Archäotechnica in Brandenburg

Nach langer Blogpause gibt es wieder etwas nachzutragen. Eine der schönsten Veranstaltungen in den letzten Jahren, an denen wir teilnehmen durften, war die Archäotechnica in Brandenburg. Darüber gab es einen Beitrag im HalleSpektrum, den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen dürfen:

Ottonen aus Berlin, die zum Lebendige Geschichte e.V. gehören.

Am 19. und 20. August fand im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im St. Pauli Kloster in der Stadt Brandenburg die Archäotechnica 2017 statt. Zwei Vereine/Gruppen aus Halle trugen mit zum Erfolg der Veranstaltung bei. Die Archäotechnica fördert ein tieferes Verständnis für die Entwicklung vom ersten Steinwerkzeug zur heutigen hoch technologisierten Gesellschaft. Sie präsentiert jährlich an zwei Veranstaltungstagen einzelne Facetten handwerklicher und technischer Methoden, aber auch komplexe Entwicklungsvorgänge.

Hallenser Vereine tragen zum Erfolg mit bei

Dieses Jahr stand die Archäotechnica unter dem Motto „Slawen und Deutsche im Mittelalter“ und da wurde im Kreuzgang und im Klostergarten den Besuchern einiges zum Thema geboten. Im Kreuzgang befanden sich neben der Anthropologin Dr. Bettina Jungklaus, die anhand von (echten) slawischen Skeletten die Zeit um 1000 erklärte, der Stand des jüdischen Händlers Ibrahim ibn Jakub, eine christliche Stiftsdame, ein Baumeister und die Textilfachfrau Sylvia Crumbach, die slawische und deutsche Textilien erläuterte. Draußen im Klostergarten wurde es mit der Blide, Schleudergeschütz aus dem 12. Jahrhundert, von Experimentum e.V., den Ottonen aus Halle und Berlin, einer Schmiede, einem Adelspaar aus dem 12. Jahrhundert, slawischen Dorfbewohnern und einem slawischen Adligen nebst baltischer Gattin, Wache und Sklaven noch lebendiger.

Experimentum e.V. mit mittelalterlichem Belagerungsgeschütz

Bei den Vorführungen erklärte Snorri Varnarsson aus dem Freilichtmuseum Düppel die Geschichte der Slawen zwischen Elbe und Oder vom 7.-10. Jh. Ihm zur Hand gingen sein Freund, der jüdische Händler Ibrahim ibn Jakub (Lebendige Geschichte e.V. , Halle), und der wikingerzeitliche Händler Sven. Besonders bemühte sich der Wikinger Sven die Klischees von den unerschrockenen Kämpfern aus dem Norden zu widerlegen. Experimentum e.V. erklärte anschaulich und mit Vorführungen das mittelalterliche Katapult als Belagerungswaffe. Klein und groß freuten sich mit einem Belagerungsgeschütz schießen zu dürfen (mit Schaumstoffbällen). Ottonenzeitliche Rüstungen und Kampftechniken wurden durch den Hallenser Philipp Herzog erklärt. Was trug man in der Lebenswelt der Deutschen und Slawen?  Die Textilfachfrau Sylvia Crumbach ging mit einer historischen Modenschau weit in die Vergangenheit zurück und erklärte die Unterschiede der Trachten.

Damen der IG Wolf im Kreuzgang

Jahrzehntelange Erfahrung bei den Geschichtsdarstellern

Die Archäotechnica ist eine gelungene Mischung aus experimenteller Archäologie, Reenactment (Geschichtsnachstellung) und Geschichtstheater. Die Qualität der präsentierten Trachten war beeindruckend. Jeder Darsteller war ein Experte auf dem Gebiet, das er/sie präsentierte. Gruppen wie die IG Wolf (Stiftsfrau, Baumeister, Adel usw.) betreiben ihre Tätigkeit z.T. seit Jahrzehnten. Die Dauerausstellung konnte während der Archäotechnica selbstverständlich auch besucht werden. Zwar sind wir durch unser eigenes Landesmuseum archäologisch sehr verwöhnt, aber auch Brandenburg lohnt (nicht nur zur Archäotechnica, aber dann besonders) einen Besuch. Ich kann es jedenfalls sehr empfehlen.

Paula Poppinga

Wikinger, El Argar und Minnegesang

So sehen Wikinger aus?
So sehen Wikinger aus?

Die Woche brachte in den Medien schreckliches und sehr erfreuliches. Zeit online mußte uns mit der Navigation der Wikinger beglücken und dazu ein Bild von einem Karnevalisten von den Shetlands posten. Ob das einer wissenschaftlich fundierten Geschichtsvermittlung dient? So etwas Schlechtes hätte ich von der „Zeit“ nicht vermutet, aber es gab auch ein gutes Beispiel: Über die bei uns fast unbekannte bronzezeitliche El-Argar-Kultur (vor einigen Jahren hatte Prof. Rische aus Barcelona in Halle einen Vortrag darüber gehalten) hat der Wissenschaftsresortleiter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Ulf von Rauchhaupt, zwei Artikel veröffentlicht, die einen ersten Einblick in die faszinierende und auch erschreckende Welt von El Argar geben: Der erste Staat des Westens und Macht ohne Schnörkel . Unbedingt lesen!

Auf der Turmhügelburg Lütjenburg ist auch wieder etwas los: Ab dem 22. August sind wieder Ottonen auf der Burg, aber vorher gibt es noch Minnegesang (bis wir da sind, hat sich der Regen dann hoffentlich verzogen):

„Wach auf mîn hort“
Minnesang und Geschichten aus alter Zeit

Auf eine Reise über 500 Jahre zurück in die Vergangenheit begeben sich die Minnesänger Holger Schäfer und Ralf Popken am 06. August 2016 um 19:30 Uhr und mit hoffentlich vielen Zuhörern in der Lütjenburger Turmhügelburg.
Holger Schäfer war bereits Minnesänger des Jahres in 2008 und 2012, im Mai 2014 erhielt er beim großen Falkensteiner Minne-Turnier den ersten Preis. Der sympathische Sänger zählt zu den ganz Großen seines Fachs. Auf dem Programm des bekannten Sängers mit der Harfe stehen mittelhochdeutsche Lieder der großen Minnesänger wie Walther von der Vogelweide, Ulrich von Liechtenstein, Oswald von Wolkenstein sowie deren Übersetzungen.
Ralf Popken ist ebenfalls ein weithin bekannter Sänger, Instrumentalist und Chorleiter, und tritt bereits seit mehreren Jahren mit Holger Schäfer zusammen als Minnesänger auf. Viele bekannte Stücke, wie „Tristan und Isolde“ oder „Parsival“ haben sie schon gemeinsam ihren Zuhörern nahe gebracht.
Auf den Spuren des „letzten Minnesängers“ Oswald von Wolkenstein begegnen uns Abenteuer, Legenden und unglaubliche Reisen. Ein Gang durch das Leben Oswalds, durch die Geschichte des Minnesangs wird dabei ebenso zu hören und erleben sein wie Geschichten und Legenden rund um die historischen Sänger und ihre Zeit. Harfen, Blockflöten, Dudelsack und allerlei andere Instrumente bringen die besondere Musik des Mittelalters zum Klingen.
Stimmungsvoll im Schein von Kerzen und Öllampen erwartet den Besucher in der festlich geschmückten Halle ein verzauberter höfischer Abend auf der Turmhügelburg.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und wegen der immer größer werdenden Nachfrage, hat der Verein für 2016 erneut beschlossen, Karten bereits im Vorverkauf anzubieten. Es empfiehlt sich, diesen auch zu nutzen, denn die Besucherzahl ist wegen der vorhandenen Räumlichkeiten begrenzt. Als Eintritt für diese Veranstaltung bittet der Turmhügelburg-Verein um ein Burgopfer von € 8,00 im Vorverkauf (Mitgliedern € 5,00), Restkarten an der Abendkasse € 10,00.

So schauen heute Minnesänger aus
So schauen heute Minnesänger aus

Vorverkauf:  In der Tourist-Information Lütjenburg und Hohwacht gegen sofortige Bezahlung. Im Internet bestellen unter der e-mail „buchung@turmhuegelburg.de“. Sie werden dann mit einer Antwortmail informiert, ob noch Karten vorhanden sind und aufgefordert, den Betrag auf ein Konto zu überweisen, Nach Eingang des Geldes werden die Karten für Sie reserviert und liegen an der Abendkasse bereit.
Für Interessenten ohne Internet-Zugang: Unter der Telefonnummer 04381 – 3315 anmelden. Dort gibt es weitere Hinweise. Ohne vorherige Bezahlung werden keine Karten zurückgelegt.
Sollten alle Karten bereits im Vorverkauf vergeben sein, werden wir dies über Presse und Internet veröffentlichen, damit niemand umsonst anreisen muss. Für Getränke während der Veranstaltung ist gesorgt. Freie Parkplätze stehen auf den ausgeschilderten Parkflächen im Bunendorp in genügender Anzahl zur Verfügung. Die Turmhügelburg freut sich auf viele Besucher!

Euer Isí

Reise ins slawische Mittelalter

Mit slawischen Charme präsentiert sich der Freilichtteil des Heimatmuseums
Mit slawischen Charme präsentiert sich der Freilichtteil des Heimatmuseums

Wieder einmal ein kleiner Veranstaltungsrückblick, diesmal geht es um Stary Lud : 11. Fest des slawischen Mittelalters in Dissen, Landkreis Spree-Neiße. Schon im vorherigen Jahr gab es einen kleinen Bericht.  „Ein ganz besonderes Mittelalterfest“, hat es die Lausitzer Rundschau dieses Jahr genannt und dem können wir uns anschließen. „Bunt, weltoffen und vielsprachig“, hat es die Frau an meiner Seite bei Twitter gepostet. Ich möchte ergänzen: Es ist so unerwartet ruhig und friedlich.

Wie eine Reise in eine Zeit vor 1000 Jahren

Hinter dem Haus des Heimatmuseums und der Kirche gibt es einen kleinen Platz für Gastronomie und eine Bühne für Darbietungen. Danach tritt der Besucher ein in ein kleines frühmittelalterliches Slawendorf mit Bohlenweg und 5 Grubenhäusern.  Und weil heuer ein Fest ist, stehen Zelte dazwischen und Handwerker gehen spannenden Tätigkeiten nach, wie man sie kaum noch so sieht: Ein Glasperlenmacher, ein Schmied, ein Truhenmacher und dergleichen mehr. Auch nach dem Dorf bis auf die nächste Wiese erstrecken sich Lager und Menschen, die vor 1000 Jahren gelebt haben mögen. Weitere Handwerker aus allen Herren Ländern sind dabei, slawische Krieger aus den Fürstenhöfen des Ostens und Normanen aus dem Westen. Sogar ein jüdischer Händler aus Córdoba und Barcelona hat unbekannte Gewürze und Medikamente aus Andalusien mitgebracht. Es ist alles anders, man begibt sich auf die Reise in eine Zeit vor 1000 Jahren!

Was ist anders als auf einem Mittelaltermarkt ?

Lebendige Museumswelten
Lebendige Museumswelten

Warum muss ich es eigentlich noch erklären? Wenn ein Museum und sei es nur ein kleines Heimatmuseum zwischen Spreewald und Cottbus es schafft, etwa 120 handverlesene Geschichtsdarsteller zusammen zu bekommen, unterscheidet es sich schon dadurch von einem kommerziellen Mittelaltermarkt in der Qualität und der Art der Vermittlung. Wie erklärte es der slawische Kollege so schön bei den Kampfvorführungen: „Wir müssen am Mo. alle wieder vor unserem Chef stehen.“ Aber nicht nur der Enthusiasmus und das Engagement macht dieses Fest so besonders. Da sich die meisten der Darsteller bereits sein Jahren und Jahrzehnten mit der Materie beschäftigen, ist hier eine Qualität der Handwerker, Kämpfer und Rekonstrukteure erreicht, dass sich jedes mit Frühmittelalter beschäftigte Museum die Finger lecken könnte. Und der Zulauf der Besucher seit über 10 Jahren zeigt uns auch, das dieses Konzept angenommen wird. Denn nicht nur Engagement, an vordester Linie unsere Gastgeber Babette Zenker, Museumsleiterin, und Kornelius Kusch, Orga., Qualität und Authentizität der Geschichtsdarstellung sind besonders, sondern auch das Publikum, das sehr wißbegierig, kommunikativ und freundlich ist. Die beste Gewürz- und Medikamenteerklärerin jenseits von Al Andalus mußte sich dieses Mal nur deswegen nicht heiser erklären, weil unser Gewürzteppich etwas versteckt hinter dem Lager der Normannen lag. Vielleicht ist das Interesse einfach heimatbezogener, historischer und nicht so klischeebelastet, wenn es um Slawen und Umfeld geht, statt bei den wesentlich mehr bekannten Leitkulturen Wikinger und Ritter. Deswegen mußte dieNiederlausitz aktuell wenigstens einmal Wikinger hineinbringen, obwohl diese nur wenige Handwerker stellten und die slawischen Schläfenringe bei den Damen überwogen.

Ohne Kampf kein Fest

Aber auch die Darstellung des slawischen Mittelalters in Dissen kommt nicht ohne Abstriche an den Publikumsgeschmack aus. Und will es womöglich auch gar nicht. Wenn Mittelalter, dann müssen auch Schilde, Lanzen, Schwerter her (für Bögen und Schleudern ist das Gelände zu

Kampfvorführungen am Rande der Grubenhäuser
Kampfvorführungen am Rande der Grubenhäuser

klein!). Die Geschichte der Slawen im Gebiet zwischen Saale, Elbe, Oder und Neiße war auch eine Geschichte des Kampfes, des Widerstandes und des Untergangs. Das könnte bis heute erzählt werden. Dieses Jahr hatten wir zwei Kampfgruppen von insgesamt 12 Kämpfern, die ausgesprochen gut miteinander harmonierten und sich sehr gute (freie) Kämpfe lieferten. Ich bin in der Hinsicht schon etwas abgestumpft, aber das war ausgesprochen spannend, Jungs. Das 2. Pennon des franko-flämischen Contingents, das an den Kämpfen beteiligt war, wird sich dieses Jahr in Hastings gut machen. Und wehe, ihr gewinnt nicht! Stichwort: Schleuderblei! Der Abstrich an den Geschmack meint, dass eigentlich keine Mittelalterveranstaltung, die Kleine und Große einen populären Eindruck vermitteln möchte, ohne Gewalt auskommt. Film und Fernsehen ziehen daraus oft den Schluss Mittelalter = Gewalt. Aber diese ist falsch. Und betrachtet man den heutigen täglichen Horror, ist rasch klar, welche Zeit mehr Gewalt, Tod und Unrecht zu bieten hat. Heute hätte keine Minderheit wie die Spree-Neiße-Sl

Am 2. Oktober sind wieder die Krieger geladen
Am 2. Oktober sind wieder die Krieger geladen

awen gegen einen übermächtigen Gegner überleben können. Wie lange aber das Sorbische in Dissen überleben konnte, daran erinnert heute das Heimatmuseum und hier eine kleine Einführung.  Die Veranstalter werden übrigens im Herbst noch eine Extra-Kampfveranstaltung einschieben. Unter dem Titel „Es riecht nach Streit : Krieger beim alten Volk“ werden am 2. Oktober noch einmal Kämpfer und andere Darsteller in Dissen auflaufen.

Falls Museen gute Geschichtsdarsteller wollen, müssen sie sie wie Gäste und gute Freunde behandeln, darin ist das Heimatmuseum Dissen mit Stary Lud vorbildlich. Es machte Spaß, hier den ganzen Tag in Sachen „Geschichte“ zu arbeiten. Deswegen möchte ich diesen kleinen Bericht mit einen herzlichen Dank für

Gewürze und Medikamente aus Córdoba
Gewürze und Medikamente aus Córdoba

die freundliche Aufnahme und Versorgung während des Festes enden lassen. Wie die anderen kommen wir gerne wieder, ganz sicher …

Euer Isidorus

 

 

 

Der 10. Heerbann in Berlin-Brandenburg

Heerbann 2008 mit viel Sonne
Heerbann 2008 mit viel Sonne

Seit 10. Jahren besteht der Heerbann als interne Großveranstaltung im Raum Berlin-Brandenburg. Gegründet wurde er, um die Berliner Mittelaltergruppen wieder näher zusammen zu führen. Seit 2008 sind die Ottonen dort als Teilnehmer mit dabei. Möchte ich ein Fazit ziehen, so brauchte ich nur am Wochenende in das Gesicht von Odo von Craien zu schauen: So locker und gelöst habe ich ihn während des Heerbanns selten erlebt. Er schaute erleichtert und zufrieden auf zehn Jahre zurück.

War der 10. Heerbann groß oder klein? Ich hatte das Gefühl, der Heerbann wäre im Vergleich zu den vorherigen etwas geschrumpft, und die Zahlen von Odo bestätigen das auch: Wir waren 540 Teilnehmer in diesem Jahr. Ich kann mich noch an 707 Teilnehmer erinnern. Aber nicht auf die Größe kommt es schließlich an.

Odo organisiert seit 10. Jahren den Heerbann
Odo organisiert seit 10. Jahren den Heerbann

Ganz bestimmt nicht! Die Qualität der Darsteller nimmt jedes Jahr zu, dabei ist es ein Kämpfertreffen (fast). Bei dieser merklichen Steigerung der Darstellung kann auf etwas Quantität ruhig verzichtet werden. Workshops gab es, einen kleinen internen Markt (der immer noch größer war als Vergleichbares auf „Mittelaltermärkten“) und natürlich die Kämpfe und Schlachten. Jedes Jahr wundere ich mich, dass die Jungs (und Mädels) heil wieder kommen. Und Odo atmet wahrscheinlich am Ende auf.  Das viele Kämpfer zu sehen sind wie sonst vielleicht nur bei den ganz gr0ßen Reenactmentschlachten (Hastings, Waterloo, etc.), leider zeitengemischt,  daran gewöhnt man sich irgendwie im Laufe der Jahre, aber das lebendige Zelt-(Heer-)lager ist jedes Jahr immer wieder imponierend. Natürlich spielt auch das Wetter eine Rolle wie gut die Stimmung ist. Das war f

Die Ottonen mitten im Zeltlager

rüher so und ist auch heute nicht anders. 2008 war, wie oben auf dem Foto zu sehen ist, von sommerlicher Wärme geprägt. 2016 im Jubiläum kam oft die Sonne heraus, aber wir befanden uns mitten in der Schafskälte, immerhin blieb es überwiegend trocken und das ist die Hauptsache. Odo drückte es so aus:  Das Bier war dieses Jahr gut gekühlt.

Was wäre das Fest ohne ein Bankett? Dazu bringen alle ihre Bänke und Tische auf den „Hauptplatz“ mitten im Lager. Wikinger, Ottonen, Hochmittelalterliche, Germanen, Slawen, Spätmittelalterliche bunt gemischt waren plötzlich mit Möbel unterwegs! Innerhalb von Minuten entstand ein Freilichtbankett, von dem die Galier nur träumen konnten (da sie ja nie die „freundlichen“ Legionäre aus der Nachbarschaft dazu eingeladen hatten). Schon am Morgen gab es Schnitttest an 5 Schweinen, die danach den ganzen Tag auf dem Feuer garten und nun serviert wurden. Danke an Rainer, den Schweinebräter. Das Bier mußte noch verteidigt werden, dann durfte Odo eine Rede halten. Besonders war Hagen zu danken, der uns die

Ottonischer Möbeltransport zum Bankett
Ottonischer Möbeltransport zum Bankett

Wiesen zur Verfügung stellte. Plötzlich stand eine Molle gefüllt mit leckeren Grillschwein auf unserem Tisch und wem dies nicht genug war, der konnte von Tisch zu Tisch gehen und sich an vielen Essen aus allen Ländern und allen (mittelalterlichen) Zeiten eindecken. Unsere mit Pfeffer gewürzten Käsebällchen (Ottonenbällchen) bekamen den Status „legendär“. Danke für das Lob! Es lag nicht an der Musik, dass sich die Runde lichtete, sondern eher an der Kälte, viele strebten zu ihren Feuern.

Der Heerbann-Sonntag ist stets vom Mittelalter-Flohmarkt geprägt. Es wurde verkauft, was nicht mehr gebraucht wird. Auch das in der Schlacht nun verkleidete Kämpfer auftauchten z.B. als Weihnachtsmänner, hat bereits eine lange Tradition. „Verkleidete“ verkleiden sich. Den besonderen Preis verdient der Kämpfer mit dem Bananenhörnerhelm.

Das Bankett mit Ottonenbällchen im Vordergrund
Das Bankett mit Ottonenbällchen im Vordergrund

Auch der 10. Heerbann mußte zu Ende gehen. Die meisten Teilnehmer konnten ihre Zelt trocken abbauen, wie ich hörte. Ein Termin für die 11. Heerbann (wahrscheinlich der 29-30.4.2017) ist schon festgelegt. Meine Vermutung, Odo würde es mit 10x genug sein lassen, hat sich also nicht bestätigt. Menschen, die es gut wissen müssen, bescheinigen ihm bei der Organisation eine Meisterleistung. Dem schließen wir uns gerne an. Fotos gibt es in Massen wieder beim Fotofloh.

Euer Isidorus

Fotos: 1. Isidorus 2.-5. Lis u. Hermann

3. Internationales Schleuderertreffen (2)

Die Siegerinnen und Sieger des 3. Internationalen Treffen, Silvio Vass in rot in der Mitte
Die Siegerinnen und Sieger des 3. Internationalen Treffen, Silvio Vass in rot in der Mitte

Bei dem dritten internationalen Schleuderertreffen der balearischen Inseln 2016 hat Silvio Vass aus Deutschland bei den Herren, Antonia Reynes von Mallorca bei den Frauen und Ennio Britos aus Argentinien bei den Kindern gewonnen. Antonia Reynes ist eine ältere Dame von 68 Jahren und balearische Meisterin. Ennio Britos ist zwar Argentinier, schleudert aber in der Jugend von Club foners Felanitx auf den Balearen. Dazu noch ein Artikel (spanisch) in der Diario de Mallorca, hier lesen…

Am Ende gab es noch ein internationales Vergleichsschießen ohne eine Teilnahme von Spaniern und balearischen Schleuderern. Es gab einen dritten Platz für Österreich. Jörn aus unserem Verein und Silvio belegten die Plätze 2 und 1. Auch dazu ganz herzlichen Glückwunsch!

Euer Isidorus

3. Internationales Schleuderertreffen mit Erfolg für Silvio Vass

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Silvio Vass links, Foto: Archiv Ottonenzeit

Beim heutigen dritten internationalen Schleuderertreffen hat Silvio Vass mit 10 Punkten und einer Diane den ersten Platz erkämpft. Der Wettkampf fand in Ses Salinas mit 160 Teilnehmern statt, davon 20 Frauen. Geschossen wurde in zwei Runden a 5 Schuss ohne vorheriges Einschießen. Mit Jaegoor hat erstmals in der etwa zweihundertjährigen Geschichte der balearischen SchleuderWettkämpfe ein Nichtbaleare den ersten Platz erreicht.

Ganz herzlichen Glückwunsch von Deinen Mitschleuderern aus der Ottonenzeit !

 

Und am Ende noch ein Film vom Wettbewerb:

3. Internationales Schleuderertreffen auf Mallorca

Eine wichtige Heimahonderos016at der Steinschleuder sind die Balearen, besonders die talayotischen Insel Mallorca und Menorca, deren Steinschleuderer in der Antike als Söldner begehrt waren und die Wirkung ihrer Waffe gefürchtet wurde. Nichts liegt daher näher, ein internationales Treffen der Steinschleuderer auf Mallorca, hier im kleinen Ort Ses Salines, abzuhalten. Auch von uns werden, wie im letzten Jahr, einige hinfliegen, obwohl die Mitteilung von den Veranstaltung wirklich sehr knapp vor dem Termin kam. Denjenigen, die trotzdem losfliegen, danken wir ganz herzlich. Am Schluß noch einige Informationen vom Veranstalter zu den historischen Schleuderern auf den Balearen, hier klicken. Wir drücken die Daumen und kommt heil wieder!

Euer Isidorus

„Mittelalterey“ – Sommerveranstaltung auf der Turmhügelburg

"Mittelalterey" 2014 - Foto: L. u. T. Mann
„Mittelalterey“ 2014 – Foto: L. u. T. Mann

Am Sonnabend und Sonntag, dem 11. und 12. Juli 2015, ist es wieder so weit: Die sommerliche Veranstaltung „Mittelalterey“ mit dem diesjährigen Motto „Eintauchen, Erleben und Mitmachen“, die sowohl für Kinder als auch Erwachsene einen realitätsnahen, farbigen Einblick ins Mittelalter bieten möchte, findet auf der Turmhügelburg Lütjenburg in Schleswig-Holstein statt. Die Besucher der Burganlage im Nienthal werden am Wochenende mittelalterliches Leben und Arbeiten, Wettkämpfe von Rittern und Reitern, berittene Bogenschützen, viel Musik und Tanz und natürlich buntes Markttreiben auf der geräumigen Anlage erleben. Das Lager ist am Sonnabend, dem 11. Juli, von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr und am Sonntag, dem 12. Juli, von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.

Die Mittelalterey 2014, Foto: L. u. T. Mann
Die  „Mittelalterey“ 2014, Foto: L. u. T. Mann

Der Förderverein bittet auch diesmal um ein „Burgopfer“ von 5,00 € pro Erwachsener und 3,00 € von Kindern über 6 Jahre. Mit diesem Geld, aber auch den Erlösen aus Getränke stand und Brot- und Kuchenverkauf soll der Weiterbau der Burg vorangetrieben/ finanziert und die Ausstattung der Gebäude vervollständigt werden. Parkplätze sind wieder im angrenzenden Gewerbegebiete „Bunendorp“ ausgeschildert und – wie bisher – kostenlos für die Besucher in großer Zahl vorhanden. Das Programm finden Sie hier: Programm Mittelalterey 2015, und weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.turmhuegelburg.de.

9. Heerbann und 10. Slawisches Mittelalterfest

Foto: Jacob, mit freundlicher Genehmigung

Heute widme ich mich der Nachbereitung: Das waren doch zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen, die wir dieses Frühjahr bestritten haben. Die erste war eine große interne Veranstaltung, das Kämpfertreffen der berlin-brandenburgischen Mittelaltergruppen (und der weiteren Umgebung), kurz Heerbann genannt. Das zweite Event war ein Museumsfest mit großem Besucherandrang und mit dem für Mittelalterveranstaltungen eher seltenen Schwerpunkt auf die Kultur der frühmittelalterlichen Slawen.

Der Heerbann kleiner, aber feiner …

Den Heerbann besuchte ich dieses Jahr als Tagesgast, aber Vereinsmitglieder waren auch als Kämpfer vor Ort. Der Heerbann ist in erster Linie ein Treffen und eine Trainigsmöglichkeit der mit Waffenhandlungen und -darstellungen Beschäftigten. Der Charme dieses Lagers liegt aber auch in der Masse der Teilnehmer (dieses Jahr ca. 600, etwas kleiner als in den Vorjahren) und der Geschlossenheit des mittelalterlichen Bildes. Es ist ist ein internes Treffen ohne „störende Besucher“. Deswegen zieht es auch viele Fotografen an. Odo von Crain war wie jedes Jahr der Organisator und die gute Seele des Treffens und es ist imponierend, was er jedes Jahr leistet. Dieses Jahr ist es ihm meiner Meinung nach besonders gut von der „Templerhand“ gegangen. Mir fiel nichts auf, was mein kritisches Auge (besonders) störte. Der Gruppen waren alle von einer befriedigenden bis beeindruckenden Qualität. Alles, was man dem Heerbann einzig vorwerfen könnte, ist das sich (mittelalterliche) Zeiten und Kulturen bunt mischten. Dies macht aber auch den Reiz des Treffens aus, das keinesfalls die Absicht hat ein in sich stimmiges mittelalterliches Bild abzuliefern. Und natürlich ist der Besuch des Heerbanns auch ein Treffen von (alten) Freunden und Gleichgesinnten. Das war der neunte berlin-brandenburgische Heerbann. Der Jubiläumsheerbann im nächsten Jahr steht schon fest in unserem Kalender.

Weitere Impressionen von Foto-Jacob, bitte hier klicken…

Markt in Dissen: Grubenhäuser und Lager direkt am Dorfrand

Wir springen von Ende April bis Ende Mai. Das zehnjährige Jubiläum hat ein slawischer Mittelaltermarkt in der Niederlausitz gerade hinter sich.

Ein slawischer Mittelaltermarkt ?

oder ist das Fest in und um das Heimatmuseum in Dissen-Striesow nicht eher ein wundervoll stimmiges Museumsfest? Von der Qualität der Darsteller stand das Fest auf jeden Fall hochhaushoch über jedem herkömmlichen Mittelaltermarkt landauf, landab. Fest steht auch, wir sind noch nie auf einer Veranstaltung so freundlich und herzlich begrüßt worden. Das lag nicht nur an den vielen Vereinsmitgliedern und Freunden, die bereits vor Ort waren, und an der Fürsorge und der Herzlichkeit der Organisatoren, sondern es ist die Grundstimmung dort im Museum und im ganzen Ort Dissen. Fast alle machten nämlich mit! Ich könnte sagen, in Dissen herrscht ein reenactmentfreundliches Klima. Und das setzt Maßstäbe für die Zukunft.

Wie muß man es sich vorstellen? Hinter dem Dorfensemble aus Heimatmuseum und Kirche ist ein kleines slawisches Dorf mit Grubenhäusern, Bohlenwegen, Brücken und Palisadenwall entstanden. Trotz der Lage mitten im Dorf und der geringen Größe wirkt die Anlage sehr gelungen. Aber nun tobte dort an zwei Tagen das Leben!

Das Viernationen-Event

Die Weberin war (fast) den ganzen Tag fleißig.

Teilnehmer kamen aus vier Nationen: Tschechen, Polen, Sorben und Deutsche. Der slawische Eindruck überwog. Daneben gab es Wikinger-Händler, ottonische Besatzungstruppen, arabisch-jüdische Gewürzhändler und einen Wilderer und, und, und. Sogar ein ranghoher Normanne lief herum, der sich vielleicht an der letzten Spreeabfahrt verrudert hatte. Der ottonische Miles zog sich ständig aus, damit das Publikum sehen konnte, was ein Soldat des frühen 11. Jhds. so oben und unten herum trägt. Die polnischen Schlagedraufs zeigten eindrucksvoll, dass keine Brücke zu klein ist, um sich die Äxte auf die Helme zu hauen. Das Wetter war gut, die Stimmung hervorragend und das Publikum gehörte zu den interessiertesten, die wir je erlebt haben. Es zeigt sich, eine gute Veranstaltung mit guten Darstellern lockt auch interessierte Besucher an. Wir würden uns freuen, wenn wir das nächste Jahr wieder dabei sein könnten. Denn aus unserer Darstellersicht besehen, können wir Dissen 5 von 5 verfügbaren Sternen verleihen mit dem Prädikat „Darstellerfreundlicher Ort“. Das war redlich und hart verdient. Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich!

Weitere Fotos in einer wundervollen Galerie von Michael Helbig in der Lauzitzer Rundschau, hier klicken … und zur gemeinsamen Geschichte von Ottonen und Slawen gibt unsere Zeitleiste einen guten Überblick, hier klicken …

Euer Isidorus

Die Ottonenzeit im Advent

Mittelalterlicher Adventsmarkt auf der Turmhügelburg (Foto v. 2012)

Bei unser Herbstwanderung, der „Wanderausstellung“, sagen wir zwar jedes Mal das ist unser „Saisonabschluss“ für dieses Jahr. In Wahrheit gibt es aber auch im Winter einige Aktivitäten. So laufen die Belebungen auf der Turmhügelburg weiter und besonders möchten wir auf den trad. Adventsmarkt hinweisen, der dieses Jahr am 1. Adventswochenende stattfand.

Historische Beleuchtung auf der Peißnitz

Aber wir waren dieses Jahr auch auf der Peißnitzinsel aktiv. Im Rahmen von „Advent an der Saale“ illuminierten wir mit Lampen der Trichterbecherkultur (Steinzeit), antiken Öllampen, mittelalterlichen Talglampen und wenige neuzeitlichen Fackeln (die Neuzeit brannte am schnellsten weg) die Schachtische auf der Peißnitz-Insel in Halle. Das sah auch schon von weitem wunderschön aus und besonders schön wurde es, als unser „Ehren-Ottone“ Heinrich mit eine kleinen privaten Feuershow begann. Da Advent an der Saale damit erst begann, war der Besuch sehr bescheiden und wir tranken den Glühwein alleine und saßen im kleinen Kreis inmitten unserer Lampen an der Feuerschale.

  

und weitere Fotos in einer kleinen Galerie …

Euer Isí