Ottonische Modenschau

Ottonische Mode (1)

… oder wie schaut so ein Ottone aus? Der Uhl (Ottonendarsteller aus Bayern, links) präsentiert, an dieser Stelle mit meinen Worten. Ich nehme die Gelegenheit wahr, auf einer Seite einmal kurz vorzustellen, was wir machen und wie eine Präsentation von ottonischer Mode aussehen könnte:

Ein kurzer Hinweis vornweg. Es handelt sich hier nicht um Theaterkostüme, sondern um Rekonstruktionen ottonischer Kleidung, die größtenteils mit in ottonischer Zeit vorhandenen Materialien, Webarten und Färbemethoden (Naturfarben) in Eigenarbeit hergestellt worden sind.

Beginnen wir von ganz oben in der ottonischen Gesellschaft, bei der Kaiserin Theophanu:

Ottonische Mode Theophanu

Dies war unser Versuch im Jahre 2007 auf der Veranstaltung „Theophanus Fest“ eine kaiserliche Kleidung dazustellen. Die Frau Otto II. kam im Winter 971 nach Italien und heiratete 972 in Rom den Erben des römisch-ostfränkischen bzw. ottonischen Reiches Otto II. Damals war sie 12 oder 13 Jahre alt evt. auch 17. Ihre Ankunft war prägend für die ottonische Mode. Die damals domierende fränkische Mode kam unter byzantinischen Einfluss.

Theophanus „Reisekleid“ besteht aus einem Über- und einem Unterkleid, beides aus Seide, mit einer brettchengewebten Borte aus Seidengarn besetzt. Darüber trägt sie ein Gehänge aus Perlen und auf dem Haupt einen feinen Schleier aus Seide. Ähnlich schauen auch die Kleider ihrer „Hofdamen“ aus:

ottonische Mode Hofdamen

Der schräge Saum des linken Kleides ist schräg angeschnitten (kann auch schräg hochgeschürzt sein) und der Mode von Byzanz nachempfunden. Vorbild für dieses Kleid ist ein Fresko (10 Jhd.) aus der römischen Kirche San Sebastianello al Palatino. Die Kleider der adligen Damen dahinter bestehen aus Leinen, auch sie tragen z.T. einen Seidenschleier.

Folgende Kleidung, reich bestickt und aufwändig, könnte von einem Grafen oder anderweitig reichen Gefolgsmann der Kaiserin getragen worden sein:

ottonische Mode Adel

Beide Gewänder sind reich bestickt. Sehr schön sieht man den ottonischen Schleier (auch bei den Damen im Hintergrund) der verheirateten Frau, das kürzere Überkleid über dem Unterkleid bei der Frau und die über das Knie gehende Tunika bei dem Herrn. Darüber trägt er einen mit einer Fibel (oder Verstärkungsbändern) gehaltenen Rechteckmantel. Unten herum sind die Beinlinge über den wendegenähten Schuhen zu sehen. Auf dem Haupt trägt der Herr eine Art phrygische Mütze wie sie auf vielen Abb. der Zeit erkennbar ist. Die Überkleidung besteht aus Wolle, Hemd bzw. Unterkleid aus Leinen. Über den Gürtel bei den Frauen haben wir viel diskutiert. Hier wird einer getragen. Diese Adelskleidung ist bereits im Übergang zu den Saliern begriffen, also Beginn des 11. Jhds.

ottonische Mode Stiftsfrau

Nach dem Adel tritt nun eine Stiftsdame vor. Gewand und Schleier sind wesentlich schlichter als bei der weltlichen Dame. Naturfarben herrschen vor. Es ist kein Prunk zu sehen. Die Stiftsfrau hat der Welt entsagt und lebt in einem adligen Frauenstift wie in z.B. Gandersheim, Quedlinburg oder Gernrode. Im Auftrag des Stiftes reisen entflussreiche Abtissinen oder ihre Beauftragten auch im Reich herum und wahren vor der Welt oder dem Kaiser die Interessen des Stiftes. Mathilde von Quedlinburg war eine Zeitlang Regentin des Reiches für ihren in Italien engagierten Neffen Otto III.

Ottonische Mode (4)

Nach der Stiftsdame kommt ein anderes Paar ins Bild: Es könnte ein Gutsbesitzer, ein reicher Stadtbewohner oder ein Vasall eines Herrn sein. Die Mode ist natürlich ähnlich wie beim Adel: Bestickte Tunika bzw. Perlen am Überkleid usw. Der Herr trägt statt Beinlingen genähte Socken und Schuhe vom Typ Haus Meer, dem einzigen Schuhfund im ottonischen Reichsgebiet. Da der Mantel fehlt wurde ein Fibel vom Typ Fraunhofen oben am Halsansatz der Tunika getragen.

Ottonische Mode (5)

Ganz ohne Militär kommen wir natürlich nicht aus. Hier sehen wir zwei ottonische Miles (Soldaten) am Ufer der Ammer auf Kundschaft. Womöglich gab es Nachrichten von eindringenden Ungarn und die beiden kundschaften nun die Gegend auf Befehl ihres Herrn (ein Graf, Abt, Bischof oder der Herzog selbst) aus. Sie können in dieser Ausrüstung zu Fuß oder wahrscheinlicher zu Pferd unterwegs sein. Die Kleidung unterscheidet sich nicht wesentlich von der bereits vorgestellten. Die Bewaffung der Miles besteht aus Lanzen (eine seit der Merowingerzeit bekannte Flügellanze, eine nur mit scharfer Spitze), Schwert und einer kleinen Axt (z.B. in Polen nachgewiesen). Die Schutzausrüstung besteht aus Helmen mit Nasal, leicht gewölbten Rundschilden und Kettenhemden. Wattierte Jacken (Gambeson), die unter dem Kettenhemd getragen worden sind, sind für die Ottonenzeit nicht nachgewiesen, werden heutzutage aber bei Schaukämpfen wg. der Schutzwirkung gerne getragen. Unsere Herren hier tragen eine kurzeärmelige Tunika unter der Kette, darunter eine weitere Tunika mit langen Ärmeln.

Ottonische Mode (6)

Nach dem Militär kommen wir zu den einfachen Leuten. Hier ist ein Jäger von einem königlichen Jagdhof und seine Frau zu sehen. Auch sie trägt den ottonischen Schleier, aber dazu nur ein einfaches Wollkleid. Die aufwändige Mode mit Über- und Unterkleid kann sie sich nicht leisten. Auch er trägt nur eine einfache Tunika, trägt aber ansonsten Mütze, Beinlinge und Schuhe nach der ottonischen Mode.

Ottonische Mode (7)

Am Ende auf der rechten Seite ein ottonischer Handwerker wieder mit Wolltunika, Gürtelbeinlingen und wendegenähten Schuhen. Er trägt im Gürtel auf der linken Seite eine Schleuder zum Jagen oder zur Verteidigung. Sein Knecht trägt einen einfachen Kittel und läuft barfuß. Er hat einen Holzspaten dabei und einen Grabstock. Vielleicht hat ihm sein Herr aufgetragen, einen neuen Garten anzulegen. Denn etwas Landwirtschaft nebenbei mußte ein Handwerker betreiben, sonst konnte er sich nicht ernähren.

Ottonische Mode (8)

Mit dem Knecht und einem kleinen Beinlingsballett unserer männlichen Darsteller wollen wir schließen und hoffen Ihnen damit einen kleinen Einblick in die Mode der Ottonenzeit mit Hilfe unserer Rekonstruktionen gegeben zu haben.

Die meisten Fotos stammen vom kleinen Ottonenlager am Bärenbach in der Nähe von Augsburg im Mai 2012. Ein Foto habe ich der großen Ottonenveranstaltung „Wilhaim 1010“ entnommen. Die Bildrechte der Fotos liegen bei Markus Peiker und der franz. Gruppe Hag’Dik. Ich danke allen abgebildeten Darstellern der Gruppen „Der Uhl zu Wilhaim“, Lebendige Geschichte Augsburg, der Stiftsfrau Harlindia, den Zähringern, der franz. Gruppe Hag’Dik und den Caballeros Villanos, sowie dem ganzen Darstellernetzwerk „Ottonenzeit“.

Ihr/Euer Isidorus