Archive for the ‘Ottonenzeit’ Category

Bibliothekstagebuch 2, Bodfeld (2), Rotunde

Sonntag, Januar 29th, 2012

Zurück auf dem Sofa in der Arch.-Bibl. : Wir sind weiter auf der Suche nach dem Jagdhof Bodfeld. Köhler untersuchte verschiedene archäologische Untersuchungen, die für einen Standort relevant wären:

  1. Die Andreaskirche auf dem Papenberg, sowie die dazugehörige Dorfwüstung Bodfeld. Gef. Eisenschlacken  deuten auf Eisenverarbeitung hin. Das Dorf fiel bereits vor dem 13. Jahrhundert wüst.
  2. Die Ruine Königsburg. Diese wurde erst im frühen 13. Jhd. vom Rittergeschlecht von Bodfeld (1226 - 1312). Gef. Keramik ist dem frühen 13. Jhd. zuzuordnen (Grimm). Keine frühere Bauschicht unter der Anlage des 13. Jhd. Allerdings fanden sich im Vorgelände der Burg Keramikreste des 10./11. Jhd.
  3. Wüstung Ertfeld, keine belegte Grabung, evt. 9./10. Jhd. bis 14./15. Jhd. Hier fand sich frühmittelalterliche Kugeltopfware bis hoch- und spätmittelalterliche Keramik.
  4. Der Schlosskopf. Hier fand unter Brinkmann eine Grabung im Jahre 1885/86 statt. Keramik wurde von ihm nicht beachtet. Bauanlage einer Pfalz des 9. - 10. Jhd, wahrscheinlicher Standort des Jagdhofs Bodfeld. Ein späterer Standortwechsel erscheint Köhler aber auch möglich. Schlosskopf Standort oder erster Standort des Jagdhofes.

Damit bestätigt Köhler auch das, was in der Wikipedia vermutet wird. Ganz genau weiß man es indes nicht und Brinkmanns Grabungen werden bereits viel zerstört haben. Archäologisch interessante Funde, z.B. von mit der Jagd zusammenhängenden Alltagsgegenständen, kann ich in diesem Zusammenhang auch nicht bieten. Deswegen müssen wir den Inhalt Bodfeld schließen.

 Neues Thema: Rekonstruktion einer Rotunde

Es war aber noch etwas Zeit und ich griff in den Regalen in der Nähe (d.h. oben auf meiner Sofa-Galerie) nach interessanten Inhalten und fand die Signatur Zen b 354 b Exp. Archäologie in Europa Bilanz 2009 und blätterte wahllos darum rum.

Besonders der Artikel von Ákos Nemcsics hatte es mir angetan: Erfahrungen über den Bau einer Rotunde. Diese kleinen Kapellen des beginnenden Hochmittelalters hatte ich zuerst in Prag kennengelernt, wo sich noch mehrere im Stadtgebiet und in der Umgebung erhalten haben. Hier ein Beispiel:

Rotunde

Rotunde in Prag (Longinus-Rotunde, 12. Jhd. mit Laterne oben aus dem 17. Jhd.)

Ganz in der Nähe von Halle aber wurde wahrscheinlich um oder vor 1100 auch eine Rotunde errichtet, nämlich auf dem Petersberg, später abgelöst von der Stiftskirche und dem Grabkloster der Wettiner. Heute gibt es nur noch die Fundamente davon:

Vielleicht wurde sie im 11. Jhd. errichtet, vielleicht erst im frühen 12., kurz vor der Erbauung der Stiftskirche. Der Form war sie eng verwandt mit der um 1100 entstandenen Rundkapelle der Burg Groitzsch und höchstwahrscheinlich auch mit der 1118 geweihten Jakobskapelle in Halle, beide erbaut durch Markgraf Wiprecht von Groitzsch.
aus: Die Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle, 4., neu bearbeitete Aufl., Regensburg, 2002

Hier mehr zur Groitzscher Rotunde. Da kommen mir ganz komische Ideen für ganz neue Projekte.  Deswegen schließe ich für heute erst einmal

Euer Isí

Ein neues Jahr …

Freitag, Januar 13th, 2012

… beginnt in der Ottonenzeit. Kurz vor Weihnachten hat mich die “Schwindsucht” erwischt und der Husten hat sich immer noch nicht vollkommen davon gemacht. Allen Freunden, allen Geschichtsdarstellern, Geschichtsinteressierten und hier Mitlesenden wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr 2012. Bleibt gesund, habt gute Veranstaltungen und bewahrt Euch den Spass an der Sache.

Vor 1000 Jahren war bereits Heinrich II. Herrscher des ottonischen Reiches (seit 1002), aber die wichtigste Nachricht des Jahres 1012 kommt aus Merseburg: Der dortige Bischof Thietmar beginnt die Abfassung seiner Chronik, an der er bis zu seinem Tod im Jahre 1018 arbeitet. Wir bekommen auch einen neuen Papst, Benedikt VIII., der bis 1024 regiert. Das zeigt schon, dass er sich mit Heinrich II. arrangieren konnte und konsultierte auch weitgehendst selbsttätig den Kirchenstaat, mehr Machtpolitiker als Kirchenoberhaupt. Er setzte aber auch zusammen mit Heinrich II. theologische Akzente.

Vor 1100 Jahren regierte Konrad I. das Ostfrankenreich (seit 911). Er setzt erste Akzente für das zukünftige ottonische Reich, das seine Schatten vorauswirft. Im Jahr 912 wird Heinrich der Vogler Herzog von Sachsen und folgt seinem Vater Otto (der Erlauchte). Und ein weiteres Ereignis ist für uns wichtig: Im Nov. wird Otto I. geboren. Ein wichtiger islamischer Herrscher tritt in diesem Jahr die Regierung an:  Abd ar-Rahman III. wird Emir von Córdoba und begründet die Glanzzeit des Emirats. Er wird zum ersten Kalifen von Spanien und regiert bis 961.

Möge Gott uns ebenso ein erfolgreiches und langes Leben schenken. Das wünsche ich allen zum neuen Jahr.

Euer Isí

Heute ist Nikolaus…

Dienstag, Dezember 6th, 2011

und was hat das mit der Ottonenzeit zu tun ? Aber sehr viel ! Mit der Kaiserin Theophanu ist das Andenken und Gedächtnis dieses Heiligen erst nach Italien und Mitteleuropa gekommen. Hier habe ich schon mal mehr dazu geschrieben … klick

Für solche Gelegenheiten könnte man auch die alte Burgkapelle der Ottonenzeit wiederbeleben. Ich würde sie dann aber in Hofkapelle umbenennen. Die Hofkapelle war kein fester Ort, kein Gebäude, sondern bezeichnete die Gruppe von Geistlichen, die mit dem ottonischen König/Kaiser durch das Land zogen. Ich weiß, die Wiki. kann das evt. viel besser erklären, deswegen hier der Verweis.

Wenn ich also alle zwei, drei Monate mal was Heiliges poste, dann nicht wundern. Die Hofkapelle ist wieder unterwegs!

Also, liebe Mitottonen und -ottoninnen, wenn Eure wendegenähten Schuhe und Stiefel heute reich gefüllt waren, dankt der Kaiserin Theophanu Augusta

Euer Isí

Wanderausstellung 2011

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Wanderausstellung1

Wie im Jahr davor, siehe hier, trafen wir uns zum Saisonabschluss wieder zu einer herbstlichen Wanderung. Der Teilnehmerkreis ist gewachsen, statt einer Handvoll Leute waren wir nun schon eine  kleine Wandergruppe von 13 Leuten und ein Baby im Bollerwagen. Möglich wurde dies auch durch die salische Verstärkung von der Lütjenburg. Herzlichen Dank! Eine kleine Fotoreportage folgt hier:

Dieses Jahr ging durch Blankenburg hindurch zum Michaelstein bis Volkmarskeller. Wir wollten, das gebe ich ehrlich zu, noch ein Stückchen weiter, warum es nicht klappte, verrate ich gleich. Zunächst stelle ich die Wandergruppe vor:

Wanderausstellung2

 Das sind natürlich noch nicht alle. Diese beiden fehlen auf dem Bild:

Wanderausstellung3

 Und so schaut eine ottonische Wanderausstellung aus, wenn sie in Bewegung ist:

Wanderausstellung4

Es war ein herrlicher Herbsttag und wir kamen auf dem Marktplatz in Blankenburg an:

Wanderausstellung5

Es ging weiter bis zum Michaelstein. Hermann erfand auf dem Weg das “Salisch Walking”:

Wanderausstellung6

Und weil er so im Schwung war, eröffnete er uns kurz darauf das Ziel unserer Wanderung:

Wanderausstellung7

Das ist doch gut zu schaffen! Aber nur, wenn es zwischendurch erholsame Pausen gibt, z.B. hier am Michaelstein:

Wanderausstellung8

Wir waren ein begehrtes Fotomotiv. Zum Kloster gibt es hier einiges zu lesen. Wir stärkten uns, sonnten uns und nach der Pause ging es hinein in den Harz:

 wanderausstellung9

Über Stock und Stein, immer höher hinauf. Bis wir merkten, wir haben uns verlaufen und hätten einen ganz anderen Weg nehmen müssen. Es ging wieder zurück:

 Wanderausstellung10

Unser Ziel war nun Volkmarskeller. Weiter würden wir für heute nicht kommen. Im Mittelalter hätten wir hier Schutz und Übernachtung gesucht.

Deswegen etwas über unser Ziel: Wahrscheinlich wurde die natürliche Karsthöhle bereits in prähistorischer Zeit genutzt, die erste nachweisbare Erwähnung des Volmarskellers erfolgte durch die Einsiedlerin Liutbirg in der Mitte des 9. Jhd:

 Wanderausstellung11

Nein, das ist nur unsere Stiftsdame Harlindia! Aber so konnten wir es uns gut vorstellen. Zufälligerweise ist der Volkmarskeller tatsächlich ein ottonisches Ziel, denn in einer Schenkungsurkunde unseres Königs Otto I. von 956 an das Stift Quedlinburg ist hier eine Michaelskirche erwähnt. Hier sind einige Grundmauern von der Anlage:

 Wanderausstellung12

Sie könnte so ausgesehen haben:

 Wanderausstellung13

Aber da das Kloster längst verfallen war, keine Einsiedlerin uns helfen konnte, hieß es  also für uns, den Heimweg anzutreten:

Wanderausstellung14

Über Michaelstein ging es zurück nach Blankenburg zum Essen. Es war eine anstrengende Tour, auch durch unser historisches Schuhwerk, welches dieses Jahr bei allen gut durchgehalten hat, aber es hat allen viel Spaß gemacht. Auch für die Spaziergänger im Harz war die “Wanderausstellung” sicher ein Erlebnis. Wenn ein ganzer Zug Ottonen durch den Wald spaziert, ist wie ein Blick wie in eine andere Zeit.

Wie letztes Jahr beendeten Sabine, Annette und ich (diesmal in Begleitung unseres Besuchs aus Tokio) das Wanderwochenende durch eine Einkehr in die Stiftskirche, um in der Krypta unter dem Westchor zur Ruhe zu kommen:

wander15.jpg

Ich weise hier auch noch einmal auf die Ausstellung Schleierhaft über die Stiftsdamen in Gernrode gerne hin, die auch ausgezeichnet im Internet dokumentiert ist und dies auch hoffentlich noch einige Zeit bleibt. Wenn dann noch Zeit bleibt, empfehlen wir den Besuch des “Froschkönigs”, um wie “in alter Zeit” einen Kaffee zu trinken, wenn auch nicht ottonisch. Für die Eiligen gibt es das hier: wanderausstellung16

Euer Isí

Fotos von Joachim, Lis, Hermann (Danke Euch!)

Im Geschichtspark Bärnau

Samstag, Oktober 8th, 2011

Zum Tag des offenen Denkmals waren wir ein Wochenende im Geschichtspark Bärnau.

Meinen Bericht dazu könnt ihr hier lesen …

Viel Spass, Euer Isí

Schachspiel endlich fertig !

Freitag, Oktober 7th, 2011

Rekonstruktion eines ottonischen Schachspiels:

Schach21

Es begann am Anfang des Hobbies  noch in den Tagen als wir “Pfalzbelebungen” in Tilleda durchführten. Das muss so 2005 oder 2006 gewesen sein. Da nahm ich mir ein paar Buchholzstäbe und schnitzte los. Als Vorlage gab es kein vollständig gefundenes Schachspiel, sondern nur einzelne Fundstücke, die ich in den Katalogen Otto der Große, Magdeburg und Europa (2 Bände: Katalog und Essays) und Kaiser Heinrich II. (Ausstellungskatalog der Ausstellung in Bamberg) fand.  Andere Figuren Rukh=Turm und Wesir=Dame empfand ich nach. Der Klops ist mir dabei mit dem Rukh passiert, der bereits eine turmartige Gestalt hat, wie sie heute üblich ist. In dieser Form taucht die Figur erst im Schachbuch von Alfonso X. (El Sabio) im 13. Jahrhundert auf. (Das Schachbuch lohnt übrigens einen eigenen Beitrag bei Gelegenheit)  Auch wäre Haselholz evt. besser als Buchenholz gewesen. Aus Haselholz waren die Schachfiguren vom Fundplatz Charavines (1008 - 1010), am lac de Paladru zwischen Grenoble und Lyon. Bergkristall, das für viele frühe Schachfiguren nachgewiesen wurde, wäre doch etwas zu wertvoll gewesen! Doch die wichtigste Frage ist zunächst:

Wurde Schach im Ottonenreich gespielt?

Daran gibt es keinen Zweifel. Zwar ist die Nachricht, dass Kaiserin Theophanu das Schachspiel aus Byzanz mitgebracht hat, nur mit Hilfe von Indizien zu belegen: Heinrich II. war in Besitz von Schachfiguren, die aus dem von der Kaiserin mitgebrachten byzantinischen Schatz stammen könnten. Diese aus Achat und Chalzedon gearbeiteten Figuren wurden als Schmuckstücke in die Kanzel des Aachener Doms eingearbeitet, die Heinrich stiftete. Dort kann danach gesucht werden. Kostbare Schachspiele wurden gerne an die Kirche verschenkt, das war nicht nur bei Heinrich der Fall, sondern auch Urkunden (die früheste von 1008 oder 1010 vom katalanischen Grafen Ermengaud) bezeugen, das kostbare Schachspiele verschenkt worden sind.

Doch es gibt noch einen weiteren Fund aus dem Gebiet der Ottonen: Auf der Burg auf dem Kanstein nahe Langelsheim wurde eine ins 10. Jhd. datierte Schachfigur aus Zahnbein (Elfenbein) vom Pottwal gefunden, die von der Formgebung “den abstrakten orientalischen Vorbildern” folgt. Womöglich ist sie auch im Orient oder in Spanien hergestellt worden. Da die Ottonenzeit auch einmal als Schülerprojekt gestartet ist, verlinke ich hier ein ähnlich schönes Projekt über die Kansteinburg.

Schachfiguren Caravines

Schachfiguren aus Caravines aus verschiedenen Materialien, Foto: Uhl

Der oben bereits erwähnte Fundort Charavines zeigt an, dass einfachere Schachspiele aus Holz, Knochen oder Hirschgeweih bereits zu Beginn des 11. Jahrhunderts auf Herrenhöfen und Adelssitzen vorhanden waren und damit auch gespielt wurden.  Hier zum Anschauen Funde von weiteren historischen Schachfiguren …

Figuren aber kein Brett !

Die Figuren konnten also nach den Vorlagen nach empfunden und rekonstruiert werden. Das helle Buchenholz habe ich für die weißen Figuren nur geölt und für die schwarzen Figuren verwendete ich eine von Dr. Wunderlich empfohlene Lasur aus Walnussschalen. Hier dazu mehr …

Die fertigen Figuren sehen nun so aus:

Schachfiguren

Bei allen Recherchen fand ich aber kein Schachbrett für das 10. Jahrhundert. Wie ein Schachbrett mit Einlegearbeit hergestellt wird, fand ich zwar im Schachbuch des Alfonso X. von León-Kastilien. Aber dies ist erst 13. Jahrhundert! Wir entschieden uns für eine Variante aus Stoff (siehe oben), die ebenso gut wie die Figuren in einem Beutel verstaut werden kann. Genauso gut wäre denkbar, dass vor Ort auf einem Tisch ein einfaches Schachbrett eingeritzt wurde. Und wie könnte der Beutel ausgesehen haben?

Beutel für Schachfiguren

Auch hier sagt die Befundlage für das 10./11. Jhd. gar nichts ! Die Vielfalt der Abbildungen von Beuteln und Behältnissen für Schachfiguren im Schach- und Spielebuch vom bereits erwähnten Alfonso X. war so groß, dass wir nun nicht mehr widerstehen konnten und für Figuren und Brett aus Stoff einen dieser Beutel nachmachten.  Da diese Beutel im 13. Jhd. so selbstverständlich waren und fast auf jeder Abb. dazugemalt wurden, nehmen wir eine ähnliche Aufbewahrungsart für das Alltagsschach auch im 10. und 11. Jahrhundert an. Isi

Damit war unsere Rekonstruktion fertiggestellt und kann künftig in Museen und Lagern gespielt werden. Am Ende noch ein Tipp zum Weiterlesen und evt. zum Besuchen: Das Schachdorf Ströbeck und sein Schachmuseum.

Euer Isí

Ottonische Schleuderer

Freitag, September 30th, 2011

Es war immer etwas ungewiß, ob Schleuderer für die Ottonenzeit zu belegen sind. Archäologische Funde sind bei Schleudern sehr selten und runde Steine im Fundzusammenhang können alles möglich sein. Ich hatte deswegen auch immer etwas Magenschmerzen, als “ottonischer Schleuderer” aufzutreten. Aber das ist jetzt vorbei. In der Szene der Belagerung Jerusalems aus dem Evangeliar Otto III. (oder Heinrichs II.) sind eindeutig Schleuderer abgebildet. Noch schöner: Sie tragen sogar Rüstungen und Schilder. Im Verbund mit einem Bogenschützen räumen sie die Mauern ab. Diesen Fund verdanken wir übrigens dem Uhl zu Wilhaim. Danke schön!

Ottonische Schleuderer

Quelle: Das Evangeliar Ottos III. oder Evangeliar Heinrichs II. ist ein Werk der ottonischen Buchmalerei und zählt zu den Hauptwerken dieser Epoche. Die Handschrift entstand vermutlich um das Jahr 1000 im Auftrag Ottos III. (Regierungszeit 983–1002) oder dessen Nachfolger Heinrichs II. (Regierungszeit 1002–1024) im Kloster Reichenau. (aus Wikipedia)

Außerdem bin ich gerade am Planen und Zusammenstellen der Termine für 2012. Da kommt doch wieder eine Menge zusammen. Ganz bin ich noch nicht fertig. Es lohnt sich also in den nächsten Tagen noch mal draufzusehen.

Mit ottonischen Grüßen, Euer Isí

Die Turmhügelburg zu Pfingsten

Dienstag, Juni 28th, 2011

Wir sind wieder für eine Woche auf der Turmhügelburg. Und wir erwarten weitere Freunde aus der “Ottonenzeit”.  Von Ihnen wird im Verlauf des Berichtes die Rede sein. Am Ende gibt es eine Liste mit den beteiligte Gruppen bei unserer diesjährigen “Burgbelebung”.

Turmhügelburg Lütjenburg

Lütjenburg liegt nördlich von Hamburg. Es ist ein kleiner Ort in Ostholstein an der Ostseeküste. Ostholsteins Besonderheit ist, dass es relativ spät deutsch erobert und besiedelt worden ist. Erst im 12./13. Jhd. wurde es kolonisiert und christianisiert. Hölzerne Turmhügelburgen entstanden deswegen etwas später als im übrigen Heiligen Römischen Reich.  Eine große Rolle spielten dabei die Schauenburger Grafen, hier dazu mehr Informationen …

Nahe Lütjenburg im Nienthal wurde eine Turmhügelburg der Schauenburger Zeit von einem rührigen Verein rekonstruiert und neu errichtet. Sie besteht aus dem Eichenholzturm, der “eingemottet” auf einem Hügel steht und von einem Wassergraben umgeben ist. Nur eine schmale Holzbrücke, die leicht zu entfernen ist, führt hinauf zu diesem letzten Verteidigungspunkt. In der Vorburg steht ein Ensemble von 5 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und die Kapelle. Umgeben ist die Vorburg von einem Wall, der von einem Flechtzaun bekrönt ist. Es ist also keine Steinsburg des Klischeemittelalters, drohendes Gemäuer auf einem Berg oder Hügel, sondern eine Vorform, wie es sie auch im Frühmittelalter in zahlreichen Niederungen gab (deswegen aus Niederungsburg). Wir passen als Ottonen hier also ganz gut herein, wenn auch die meisten Gebäude nicht aus “unserer Zeit” sind.

Lageplan Turmhügelburg

Am Pfingstwochenende findet auf der Festwiese traditionell das “Wikingerfest” statt. Deswegen konnten wir unsere Belebung erst am Pfingstmontag beginnen. Diesmal schlafen wir nicht im Gesindehaus, sondern im Wirtschaftsgebäude. Die meisten “Wikinger” waren bereits abgereist, als wir kamen. Auch Bodendieks Gesinde, die Burgtruppe, zu der seit Neustem auch unser Jaegoor gehört, waren am Abreisen.

Wirtschaftsgebäude Turmhügelburg

Vorher saßen wir zusammen, aßen gemeinsam Hirsebrei und erzählten uns die neusten Erlebnisse. Das ist auch in Zeiten des Internets und der Informationsüberflutung schön. Oder gerade deswegen! Die stillen Tage in Lütjenburg begannen. Selten hatten wir es so ruhig.

Im Sommer am frühen Morgen, wenn die Sonne scheint und bevor die ersten Besucher komme, ist es in der Burg am Schönsten: Ich sitze im Ritterhaus oder in der Sonne auf dem Platz vor der Schmiede und schreibe. Der Tag beginnt gut.

Ritterhaus Turmhügelburg

Die Ruhe währt nicht ewig. Die Bodendieks sind abgereist, aber die ersten Freunde sind angekommen und wollen untergebracht werden: Elke und Jürgen, die Zähringer, sind zwei junggebliebene und herzensgute Schwaben, die uns damals in Tilleda sehr geholfen haben und die arme Orga immer wieder aufgerichtet haben, sie wohnen im Turm. Das war immer schon Jürgens Traum.

Burgturm Turmhügelburg

Kathrin und Holger kennen wir von unserer ersten ernstzunehmenden Veranstaltung in Quedlinburg 2006, dem Reenactorlager auf dem Schlossberg. Jonathan ist Kathrins Sohn. Sie haben ein Zelt neben der Kapelle aufgeschlagen.

Kapelle mit Zelt Turmhügelburg

In dieser Ruhe und Stille drängt sich die Frage auf: Was macht man den ganzen Tag in der Burg?

Die Frage ist einfach zu beantworten, aber nicht so einfach zu erklären: Wir “beleben” die Turmhügelburg, die sich von Beginn an als “Lebendiges Museum” verstanden hat. Was heißt das? Natürlich, wir tragen mittelalterliche Kleidung. Das ist nicht so einheitlich, wie man sich das so vorstellt. Fast 1000 Jahre dauerte das Mittelalter, das ist länger als der Zeitraum vom Ende des Mittelalters bis heute. Da wechselten oft Kleidung und Baustile. Die lütjenburger Turmhügelburg repräsentiert nur den letzten Rest dieser Zeit, etwa ab dem 11. Jahrhundert mit dem “ältesten Gebäude” der Anlage, dem “Wohn- und Stallgebäude” bis zum Ende des Spätmittelalters mit dem jüngsten Gebäude, der Kapelle. Dennoch kann man sich so etwa eine Anlage um 13oo vorstellen. Es ist natürlich nur Rekonstruktion und im Nienthal stand nie eine Burg. Doch rund um Lütjenburg fanden sich  allein 11 dieser kleinen adligen Befestigungsanlagen (im Kreis Plön etwa 45) und so gehört die Turmhügelburg ganz eindeutig zur typisch mittelalterlichen Geschichte der Gegend.

Der Bau von Turmhügelburgen begann in Deutschland etwa ab dem 10./11. Jahrhundert, in Frankreich noch früher, Spanien ging mit seinen Stadtburgen eigene Wege und über Italien weiß ich nicht viel. In Ostholstein errichtete der Holsteinisch-Sächsische Adel diese Burgen, um die slawischen Einwohner zu unterwerfen und das Land deutsch zu kolonisieren. Wie aus anderen Untersuchungen (z.B. auf Rügen und in Mecklenburg) zu ersehen ist, war es z.T. auch der einheimische Adel, der sich dem neuen Oberherr, hier die Schauenburger Grafen, unterworfen hat und sich den neuen Sitten anpaßte, d.h. Adelsburgen auf seinem Besitz baute. Die Bewohner der Turmhügelburgen müssen also nicht immer “Deutsche” gewesen sein.

Turmhügelburg Belebung

Was machen wir noch, außer unsere rekonstruierte Kleidung zu tragen, in unserem Fall die Mode der Ottonen- und Salierzeit? Eins können wir nicht und zwar mittelalterlichen Alltag nachstellen. Uns fehlen hierbei die täglichen Aufgaben, die Tiere etc. Wir können kleinen Handwerken nachgehen, einfache Handarbeiten machen, unser tägliches Essen kochen. Und wir machen einen guten Eindruck natürlich. Von Zeit zur Zeit und wenn man nett ins Gespräch kommt, führen wir die Besucher auch gerne durch das Gelände.

Inzwischen sind fast alle angekommen. Unsere Berliner Freunde Buteo, Hemmo u. Rieke waren leider aber nur kurz da. Der Uhl zu Wilhaim, seine Frau Cutani und die zwei Kinder Natalie und Jenny sind in das Gesindehaus gezogen, Kerstin mit Zelt auf die Wiese, Lis und Hermann in den Kornspeicher, die Liudolfinger Bruno und Baldwin und Jörn und Familie zu uns ins Wirtschaftsgebäude. Lis und Hermann von Gesinde der Burg schlafen im Kornspeicher.

Doch nun regnet es. Das hat uns leider unseren Schleuderwettbewerb geschmissen. Zu allem Überfluss ist auch noch unser Schleudermeister, der Jaegoor, krank geworden. Deshalb fühlte sich unsere Schleuderscheibe etwas allein gelassen.

Schleuderscheibe Turmhügelburg

Historisches Steinschleudern ist eine der Aktivitäten, die sich auf den Wiesen an der Seite der Turmhügelburg ausgezeichnet durchführen lassen. Im Mittelalter war eher die Stabschleuder verbreitet, da sich diese leichter bedienen ließ als das Spezialistenwissen der Bedienung der Handsteinschleuder mit Schlingen, die eher weitflächig in der Antike verbreitet war, jedoch als Waffe auch noch im Mittelalter nachweisbar ist (s. Funde z.B. in Schleswig).

Backofen Turmhügelburg

Ein Höhepunkt des diesjährigen Aufenthalts auf der Turmhügelburg war die Inbetriebnahme des kleinen Lehmbackofens neben dem Kräuterbeet. Das war etwas, was ich eher zum Alltagsleben einer Turmhügelburg zählen würde, leicht von einem Mann zu bewältigen. Wir waren dagegen zu viert/fünft: Zuerst wurde Holz gehackt, möglichst klein zum Anzünden und weiterbefeuern. Bruno machte Feuer und blieb zum Weiterbefeuern einige Stunden dabei. Der Mann, die Frau oder das Kind damals wird seinen Ofen gekannt haben, wir dagegen mussten uns erst mit ihm vertraut machen, bevor er richtig heiß wurde. Der Huginn-Ofen in Tilleda hatte, so erinnerten wir uns, einen Abzug, oder? Dieser hier nicht! Dennoch kamen am Ende drei leckere Brot und da die Hitze noch vorhanden war, ein sehr schmackhaftes Fischgericht aus Plattfischen und Kräutern der Provinz heraus (dem Schleifischer und dem Ökohof Tuch herzlichen Dank!). Sicherlich der kulinarische Höhepunkt des Aufenthaltes, ohne den kochenden Damen und Herren nahe treten zu wollen: Auch Hollunderküchle, die Gerstenfladen und die Zwiebelhühner in Weinsauce in den Kugeltöpfen waren ausgesprochen lecker! Mein Favorit aber war diesmal das Backofen-Menü! Hier zwei Bilder:

Fischgericht Turmhügelburg

 Brot Turmhügelburg

Da dieser Bericht endlich einmal zu Ende gehen muss und auf die Veröffentlichung wartet, nur noch einige schöne Kleinigkeiten, an denen sich bestimmt alle gerne erinnern: Die Nachtwanderung durch die Hügel von Ostholstein bis zu einem geheimnisvollen See. Auch die “Kampfübungen” mit den Kindern trugen sehr zur Unterhaltung bei. Was ich immer wieder feststelle: Die Zeit geht viel zu schnell vorbei.

Am Ende gab es noch etwas Feierliches. Ein Templer kam und der Altknappe von leider erkrankten Jaegoor, Kai, wurde Ritter. Da waren wir aber schon am Einräumen und schon fast auf der Straße nach Hause. Auch hier ein schönes Bild davon.

Turmhügelburg Ritterschlag

Wir sind wieder zu Hause. Aus den in der Küche gestapelten Kisten und dem Geschirr entströmt noch der Geruch des Holzfeuers … Die Turmhügelburg fehlt uns jetzt schon sehr!

Beteiligte Gruppen der Ottonenzeit mit ggf. Internetseiten

Regenbogen Turmhügelburg

Bis bald !

Turmhügelburg Nachtschau

 

Wilhaim 1010 (2)

Freitag, September 24th, 2010

Wir sind jetzt etwas ausgeruht und trauern Wilhaim hinterher. Weitere Galerien und Berichte füge ich noch an:

http://www.kreisbote.de/lokal_nachrichten/weilheim-schongau-kreis ….

und mein Favorit momentan von der Orga. selbst:

http://www.wilhaim.de/bildergalerie/wilhaim-1010-vom-17-19-09-2010-in-weilheim

Mein Bericht in Chronico wird wohl erst frühestens Montag erscheinen, deshalb bitte ich noch um etwas Geduld. Hier noch ein schönes Gruppenbild von unserer Gemeinschaft von drei Zelten am linken hinteren Lagerrand (von links nach rechts): Icke selbst, Annette, Elke, Jürgen und Heidi. War sehr schön mit Euch zusammen!

Gruppenbild

Foto von Michael Foisner

Wilhaim 1010

Dienstag, September 21st, 2010

zelt.jpg

Wir sind gerade von Weilheim zurückgekommen. Das Lager Wilhaim 1010 ist beendet. Alleine 7 Leute von der Lebendigen Geschichte e.V. (Ottonenzeit) waren dabei. Weitere Gruppen waren das FFC, die Dorrenberger, eine franz. Gruppe und die  Bajuwaren von Kirchheim, letztere als eigene regionale Zeitschiene. Es war kein allzu großes Lager, aber ein sehr schönes. Wir haben die Tage sehr genossen. Ein Bericht wird jetzt noch zu schreiben sein. Erste Fotos gibt es bereits hier…

Euer Isí