Die Sache mit dem Messer

erscheint beim Bloger Hiltibold aus Graz, auf den ich auf diese Weise einmal aufmerksam machen möchte. Wir haben die Angelegenheit vorher über Mail im kurzen Dreiecksgespräch auch mit dem Uhl durchdiskutiert und Hiltibold hat seine Schlüsse daraus gezogen und in einem Artikel für seinen Blog verarbeitet. Besonders geht es hier um die oft auch in der Frühmittelalterszene verwendeten Griffplättchen aus Horn oder Holz. Den Artikel findet ihr hier …

Ich finde die gründliche Art von Hiltibold sehr lobenswert und fasse mich mal auch an die eigene Nase. Hätte ich mal so gründlich angefangen!!! Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

Euer Isí

Herbst und Wanderausstellung

Wanderausstellung 2012

Wie man sieht, es ist Herbst. Die Saison 2012 ist beendet. Wie in den letzten zwei Jahren haben wir zum Schluß eine „Wanderausstellung“ veranstaltet, d.h. wir sind in Gewandung eine längere Strecke gewandet, ganz für uns, aber selbstverständlich nicht unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Hier einige öffentliche Fotos von der Wanderausstellung 2012… Ich hoffe, dass ich noch zu einen eigenen längeren Beitrag über diese Veranstaltung komme. Übrigens: Teilnehmer anderer Gruppen sind gerne im nächsten Jahr gesehen. Einfach mit mir Kontakt aufnehmen.

Wir waren auch auf den Petersfelstagen. Darüber gibt es auch noch (hoffentlich) einen eigenen Bericht.

In Minden ist zum ersten Mal ein Reenactorpreis verliehen worden. Herzliche Glückwünsche den Gewinnern, die auf der Seite von „Minden erleben!“ vorgestellt werden, hier sind sie im Überblick zu finden…

Sehr froh bin ich über die heile Rückkehr der „Eroberer von England“, die bei der Veranstaltung „Hastings 2012“ teilgenommen haben. Ein Tag davon fiel ins Wasser. Und Schlamm ist besser als Staub! Mehr davon bei den Fotos von Mara, hier anschauen …

Allen einen schönen Herbst und Winter

Euer Isí

Wanderausstellung 2012

Felix und das Geheimnis der Kaiserkrone

Illustrierter Kinderkrimi in der Ottonenzeit

Ich habe ich mich sehr darüber gefreut, dass zu der diesjährigen „Otto-Ausstellung“ in Magdeburg ein Kinderbuch erschienen ist. Das ist mir auch ohne Probleme zugesandt wurden, selbst als kleiner Ottonen-Bloger wurde ich sehr verwöhnt, Pressemappe und Datenstick mit allen Details gab es obendrauf. Vielleicht gab es bei der Präsentation des Buches auch Sekt und Schnittchen, ich weiß es nicht, als Sahnehäppchen war zumindest der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Herr Haseloff dabei, und das ist bei der Vorstellung eines Kinderbuches doch eine bemerkenswerte Sache.

 

Haseloff Kinderbuch

Foto: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Doch ist der Ministerpräsident nicht die Hauptperson, sondern ein Junge mit Namen Felix und sein Ausflug in die Zeit von König Otto I. Das Hinabtauchen in eine fremde Zeit, sei es durch Technik, Vorstellung oder Traum, ist ein Mechanismus, den die Schüler der Latina A.h.F. in Halle bereits 2001 für einen Schülerwettbewerb anläßlich der ersten „Otto-Ausstellung“ benutzt haben und den 1. Preis gewannen:

Schülerprojekt 2001 : Bibinautika trifft Otto I.

Die Autorin Caroline Vongries und der Illustrator Albrecht Hagen kamen auf eine ähnliche Idee und setzten sie auf eine sympathische Weise um. Das Buch ist etwas größer als Din A4, besteht aus 11. Abschnitten, die jeweils mit mehreren ganzseitigen Abbildungen illustriert und zudem mit sachlichen Erklärungen ergänzt wurden. Die Zielgruppe würde ich vom Vorlesealter bis ca. 10 Jahren ansetzen.

 

Felix und das Geheimnis der Kaisekrone

Foto: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Kurz der Inhalt: Der Junge Felix, der seine Freundin Emma sehr vermißt, wird in die Zeit Otto des Großen versetzt und mehr noch: Er wird Page im Dienste des Königs des ostfränkischen Reiches (auch wenn der Begriff Page erst im 13. Jahrhundert im Frz. auftritt, liebe historische Berater, und war genauso wenig bekannt wie Knappe) und reist in dieser Funktion mit zur Kaiserkrönung 962 nach Italien. Er erlebt natürlich viele Abenteuer, löst das Rätsel um die Kaiserkronen und findet Freunde. Mitten in der Krönung von Adelheid und Otto I. wacht er auf und kehrt in seine Zeit zurück. Es ist das Mobiltelefon, seine Freundin Emma hat angerufen und sie hat eine Überraschung für ihn.

Das ist alles sehr spannend erzählt. Der Zielgruppe entsprechend auch kindgerecht aufbereitet. Über die Art der Illustration kann man sich streiten. Mir gefällt der dynamische und lebendige Strich des Künstlers Albrecht Hagen sehr.

 

Albrecht Hagen

Foto: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Was mich allerdings sehr gestört hat, ist die Vermittlung eines romantischen Mittelalterbildes. Ritter (die es noch nicht dieser Form gab), mächtige Burgen (auch die noch nicht vorhanden) und edle Herrscher (die hat es nie gegeben, nur machtbewußte und oft gewissenlose Könige). Dazu paßt die Sprache in der mündlichen Rede, die vielleicht auf dem Mittelaltermarkt in Magdeburg passend ist, aber nicht zum historisch korrekten Kinderbuch passt, was „Felix“ doch im Großen und Ganzen sein möchte. Gut, dass ich mich selbst dran erinnere: Es ist ja ein Kinderbuch. Deswegen möchte ich auch nicht an jedem kleinen Punkt herumnörgeln, obwohl ich der Ansicht bin, dass die historische Fachberatung sehr großzügig war. Gerade als Geschichtsfan hätte Felix wissen müssen, dass ein Ausflug in die Zeit Otto des Großen gefährlich war und sehr unschön hätte enden können.

Es ist weder uns, noch den Kindern und und schon gar nicht dem historischen Stand der Forschung über die Ottonen gedient, wenn wir die über 200 Jahre romantische Illusion von „Ritter oder Prinzessin“ (Pressemappe) aufrecht erhalten. So ist Felix nur das Bild von Erwachsenen, wie ein Kind sein sollte, dass in die Zeit Ottos versetzt wurde. Das hat nichts mit dem realen Bilde eines Kindes dieser Zeit zu tun. Ich denke, mit etwas weniger rosaroter Ottobrille wäre das Buch noch spannender und für Kinder noch interessanter gewesen. Der Geschichtsfan Felix wußte nämlich ganz genau, dass Männer wie Gero gefährlich waren, Herrscher wie Otto nur die eigenen Ziele gelten ließen, Herrscherinnen, Bischöfe und Päpste auch nicht ohne waren.

Dennoch gibt es vier von fünf Sternchen für das Buch, denn Otto finde ich schließlich und endlich auch gut.

Dösend am Lesepult, Euer Isí

 

Mord im Mittelalter

am Fr. 21.09. 19.30 Uhr

im Bibliotheksgasthof Moritz in Rädigke / Brandenburg

(um Voranmeldung wird gebeten)

Wir schreiben das Jahr 955. Schlimmer konnte die Siegesfeier in Memleben für König Ottos Burggraf Hodo nicht enden: Am Ufer der Unstrut fand er einen seiner Reiter erdolcht, sein Bruder, der Burgkaplan Isidorus, schleppte eine ungarische Heidin mit auf die heimatliche Burg, vor lauter Nachdenken wurde selbst das Bier in der Kanne schal! Und Nachdenken war Hodos Stärke nicht. Wie gut, daß er seine Frau Luitgard, seinen Bruder und die Wolfsfrau Enikó hatte. Aber würden diese drei dem Mannstöter auf die Spur kommen? Denn dieser begnügte sich nicht mit der einen Tat an der Unstrut, er schien dem Burggraf bis hinter die heimatlichen Palisaden gefolgt zu sein und brachte mit seinem blutigen Werk Wenden und Sachsen gegeneinander auf. Hodo verließ seine Bierkanne erst, als es wieder galt, kräftig dreinzuschlagen. Und wie es nicht nur in der „dunklen Zeit“ des 10. Jahrhunderts geschah, die blindwütige Justizia erwischt nicht immer den Richtigen! Luitgard, Isidorus und Enikó hatten viel zu rätseln, bevor wieder Frieden in der Grenzburg einzog.

Der Bibliothekar und Autor Torsten Kreutzfeldt wird aus seinem Krimi „Wolfsfrau und die Schlacht auf dem Lechfeld“ in rekonstruierter Kleidung der Ottonenzeit vorlesen. Auch Waffen und Alltagsgegenstände der Zeit werden mitgebracht. Denn inzwischen wurde aus der damaligen Recherche für den literarischen Stoff eine intensive Beschäftigung mit den Zeitumständen und dem Alltag der Menschen in der Ottonenzeit, ader Epoche, die von etwa 919 – 1024 andauerte. Das Projekt Ottonenzeit und der dazugehörige Verein Lebendige Geschichte e.V. präsentieren Kleidung, Bewaffnung und Alltag der Ottonen seit etwa 10 Jahren in Freilichtmuseen, Museen und Stadtfesten.

Neben der Lesung aus der „Wolfsfrau“ wird Torsten Kreutzfeldt seinen zweiten Krimi, der in der Zeit des spanischen Nationalhelden „El Cid“ spielt, vorstellen. Wir schreiben das Jahr 1096. Die zwei Caballeros (Ritter) Beato und Gerardo de Canehan werden von ihrem Fürsten beauftragt aufzuklären, wer während der lange zurückliegenden Schlacht von Graus den König von Aragón mit einem gekonnten Lanzenstoß ins Auge tötete. Wir werden in hineingezogen in das komplizierte Geflecht der Beziehungen zwischen den kleinen und großen mittelalterlichen Reichen Spaniens, ein Teil davon christlich, ein Teil islamisch. Dazu kommt die große jüdische Minderheit. Nicht immer werden Koalitionen nach der Religion abgeschlossen. Am Ende müssen zwei der christlichen Fürsten ihre Kräfte vereinen, um eine erneute islamische Eroberung der iberischen Halbinsel abzuwenden.

Nach der  kriminalistischen Aufbereitung des Mittelalters an der Saale und am Ebro soll auch das leibliche Wohl soll nicht zu kurz kommen. Begleitend zu der Lesung serviert der Gasthof Moritz mittelalterliche Getränke und Speisen. Deswegen wird um Voranmeldung gebeten.

 

Wer baute den Dom zu Magdeburg?

frei nach Brecht.

St.Gereon

St. Gereon Kodex auf dem Weg zur Ausstellung. Bildrechte:  Pressebüro Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Otto der Große und das Römische Reich“

…. Otto I. war es nicht. Er ordnete es höchstens an. Vieles an der Kirchenlandschaft in Magdeburg entstand ohnehin erst nach seiner Lebenszeit. Herr Puhle war es auch nicht. Auch wenn er manchmal so tut. Der langjähriger Leiter des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und verantwortlich für die Magdeburger Ottomania wechselt nun ins Kultusministerium von Sachsen-Anhalt und wird dort verantwortlich für den Bereich Kultur und damit für alle Museen im Land. Hoffentlich agiert er dort mit sicherer Hand als bei der „Editha-Affäre“. Sein letzter Streich als Museumsleiter war die Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“, die ab heute, 27.08. 2012, bis zum 9. Dezember 2012 dem Publikum, dass sich von mächtigen Kaisern und ihren Hinterlassenschaften blenden lassen möchte, etwa 350 hochkarätige Exponate vorstellt. Anlass genug dazu ergab sich durch den 1100 Geburtstag des ersten kaiserlichen Ottos und des 1050. Jahrestages seiner Kaiserkrönung. Mit der Ausstellung soll das Entstehen, die Entwicklung des römischen Kaisertums und die Umwandlung dieser Kaiseridee zum mittelalterlichen Kaisertum von Karolingern und Ottonen nachzeichnen. Inwiefern das gelingt, mag der Ausstellungsbesucher entscheiden. Falls nicht, kann sich dieser mit wundervollen Kunstgegenständen und herrlichen Büchern (wieder ist die Magdeburger Ausstellung stark urkunden- und bücherlastig) trösten: Die erst kürzlich gefunden Insignien des Kaisers Maxentius, die frisch restaurierte römische Kaiserstatue aus dem Pergamonmuseum in Berlin, die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu aus dem Staatsarchiv Wolfenbüttel, der Chludow-Psalter aus dem Staatlichen Historischen Museum Moskau all dies und noch viel mehr ist zu sehen. Wer zu faul ist hinzugehen oder einfach zur Vor- oder Nachbereitung Bücher braucht: Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog sowie ein Kurzführer. Zum wissenschaftlichen Begleitband habe ich bereits folgendes bei Chronico gesagt:

Kaisertum bei Chronico

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Ich freue mich darüber, dass es eine Ausstellung im weitesten Sinne zum Thema Ottonen gibt. Ich freue mich darüber, dass die Schau die Ottonenzeit wieder in den Blickpunkt rückt, ganz wie es Herr Puhle heute früh bei MDR Figaro sagte: „wir müssen dran bleiben an der Zeit der Ottonen“. Es wäre für jemanden, der den Alltag der Ottonenzeit versucht nachzustellen und zu rekonstruieren, ja unnatürlich, wenn ich mich nicht freuen würde.

Ich werde die Ausstellung dennoch nicht besuchen und kann hier die Gründe auch schildern. Wie bei dem Magdeburger Dom war es nicht nur ein Mann, der die Ottonenzeit gestaltete, mag Otto I. noch so viel Bedeutung für Magdeburg haben. Ich halte es für bedenklich, eine ganze Epoche auf das Wirken eines Mannes zu reduzieren. Nach der ganzen Aufregung um Editha frage ich mich ohnehin, warum es wieder Otto sein musste. Zudem wird so getan, als würde es sich um eine Mittelalterausstellung handeln. Das ist aber nicht richtig. Die Auseinandersetzung und die Entwicklung des Kaisertums ist eine Sache der Antike und dementsprechend sind auch viele der angekündigten Ausstellungsstück aus dieser Epoche. Die Entwicklung des römischen Kaisertums mag theoretisch sehr interessant sein und mit großen Interesse habe ich deswegen auch den wissenschaftlichen Begleitband gelesen (ja, von der ersten Seite bis zur letzten !), aber gibt das genug her für eine Ausstellung? Und wenn, interessiert das dann? Und welche Relevanz hat das bitte? Wird Geschichte wieder wie im 19. Jahrhundert auf die Taten der Herrscher reduziert. Ging Otto alleine nach Italien und wurde dort Kaiser? Wer bestellte zu Hause die Felder? Wer spann die Fäden, wer webte die Tuche, um Bauer, Edelmann und Kaiser zu kleiden? Das werden wir in dieser Ausstellung gewiss nicht erfahren. Die vom Geschichtsredakteur des MDR, Herr Nölke, heute früh angesprochene Urkunden- und Bücherlastigkeit der Magdeburger Ausstellungen hat mich bereits bei den zwei vorherigen Otto-Ausstellungen in Magdeburg ermüdet. Ich schimpfe ja oft und gerne über die Kunstlastigkeit des Landesmuseums in Halle, aber gelangweilt habe ich mich dort noch nie. Genau das befürchte ich bei der dritten Ottoausstellung aber. Von einem Erkenntnisgewinn ganz abgesehen. Ich liebe Bücher, aber der Gedanke an endlosen Vitrinen mit Urkunden und Büchern vorbeischreiten zu müssen, die ich nicht anfassen, in denen ich nicht blättern kann, macht mich schon ganz trübsinnig. Aber das ist nur eine museumsdidaktische Kritik.

Den Geldgeber das Museums aber möchte ich fragen: Müssen wir Geschichte auf einen Mann und auf die Institution „Kaiser“ reduzieren? Sicherlich ist es angemessen, dies zu erforschen, aber muss ein demokratisches Land dies auf diese Weise feiern und würdigen? Sind wir nicht längs darüber hinaus, die Geschichte vieler auf das Wirken eines einzelnen und seines Amtes zu reduzieren? Sicherlich hätte sich ca. 1874 Kaiser Wilhelm I. über diese Ausstellung maßlos gefreut und sich bestätigt gefühlt. Sind wir aber noch Preußen? Können wir uns mitfreuen? Etwas weniger Kaiser Otto und etwas mehr Mensch Otto und Ottonenzeit wäre wünschenswerter gewesen.

Und der Link zur Ausstellung ist

http://www.otto2012.de/

Euer Isí

Modell einer ottonischen Pfalz

hier Trebur. Sozusagen als Kurzmeldung:  Markus hat sich die Mühe gemacht und ein virtuelles Modell der Pfalz Tribur erstellt, Hier in seinem blog zu sehen: http://www.tribur.de/blog/?p=20620

Eine Vorburg wie bei Werla oder Tilleda ist nicht zu erkennen, dies scheint zunächst die Kernburg zu sein. Evt. gab es auch keine Vorburg, sondern Wirtschaftshöfe in der Nähe. Aber diese Fragen überlasse ich lieber dem Mann vor Ort …

Euer Isí

Bibliothekstagebuch 2, Bodfeld (2), Rotunde

Zurück auf dem Sofa in der Arch.-Bibl. : Wir sind weiter auf der Suche nach dem Jagdhof Bodfeld. Köhler untersuchte verschiedene archäologische Untersuchungen, die für einen Standort relevant wären:

  1. Die Andreaskirche auf dem Papenberg, sowie die dazugehörige Dorfwüstung Bodfeld. Gef. Eisenschlacken  deuten auf Eisenverarbeitung hin. Das Dorf fiel bereits vor dem 13. Jahrhundert wüst.
  2. Die Ruine Königsburg. Diese wurde erst im frühen 13. Jhd. vom Rittergeschlecht von Bodfeld (1226 – 1312). Gef. Keramik ist dem frühen 13. Jhd. zuzuordnen (Grimm). Keine frühere Bauschicht unter der Anlage des 13. Jhd. Allerdings fanden sich im Vorgelände der Burg Keramikreste des 10./11. Jhd.
  3. Wüstung Ertfeld, keine belegte Grabung, evt. 9./10. Jhd. bis 14./15. Jhd. Hier fand sich frühmittelalterliche Kugeltopfware bis hoch- und spätmittelalterliche Keramik.
  4. Der Schlosskopf. Hier fand unter Brinkmann eine Grabung im Jahre 1885/86 statt. Keramik wurde von ihm nicht beachtet. Bauanlage einer Pfalz des 9. – 10. Jhd, wahrscheinlicher Standort des Jagdhofs Bodfeld. Ein späterer Standortwechsel erscheint Köhler aber auch möglich. Schlosskopf Standort oder erster Standort des Jagdhofes.

Damit bestätigt Köhler auch das, was in der Wikipedia vermutet wird. Ganz genau weiß man es indes nicht und Brinkmanns Grabungen werden bereits viel zerstört haben. Archäologisch interessante Funde, z.B. von mit der Jagd zusammenhängenden Alltagsgegenständen, kann ich in diesem Zusammenhang auch nicht bieten. Deswegen müssen wir den Inhalt Bodfeld schließen.

 Neues Thema: Rekonstruktion einer Rotunde

Es war aber noch etwas Zeit und ich griff in den Regalen in der Nähe (d.h. oben auf meiner Sofa-Galerie) nach interessanten Inhalten und fand die Signatur Zen b 354 b Exp. Archäologie in Europa Bilanz 2009 und blätterte wahllos darum rum.

Besonders der Artikel von Ákos Nemcsics hatte es mir angetan: Erfahrungen über den Bau einer Rotunde. Diese kleinen Kapellen des beginnenden Hochmittelalters hatte ich zuerst in Prag kennengelernt, wo sich noch mehrere im Stadtgebiet und in der Umgebung erhalten haben. Hier ein Beispiel:

Rotunde

Rotunde in Prag (Longinus-Rotunde, 12. Jhd. mit Laterne oben aus dem 17. Jhd.)

Ganz in der Nähe von Halle aber wurde wahrscheinlich um oder vor 1100 auch eine Rotunde errichtet, nämlich auf dem Petersberg, später abgelöst von der Stiftskirche und dem Grabkloster der Wettiner. Heute gibt es nur noch die Fundamente davon:

Vielleicht wurde sie im 11. Jhd. errichtet, vielleicht erst im frühen 12., kurz vor der Erbauung der Stiftskirche. Der Form war sie eng verwandt mit der um 1100 entstandenen Rundkapelle der Burg Groitzsch und höchstwahrscheinlich auch mit der 1118 geweihten Jakobskapelle in Halle, beide erbaut durch Markgraf Wiprecht von Groitzsch.
aus: Die Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle, 4., neu bearbeitete Aufl., Regensburg, 2002

Hier mehr zur Groitzscher Rotunde. Da kommen mir ganz komische Ideen für ganz neue Projekte.  Deswegen schließe ich für heute erst einmal

Euer Isí

Ein neues Jahr …

… beginnt in der Ottonenzeit. Kurz vor Weihnachten hat mich die „Schwindsucht“ erwischt und der Husten hat sich immer noch nicht vollkommen davon gemacht. Allen Freunden, allen Geschichtsdarstellern, Geschichtsinteressierten und hier Mitlesenden wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr 2012. Bleibt gesund, habt gute Veranstaltungen und bewahrt Euch den Spass an der Sache.

Vor 1000 Jahren war bereits Heinrich II. Herrscher des ottonischen Reiches (seit 1002), aber die wichtigste Nachricht des Jahres 1012 kommt aus Merseburg: Der dortige Bischof Thietmar beginnt die Abfassung seiner Chronik, an der er bis zu seinem Tod im Jahre 1018 arbeitet. Wir bekommen auch einen neuen Papst, Benedikt VIII., der bis 1024 regiert. Das zeigt schon, dass er sich mit Heinrich II. arrangieren konnte und konsultierte auch weitgehendst selbsttätig den Kirchenstaat, mehr Machtpolitiker als Kirchenoberhaupt. Er setzte aber auch zusammen mit Heinrich II. theologische Akzente.

Vor 1100 Jahren regierte Konrad I. das Ostfrankenreich (seit 911). Er setzt erste Akzente für das zukünftige ottonische Reich, das seine Schatten vorauswirft. Im Jahr 912 wird Heinrich der Vogler Herzog von Sachsen und folgt seinem Vater Otto (der Erlauchte). Und ein weiteres Ereignis ist für uns wichtig: Im Nov. wird Otto I. geboren. Ein wichtiger islamischer Herrscher tritt in diesem Jahr die Regierung an:  Abd ar-Rahman III. wird Emir von Córdoba und begründet die Glanzzeit des Emirats. Er wird zum ersten Kalifen von Spanien und regiert bis 961.

Möge Gott uns ebenso ein erfolgreiches und langes Leben schenken. Das wünsche ich allen zum neuen Jahr.

Euer Isí

Heute ist Nikolaus…

und was hat das mit der Ottonenzeit zu tun ? Aber sehr viel ! Mit der Kaiserin Theophanu ist das Andenken und Gedächtnis dieses Heiligen erst nach Italien und Mitteleuropa gekommen. Hier habe ich schon mal mehr dazu geschrieben … klick

Für solche Gelegenheiten könnte man auch die alte Burgkapelle der Ottonenzeit wiederbeleben. Ich würde sie dann aber in Hofkapelle umbenennen. Die Hofkapelle war kein fester Ort, kein Gebäude, sondern bezeichnete die Gruppe von Geistlichen, die mit dem ottonischen König/Kaiser durch das Land zogen. Ich weiß, die Wiki. kann das evt. viel besser erklären, deswegen hier der Verweis.

Wenn ich also alle zwei, drei Monate mal was Heiliges poste, dann nicht wundern. Die Hofkapelle ist wieder unterwegs!

Also, liebe Mitottonen und -ottoninnen, wenn Eure wendegenähten Schuhe und Stiefel heute reich gefüllt waren, dankt der Kaiserin Theophanu Augusta

Euer Isí

Wanderausstellung 2011

Wanderausstellung1

Wie im Jahr davor, siehe hier, trafen wir uns zum Saisonabschluss wieder zu einer herbstlichen Wanderung. Der Teilnehmerkreis ist gewachsen, statt einer Handvoll Leute waren wir nun schon eine  kleine Wandergruppe von 13 Leuten und ein Baby im Bollerwagen. Möglich wurde dies auch durch die salische Verstärkung von der Lütjenburg. Herzlichen Dank! Eine kleine Fotoreportage folgt hier:

Dieses Jahr ging durch Blankenburg hindurch zum Michaelstein bis Volkmarskeller. Wir wollten, das gebe ich ehrlich zu, noch ein Stückchen weiter, warum es nicht klappte, verrate ich gleich. Zunächst stelle ich die Wandergruppe vor:

Wanderausstellung2

 Das sind natürlich noch nicht alle. Diese beiden fehlen auf dem Bild:

Wanderausstellung3

 Und so schaut eine ottonische Wanderausstellung aus, wenn sie in Bewegung ist:

Wanderausstellung4

Es war ein herrlicher Herbsttag und wir kamen auf dem Marktplatz in Blankenburg an:

Wanderausstellung5

Es ging weiter bis zum Michaelstein. Hermann erfand auf dem Weg das „Salisch Walking“:

Wanderausstellung6

Und weil er so im Schwung war, eröffnete er uns kurz darauf das Ziel unserer Wanderung:

Wanderausstellung7

Das ist doch gut zu schaffen! Aber nur, wenn es zwischendurch erholsame Pausen gibt, z.B. hier am Michaelstein:

Wanderausstellung8

Wir waren ein begehrtes Fotomotiv. Zum Kloster gibt es hier einiges zu lesen. Wir stärkten uns, sonnten uns und nach der Pause ging es hinein in den Harz:

 wanderausstellung9

Über Stock und Stein, immer höher hinauf. Bis wir merkten, wir haben uns verlaufen und hätten einen ganz anderen Weg nehmen müssen. Es ging wieder zurück:

 Wanderausstellung10

Unser Ziel war nun Volkmarskeller. Weiter würden wir für heute nicht kommen. Im Mittelalter hätten wir hier Schutz und Übernachtung gesucht.

Deswegen etwas über unser Ziel: Wahrscheinlich wurde die natürliche Karsthöhle bereits in prähistorischer Zeit genutzt, die erste nachweisbare Erwähnung des Volmarskellers erfolgte durch die Einsiedlerin Liutbirg in der Mitte des 9. Jhd:

 Wanderausstellung11

Nein, das ist nur unsere Stiftsdame Harlindia! Aber so konnten wir es uns gut vorstellen. Zufälligerweise ist der Volkmarskeller tatsächlich ein ottonisches Ziel, denn in einer Schenkungsurkunde unseres Königs Otto I. von 956 an das Stift Quedlinburg ist hier eine Michaelskirche erwähnt. Hier sind einige Grundmauern von der Anlage:

 Wanderausstellung12

Sie könnte so ausgesehen haben:

 Wanderausstellung13

Aber da das Kloster längst verfallen war, keine Einsiedlerin uns helfen konnte, hieß es  also für uns, den Heimweg anzutreten:

Wanderausstellung14

Über Michaelstein ging es zurück nach Blankenburg zum Essen. Es war eine anstrengende Tour, auch durch unser historisches Schuhwerk, welches dieses Jahr bei allen gut durchgehalten hat, aber es hat allen viel Spaß gemacht. Auch für die Spaziergänger im Harz war die „Wanderausstellung“ sicher ein Erlebnis. Wenn ein ganzer Zug Ottonen durch den Wald spaziert, ist wie ein Blick wie in eine andere Zeit.

Wie letztes Jahr beendeten Sabine, Annette und ich (diesmal in Begleitung unseres Besuchs aus Tokio) das Wanderwochenende durch eine Einkehr in die Stiftskirche, um in der Krypta unter dem Westchor zur Ruhe zu kommen:

wander15.jpg

Ich weise hier auch noch einmal auf die Ausstellung Schleierhaft über die Stiftsdamen in Gernrode gerne hin, die auch ausgezeichnet im Internet dokumentiert ist und dies auch hoffentlich noch einige Zeit bleibt. Wenn dann noch Zeit bleibt, empfehlen wir den Besuch des „Froschkönigs“, um wie „in alter Zeit“ einen Kaffee zu trinken, wenn auch nicht ottonisch. Für die Eiligen gibt es das hier: wanderausstellung16

Euer Isí

Fotos von Joachim, Lis, Hermann (Danke Euch!)