Schleudern auf dem Bauspielplatz Roter Hahn

Vom 20 – 21 August fand auf dem Bauspielplatz nahe Lübeck das diesjährige mittelalterliche Sommerfest statt. Geboten wurde ein breites Angebot. Schmieden, färben. spinnen, schnitzen, Pfeil und Bogenbau, Steinschleudern, Zinn gießen uvm. Und natürlich Steinschleudern ! Genau aus diesem Grund waren auch wir mit einem kleinen Lager vor Ort. Wir, das waren Lis, Hermann, Jens und ich. Und natürlich Gregor und Felizitatze.

roter-hahn-1.jpg

Wir hatten angeboten, das Steinschleudern den Besuchern hier etwas näher zubringen. Zu diesem Zweck bauten wir einen Infotisch übers „Schleudern – Damals und Heute“ auf und steckten unseren Schussbereich (20 und 30m) ab:

dscn0495.jpg

Der Info Tisch war dann auch wirklich eng umlagert:

roter-hahn-2.jpg

Nicht nur Besucher kamen, auch die Leute vom Bauspielplatz und aus anderen Lagern zeigten reges Interesse an der Schleuderei:

roter-hahn-3.jpg

Und geschleudert wurde dann auch reichlich. Wir begannen mit der Sonne im Gesicht und hörten auf, als sie uns im Nacken brannte

dscn0505.jpg

Und während die einen sich um denn Nachwuchs kümmerten….

dscn0496.jpg

……waren die anderen fleißig am Ball holen:

dscn0523.jpg

…und wieder andere genehmigten sich erstmal einen kühlen Trunk:

dscn0409.jpg

Es war ein wirklich sehr schönes Wochenende. Sehr gerne kommen wir nächstes Jahr wieder. Und vielleicht gibt es ja noch ein paar Ottonen die sich uns anschließen möchten. Platz für ein größeres Lager gibt es auf jeden Fall.

logo-sl2.jpg Jaegoor

Hier noch ein paar kleine Filmchen für Euch:


Die Turmhügelburg zu Pfingsten

Wir sind wieder für eine Woche auf der Turmhügelburg. Und wir erwarten weitere Freunde aus der „Ottonenzeit“.  Von Ihnen wird im Verlauf des Berichtes die Rede sein. Am Ende gibt es eine Liste mit den beteiligte Gruppen bei unserer diesjährigen „Burgbelebung“.

Turmhügelburg Lütjenburg

Lütjenburg liegt nördlich von Hamburg. Es ist ein kleiner Ort in Ostholstein an der Ostseeküste. Ostholsteins Besonderheit ist, dass es relativ spät deutsch erobert und besiedelt worden ist. Erst im 12./13. Jhd. wurde es kolonisiert und christianisiert. Hölzerne Turmhügelburgen entstanden deswegen etwas später als im übrigen Heiligen Römischen Reich.  Eine große Rolle spielten dabei die Schauenburger Grafen, hier dazu mehr Informationen …

Nahe Lütjenburg im Nienthal wurde eine Turmhügelburg der Schauenburger Zeit von einem rührigen Verein rekonstruiert und neu errichtet. Sie besteht aus dem Eichenholzturm, der „eingemottet“ auf einem Hügel steht und von einem Wassergraben umgeben ist. Nur eine schmale Holzbrücke, die leicht zu entfernen ist, führt hinauf zu diesem letzten Verteidigungspunkt. In der Vorburg steht ein Ensemble von 5 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und die Kapelle. Umgeben ist die Vorburg von einem Wall, der von einem Flechtzaun bekrönt ist. Es ist also keine Steinsburg des Klischeemittelalters, drohendes Gemäuer auf einem Berg oder Hügel, sondern eine Vorform, wie es sie auch im Frühmittelalter in zahlreichen Niederungen gab (deswegen aus Niederungsburg). Wir passen als Ottonen hier also ganz gut herein, wenn auch die meisten Gebäude nicht aus „unserer Zeit“ sind.

Lageplan Turmhügelburg

Am Pfingstwochenende findet auf der Festwiese traditionell das „Wikingerfest“ statt. Deswegen konnten wir unsere Belebung erst am Pfingstmontag beginnen. Diesmal schlafen wir nicht im Gesindehaus, sondern im Wirtschaftsgebäude. Die meisten „Wikinger“ waren bereits abgereist, als wir kamen. Auch Bodendieks Gesinde, die Burgtruppe, zu der seit Neustem auch unser Jaegoor gehört, waren am Abreisen.

Wirtschaftsgebäude Turmhügelburg

Vorher saßen wir zusammen, aßen gemeinsam Hirsebrei und erzählten uns die neusten Erlebnisse. Das ist auch in Zeiten des Internets und der Informationsüberflutung schön. Oder gerade deswegen! Die stillen Tage in Lütjenburg begannen. Selten hatten wir es so ruhig.

Im Sommer am frühen Morgen, wenn die Sonne scheint und bevor die ersten Besucher komme, ist es in der Burg am Schönsten: Ich sitze im Ritterhaus oder in der Sonne auf dem Platz vor der Schmiede und schreibe. Der Tag beginnt gut.

Ritterhaus Turmhügelburg

Die Ruhe währt nicht ewig. Die Bodendieks sind abgereist, aber die ersten Freunde sind angekommen und wollen untergebracht werden: Elke und Jürgen, die Zähringer, sind zwei junggebliebene und herzensgute Schwaben, die uns damals in Tilleda sehr geholfen haben und die arme Orga immer wieder aufgerichtet haben, sie wohnen im Turm. Das war immer schon Jürgens Traum.

Burgturm Turmhügelburg

Kathrin und Holger kennen wir von unserer ersten ernstzunehmenden Veranstaltung in Quedlinburg 2006, dem Reenactorlager auf dem Schlossberg. Jonathan ist Kathrins Sohn. Sie haben ein Zelt neben der Kapelle aufgeschlagen.

Kapelle mit Zelt Turmhügelburg

In dieser Ruhe und Stille drängt sich die Frage auf: Was macht man den ganzen Tag in der Burg?

Die Frage ist einfach zu beantworten, aber nicht so einfach zu erklären: Wir „beleben“ die Turmhügelburg, die sich von Beginn an als „Lebendiges Museum“ verstanden hat. Was heißt das? Natürlich, wir tragen mittelalterliche Kleidung. Das ist nicht so einheitlich, wie man sich das so vorstellt. Fast 1000 Jahre dauerte das Mittelalter, das ist länger als der Zeitraum vom Ende des Mittelalters bis heute. Da wechselten oft Kleidung und Baustile. Die lütjenburger Turmhügelburg repräsentiert nur den letzten Rest dieser Zeit, etwa ab dem 11. Jahrhundert mit dem „ältesten Gebäude“ der Anlage, dem „Wohn- und Stallgebäude“ bis zum Ende des Spätmittelalters mit dem jüngsten Gebäude, der Kapelle. Dennoch kann man sich so etwa eine Anlage um 13oo vorstellen. Es ist natürlich nur Rekonstruktion und im Nienthal stand nie eine Burg. Doch rund um Lütjenburg fanden sich  allein 11 dieser kleinen adligen Befestigungsanlagen (im Kreis Plön etwa 45) und so gehört die Turmhügelburg ganz eindeutig zur typisch mittelalterlichen Geschichte der Gegend.

Der Bau von Turmhügelburgen begann in Deutschland etwa ab dem 10./11. Jahrhundert, in Frankreich noch früher, Spanien ging mit seinen Stadtburgen eigene Wege und über Italien weiß ich nicht viel. In Ostholstein errichtete der Holsteinisch-Sächsische Adel diese Burgen, um die slawischen Einwohner zu unterwerfen und das Land deutsch zu kolonisieren. Wie aus anderen Untersuchungen (z.B. auf Rügen und in Mecklenburg) zu ersehen ist, war es z.T. auch der einheimische Adel, der sich dem neuen Oberherr, hier die Schauenburger Grafen, unterworfen hat und sich den neuen Sitten anpaßte, d.h. Adelsburgen auf seinem Besitz baute. Die Bewohner der Turmhügelburgen müssen also nicht immer „Deutsche“ gewesen sein.

Turmhügelburg Belebung

Was machen wir noch, außer unsere rekonstruierte Kleidung zu tragen, in unserem Fall die Mode der Ottonen- und Salierzeit? Eins können wir nicht und zwar mittelalterlichen Alltag nachstellen. Uns fehlen hierbei die täglichen Aufgaben, die Tiere etc. Wir können kleinen Handwerken nachgehen, einfache Handarbeiten machen, unser tägliches Essen kochen. Und wir machen einen guten Eindruck natürlich. Von Zeit zur Zeit und wenn man nett ins Gespräch kommt, führen wir die Besucher auch gerne durch das Gelände.

Inzwischen sind fast alle angekommen. Unsere Berliner Freunde Buteo, Hemmo u. Rieke waren leider aber nur kurz da. Der Uhl zu Wilhaim, seine Frau Cutani und die zwei Kinder Natalie und Jenny sind in das Gesindehaus gezogen, Kerstin mit Zelt auf die Wiese, Lis und Hermann in den Kornspeicher, die Liudolfinger Bruno und Baldwin und Jörn und Familie zu uns ins Wirtschaftsgebäude. Lis und Hermann von Gesinde der Burg schlafen im Kornspeicher.

Doch nun regnet es. Das hat uns leider unseren Schleuderwettbewerb geschmissen. Zu allem Überfluss ist auch noch unser Schleudermeister, der Jaegoor, krank geworden. Deshalb fühlte sich unsere Schleuderscheibe etwas allein gelassen.

Schleuderscheibe Turmhügelburg

Historisches Steinschleudern ist eine der Aktivitäten, die sich auf den Wiesen an der Seite der Turmhügelburg ausgezeichnet durchführen lassen. Im Mittelalter war eher die Stabschleuder verbreitet, da sich diese leichter bedienen ließ als das Spezialistenwissen der Bedienung der Handsteinschleuder mit Schlingen, die eher weitflächig in der Antike verbreitet war, jedoch als Waffe auch noch im Mittelalter nachweisbar ist (s. Funde z.B. in Schleswig).

Backofen Turmhügelburg

Ein Höhepunkt des diesjährigen Aufenthalts auf der Turmhügelburg war die Inbetriebnahme des kleinen Lehmbackofens neben dem Kräuterbeet. Das war etwas, was ich eher zum Alltagsleben einer Turmhügelburg zählen würde, leicht von einem Mann zu bewältigen. Wir waren dagegen zu viert/fünft: Zuerst wurde Holz gehackt, möglichst klein zum Anzünden und weiterbefeuern. Bruno machte Feuer und blieb zum Weiterbefeuern einige Stunden dabei. Der Mann, die Frau oder das Kind damals wird seinen Ofen gekannt haben, wir dagegen mussten uns erst mit ihm vertraut machen, bevor er richtig heiß wurde. Der Huginn-Ofen in Tilleda hatte, so erinnerten wir uns, einen Abzug, oder? Dieser hier nicht! Dennoch kamen am Ende drei leckere Brot und da die Hitze noch vorhanden war, ein sehr schmackhaftes Fischgericht aus Plattfischen und Kräutern der Provinz heraus (dem Schleifischer und dem Ökohof Tuch herzlichen Dank!). Sicherlich der kulinarische Höhepunkt des Aufenthaltes, ohne den kochenden Damen und Herren nahe treten zu wollen: Auch Hollunderküchle, die Gerstenfladen und die Zwiebelhühner in Weinsauce in den Kugeltöpfen waren ausgesprochen lecker! Mein Favorit aber war diesmal das Backofen-Menü! Hier zwei Bilder:

Fischgericht Turmhügelburg

 Brot Turmhügelburg

Da dieser Bericht endlich einmal zu Ende gehen muss und auf die Veröffentlichung wartet, nur noch einige schöne Kleinigkeiten, an denen sich bestimmt alle gerne erinnern: Die Nachtwanderung durch die Hügel von Ostholstein bis zu einem geheimnisvollen See. Auch die „Kampfübungen“ mit den Kindern trugen sehr zur Unterhaltung bei. Was ich immer wieder feststelle: Die Zeit geht viel zu schnell vorbei.

Am Ende gab es noch etwas Feierliches. Ein Templer kam und der Altknappe von leider erkrankten Jaegoor, Kai, wurde Ritter. Da waren wir aber schon am Einräumen und schon fast auf der Straße nach Hause. Auch hier ein schönes Bild davon.

Turmhügelburg Ritterschlag

Wir sind wieder zu Hause. Aus den in der Küche gestapelten Kisten und dem Geschirr entströmt noch der Geruch des Holzfeuers … Die Turmhügelburg fehlt uns jetzt schon sehr!

Beteiligte Gruppen der Ottonenzeit mit ggf. Internetseiten

Regenbogen Turmhügelburg

Bis bald !

Turmhügelburg Nachtschau

 

Kostümierter Mummenschanz

Da haben wir etwas unter dem Motto Außensicht: Neulich kam auf dem MDR Figaro eine Radiosendung über ein Museumsfest in Sachsen und es wurde gesagt, das sei alles ganz ernsthaft und nicht der übliche kostümierte Mummenschanz. Damit war nicht der Mittelaltermarkt gemeint, der abgehalten werden soll, der war für die Moderatorin völlig in Ordnung, da ja klar erkennbar. Nein, sie meinte wohl Leute wie uns, die wie lebendig gewordene Museumspuppen in rekonstruierter Kleidung und Ausrüstung herumlaufen. Wir, die Grenzgänger, machen den Mummenschanz und sind ja nur kostümiert, schwer verstehbar für die Journalistin, die noch nie von Living History oder Lebendiger Geschichte gehört hat, die keine Konzepte wie in Dorstadt, Weilheim, in Haithabu, auf der Lütjenburg oder in Bärnau kennt.

Bah, sollen wir jetzt sagen, die ist blöd und sie hat keine Ahnung, da sie nur Schwarzweiß kennt, hier die Museumsausstellungstücke, da den Mittelaltermarkt. Nein, ich glaube, wir müssen mehr für die Außensicht kommen, vielleicht auch mal erklären, Presseerklärungen abgeben, Vorträge halten, uns Museen anbieten. Ich fand es in Zörbig z.B. sehr vergnüglich und die Leute interessierter als bei den meisten Veranstaltungen (Weilheim mal ausgenommen).

Wir brauchen uns den „kostümierten Mummenschanz“ nicht anziehen, aber wir können dennoch eine Menge gegen diese Außensicht tun, jedenfalls das, was in unseren Kräften liegt.

Was meint ihr?

Euer Isí

1050 Jahre Zörbig

Zörbig 1050

Die Saison 2011 beginnt für uns wirklich sehr langsam. Andere waren schon in Bärnau oder in Dissen oder auf dem Heerbann, aber wir kommen höchstens bis Zörbig, eine kleine Stadt nordöstlich von Halle, die gerade ihre 1050. urkundliche Erwähnung (961 unter Otto I.) feiert. Auch wenn es nur ein „normales“ Stadtfest wird, passen wir da ganz gut herein. Und so ist es mir lieber, als an einem künstlich gestalteten historischen Fest teilzunehmen, dass in den meisten Fällen gar nicht historisch ist. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Dann also doch von allem etwas und dazu ein paar Buden mit Bratwurst und Bier. So ist es ein schönes Stadtfest und das passt dann schon. Der Gegenentwurf ist etwas, was ab Himmelfahrt in Dorstadt stattfindet oder was der Uhl an der Ammer in mit Wilhaim 1010 im vergangenen Jahr gemacht haben. Das braucht aber viele gute Darsteller und Konsequenz.

Zörbig war in der Ottonenzeit eine namentlich erwähnte Civitas im Gau Zitici. Die Colodici-Sorben sind von den Sachsen geschlagen worden und durch die ottonische Burgwardordnung bildete sich eine Verteidigungslinie im Osten mit kleinen Burgen und diese umgebenen Dörfer (10 – 20). Das nannte man Burgward, die eigentliche Verteidigungsanlage (evt. im Falle Zörbigs sogar schon ein Steinturm wie in Querfurt) stand im Burgwardhauptort. Dazu mehr hier …. (alter Text aus dem Schülerprojekt). In diesem Fall entstand aus dem Hauptort die Stadt Zörbig.

Wir sind als Ottonen sozusagen der Beginn von Zörbig. Am Sonntag habe ich deswegen im Schloss einen einführenden Vortrag über die Ottonen gehalten und auch Kleidung und Bewaffnung usw. erklärt. Der Vortrag war gut besucht, auch Herr Bürgermeister Rolf Sonnenberger war bei den Zuhörern, und an den Reaktionen und dem Applaus habe ich gemerkt, dass es den Leuten auch gefallen hat. Für so viele interessierte und begeisterte Leute hat sich die Mühe gelohnt. Ich glaube schon, dass an diesem Abend Geschichte lebendig wurde. Herzlichen Dank Zörbig. Wir sehen uns am Samstag zum Festumzug noch einmal wieder.

Euer Isí

Schleuderertraining in Hadmersleben

Schleuderer Hadmersleben

Das war er also, der erste Termin in diesem Jahr: Am 26. Febr. trafen sich einige Schleuderer aus Sachsen-Anhalt in Hadmersleben zum gemeinsamen Training auf dem Schützenplatz des Ortes. Wie man an dem bunten Untergrund des obigen Fotos sieht, wird der Platz eigentlich zum Tontaubenschießen genutzt,  hat uns aber auch beim Schleudern gute Dienste geleistet, zumal das Gelände eine alte Kiesgrube war, die immer noch einiges an Steinmunition zum Nachladen hergab. Anwesend waren Torsten, Christian, Hannes und der Gastgeber Hubert, sowie zwei interessierte Zuschauer.

Diana Hadmersleben

So sah unser Ziel aus. Die Diane von Hadmersleben. Nicht ganz regelkonform und sie hielt auch nur begrenzte Zeit. Das war aber nicht schlimm.

Nicht nur wegen mangelnder Teilnahme, sondern auch wegen unserem Trainingsrückstand (oder wie soll man das nennen) wurde aus dem eigentlichen Wettbewerbswochenende eher ein Trainingswochenende für alle. Der Eifer war groß, die Trefferquote ließ stark zu wünschen übrig. Hubert sicherte sich mit lediglich zwei Punkten den inoff. Sachsen-Anhalt-Meistertitel. Niemand von uns kam an diesem Tag an die notwendige Punktzahl für einen Schülergrad ran, auch die nicht, die bereits einmal einen errungen hatten. Das Wetter war gut und sonnig, aber die Schleuderer waren noch eingerostet vom Winter.

Schleuderer eingerostet

 Christians Fehler ist auf diesem Foto gut zu erkennen: Schleuder verdreht, das kann passieren!

Immerhin war am Ende des Trainingstages die Zielgenauigkeit schon besser geworden, einige Treffer auf der Mittelscheibe oder knapp daneben folgten.  Hubert tröstete uns am Abend mit guten Gulasch über die Misserfolge hinweg. Das Jahr hat ja erst angefangen.  Wir freuen uns auf den nächsten Termin zum gemeinsamen Schleudern. Motiviert hat das Treffen zumindest alle.

Teilnehmer Endsumme nach einem Pass (4 x 5 Wurf), 20 m auf die Ariane/Diane
1. Hubert 2 Punkte, Vorjahr: keine Teilnahme
2. Isidorus 1 Punkt, Vorjahr: 9 Punkte
2. Christian 1 Punkt, Vorjahr: 1 Punkt

Euer Isí

 

Das neue Jahr 2011

Ein gebrochener Fuß und ein beängstigend hohes Hochwasser haben den Januar ganz schön bewegt gemacht. Inzwischen kann wieder aufgeatmet werden.

Das neue Jahr ist schon wieder weit fortgeschritten und wir haben eine Menge Termine gemacht, zu denen wir (Ausnahme Mitgliederversammlung des Lebendige Geschichte e.V.) die mit uns befreundeten Ottonen und Ottonenzeitliche herzlich einladen. Gleichzeitig sind auch einige Schleuderertermine dabei, an denen wir Wettbewerbe abhalten und Graduierungen vergeben. Wer noch einige ottonenzeitliche Termine weiß oder anderes Interessantes, dann nehme ich es gerne auf. Hier die bislang gesammelten Termine.

Eigentlich wollte ich das Jahr etwas ruhiger angehen lassen, nur basteln und ganz lange nach Spanien fahren. Mit Spanien klappt es. Und ich werde aufmerksam nach ottonenzeitlichen und anderen interessanten Bauwerken und Funden Ausschau halten. Wie das mit der Ruhe und dem Basteln wird, das werden wir noch sehen. Ich wünsche jedenfalls allen Ottonen, Freunden und Bekannten eine gute Saison 2011, wie die Zuberwölfin so schön schrieb: Das Jahr der zweitausend Elfen !

Euer Isí

Harzwanderung

Erster Rauhreif überraschte uns am Morgen, die Blätter der Bäume zeigten allerschönste Herbstfärbung, die letzten Pilzsammler waren unterwegs. Die Ottonen beschlossen im Harz zu wandern.

Wanderung in Gewandung

 Das war unser erster Versuch eine Wanderung in Gewandung zu unternehmen, einfach mal abseits von Veranstaltungen, Museen und Märkten sich zu treffen und noch einmal vor dem Winter unserer Kleidung der Ottonenzeit auszuführen.

Das Selketal bei Mägdesprung erwies sich als idealer Stützpunkt für unser kleines Wanderwochenende. Das Einpacken am Freitag erwies sich als überschaubar und wir konnten alle nach der Arbeit dort eintreffen. Das gastliche Haus von Ehepaar K. lag sehr idylisch. Schiefer und Holz herrschten vor, der Gastraum war sehr passend für uns. Vegetarische Kost stellte für uns Mittelalterleute die größere Herausforderung dar. Es schmeckte letztendlich aber auch. Aber um die Unterkunft des 21. Jahrhunderts im Öko-Stil der 80ziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts soll es hier nicht gehen. Beginnen wir also sofort mit der Wanderung:

harzwa1.jpg

Unsere Wandergruppe bestehend (von links nach rechts) aus Sabine, Nette, Isidorus, Buteo, Hemmo und Rike.

Die kalten Finger der Nebelfrau

Es war nicht mehr die ganz frühe Morgenstunde, zu der wir aufbrachen. Die Terz war eben gerade durch, aber die Nebelfrau war schon verschwunden, doch ihre kalten und unsichtbaren Finger waren noch allerorten. Deswegen verschwanden die Sommertuniken unter Wolle oder wurden gleich fortgelassen, Nette zog sogar ihren Halbkreismantel über. Der Weg führte uns durch Wald an der Selke entlang bis zu den Füßen der Burg Anhalt, von der nicht viel erhalten ist und die es in der Ottonenzeit noch nicht gab. Hier überquerten wir die Selke. Da es inzwischen ein Brücke gibt nicht an einer flachen Stelle, sondern über eine Brücke. Einige Leute im urbayrischer Gewandung machten uns rasch klar, dass wir am heutigen Tag nicht die einzigen Gewandungswanderer sein würden. Wanderer ganz ohne Gewandung begegneten uns allerdings nicht. Der überall grob geschotterte Wanderweg blieb uns den Tag über  erhalten, war weder für unser mittelalterliches noch für neuzeitliches Schuhweg sonderlich gut. Unter dem Gesichtspunkt naturbelassener Wege fällt, das sei vorweg gesagt, die ganze Strecke durch.

harzwa6.jpg

Unser historisches Ziel: Geros Stiftskirche

Die Stiftskirche von Gernrode, Stiftung von Markgraf Gero und seiner Schwiegertochter Hathui, die auch erste Abtissin für die adligen Stiftsdamen wurde, war das Ziel unserer Wanderung. Auch unsere Route dorthin war nur teilweise historisch, denn höchstwahrscheinlich hätten wir wohl die Straße von Harzgerode kommend genommen, aber wo Biker und Ausflügler auf unauthentischen Teerbelag herumkurven, da ist kein Platz für Ottonen.

Immerhin geben wir ein malerisches Bild ab: Drei leichtbewaffnete Männer, drei von der Kleidung nicht ganz arme Frauen, die zusammen ihre Siebensachen in zwei Korbkiepen und  einer Umhängetasche transportieren. Noch im Wald gab es die erste Pause, danach erreichten wir relativ rasch das Sternhaus. Unser Weg kreuzte die Straße nach Gernrode und wir hätten selbst ein Stück dieser Straße bis hinunter zum Ostergrund gehen müssen, aber wir gingen zunächst im Wald weiter und kehrten entlang der Trasse der Harzer Schmalspurbahn querfeldein auf feuchter Wiese auf die eigentliche Route zurück. Diese Anstrengung verlangte nach dem Mittagsimbiss „Zum verendeten Reh“ „mit Hirschwurst, Brot und Käse, dazu Gänsewein, alles aus den Kiepe“, wie es Sabine ausgedrückt hat. Der ruhige Blick auf herbstliche Wiese und Wald war beruhigend. Es war warm geworden und wir brachen auf, bevor wir richtig schläfrig wurden und uns vielleicht der „Alte Weidenmann“ erwischte.

harzwa1.jpg

Durch den Ostergrund

Die Wanderung näherte sich langsam ihrem Ziel. Im Ostergrund passierten wir ein Rückhaltebecken, durch das das Tal sehr seinen ursprünglichen Charme verloren hat, und versuchten dort zu schleudern. Aber das Harzer Schottergestein ist für ordentliche Schüsse gänzlich ungeeignet. Schade! Wir begegneten jetzt, je näher wir auf Gernrode zumarschierten, anderen Wanderern, die sich freuten oder dumme Bemerkungen machten, ganz nach Temperament oder Einstellung. Ich nahm mir fest vor, für das nächste Mal Erklärungszettel in der Umhängetasche zu haben, aus den die Leute ersehen können, warum wir so komisch herumlaufen. Denn Wanderung in Gewandung, was ist das eigentlich? Ist das ein neuer Trend in der historischen Darstellung? Der erste Gedanke, den die Leute dabei hatten, das schloss ich aus den Bemerkungen, war, das wir aus einem Mittelaltermarkt in der Umgebung entlaufen harzwa4.jpgwaren. Denn Mittelalter ohne „erschröcklichen Mittelaltermarkt“, geht das überhaupt? Dürfen die das? Einige dachten bei unserem Anblick, so vermutete Nette richtig, an ein Krippenspiel. Aber Hemmo war nun als Christkind wirklich zu groß und keine der Damen, ohne ihnen nahetreten zu wollen, war noch Jungfrau.

Wir wanderten weiter, erreichten den Ostersee und bogen vor ihm Richtung Stadt ab. Hier standen schon die ersten Wochenendhäuser und Häuser am Hang. Wir brauchten nur noch gemächlich in die Innenstadt herab zu schlendern. Den Damen verlangte es vor dem Kirchgang rasch nach einer Stärkung. Die Herren waren auch nicht abgeneigt.

Über 1000 Jahre und ein Tag

Das Ziel war erreicht. Wir standen vor der Stiftskirche in Gernrode. Viele Informationen, die in der Kirche auch als Ausstellungstafeln zu sehen sind, habe ich ans Ende des Berichtes gelegt. Wo wir jetzt standen, und auf dem Gruppenbild zu sehen sind, stand einst die Burg und der Hof von Markgraf Gero, einem der rücksichtslosesten Vasallen Kaiser Ottos und sein Mann für das Grobe in Slawenangelegenheiten. Bis heute ist er im Verhältnis Slawen und Deutsche stark umstritten. In der Wikipedia-Diskussionsseite weist ein User zu Recht darauf hin, dass man einen Markgrafen jener Zeit nicht mit heutigen Maßstäben messen könne. Da Geros Wirken jedoch polnische Staatsgründungsmythen berührt, führt man ihn gern als ersten „häßlichen und brutalen Deutschen“ an. Die Kirche zu seinem Gedächtnis steht bis heute. Er muss ein wichtiger und außergewöhnlicher Mann gewesen sein, da die ottonischen Königschroniken so viel über ihn zu berichten wissen.

harzwa1.jpg

Die Stiftskirche selbst in der heutigen Form ist natürlich nicht mehr der Bau der Ottonen, aber hat sich viel von der Ursprünglichkeit bewahrt, ist zudem sehr sensibel (bis auf die Innenbemalungen) restauriert worden. Das kann nachgelesen werden. Und gerade wird wieder an der Kirche restauriert, das wesentlich später entstandene „Heilige Grab“ wird einer Auffrischung unterzogen. Dennoch war das Grab Geros ein angemessenes, ja fast heiliges Ziel. Die Krypten (nur die östliche ist ottonisch) luden zur Einkehr ein. Es war jedoch spät geworden, wir hatten die Kirche zu verlassen. Ohnehin, das Abendbrot wartete auf uns.

Noch ein Wort zum Schuhwerk:  Rike, Buteo und Hemmo hatten CP-Schuhe an. Diese waren z.t. genagelt, was ich für Wanderungen auch befürworten würde, auch wenn die Fundlage da sehr düster ist. Bei Sabine und Nette ist es ähnlich. Ich hatte die „Theophanu-Schuhe“ von Snorri an, die aber schon einen Riß hatten, der sich zu einem klassischen Loch auflief. Ich kann nun sagen: „Ich gehe meilenweit für Kaiser Otto.“

Am Ende noch viele Informationen über die Stiftskirche Gernrode und das Leben der Stiftsdamen, die Ausstellung Schleierhaft?.

Euer gewanderter Isí

Weilheim 1010, Vorbereitung

Weilheim 1010Jetzt läuft schon alles auf die Vorbereitung zu Weilheim 1010 hinaus. Da gibt es noch einiges zu tun. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich, viele Ottonen wiederzusehen. Da hat sich einiges getan in wenigen Jahren. Das ist nicht zuletzt auch den Uhls zu verdanken. Aber auch allen anderen, die miteinander geschafft und nicht gegeneinander gearbeitet haben. Das müssen wir nämlich nicht mehr haben!

Und jetzt ist es soweit. Ich erinnere mich noch genau, wie Kerstin Uhl davon geredet hat, dass sie 2010 ein ottonisches Lager in Weilheim hat machen wollen. Am Rande haben wir mitbekommen, welche Schwierigkeiten es dabei gab. Aber jetzt ist es soweit. Wir freuen uns schon!

Aber vorher: Noch einige Hinweise vom Uhl zur Veranstaltung:

Ich wünsche allen viel Spass bei der Vorbereitung und auf baldiges Wiedersehen.

Euer Isí

Schleuderwettbewerb 2010, Ergebnisse

Ergebnisse des Schleuderwettbewerbs vom 31. Juli 2010 auf dem Gelände der Turmhügelburg Lütjenburg (Schleswig-Holstein)

Teilnehmer Endsumme nach einem Pass (4 x 5 Wurf), 20 m auf die Ariane/Diane
1. Jaegoor 17 Punkte, Vorjahr: 10 Punkte (gelb)
2. Johannes 15 Punkte (Entfernung 10 m, Jugend) (gelb), Vorjahr: 2 Punkte
3. Isidorus 9 Punkte (gelb), Vorjahr: 0 Punkte
4. Jörn 5 Punkte
5. Christian 1 Punkt

Besonders erfreulich an dem diesjährigen Wettbewerb der Schleuderer waren die ausgezeichneten Wettbewerbs- und Trainingsmöglichkeiten, die wir auf dem Gelände der Turmhügelburg vorfanden. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich. In dem einen Jahr gab es große Fortschritte. So haben inzwischen drei von uns den Schülergrad gelb erreicht. Rot liegt nicht mehr in weiter Ferne.

Heute mit Grüßen von den Schleuderern, Isí