im Oldenburger Wallmuseum (Starigard)

Wir schaffen es langsam mit einem allwöchentlichen Beitrag hier in der Ottonenzeit. Letzte Woche war es eine archäologische Sensation in Halle, die wir aufgrund der Einladung des Landesamtes Sachsen-Anhalt besuchen und beschreiben durften, das wiedergefundene Kloster Neuwerk nämlich, diese Woche ist es ein Bericht über den Besuch in einem fast leeren Freilichtmuseum:

Inzwischen zählen wir 90 Tage Corona und das Hobby Mittelalter kann, so wie wir es gewöhnt sind und lieben, weiterhin fast nur in der Theorie stattfinden. An Märkte und Veranstaltungen mit Besucherverkehr ist weiterhin nicht zu denken, Museumsbelebungen sind vereinzelt möglich – aber nur mit großen Einschränkungen und unter besonderen Voraussetzungen. Dazu zählen die Mundschutzpflicht und die Begrenzung der Anzahl der Besucher für eine festgelegte Quadratmeterzahl. Dann kommen noch die manchmal vorhandenen Einschränkungen im Reiseverkehr und die Kontaktbeschränkungen dazu. Außerdem hat noch nicht jedes Museum wieder geöffnet, auf der Turmhügelburg zum Beispiel sind keinerlei Aktivitäten für uns bis mind. September möglich. Viel Zeit also zu nähen, endlich mal die Ausgrabungsberichte zu lesen, die man schon so lange im Regal stehen hat, zu basteln, Fotos zu sortieren und viele Dinge mehr. Auch gut.

Lis und Hermann besuchen das Wallmuseum

Und dennoch … so ein klitzekleines bisschen „Mittelalterfeeling“ muss dann doch sein. Und so haben wir uns am vergangenen Wochenende, bei allerschönstem Frühlingswetter auf dem Weg ins Wallmuseum nach Oldenburg gemacht (https://www.oldenburger-wallmuseum.de), welches erst seit einem Tag wieder geöffnet hat. In frühmittelalterlicher Klamotte natürlich.

Wallmuseum den ganzen Frühling lang ohne Besucher

Im Kassenhaus und im Museumsgebäude besteht Mundschutzpflicht, das ist aber kein Problem. Im Freigelände selbst darf man auf den Mundschutz verzichten, wenn nicht so viele Besucher gleichzeitig an einem Ort sind. Das kommt aber nicht vor, es sind wenige Besucher an diesem Tag im Museum. Und so können wir einen sonnigen Tag in Starigard (welches der alte Name des Ortes ist) geniessen … zwischen den Häusern und den üppig grünen Gärten und Wegrändern, am See, auf dem Steg und im Wäldchen. Wunderschön ist es.

Wie anders das Museumsdorf ist, wenn den ganzen Frühling kaum jemand hier gewesen ist! Noch nie haben wir die Blumen und Pflanzen hier in solch einer Fülle gesehen. Auf der Lagerwiese blühen hunderte Margeriten und weiden Schafe und wilde Gänse. Auf dem Wall sitzend kann man sich bei einem Rundumblick über das Gelände schon fast vorstellen, dass es so einmal wirklich hier ausgesehen haben mag.

Wieder am Kassenhaus angekommen halten wir noch ein Schätzchen mit einer anderen Darstellerin, die die selbe Idee hatte wie wir und mit dem Leiter des Museums, der natürlich hofft, dass bald wieder Leben und Normalität einkehren darf. Bei aller Ruhe, die das Gelände jetzt ausstrahlt – das wünschen wir uns für alle, die unter den (völlig richtigen!) Vorsichtsmaßen leiden. Aber am wichtigsten ist, dass wir alle gesund bleiben. Zum Abschluss des Besuches gibt es noch ein völlig unauthentisches Eis aus der Tiefkühltruhe des Museumsshops und ein Spaziergang zum alten Wall. Und auf dem Rückweg halten wir noch einmal in Futterkamp am Schlichtenberg an. Vor knapp einem Monat waren wir auch schon mal hier und nun ist auch hier die Vegetation geradezu ausufernd gewachsen … Gräser und wilder Kerbel einen Meter hoch stehen auf dem Berg. Ein weißes Blütenmeer im Spätnachmittagslicht. Zauberhaft.

Bleibt gesund und munter. Bald können wir uns sicher wiedersehen!

Eure Lis und Hermann

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