Das archäologische Museum in Barcelona

Barcelona hat viele Sensationen und darunter auch viele Museen zu bieten. Da kann etwas in den Reiseführern und der Wahrnehmung des Otto-Normaltouristen ganz nach hinten wandern, was dieses Schicksal überhaupt nicht verdient. So ergeht es dem archäologischen Museum in Barcelona, das unterhalb der Parks am Mont Juic so eine Art touristisches Dornröschendasein fristet. Unberechtigt, wie uns der eigene Besuch rasch zeigte.

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Keltiberische Statuetten im archäologischen Museum Barcelona

Es ist eine verhältnismäßig kleine Sammlung mit den Schwerpunkten Steinzeit, Bronzezeit, Antike und Spätantike/Völkerwanderung, aber dadurch sehr gut an einem halben Vormittag oder Nachmittag zu bewältigen. Und das auch, wenn man Funde länger anschaut und darüber diskutiert. Das Herz der Sammlung bildet die Forschungsbibliothek, die in Achteckform an den Roman „Im Namen der Rose“ erinnert.

Museales Dornröschenschloss, aber der Weg lohnt sich!

Aber kommen wir zu dem, was man sieht, wenn einen nicht der Forschergeist in die Bibliothek treibt: Es überwiegt selbstredend der regionale Schwerpunkt. Und da wartet Catalunya von der Frühzeit des Menschen an mit den großartigsten Funden auf. Schöne Rekozeichnungen und ein an Fanatismus grenzender Hang zum Modellbau bereiten die Funde didaktisch auf. Dagegen haben die wenige Versuche moderne Technik einzusetzen teilweise bereits den Geist aufgegeben oder wirken überholt. Ich kann als Höhepunkte der Sammlung erwähnen: Für die Steinzeit die Megalithgräber; für die frühe Bronzezeit die El Argar-Kultur, die mit ihren genormten Gefässen, ihrer strukturierten Gesellschaftsform und ihren Zentralversorgungseinrichtungen etwas ganz Besonderes darstellt; für die Zeit der Phönizier der Stützpunkt auf Ibiza; die Bronzezeit und Eisenzeit auf Menorca und Mallorca mit Navetas, Taulas und Talayots; für die iberische Zeit zahllose Funde: Eine aufgefundene (Leinen?)-Färberei, Statuetten, Kriegerbildnisse, Funde von Schwertern und Falcatas (iberisches Hiebschwert, oben zweischneidig) ; Antike, Spätantike kamen mit Bodenmosaiken, Grabsteinen und Westgotenschmuck vor. Mittelalter und frühe Neuzeit kommen in die diesem Museum nicht mehr vor. Wir bleiben hier bei der klass. Archäologie.

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El Argar-Kultur mit ihren genormten Tongefässen

Und natürlich gibt es einen weiteren Nachteil: Viele Beschriftungen sind nur in einer Sprache: Catalanisch. Selbst mit Hochspanischkenntnissen hat man es da nicht einfach.  Wohl dem, der einen Erklärbär dabei hat! Ansonsten ist das MAC, das archäologische Museum CAtalunyas, ein absolutes Muss für den historisch interessierten Barcelona-Besucher.  Der Eintrittspreis ist niedrig, es ist schnell zu bewältigen und der Mont Juic und die Parks dort sind zum Nachbereiten und Ausruhen nahe. Ganz weit den Daumen hoch

macht Euer Isí