Ottonen oder was soll das hier?

Wir beschäftigen uns mit Geschichte und mit Archäologie. Dabei geht es uns nicht um die reine Ereignisgeschichte. Was die Ottos, Mathildes und Heinrichs in ihrem Leben getan und nicht getan haben, das ist inzwischen gut erforscht und kann an vielen Stellen nachgelesen werden.  Es ist auch kaum interessant, die Geschichte einzig und allein auf das Amt des Kaisers zu beschränken. Denn das hieße, die Geschichte der Bundesrepublik einzig auf das Handelns des jeweiligen Bundeskanzlers zu reduzieren. Das wird den Menschen heute nicht gerecht und den Menschen damals schon gar nicht.

Elfenbeinschnitzerei aus der Ottonenzeit

Wir leben Geschichte!

Wir wollen den Blick hinter die Ereignisgeschichte wagen. Uns interessiert der Alltag der Menschen: Welche Kleidung trugen sie, wie sah diese aus und aus welchen Materialien war diese? Welchen Schmuck trugen sie? In welchen Häusern wohnten sie und wie waren diese errichtet worden, mit welchen Werkzeugen? Welches Mobilar war in den Häusern zu finden? Was kochten sie und wie schmeckte es?  Welche Keramik benutzten sie, wie sah diese aus und wie wurde sie hergestellt? Wovon ernährten sie sich, welche Handwerke und Berufe übten sie aus? Womit beschäftigten sie sich in ihrer Freizeit. Welche Spiele spielten sie und welchen Sport (ja, das gab es auch schon) betrieben sie? Und wenn sie sich verteidigen mußten oder in den Krieg zogen, wie bewaffneten sie sich und brachten sich gegenseitig ums Leben? Mit welchen Befestigungen schützten sie sich vor wilden Tieren und bösen Nachbarn? Und da es Gott gab, gab es auch Kunst: Buchmalerei, Architektur, Bildhauerei, literarische und historische Texte. Auch damit beschäftigen wir uns. Das schwerste Schritt ist wohl: Was dachten die Menschen? Oder: Wie dachten die Menschen? Auf dieses Terrain ist wegen des Quellenmangels kaum ein Fußbreit zu machen. Was die off. Religion betrifft können wir Aussagen machen, aber was ging darüber hinaus?

Und die Ottonen?

Ganz kommen wir um die Herrscher und Herrscherinnen der Zeit von 919 (Wahl von Herzog Heinrich von Sachsen zum ostfränkischen König) bis 1024 (Tod Kaiser Heinrich II.) nicht ganz  herum. Die Klammer, die Herzog Heinrich I. benutzte, um den „Laden Ostfränkisches Reich“ zusammenzuhalten, war der Bezug auf das ostfränkische Königtum und die Gemeinsamkeit mit den anderen Herzögen. Anders als die fränkischen Könige aber teilte Heinrich das Reich nicht unter seinen Söhnen auf, sondern der Erbe Otto bekam alles, was nicht ganz konfliktfrei abging. Otto I. bezog sich nach einer Zeit der Aufstände und nach dem Sieg über die Ungarn 955 auf eine neue Klammer für die von Sprache und Kultur ganz unterschiedlichen Länder und Herzogtümer des ostfränkischen Reiches: Er wurde römischer Kaiser und hoffte sich damit in eine Reihe mit den Herrschern von Byzanz, Córdoba und Bagdad zu stellen. Der Griff nach Italien schuf unter den mitreisenden Kämpfern, Geistlichen und Adligen eine Identität, von der ich mich scheue, sie schon „deutsch“ zu nennen. Aber der Beginn davon war es allemal.  Schon damit begann der Zwiespalt zwischen Reich südlich und nördlich der Alpen. Der sächsische Adel murrte, weil sich der Herrscher zu lange in Italien aufhielt. Otto II. setzte das Kaisertum und den Griff nach Italien nach 973 fort. Doch mit der Expansion nach Süditalien stieß das ottonische Militär an seine Grenzen. Seine Niederlage gegen die Araber in Kalabrien 982 und Ottos anschließender Krankheitstod in Rom brachten das Reich an den Rand des Untergangs. Der Thronfolger Otto III. war noch ein Kind und zudem in der Hand des bayrischen Herzogs. Zu allem Überfluß warf der Slawenaufstand von 983 das Reich an die Elbelinie zurück. Es begann die Herrschaft der starken ottonischen Frauen: Kaiserin Theophanu, Kaiserin Adelheid und Äbtissin Mathilde schafften es nacheinander, das Reich zusammen zu halten und die Lage zu beruhigen. Otto III. lebte und regierte einfach zu kurz, um eigene Akzente setzen zu können. Sein Plan, Rom zum Zentrum des Reiches zu machen, scheiterte. Mit Papst Sylvester II. (Gerbert von Aurillac) hatte er jedoch einen Wissenschaftler und Gelehrten an seiner Seite. Das Hightech-Gerät des Frühmittelalters , das Astrolabium, wurde von Gerbert für seine Berechnungen und astronomischen Forschungen benutzt. Nach dem Tod von Otto III. und dem Aussterben der sächsischen Linie kam der letzte Ottone der bayrischen Linie auf Königs- und Kaisertum, Heinrich II. auf dem Thron. Es kam Burgund zum Reich dazu. Daneben erschöpfte sich Heinrichs Kaisertum in fruchtlosen Kriegen gegen den Polenkönig. Seine Ehe mit Kaiserin Kunigunde blieb angeblich keusch, aber auf jeden Fall kinderlos. Mit dem Tod Heinrichs II. 1024 erlosch die Dynastie der Ottonen. Neuer Herrscher wurde Konrad II. (bis 1039), der die bis 1125 im Heiligen Römischen Reich herrschende Dynastie der Salier begründete.

Nicht um die Herrscher geht es, sondern um die Menschen

Mehr aber als die Herrscher interessieren uns die Lebensumstände der Menschen, die wir der Einfachheit halber auch Ottonen nennen. Das ottonische Reich war kulturell kein Einheitsstaat, sondern bestand aus vielen Stämmen und Kulturen: Friesen, Dänen, die unterschiedlichen slawischen Stämme, Sachsen, Lothringer, Franken, Alemannen, Baiern, die Romanen in Burgund und Italien, Griechen in Süditalien und viele, viele mehr. In den Städten am Rhein waren noch jüdische und romanische „Ureinwohner“ vorhanden. Arabische und jüdische Handelsreisende kamen hinzu. Die Küsten des Nordens wurden von den Wikingern aus dem heutigen Dänemark, Norwegen und Schweden bedroht. Ungarn fielen noch zu Zeiten von Otto I. in das Reich ein. In Süditalien und an der französischen Mittelmeerküste gab es arabische Handels- und Räubernester.

All das halten wir für spannend. Wir, das ist eine Gruppe von Geschichtsdarstellern und -enthusiasten. Wir beschäftigen uns mit historischer Kleidung, Handwerk, Waffen, Architektur usw.  Vieles machen wir selbst. Schon die Herstellung ist ein Prozess, der mit der Recherche nach Quellen und Belegen beginnt. Anderes geben wir in Auftrag, denn nicht alles schafft man allein oder hat die Fähigkeiten dazu. Die Ergebnisse kann man als lebendige Exponate in Museen und Freilichtmussen an bestimmten Terminen bestaunen. Die meisten sogenannten „Mittelaltermärkte“ meiden wir. Wenn Sie einen Ottonen haben möchten, fragen Sie uns einfach.

Der Blick über den Tellerrand

Unser Schwerpunkt ist im Moment die Ottonenzeit. Das heißt aber nicht, das wir uns einzig allein darauf beschränken und nicht über den Tellerrand schauen. Uns interessieren natürlich auch andere Zeiten. Enge Verwandtschaft gibt es zu unseren Vorgängern, den fränkischen Karolingern und unseren Nachfahren, den Saliern. Ergebnisse und Recherchen aus diesen Zeiten dienen zu einer vergleichenden Analyse der eigenen Recherche und der eigenen Belege. Natürlich interessiert Geschichte und Alltagsgeschichte uns allgemein, nicht nur, was die Ottonenzeit betrifft. Zudem üben viele aus unseren Kreis den Sport des Steinschleudern aus und da bietet sich ein Überblick von der Antike bis heute ohnehin an.

All das soll sich im Blog zur Ottonenzeit wiederspiegeln. Das kann nicht systematisch abgehandelt werden. Dafür ist inzwischen die Wikipedia da. Dafür haben wir weder die Zeit, das Personal, noch die Ressoucen. Das heißt aber nicht, dass wir die Ereignisgeschichte völlig vernachlässigen. Kleine Ereignisse am Rande oder Nebenschauplätze sind auch für uns interessant. Das heißt aber, dass Sie bis auf einen Zeitüberblick hier nicht die allumfassende Erklärung über die Ottonenzeit oder über Geschichte finden werden. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir leben die Zeit, das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. Und daran können Sie gerne ein wenig teilhaben, wenn Sie mögen.

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2 Gedanken zu „Ottonen oder was soll das hier?

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