Archive for Februar, 2012

Bibliothekstagebuch 3

Montag, Februar 20th, 2012

fasst zwei Bibliotheksnachmittage und ein bißchen mehr zusammen: Ich habe den Artikel von Ákos Nemcsics zu Ende gelesen und auch einige Fotos dazu gemacht. Zudem hatte ich kurzen Kontakt über die elektronische Post mit ihm.

Ungarische Rotunden

Die ersten Rotunden wurden in Ungarn aus Lehm-Flechtwerk hergestellt. Nemcsics führt in seinem Artikel weiter aus: Die Rekonstruktion erfolgte auf Grundlage der damaligen mathematischen und naturwissenschaftlichen Bildung. Ab Spätmittelalter erfolgte tatsächlich auch eine Festsetzung der Gewölberegeln zum Beispiel bei Alberti und Blondel. Nemcsics und sein Team von Studenten hat den Bau der Rundkirche als experimentelle Archäologie betrachtet. Im Artikel, wie im letzten Bibliothekstagebuch bibliographiert, beschreibt er diese Arbeiten ausführlich. Hier eine Abb. daraus:

Rotunde31

Die Arbeit an der Rotunde mit modernen Werkzeugen

Wie auf einigen Fotos zu sehen ist, erfolgt der Bau allerdings mit modernen Werkzeugen. Es werden unbehauene Steine verwendet. Das Bindematerial wurde nicht klar definiert. Wie auf den Fotos allerdings zu sehen ist, wird mit modernen Werkzeugen und moderner Kleidung gebaut.  Nemcsics schrieb mir dazu:  Wir bauen die Rutunda mit Studenten jährlich in einem Sommercamp. Der Camp dauert meistens 7-9 Tagen inklusive Vorbereitung und Nacharbeiten. Wir bauen es schon in diesem Jahr da zehnte Mal. Unsere Haupaufgabe ist nicht, daß wir  schnell mit der Rotunda fertig zu werden, sondern der authentische Bau. Wir sind noch damit nicht fertig. Ich schätze, daß wir in einigen Jahren fertig werden.

Ein schönes Projekt also, wobei ich hinter dem experimentellen Charakter ein kleines Fragezeichen setzen würde. Aber das offenbart unsere Probleme bei solchen Experimenten: Entweder man verabschiedet sich ganz aus dem modernen Leben, um sich ganz dem Experiment zu widmen, oder man arbeitet an einem historischen Projekt zwischendurch, immer wenn Zeit ist, aber dann verabschiedet man sich zumindest teilweise von einer experimentellen Variable, dem Zeitfaktor.

Flachbodenschiffe

Aus Lübeck zurück, etwas maritime Luft geschnuppert und mich deswegen auf folgendes gestürzt: Unter der Signatur V 965 fand ich in der Arch.-Bibl. die Broschüre des Landesamtes von Schleswig-Holstein (zur Zeit auch noch im Buchhandel erhältlich) mit dem Titel “Der Prahm aus dem Hafen von Haithabu : Antike und mittelalterliche Flachbodenschiffe.

Flachbodenschiff

So schaut es aus: Das Flachbodenschiff von Haithabu. 

Der Fährprahm im Haddebyer Noor ist nicht aus der Wikingerzeit, sondern hat Leute über die Schlei nach Schleswig, Haithabus Nachfolger auf der anderen Seite, übergesetzt. Datiert ist es das Flachbodenschiff oder Prahm auf etwa 1184. Ein ähnliches Schiff, der Egernsund-Prahm stammt von 1200. Ich habe allerdings einen Vergleichsfund in meinen Unterlagen, der so einen Kahntyp bereits für das Jahr 800 nachweist, hier zum karolingischen Lastkahn.

Mittwoch wird weitergelesen, Euer Isí

Anhalt wird 800

Mittwoch, Februar 15th, 2012

1212 gilt als das Geburtsjahr des Landes Anhalt, das im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt weiterlebt. Allerdings taucht erst 1218 Heinrich I. von Anhalt als Fürst von Anhalt in Erscheinung. Aber vielleicht sollte ich nicht kleinlich sein.

Die Askanier

Heinrich stammt aus der Familie der Askanier, die zuerst 1036 erwähnt worden sind. Aber erst Otto der Reiche (ca. 1070-1123) ist als Graf von Ballenstedt nachweisbar, ebenso als Graf von Aschersleben (von der lateinischen Form leitet sich der Familienname “Askanier” ab). Zudem gilt er als Erbauer der Burg Anhalt im Harz. Der berühmteste Askanier war Albrecht der Bär (ca. 1100 - 1170), dem es gelang die ottonische Ostmark zurückzugewinnen und damit die Mark Brandenburg zu gründen. Heute werden die Askanier nur noch durch die Linie Anhalt repräsentiert. Die Askanier teilten ihr Reich: Albrechts drei Söhne drittelten seinen Besitz und auch sein Sohn Bernhard teilte seinen Anteil wiederum unter seinen beiden Söhnen auf: Albrecht I. wurde Herzog von Sachsen, Aschersleben und Anhalt gingen an Heinrich I.  Das geschah 1212 und damit vor 800 Jahren.

Ein großes Jubiläum

aber wenig wird daraus gemacht, wie ich finde.  Große Landesausstellungen, wie im Lande Sachsen-Anhalt, finden in Halle (Pompeji) und danach in Magdeburg (Kaiserreich bis Otto) statt. Eine große historisch-archäologische Ausstellung zu Anhalt 800 ist nicht in Sicht. Viele Veranstaltungen, die nicht herabgewürdigt werden sollen, aber wenige Höhepunkte. Stattdessen soll der Höhepunkt das Volksfest des Sachsen-Anhalt-Tages werden. Aber auch da kommt nur halbherzige Unterstützung vom Land, wie ich hörte. Irgendwie traurig und angesichts der Bedeutung des Wörlitzer Gartenreiches, das man ungeschickt zwischen Dessau und Wittenberg aufgeteilt hat, ist diese Vernachlässigung von Anhalt auch kurzsichtig.

Hier weitere Informationen zum Jubiläum von Anhalt …, klicken.

Euer Isí.

Ottonischer Leuchter

Montag, Februar 13th, 2012

Bis zum 5. Febr. war Gelegenheit in die “Konrad I.-Ausstellung” in Fulda zu pilgern. Hier ist mehr darüber zu erfahren: Ausstellung in Fulda. Mir ist gesagt worden, die Ausstellung lohne keine weite Fahrt, aber wenn man in der Nähe wohnt, darf sie nicht verpaßt werden. Hauptkritikpunkt war die Größe der Ausstellung. Der Mitgeschichtsbloger von tribur.de hat die Ausstellung selbst besucht, sagt etwas dazu und hat auch lobende Worte zum Katalog der Ausstellung, denen ich mich nur anschließen kann.

Holger Mollerhauer und ich haben beim ersten Blättern im Katalog etwas Faszinierendes gefunden: Den ottonischen Leuchter! Hier die Fundabbildungen im Katalog:

Ottonischer Leuchter1Ottonischer Leuchter2

Beide Abb. aus: König Konrad I. : Herrschaft und Alltag. Begleitband zur Ausstellung vom 10.11.2011-5.2.2012 im Vonderau Museum Fulda. Hrsg.: Vonderau Museum Fulda. Herausgegeben von Stasch, Gregor K.; Verse, Frank . 240 S. m. 218 Abb. 260 mm 1250g ,  2011, Imhof, Petersberg. Den Band empfehlen wir nicht nur des Leuchters wegen, sondern weil es ein wundervolles Buch über Konrad I. und seine Zeit ist.

Noch aus dem Gedächtnis heraus, hat sich Holger dann drangemacht, den Leuchter zu rekonstruieren. Es ist, in dem Sinne, also eher eine Nachempfindung des Leuchters und weniger eine 1:1 Rekonstruktion, dennoch schon sehr eindrucksvoll:

Ottonischer Leuchter3

Ottonischer Leuchter4

Das Original ist im Fundzusammenhang eines Grubenhauses gefunden worden. Ob der Leuchter einer Weberin als Beleuchtung diente oder welchen Zweck dieser Leuchter auch immer erfüllte, können wir nicht mehr sagen.

Ganz erleuchtet, Euer Isí mit Dank an Holger für den ersten Reko-Versuch.