Die wüste Mark Treben

Plan der Burgwallanlage in der Wüste Mark  Treben (Dehlitz)

Mit Dorf- und Siedlungswüstungen aus dem Mittelalter haben wir uns an dieser Stelle bereits mehrmals beschäftigt, dennoch zu Beginn die kurze Definition, dass es sich bei einer Wüstung um eine dauerhaft verlassene Siedlung handelt, an die noch teilweise oberirdische Baudenkmäler und/oder Bodendenkmäle bzw. auch Einträge in Urkunden erinnern. Wer sich ganz schlau darüber machen würde, hier der Verweis in der Wikipedia…

Wie mich das archäologische Landesamt aufklärte, handelt es sich bei Treben in der Nähe von  Dehlitz/Weißenfels nicht um eine Wüstung, sondern die Anlage wird als Wüste Mark Treben bezeichnet. Daran wollen wir uns im Folgenden halten. Im Gegensatz dazu taucht Treben im Denkmalführer (Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 1987 ) als wüster Burgward Treben oder als ottonische Höhenburg bei Dehlitz auf.

Der slawische Friedhof im Bildband

Aufmerksam wurden wir auf Treben durch einen Bildband von unserem Freund Janos Stekovics. Im Rahmen eines kleinen Osterpicknicks suchten wir den Ort auf, aber vorher war er gar nicht so leicht zu finden. An die Wüste Mark Treben erinnern heute einzig eine erhaltene teilweise romanische Kirche, einige Wallreste in der Landschaft )  und im Verlauf einer Grabung von 1919/1920 wiederaufgefundene Steinsetzungen eines Friedhofs des 12. /13. Jhds.

Blick auf einen Teil des slawischen Friedhofs

Die historische Überlieferung

Der Burgwardhauptort Treben muß einst bedeutend gewesen sein. Lt. Mike Sachse (1992) gab es bereits eine erste Erwähnung im 9. Jahrhundert.  In Trebuni urkundeten Otto II. 979 und Heinrich II.  1004 für das Bistum Merseburg. Zu salischer Zeit schenkte Heinrich III. einem Ministerialen im Burgward 10 Hufen und 1108 bekam das Bistum Meißen 9 Höfe im Gebiet geschenkt. Danach endet die Überlieferung. 1555 wird das Dorf als wüst bezeichnet. Bis heute erhalten hat sich die Kirche. Es folgten 1919/20 die Grabungen von N. Niklason, der sich 1932 auch um die Wallanlagen bemühte. Während Niklasons Grabung sich hauptsächlich um die Südseite der Kirche bekümmerte, wurde aus Feuchtigkeitsgründen Ende der 1990er Seite auch die Nordseite der Kirche abgetragen.

In Teilen romanisch, die Kirche der Wüste Mark Treben

Romanische Kirche außerhalb der Straße der Romanik

Aus der Zeit von Otto II und Heinrich II.  stammt der Vorgängerbau der heutigen Kirche. Wie Sachse mit Bezug auf Rempel (1966) schreibt: Ihr Vorhandensein wurde bei der Anlage eines Gräberfeldes um 1000 … berücksichtigt. Die heutige Kirche ist in Teilen bis in die Romanik zu datieren: Turm und Chorapsis stammen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Weitere Erweiterungen, Um- und Ausbauten erfolgten im 13. und 18. Jahrhunderten.  Leider ist die Kirche nur von außen zu besichtigen. Verwundert hat mich zudem, dass sie nicht ins Programm „Straße der Romanik“ aufgenommen worden ist. Darin gibt es Objekte, die weit weniger romanisch oder lediglich Rekonstruktionen sind.

Ein slawischer Friedhof?

Das ist aber nicht das einzige,  was an diesem Ort wunderlich ist: Das Wallinnere rund um die Kirche wird bis heute als Friedhof genutzt.  Deswegen stieß man auch 1919 bei einer neuen Grabanlage auf große Steinblöcke. Die bereits oben erwähnte Grabung von N. Niklason vom Vorgängeramt unseres heutigen archäologischen Landesamtes brachte 31  unbearbeitete Steine und zahlreiche Bestattungen zu Tage. Die Steine sind bis 2,20 m hoch, 1,30 breit und 0,60 m dick. Das Ergebnis der Ausgrabungen ergab, dass hier ca. 50 – 60 Personen bestattet wurden, und der Friedhof allerhöchstens 50 – 75 Jahre genutzt wurde. Grabbeigaben waren lt. Sachse verschiedene Bronzegegenstände, Perlen aus Bergkristall und ein eiserner Schlüssel. Aufgrund dieser Funde und „anderer Umstände“ (welche das auch immer waren) wurde die Friedhofsbelegung von der ersten Hälfte bis zum Ende des 12. Jahrhunderts datiert. Die erhaltenen Steine dienten wohl ursprünglich als Grababdeckungen. Die dem heutigen Betrachter eindrucksvoll präsentierte „slawische Friedhof“ an zwei  Seiten der Kirche ist wohl eher durch die aus dem 19. Jhd. stammende Ruinenromantik des Ausgräbers entstanden. Steinsetzungen alá Skandinavien wirken natürlich eindruckvoller als ein Haufen herumliegender Stein (Grababdeckungen). Eine Zuordnung der bereits hochmittelalterlichen Bestattung zu einer Ethnie ist auch durch die Begleitumstände von spätslawischer Keramik sehr spekulativ.

Grabsteine oder Grababdeckungen?

Der doppelte Burgwall

kaum noch im Gelände zu sehen: Die Reste des Walles

 Von der Doppelwallanlage (siehe Grafik oben u. Bild rechts) ist im Gelände nur noch wenig zu sehen. Der innere Wall ist zum Teil noch erkennbar, der äußere Wall wurde abgetragen oder durch Pflügen beseitigt. Aufgrund der Urkundenhäufigkeit in spätottonischer und salischer Zeit kann eine Errichtung in diesem Zeitrahmen angekommen werden. Holz- oder Steineinbauten sind nicht nachgewiesen. Eine Palisadenbekrönung wurde nicht untersucht.  An der Nordspitze der Burg (siehe Grafik oben) sind noch Reste einer rechteckigen Einbauung in den Wall zu sehen. Sachse vermutet hier eine spätere Errichtung.

Keramik und Fazit

An Keramikscherben wurden  in Treben mittel- und spätslawische Ware der Leipziger Grupe gefunden, die „im 12./13. Jahrhundert mit der Herausbildung einer ethnisch nicht mehr trennbaren hochmittelalterlichen Keramik“ (Sachse) endet. Ob die spärlichen Funde auf dem Friedhof diese ethnische Zuordnung wirklich rechtfertigen, ist aufgrund der fehlenden Fundbeschreibung im Moment nicht feststellbar. Warum die Bewohner trotz einer ottonischen Burganlage (Brückenkopf östlich der Saale) und damit 200 Jahren deutscher Herrschaft noch einen „slawischen Friedhof“ errichtet haben sollen, erschließt sich mir nicht.  Niemand käme auf die Idee, einen ins Hochmittelalter datierten Friedhof z.B. in Halle oder Magdeburg als slawisch zu bezeichnen. Die Anlage in Treben ist ein ungewöhnliches und gut erhaltenes Beispiel für einen hochmittelalterlichen Friedhof im Saalegebiet. So sollte es ausgezeichnet und bekannt gemacht werden. Als er angelegt wurde, war Landgraf Ludwig der Springer gerade gestorben und als man den Friedhof aufgab, hatte die Christenheit Jerusalem inzwischen wieder an Saladin und die Dynastie der Ayyubiden verloren. Die slawische Bevölkerung im Saalegebiet war längst in der Gesamtbevölkerung aufgegangen, zumal sie auch das Christentum angenommen hatte. Ich denke, erhaltener „Hochmittelalterlicher Friedhof“ reicht völlig aus.

Euer Isidorus