Bibliothekstagebuch 2, Bodfeld (2), Rotunde

Zurück auf dem Sofa in der Arch.-Bibl. : Wir sind weiter auf der Suche nach dem Jagdhof Bodfeld. Köhler untersuchte verschiedene archäologische Untersuchungen, die für einen Standort relevant wären:

  1. Die Andreaskirche auf dem Papenberg, sowie die dazugehörige Dorfwüstung Bodfeld. Gef. Eisenschlacken  deuten auf Eisenverarbeitung hin. Das Dorf fiel bereits vor dem 13. Jahrhundert wüst.
  2. Die Ruine Königsburg. Diese wurde erst im frühen 13. Jhd. vom Rittergeschlecht von Bodfeld (1226 – 1312). Gef. Keramik ist dem frühen 13. Jhd. zuzuordnen (Grimm). Keine frühere Bauschicht unter der Anlage des 13. Jhd. Allerdings fanden sich im Vorgelände der Burg Keramikreste des 10./11. Jhd.
  3. Wüstung Ertfeld, keine belegte Grabung, evt. 9./10. Jhd. bis 14./15. Jhd. Hier fand sich frühmittelalterliche Kugeltopfware bis hoch- und spätmittelalterliche Keramik.
  4. Der Schlosskopf. Hier fand unter Brinkmann eine Grabung im Jahre 1885/86 statt. Keramik wurde von ihm nicht beachtet. Bauanlage einer Pfalz des 9. – 10. Jhd, wahrscheinlicher Standort des Jagdhofs Bodfeld. Ein späterer Standortwechsel erscheint Köhler aber auch möglich. Schlosskopf Standort oder erster Standort des Jagdhofes.

Damit bestätigt Köhler auch das, was in der Wikipedia vermutet wird. Ganz genau weiß man es indes nicht und Brinkmanns Grabungen werden bereits viel zerstört haben. Archäologisch interessante Funde, z.B. von mit der Jagd zusammenhängenden Alltagsgegenständen, kann ich in diesem Zusammenhang auch nicht bieten. Deswegen müssen wir den Inhalt Bodfeld schließen.

 Neues Thema: Rekonstruktion einer Rotunde

Es war aber noch etwas Zeit und ich griff in den Regalen in der Nähe (d.h. oben auf meiner Sofa-Galerie) nach interessanten Inhalten und fand die Signatur Zen b 354 b Exp. Archäologie in Europa Bilanz 2009 und blätterte wahllos darum rum.

Besonders der Artikel von Ákos Nemcsics hatte es mir angetan: Erfahrungen über den Bau einer Rotunde. Diese kleinen Kapellen des beginnenden Hochmittelalters hatte ich zuerst in Prag kennengelernt, wo sich noch mehrere im Stadtgebiet und in der Umgebung erhalten haben. Hier ein Beispiel:

Rotunde

Rotunde in Prag (Longinus-Rotunde, 12. Jhd. mit Laterne oben aus dem 17. Jhd.)

Ganz in der Nähe von Halle aber wurde wahrscheinlich um oder vor 1100 auch eine Rotunde errichtet, nämlich auf dem Petersberg, später abgelöst von der Stiftskirche und dem Grabkloster der Wettiner. Heute gibt es nur noch die Fundamente davon:

Vielleicht wurde sie im 11. Jhd. errichtet, vielleicht erst im frühen 12., kurz vor der Erbauung der Stiftskirche. Der Form war sie eng verwandt mit der um 1100 entstandenen Rundkapelle der Burg Groitzsch und höchstwahrscheinlich auch mit der 1118 geweihten Jakobskapelle in Halle, beide erbaut durch Markgraf Wiprecht von Groitzsch.
aus: Die Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle, 4., neu bearbeitete Aufl., Regensburg, 2002

Hier mehr zur Groitzscher Rotunde. Da kommen mir ganz komische Ideen für ganz neue Projekte.  Deswegen schließe ich für heute erst einmal

Euer Isí