Wikingerlager rund um die Turmhügelburg

(Lütjenburg) „Die Wikinger kommen“ schallt es laut weit durch Wagrien und das Ostholsteinische Land vom hölzernen Turm der Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal.
Erneut treffen sich die rauen Nordmänner zu Pfingsten auf Einladung des
Burgherren Eberhard von Bodendiek an seiner Burg zum friedlichen Wettstreit um
das „Ehrbare Lütjenburger Schwert“ und um ihre Waren feilzubieten.
Zu Pfingsten, am Sonnabend, dem 07. Juni von 11:00 bis 19:00 Uhr und Sonntag, dem 08. Juni, von 10:00 bis18:00 Uhr ist das Lager geöffnet – erneut eine der größten Wikingerveranstaltungen in ganz Norddeutschland.
Über 100 Zelte von Sippen aus dem ganzen norddeutschen Raum werden auf der
Wiese stehen. Die Wikinger zeigen den Besuchern ihr Können im Schwertkampf,
Bogenschießen und Axtwerfen. An vielen Ständen wird dem Besucher deutlich,
welch ausgezeichnete Handwerker und Händler die Wikinger und ihre Frauen
waren, sie waren eben nicht nur die plündernden und grobschlächtigen Seefahrer.
Angefangen vom Weben, Filzen, Naalbinding über Specksteinbearbeitung,
Bronze- und Zinngießen, Korbflechten, Glasperlen drehen, Bau von Messern,
Bögen, Pfeilen und Kettenhemden – alles wird auf der Wiese zu sehen sein.
Waffen und Ausrüstung der Wikinger werden den Besuchern vorgeführt und jeder
kann Lederarbeiten, Schmuck, Holzschnitzereien und viele andere
Gebrauchsgegenstände – auch Messer und Waffen – bei den Händlern erwerben.
Die Musiker der Gruppe „Tri Scurria“ werden mit ihren Weisen auf mittelalterlichen
Instrumenten Ohren und Augen der Besucher und Burgbewohner erfreuen, das
Gesinde des Burgherren wird im Burghof seine Tänze zur Musik der Musiker von
„Drubadings“ vorführen. Der Schmied wird den Amboss in der Schmiede klingen
lassen und seine Arbeiten präsentieren. Natürlich werden aber vor allem auch
Kämpfe der rauen Wikinger kleine und große Fans begeistern.
Viele Mitmach-Aktionen – gerade auch für Kinder – wie Schmieden, Axt- und
Speerwerfen, Bogenschießen, Stockbrotbacken, der Tjostdrachen Thorkel,
Ponyreiten und vor allem auch das das Puppentheater mit den Mini-Wikingern Ask
und Embla erwarten auf der Lagerwiese die Besucher. Auch der Schleuderer
Jaegoor wird seine Schleudertechnik den interessierten Zuschauern
demonstrieren.
Leckere mittelalterliche Speisen und Getränke an der Burgschenke stehen für die
Besucher ebenso bereit wie das begehrte Burgbrot „Ritterlaib“ aus dem großen
Lehmbackofen, das täglich zwei Mal gebacken und verkauft wird.
Höhepunkt ist jedoch – wie jedes Jahr – der Wettkampf der besten Nordmänner
um das „Ehrbare Lütjenburger Schwert“, ein Dreikampf mit Axt, Speer und Bogen.
Der Wanderpreis wird am Pfingstsamstag 2014 zum 11. Mal vergeben, der Sieger
darf neben dem Titel noch einen Preis des Burgherren Eberhard mit nach Hause
nehmen.
Wie schon in den vergangenen Jahren wartet ein prall gefülltes Programm mit
vielen Höhepunkten auf Alt und Jung, nahezu stündlich wechseln sich
Vorführungen ab.
Der Förderverein hat 2014 die Eintrittspreise nicht erhöht, er wird wieder um ein
„Burgopfer“ von 5,00 € von Erwachsenen und 3,00 € von Kindern über 6 Jahren
bitten.
Mit diesem Geld soll der Bau der Burg weiter vorangetrieben/finanziert und die
Ausstattung der Gebäude vervollständigt werden. Auch die Erlöse aus dem
Getränkestand, Brot- und Kuchenverkauf fließen in vollem Umfang in diesen Topf.
Die Parkplätze auf der großen Fläche im Gewerbegebiet Bunendorp sind
ausgeschildert und – wie bisher – kostenlos für unsere Besucher nutzbar.
Weitere Informationen finden Sie unter www.turmhuegelburg.de im Internet.

Museumsnacht in Zörbig

zörbig-Plakatmit Ottonenbeteiligung.

Zörbig wurde 961 das erste Mal als Zurbici und 1009 als Burgwardhauptort erwähnt. Vor den frühdeutschen Befestigungsanlagen sind archäologisch bereits mind. zwei slawische Siedlungsschichten nachgewiesen. Darum und mehr wird es gehen. Wir halten einen Vortrag und führen in die Ottonenzeit und die Rekonstruktion der Ottonenzeit mit praktischen Beispielen ein.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Museum in Zörbig wird damit fortgesetzt, siehe hier …

Euer Isí

Frühjahrsklausur 2014

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Auf der Hinreise: Henricus am Grab seines Kaisers Otto I.

Mit der Frühjahrsklausur jedes Jahr beginnt die Saison des Lebendige Geschichte e.V. Dieses Jahr fand sie vom 7. bis zum 9. März in Halle statt. Ein sehr großer Anteil unserer Vereinsmitglieder und damit Ottonen ist gekommen. Ich bedanke mich sehr herzlich dafür, denn einige haben eine lange Fahrt dafür auf sich genommen.

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Ottonisches Abendmahl

Freitagabend war Anfahrt und Ankunft der Teilnehmer. Es gab ein Essen anläßlich unseres letztjährigen 100. Geburtstag (2x 50 Jahre), für das unser Leib- und Magengrieche um die Ecke sorgte. Gespräche setzten sich bis in die Nacht fort. Das ist so, wenn man sich lange nicht gesehen hat.

Offizielle Eröffnung unseres Vereinsbüros

Der Samstag begann mit Frühstück und der offiziellen Eröffnung unseres Vereinsbüros in der Geiststraße in Halle. Ein Vortrag über die frühmittelalterliche Stadtwerdung von Halle im Zusammenhang mit slawischer Besiedlung schloss sich an. Da dies nur ein Zwischenstand ist, kann er hier nicht veröffentlicht werden.

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Übungsschleudern an der Saale

Wir hatten so ein Glück mit dem wundervollen Frühlingswetter. Der Punkt „Museumsbesuch“ im Landesmuseum Halle für Vor- und Frühgeschichte wurde deswegen auf den Sonntag verlegt. Ein Teil der Mitglieder machte einen Stadtspaziergang und besah sich den Teil eines romanischen Wohnturms in der Rannischen Straße 5, siehe hier... Die Schleuderer nutzten die Zeit und das Wetter für ein gemeinsames Schleudertraining. Ich muss schon sagen, ihr seid alle besser geworden und ich fürchte um meinen dritten Platz bei den nächsten Meisterschaften im Sommer.

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Ruhepause und Mittagessen im Gartenlokal

Ein schöner Programmpunkt war auch das gemeinsame Mittagessen im Gartenlokal des Peißnitzhauses. Ich denke, es hat allen gut gefallen. Sabine machte nun für alle eine Einführung in die Kammweberei und natürlich mußten wir auch unsere alljährliche Mitgliederversammlung abhalten und den Punkt „Vereinsmeierei“ abhaken. Das verlief dank Buteos Sitzungsleitung sehr unaufgeregt und entspannt.

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Einführung in die Kammweberei
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Und so schaut es aus

Die Frühjahrsklausur klang am Sonntag sehr gelungen mit einem Besuch von Dauer- und Sonderausstellung des Landesmuseum in Halle aus. Wir rammelten nicht als Gruppe hindurch, sondern jeder lebte sein „Angucktempo“ aus.  Die eigenwillige und künstlerisch geprägte Präsentation in Halle hatte unter den Augen dieses versammelten „Fachpublikum“ nicht nur Bestand, sondern wurde gelobt, rief sogar Begeisterung hervor. Ich glaube, das sollte ich bei nächster Gelegenheit, den Verantwortlichen mitteilen.  Während und nach dem Museumsbesuch hieß es bereits Abschied nehmen, so ein Wochenende geht leider schnell vorbei. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder …

Euer Isí

Fotos von L. u. T. Mann, Kiel, herzlichen Dank!

Kaiserfrühling und ein Preis in Minden

Wir waren auf dem Kaiserfrühling in Quedlinburg und ich möchte hier keine Kritik loswerden, denn das möchten wir zunächst unter uns auswerten. Wie einer der wichtigsten ottonischen Orte eine interessante und anspruchsvolle Veranstaltung erhalten kann, das ist interessante Frage, die nur mit Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung beantwortet werden kann.

Einen ganz anderen Weg geht die Stadt Minden mit Reenactor-Messe und einem Reenactor-Preis, bei dem ich sehr schade finde, dass es nur über „Selbstanzeige“ geht. Chronico berichte darüber. Lieber wäre mir ein Vorschlagsrecht gewesen. Ich wüßte schon, wen ich im Ottonenbereich vorschlagen würde. Und warum macht man dies eigentlich im Sommer, wenn alle unterwegs sind und legt das Enddatum bereits auf den 20. August?

muss ich ein bissle mit dem Kopf schütteln darüber, Euer Isí

Augsburger Ottonenlager

Augsburger Ottonenlager

Ottonenlager in Langenneufnach (Bärenbachzeltplatz) bei Augsburg

Nach dem großen Ottonenlager in Weilheim 2010 und einem kleineren Ottonentreffen 2011 auf der Lütjenburg fand in diesem Jahr im Mai ein lange geplantes Ottonenlager bei Augsburg statt.

Es ist Frühlingsanfang im Jahre des Herren 1012, der erste Markt im Jahr zieht viele Menschen nach Augsburg. In der Nähe der Stadt treffen und lagern die unterschiedlichsten Menschen auf dem Weg zum Markt. Neben dem alltäglichen Lagerleben wird die Ausrüstung ausgebessert und Waren werden für den Verkauf vorbereitet. Auch Bewaffnete und Reisende kommen aus unterschiedlichsten Gründen in die Bischofsstadt.  Es ist wirklich nur eine kleine Reisegruppe, die sich am Bärenbach in der Nähe von Augsburg zusammenfand: Ein Miles mit Frau und Kindern, ein Händler aus Birka, ein Adliger mit Knecht, zu dessen Schutz der Miles mitreist, eine ottonische Stiftsdame, ein Jäger mit Frau und ein Gutsherr mit Frau, der einige Zeit in Diensten eines jüdischen Sklavenhändlers stand und von ihm ein arabisches Reisezelt (Jaima) erworben hat. Ein Sonnensegel wird aufgespannt und die Reisenden ruhen sich zwei Tage aus, bevor sie zum Markt nach Augsburg weiterziehen.

Soweit die Geschichte für unser Lager. Am Anfang stand etwas die Enttäuschung. Wir hatten mehr Darsteller und mehr Besucher erwartet. Doch sind wir nicht sehr viele ottonische Darsteller (oder ähnliches) und es ist klar, dass nicht jeder an jeden Termin kommen kann. Manchmal kommt auch spontan etwas Wichtiges dazwischen. Für die „Nordschiene“ ist die Anfahrt zudem sehr, sehr weit. Was die Besucher betrifft: Je weiter ein Lager von einer größeren Stadt entfernt ist, desto mehr Werbeaufwand muss betrieben werden, um Interessierte anzulocken. Wenn es ein ehrenamtliches Projekt wie dieses Ottonenlager ist, stellt sich von Beginn an die Frage, ob sich ein solcher Aufwand dann überhaupt lohnt und nicht von vornherein ein Privatlager zu planen ist, bei dem wir uns natürlich über jeden spontanen Besucher genauso freuen. So hatten wir nur wenige, aber sehr interessierte Besucher, die auch lange blieben und am nächsten Tag wiederkamen. Vom geplanten Programm haben wir immerhin eine abgespeckte Version geliefert.

Wir haben uns als Reisende tatsächlich ausgeruht. Es war ein schönes verlängertes Wochenende mit Erfahrungsaustausch mit ottonischen Darstellern. Wir führten Handarbeiten und Handwerk aus, probten Bögen und Schleudern und den Kampf mit Schild und Speer. Dazu gehörte auch ein Beschusstest auf eine genietete Kettenhaube. Viele von uns sehen sich oft nur einmal im Jahr und da ist diese Gelegenheit auch immer ein Treffen unter alten Freunden. Ganz klar! Für die gute Essens- und Getränkeversorgung ergehen viele, viele Pluspunkte an die Orga. Ebenso für den Platz und überhaupt für die Organisation. Ja, und am Ende vielen Dank an diejenigen, die uns so lieb bekochten!

Perspektiven für weiteres ottonisches Engagement für Augsburg und Königsbrunn wurden auch ausgelotet. Ein nächstes Ottonenlager im Süden könnte z.B. beim Lechfeldschlachtpavillon stattfinden. Dazu müßten Gespräche mit der Stadt und den Gruppen vor Ort geführt werden. Es ist auch noch nicht raus, ob unser Wilderich die Organisation ein weiteres Mal übernehmen möchte. Darüber wird noch zu reden sein. Wir verließen den Bärenbachplatz mit vielen traurigen Gefühlen und der schönen Erinnerung an drei Nächten und über zwei Tagen in der Ottonenzeit.

Ganz viele Fotos von dem Treffen gibt es hier ….

Euer Isí

Heerbann 2012

Das Schlachtfeld sah aus wie ein Saustall

Odo von Craien

Heerbann 2012

Der Heerbann ist vorrangig ein Kämpfertreffen, aber nicht nur …

Für uns ist der Heerbann in Berlin-Brandenburg schon  wieder vorbei. Aber einige von uns werden heute noch bis zum Ende bleiben und das schöne Wetter in Bruchmühle genießen. Sehr schade, dass wir nicht das Zelt aufbauen konnten (aber der Lebensunterhalt bzw. die Verpflichtungen anderen gegenüber gehen vor), denn das Wetter wäre unserem arabischen Zelt sehr entgegen gekommen. So haben wir die Gastfreundschaft der Templer-Komturey von Berlin und der Gruppe Liudolfinger-Mannen (Ottonen wie wir) in Anspruch genommen. Dafür ganz herzlichen Dank.

2007 fand der erste Heerbann in Berlin-Brandenburg mit ca. 184 Teilnehmern statt (auch schon eine stolze Zahl!), lt. Odos Zählung haben sich am diesjährigen Heerbann 2012 705 Teilnehmer  versammelt. Die Stimmung war ausgezeichnet und so habe ich das Gefühl, Odos Anliegen, die unterschiedlichen Gruppen und Gruppierungen innerhalb der Mittelalter-Szene zu einem (harmonischen) Lager zusammen zu schweißen, ist angenommen worden. Jeder akzeptiert den anderen (auch wenn in den Lagern trotzdem ein wenig über den anderen gelästert wird, wir sind ja auch nur Menschen) unabhängig davon, welcher Gruppierung man angehört oder welchen Glauben man hat. Es waren viel weniger Odin-Rufe als früher zu hören. Annette sah sogar Wikis mit Kreuzen.

Nicht nur ein Kämpfertreffen …

Heerbannn 2012

Das „Damenkränzchen“: Während die Kämpfer/innen sich austobten, gingen Damen (und Herren) ihren handwerklichen Tätigkeiten nach.

Natürlich ist der Heerbann vorrangig ein Kämpfertreffen (ca. 350 waren gemeldet), aber nicht nur: Es werden Workshops angeboten, z.B. Glasperlen oder Schleudern z.B., viele Händler bieten ihre nützlichen und weniger nützlichen Dinge an oder die Darsteller finden sich einfach zusammen wie z.B. beim „Damenkränzchen“, bei dem genäht, gestickt oder brettchengewebt wurde. Auch der „Mittelalterflohmarkt“ war ein Hit!

Natürlich überwiegt weiterhin die Kampfdarstellungen in allen Lagern, aber dieses Jahr hatte ich das Gefühl, dass es in Zukunft in Richtung eines „Familientreffen“ der Mittelaltergruppen in Berlin-Brandenburg (und Umgebung) gehen wird. Wir wissen, dass wir dort viele Freunde treffen werden und anderen wird es auch so gehen.

Heerbann 2012
Nicht nur das Schlachtfeld war belebt, auch die vielen Lager waren voller Darsteller, hier z.B. bei der Templer-Komturey

Und die Qualität der Darstellung ?

Hat sich bei vielen Gruppen erheblich gesteigert, so mein Eindruck. Bei einigen Gruppen ist es schön zu beobachten, wie sie die Qualität ihrer Darstellung im Laufe der Jahre gesteigert haben. Aber auch beim schönsten Treffen gibt es immer noch etwas zu kritisieren bzw. zu verbessern: Natürlich das übliche Problem von modernen Sachen, die in vielen Lagern noch zu sehen waren. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Wenn die Keramik nicht immer passend ist, wäre ja nicht so schlimm, aber eines ist klar: Wikis (und andere) haben keine Bierflaschen gehabt! Viel schlimmer war die  Sache mit der “Helmpflicht”. Ich habe nur ganz wenig Fotos von Training und Kämpfen gemacht, habe aber überall Leute ohne Helm drauf (siehe z.B. ganz oben und das unterste Foto).  Was passiert, wenn jemand zufällig einen Kopftreffer bekommt und keinen Helm trägt, wißt ihr als Kämpfer selbst ganz genau.

Am Ende meiner diesjährigen Heerbannsblogerei das melancholische Bild eines Kämpfers, der sich plötzlich einsam, verlassen auf dem Schlachtfeld wieder fand.

Euer Isí

Heerbann 2012

einsam, verlassen?! Vielleicht überlegt er auch nur, warum die Leute, die auf ihn zustürmen, alle keinen Helm auf haben … ???

Schleudern auf dem Bauspielplatz Roter Hahn

Vom 20 – 21 August fand auf dem Bauspielplatz nahe Lübeck das diesjährige mittelalterliche Sommerfest statt. Geboten wurde ein breites Angebot. Schmieden, färben. spinnen, schnitzen, Pfeil und Bogenbau, Steinschleudern, Zinn gießen uvm. Und natürlich Steinschleudern ! Genau aus diesem Grund waren auch wir mit einem kleinen Lager vor Ort. Wir, das waren Lis, Hermann, Jens und ich. Und natürlich Gregor und Felizitatze.

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Wir hatten angeboten, das Steinschleudern den Besuchern hier etwas näher zubringen. Zu diesem Zweck bauten wir einen Infotisch übers „Schleudern – Damals und Heute“ auf und steckten unseren Schussbereich (20 und 30m) ab:

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Der Info Tisch war dann auch wirklich eng umlagert:

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Nicht nur Besucher kamen, auch die Leute vom Bauspielplatz und aus anderen Lagern zeigten reges Interesse an der Schleuderei:

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Und geschleudert wurde dann auch reichlich. Wir begannen mit der Sonne im Gesicht und hörten auf, als sie uns im Nacken brannte

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Und während die einen sich um denn Nachwuchs kümmerten….

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……waren die anderen fleißig am Ball holen:

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…und wieder andere genehmigten sich erstmal einen kühlen Trunk:

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Es war ein wirklich sehr schönes Wochenende. Sehr gerne kommen wir nächstes Jahr wieder. Und vielleicht gibt es ja noch ein paar Ottonen die sich uns anschließen möchten. Platz für ein größeres Lager gibt es auf jeden Fall.

logo-sl2.jpg Jaegoor

Hier noch ein paar kleine Filmchen für Euch:


Die Turmhügelburg zu Pfingsten

Wir sind wieder für eine Woche auf der Turmhügelburg. Und wir erwarten weitere Freunde aus der „Ottonenzeit“.  Von Ihnen wird im Verlauf des Berichtes die Rede sein. Am Ende gibt es eine Liste mit den beteiligte Gruppen bei unserer diesjährigen „Burgbelebung“.

Turmhügelburg Lütjenburg

Lütjenburg liegt nördlich von Hamburg. Es ist ein kleiner Ort in Ostholstein an der Ostseeküste. Ostholsteins Besonderheit ist, dass es relativ spät deutsch erobert und besiedelt worden ist. Erst im 12./13. Jhd. wurde es kolonisiert und christianisiert. Hölzerne Turmhügelburgen entstanden deswegen etwas später als im übrigen Heiligen Römischen Reich.  Eine große Rolle spielten dabei die Schauenburger Grafen, hier dazu mehr Informationen …

Nahe Lütjenburg im Nienthal wurde eine Turmhügelburg der Schauenburger Zeit von einem rührigen Verein rekonstruiert und neu errichtet. Sie besteht aus dem Eichenholzturm, der „eingemottet“ auf einem Hügel steht und von einem Wassergraben umgeben ist. Nur eine schmale Holzbrücke, die leicht zu entfernen ist, führt hinauf zu diesem letzten Verteidigungspunkt. In der Vorburg steht ein Ensemble von 5 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und die Kapelle. Umgeben ist die Vorburg von einem Wall, der von einem Flechtzaun bekrönt ist. Es ist also keine Steinsburg des Klischeemittelalters, drohendes Gemäuer auf einem Berg oder Hügel, sondern eine Vorform, wie es sie auch im Frühmittelalter in zahlreichen Niederungen gab (deswegen aus Niederungsburg). Wir passen als Ottonen hier also ganz gut herein, wenn auch die meisten Gebäude nicht aus „unserer Zeit“ sind.

Lageplan Turmhügelburg

Am Pfingstwochenende findet auf der Festwiese traditionell das „Wikingerfest“ statt. Deswegen konnten wir unsere Belebung erst am Pfingstmontag beginnen. Diesmal schlafen wir nicht im Gesindehaus, sondern im Wirtschaftsgebäude. Die meisten „Wikinger“ waren bereits abgereist, als wir kamen. Auch Bodendieks Gesinde, die Burgtruppe, zu der seit Neustem auch unser Jaegoor gehört, waren am Abreisen.

Wirtschaftsgebäude Turmhügelburg

Vorher saßen wir zusammen, aßen gemeinsam Hirsebrei und erzählten uns die neusten Erlebnisse. Das ist auch in Zeiten des Internets und der Informationsüberflutung schön. Oder gerade deswegen! Die stillen Tage in Lütjenburg begannen. Selten hatten wir es so ruhig.

Im Sommer am frühen Morgen, wenn die Sonne scheint und bevor die ersten Besucher komme, ist es in der Burg am Schönsten: Ich sitze im Ritterhaus oder in der Sonne auf dem Platz vor der Schmiede und schreibe. Der Tag beginnt gut.

Ritterhaus Turmhügelburg

Die Ruhe währt nicht ewig. Die Bodendieks sind abgereist, aber die ersten Freunde sind angekommen und wollen untergebracht werden: Elke und Jürgen, die Zähringer, sind zwei junggebliebene und herzensgute Schwaben, die uns damals in Tilleda sehr geholfen haben und die arme Orga immer wieder aufgerichtet haben, sie wohnen im Turm. Das war immer schon Jürgens Traum.

Burgturm Turmhügelburg

Kathrin und Holger kennen wir von unserer ersten ernstzunehmenden Veranstaltung in Quedlinburg 2006, dem Reenactorlager auf dem Schlossberg. Jonathan ist Kathrins Sohn. Sie haben ein Zelt neben der Kapelle aufgeschlagen.

Kapelle mit Zelt Turmhügelburg

In dieser Ruhe und Stille drängt sich die Frage auf: Was macht man den ganzen Tag in der Burg?

Die Frage ist einfach zu beantworten, aber nicht so einfach zu erklären: Wir „beleben“ die Turmhügelburg, die sich von Beginn an als „Lebendiges Museum“ verstanden hat. Was heißt das? Natürlich, wir tragen mittelalterliche Kleidung. Das ist nicht so einheitlich, wie man sich das so vorstellt. Fast 1000 Jahre dauerte das Mittelalter, das ist länger als der Zeitraum vom Ende des Mittelalters bis heute. Da wechselten oft Kleidung und Baustile. Die lütjenburger Turmhügelburg repräsentiert nur den letzten Rest dieser Zeit, etwa ab dem 11. Jahrhundert mit dem „ältesten Gebäude“ der Anlage, dem „Wohn- und Stallgebäude“ bis zum Ende des Spätmittelalters mit dem jüngsten Gebäude, der Kapelle. Dennoch kann man sich so etwa eine Anlage um 13oo vorstellen. Es ist natürlich nur Rekonstruktion und im Nienthal stand nie eine Burg. Doch rund um Lütjenburg fanden sich  allein 11 dieser kleinen adligen Befestigungsanlagen (im Kreis Plön etwa 45) und so gehört die Turmhügelburg ganz eindeutig zur typisch mittelalterlichen Geschichte der Gegend.

Der Bau von Turmhügelburgen begann in Deutschland etwa ab dem 10./11. Jahrhundert, in Frankreich noch früher, Spanien ging mit seinen Stadtburgen eigene Wege und über Italien weiß ich nicht viel. In Ostholstein errichtete der Holsteinisch-Sächsische Adel diese Burgen, um die slawischen Einwohner zu unterwerfen und das Land deutsch zu kolonisieren. Wie aus anderen Untersuchungen (z.B. auf Rügen und in Mecklenburg) zu ersehen ist, war es z.T. auch der einheimische Adel, der sich dem neuen Oberherr, hier die Schauenburger Grafen, unterworfen hat und sich den neuen Sitten anpaßte, d.h. Adelsburgen auf seinem Besitz baute. Die Bewohner der Turmhügelburgen müssen also nicht immer „Deutsche“ gewesen sein.

Turmhügelburg Belebung

Was machen wir noch, außer unsere rekonstruierte Kleidung zu tragen, in unserem Fall die Mode der Ottonen- und Salierzeit? Eins können wir nicht und zwar mittelalterlichen Alltag nachstellen. Uns fehlen hierbei die täglichen Aufgaben, die Tiere etc. Wir können kleinen Handwerken nachgehen, einfache Handarbeiten machen, unser tägliches Essen kochen. Und wir machen einen guten Eindruck natürlich. Von Zeit zur Zeit und wenn man nett ins Gespräch kommt, führen wir die Besucher auch gerne durch das Gelände.

Inzwischen sind fast alle angekommen. Unsere Berliner Freunde Buteo, Hemmo u. Rieke waren leider aber nur kurz da. Der Uhl zu Wilhaim, seine Frau Cutani und die zwei Kinder Natalie und Jenny sind in das Gesindehaus gezogen, Kerstin mit Zelt auf die Wiese, Lis und Hermann in den Kornspeicher, die Liudolfinger Bruno und Baldwin und Jörn und Familie zu uns ins Wirtschaftsgebäude. Lis und Hermann von Gesinde der Burg schlafen im Kornspeicher.

Doch nun regnet es. Das hat uns leider unseren Schleuderwettbewerb geschmissen. Zu allem Überfluss ist auch noch unser Schleudermeister, der Jaegoor, krank geworden. Deshalb fühlte sich unsere Schleuderscheibe etwas allein gelassen.

Schleuderscheibe Turmhügelburg

Historisches Steinschleudern ist eine der Aktivitäten, die sich auf den Wiesen an der Seite der Turmhügelburg ausgezeichnet durchführen lassen. Im Mittelalter war eher die Stabschleuder verbreitet, da sich diese leichter bedienen ließ als das Spezialistenwissen der Bedienung der Handsteinschleuder mit Schlingen, die eher weitflächig in der Antike verbreitet war, jedoch als Waffe auch noch im Mittelalter nachweisbar ist (s. Funde z.B. in Schleswig).

Backofen Turmhügelburg

Ein Höhepunkt des diesjährigen Aufenthalts auf der Turmhügelburg war die Inbetriebnahme des kleinen Lehmbackofens neben dem Kräuterbeet. Das war etwas, was ich eher zum Alltagsleben einer Turmhügelburg zählen würde, leicht von einem Mann zu bewältigen. Wir waren dagegen zu viert/fünft: Zuerst wurde Holz gehackt, möglichst klein zum Anzünden und weiterbefeuern. Bruno machte Feuer und blieb zum Weiterbefeuern einige Stunden dabei. Der Mann, die Frau oder das Kind damals wird seinen Ofen gekannt haben, wir dagegen mussten uns erst mit ihm vertraut machen, bevor er richtig heiß wurde. Der Huginn-Ofen in Tilleda hatte, so erinnerten wir uns, einen Abzug, oder? Dieser hier nicht! Dennoch kamen am Ende drei leckere Brot und da die Hitze noch vorhanden war, ein sehr schmackhaftes Fischgericht aus Plattfischen und Kräutern der Provinz heraus (dem Schleifischer und dem Ökohof Tuch herzlichen Dank!). Sicherlich der kulinarische Höhepunkt des Aufenthaltes, ohne den kochenden Damen und Herren nahe treten zu wollen: Auch Hollunderküchle, die Gerstenfladen und die Zwiebelhühner in Weinsauce in den Kugeltöpfen waren ausgesprochen lecker! Mein Favorit aber war diesmal das Backofen-Menü! Hier zwei Bilder:

Fischgericht Turmhügelburg

 Brot Turmhügelburg

Da dieser Bericht endlich einmal zu Ende gehen muss und auf die Veröffentlichung wartet, nur noch einige schöne Kleinigkeiten, an denen sich bestimmt alle gerne erinnern: Die Nachtwanderung durch die Hügel von Ostholstein bis zu einem geheimnisvollen See. Auch die „Kampfübungen“ mit den Kindern trugen sehr zur Unterhaltung bei. Was ich immer wieder feststelle: Die Zeit geht viel zu schnell vorbei.

Am Ende gab es noch etwas Feierliches. Ein Templer kam und der Altknappe von leider erkrankten Jaegoor, Kai, wurde Ritter. Da waren wir aber schon am Einräumen und schon fast auf der Straße nach Hause. Auch hier ein schönes Bild davon.

Turmhügelburg Ritterschlag

Wir sind wieder zu Hause. Aus den in der Küche gestapelten Kisten und dem Geschirr entströmt noch der Geruch des Holzfeuers … Die Turmhügelburg fehlt uns jetzt schon sehr!

Beteiligte Gruppen der Ottonenzeit mit ggf. Internetseiten

Regenbogen Turmhügelburg

Bis bald !

Turmhügelburg Nachtschau

 

1050 Jahre Zörbig

Zörbig 1050

Die Saison 2011 beginnt für uns wirklich sehr langsam. Andere waren schon in Bärnau oder in Dissen oder auf dem Heerbann, aber wir kommen höchstens bis Zörbig, eine kleine Stadt nordöstlich von Halle, die gerade ihre 1050. urkundliche Erwähnung (961 unter Otto I.) feiert. Auch wenn es nur ein „normales“ Stadtfest wird, passen wir da ganz gut herein. Und so ist es mir lieber, als an einem künstlich gestalteten historischen Fest teilzunehmen, dass in den meisten Fällen gar nicht historisch ist. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Dann also doch von allem etwas und dazu ein paar Buden mit Bratwurst und Bier. So ist es ein schönes Stadtfest und das passt dann schon. Der Gegenentwurf ist etwas, was ab Himmelfahrt in Dorstadt stattfindet oder was der Uhl an der Ammer in mit Wilhaim 1010 im vergangenen Jahr gemacht haben. Das braucht aber viele gute Darsteller und Konsequenz.

Zörbig war in der Ottonenzeit eine namentlich erwähnte Civitas im Gau Zitici. Die Colodici-Sorben sind von den Sachsen geschlagen worden und durch die ottonische Burgwardordnung bildete sich eine Verteidigungslinie im Osten mit kleinen Burgen und diese umgebenen Dörfer (10 – 20). Das nannte man Burgward, die eigentliche Verteidigungsanlage (evt. im Falle Zörbigs sogar schon ein Steinturm wie in Querfurt) stand im Burgwardhauptort. Dazu mehr hier …. (alter Text aus dem Schülerprojekt). In diesem Fall entstand aus dem Hauptort die Stadt Zörbig.

Wir sind als Ottonen sozusagen der Beginn von Zörbig. Am Sonntag habe ich deswegen im Schloss einen einführenden Vortrag über die Ottonen gehalten und auch Kleidung und Bewaffnung usw. erklärt. Der Vortrag war gut besucht, auch Herr Bürgermeister Rolf Sonnenberger war bei den Zuhörern, und an den Reaktionen und dem Applaus habe ich gemerkt, dass es den Leuten auch gefallen hat. Für so viele interessierte und begeisterte Leute hat sich die Mühe gelohnt. Ich glaube schon, dass an diesem Abend Geschichte lebendig wurde. Herzlichen Dank Zörbig. Wir sehen uns am Samstag zum Festumzug noch einmal wieder.

Euer Isí