10 Jahre Archaeoforum

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Seit vielen Jahren in schwarzer Farbe, das Archaeoforum…

Seit vielen Jahren ist es für mich eine Heimat zum Diskutieren und Neuigkeitenaustauschen in der Archäologie und zur Rekonstruktion und Darstellung, das Archaeoforum. Daran hat auch facebook und Co. nichts geändert. Und nun ist es 10. Jahre geworden. Ich stelle fest, ich bin immer noch eifrig dabei und freue mich über jeden neuen Fund, den ich dort kennenlerne, und über jede neue Erkenntnis, die ich dort gewinne. Deswegen: Archaeoforum, ganz herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Ottonenpark im Norden Sachsen-Anhalts geplant

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Ottonische Märchentante – Das wird es bald auch in Sachsen-Anhalt geben

Heute früh am 1. April flatterte uns  eine Presseerklärung des für museale Belange zuständigen Ministeriums  Sachsen-Anhalts ins Haus. Nach dieser Erklärung ist ein neues Freilichtmuseum, der sogenannte „Ottonenpark“ im Norden Sachsen-Anhalts geplant: „Drei Standorte stehen dazu zur Auswahl. Anfang Mai wird der Favorit bekannt gegeben. Mitte September soll mit dem Bau begonnen werden“, so der zuständige Minister in seiner Erklärung, „Dazu werden wir die vorhandenen Kräfte im Land bündeln müssen. Einige Standorte werden wir dafür aufgeben. Andere sind schlicht unsinnig.“ Genaueres schrieb der Minister allerdings nicht. Es ist aber keine Geheimnis, dass er besonders mit einem Standort nahe Sangerhausen sehr unzufrieden ist. Der wird wohl fallen müssen.Details zum „Ottonenpark“ werden in der Presseerklärung auch genannt, und das ist viel interessanter für uns als mögliche Standorte oder Standortschließungen. So soll es

  1. „kein Experimentiergelände werden“
  2. übliche Klischees wie Holzhütten sollen vermieden werden oder nur am Rand aufgebaut werden
  3. die Bauzeit soll innerhalb von 5 Jahren erfolgen
  4. „der Glanz des ottonischen Kaisertums“ soll mit Steinbauten offenbart werden, dazu wird es auch Fördermittel vom Bund geben
  5. die pädagogische Arbeit soll weniger aufs Alltagsleben, sondern auf die Funktion der Herrschaft und des Kaiserhauses im Mittelalter fokusiert werden. „Dadurch soll auch dem jungen Besucher klar werden, das Herrschaft legitimiert ist und deswegen geachtet werden muss. Damit erhoffen wir uns auch einen Bezug zum Heute. Aufgabe von Politik klarzumachen und das Politik und der Politiker mehr Achtung verdient“, so schreibt das Ministerium zur zukünftigen pädagogischen Ausrichtung.
  6. Vorbilder der Bauten für den „Ottonenpark“ werden ottonenzeitliche Bauten oder ihre Rekonstruktionen aus dem ganzen Bundesgebiet mit Schwerpunkt auf Mitteldeutschland. „Hier pocht ohnehin das Herz des Ottonentums“, wie es der Minister so schön ausgedrückt hat.

Wir dürfen gespannt sein. Ich stehe jetzt wg. diesem spannenden Projekt in Schrift- und Telefonkontakt mit den Verantwortlichen. Aber wie wir es bereits an den Ausstellungsprojekten in Magdeburg und den dortigen „Otto-Festen“ erlebt haben, ist unser Fachwissen und unsere Erfahrung wenig gefragt.  Anscheinend hat man für die Recherche einen wenig erfahrenen Historiker, der bisher mit Mediavistik wenig zu tun hatte, und für die Ausführung einen „Mittelalter“-veranstalter, mit dem die zuständige Referentin aus dem Ministerium „näher befreundet“ ist, ins Ottonenpark-Team geholt. Letztere ist mir persönlich bekannt. Kurzer Anruf brachte mir einen Anraunzer an. „Aufn Feuerrumgebrutzle wirds im Oddopark nicht gebe, da wird feudale Hofhaltung gemacht. Für die Kleidung haben wir eine Kostümbildnerin vom Theater, die wird das schon richtig machen. Die wird außerdem von Magdeburger Museum und Herrn Rapper aus Sangerhausen beraten. Und für die Hüdde, habe wir ein paar Arbeitslose im Kiddel, eigentlich brauche wir euch nich …“ Dann nicht, an dem Punkt habe ich das Telefonat beendet. Es wird wohl einen „Ottonenpark“ ohne uns Ottonen geben. Schade!

Euer Isí

 

Die Gedanken zum Jahr 2014

Ich bin anscheinend nicht der einzige, der sich Gedanken über das neue Jahr gemacht hat. Waren meine sehr spezieller Natur, so hat sich Markus von tribur.de allgegemeine Gedanken über unser Hobby und seine Protagonisten, über Rezeption, Verbreitung und Akzeptanz gemacht. Aber lest selbst:

Gedanken zur Reenactmentszene
16/01/2014 Markus Zwittmeier

Es gab einmal eine Szene, die von außen gerne als homogen angesehen wird. Auch wenn Sie auftreten sehen sie sich selbst sehr gerne als homogen. Aber im Inneren brodelt es. Da werden einige Gruppen bereits als nicht authentisch bezeichnet weil sie gerne mal eine andere Musik hören als die andere Gruppe und wieder andere tragen die falsche Kleidung, oder sind zu bunt angezogen. Wieder andere sind nicht fantasievoll genug oder zu fantasievoll. Und dann vfindet man auch immer wieder Militaria, was den Anderen wieder zu viel ist. Zu allem Überfluss tummeln sich dann auch hin und wieder ein paar versprengte Nazis darunter,aber es heißt dann: “Ach wir sind doch unpolitisch”

Hat jetzt jemand die Mittelalterszene erkannt? Echt? Wirklich? Reingelegt, stimmt aber gar nicht! Ich hab gerade von Gothicszene gesprochen in der ich auch hin und wieder unterwegs bin! Hier weiterlesen …

Das die „A-Seite“, von der Markus spricht, Schattenseiten hat und ermüdet ist, zeigen mir die Aussteiger, die in den letzten Jahren von uns gegangen sind (einige sind noch Freunde, andere „böse Feinde“ geworden). Machen wir uns deswegen bewußt, das wir eine Subkultur sind, zwar mit wissenschaftlichen Hintergrund, aber dennoch… Und Subkultur oder Kultur müssen auch Sinn haben und Spaß machen. Solange ich Neues entdecken kann wie den jüdischen Friedhof am Jägerplatz, das Buch über die Möbel usw. und solange Geschichte mir Spaß macht, werde ich dabei bleiben. Mal über Odos Heerbann im Krückstock gehen, das wäre doch was… oder?

Euer alter Knochen Isí

Die Sache mit den Möbeln

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Sprossenstuhl aus Lund (Schweden), datiert ca. 1020 n. Chr.
Links Reste der Rückenlehne, rechts eine zeichnerische Rekonstruktion
aus: Grodde, B.: Hölzernes Mobiliar im vor- und frühgeschichtlichen Mittel- und Nordeuropa, S. 459, Tafel 73

Die Möbelfrage treibt mich schon lange um. Damit meine ich jetzt nicht eine Beschäftigung mit dem sogenannten „Steckstuhl“, wie er auf im „Marktmittelalter“ (Schräg, schräger, Marktmittelalter, so Blogerkollege Hiltibold)  und im LARP (Live-Rollenspiel) gerne benutzt wird. Nein, ich meine damit die Frage, wie die Möbel im Frühmittelalter tatsächlich aussahen. Dabei haben mich die Lösungen, die ich bisher in Reenactment und Lebendige Geschichte gesehen habe, auch nicht so richtig zufrieden gestellt. Was ich selbst so baute, stammte von Abbildungen (in letzter Zeit) oder war pure Phantasie (in der Anfangszeit). So könnte es sein, aber auch nicht viel mehr. Handwerklich fragwürdig allemal!

Fest steht, Menschen saßen und lagen immer schon, Geschirr und Kleidung u.a. mußte verstaut werden. Möbelformen haben sich nicht groß verändert. Tisch, Stuhl, Bett blieben seit der Bronzezeit fast unverändert, wenn auch gewisse Möbelformen inzwischen aus der Mode gekommen sind: Da wir nicht mehr wie die Römer im Liegen essen, ist die Kline nicht mehr im Gebrauch; Auch Truhen, früher unverzichtbar als eigenständiges Möbelstück und als Aufbewahrungsort mit vielfältiger Funktion, werden heute in modernen Haushalten kaum noch verwendet.

So wird der Winter wieder zur Schatzsuche in meiner Lieblingsbibliothek genutzt. Erinnern wir uns: In Ebstorf habe ich Jörn genötigt, ein Buch über die dortigen Truhen zu erstehen. In diesem Buch fand isch ein Literaturhinweis auf Grodde, Barbara: Hölzernes Möbiliar in vor- und frühgeschichtlichen Mittel- und Nordeuropa. Vergeßt „Karfunkel“ und für was ihr sonst so euer Geld ausgebt. Die Seiten 22 – 34 in Groddes Buch reichen für Anfänger und Fortgeschrittene vollkommen aus, wenn sie die ersten Schritte in den eigenständigen Möbelbau wagen wollen.  Techniken und Holzarten für die Möbelherstellung, detaillierte archäologische Quellen für einzelne Möbelarten sind mit vielen Beispielen inkl. eines umfangreichen Tafelteils vorhanden. Da hält es mich gar nicht mehr auf meinem Sofa in der Archäologie, sondern ich möchte ab in die Werkstatt und losschreinern oder -zimmern. Möbel für das Frühmittelalter, diesmal aber richtig! Und gleich mal Jörn fragen, wie weit er mit seinen Truhen ist…

Euer Isí

 

Völkerschlacht als Nagelprobe für Reenactment?

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Gemälde von Hans Kohlschein

Ursprünglich wollte ich hier blogen, wie lebendige Geschichte auch aussehen kann, nämlich wie im Sonderteil des MDR-Fernsehens zur Völkerschlacht in Leipzig 1813.  Hier gefällt besonders der fiktionale Teil „MDR TOPNEWS: Völkerschlacht überrollt Sachsen“ mit Tagesthemen Ingo Zamperoni. Ich hatte zwar keinesfalls vor, zum Schlachtenevent mit Reenactment selbst zu fahren, da mir die Knallerei zuviel ist, aber ich hatte schon vor, die Sache mit Sympathie und kleinen Zeitbudget aus der Ferne zu verfolgen.

Geschichte ist zu wichtig, um sie den Historikern zu überlassen.

Aber plötzlich stieß ich auf die Stimmen der Empörten: Stellvertretend das Interview  mit Prof. Reichel auch beim MDR, hier nachzulesen … Er hält Reenactment für einen unhistorischen Umgang mit der Geschichte und meint im Interview: „Es ist zu wenig, im Umgang mit der Geschichte nur Spaß zu haben.“ Finden wir auch. Geschichte ist so ernst, dass es bedenklich wäre, ihre Deutung nur den Historikern zu überlassen (die anscheinend mit ihrem Job gar keinen Spaß haben, könnte man denken).  Es wird das Spektakel kritisiert, dass um die Völkerschlacht gemacht wird. Befürchtet wird, dass dabei das Leid der Menschen vergessen wird. In diese Kerbe schlägt z.B. der von mir sehr geschätzte Stefan Nölke bei MDR-Figaro. Das ist llegitim!Der MDR selbst scheint die Empörung schon geahnt zu haben, viele Beiträge z.B. der Korrespondenten beschäftigen sich eben mit dem angemahnten Leiden durch die Schlacht. Sehr bewegend der Beitrag von Vivienne Radermacher über die „Marie Louises“ – Frankreichs letztes Aufgebot.

Tatsächlich wird aus der Sache ein Riesenspektakel gemacht. Da kann schon gefragt werden, ist das angemessen? Aber bitte angesichts der vielen Dokumentationen und Verfilmungen mir nicht so kommen: … jeder kann sich seinen Freizeitspaß selbst aussuchen…  (Zitat Nölke). Was soll das denn? Ist es denn nicht eher die Öffentlichkeit selbst, die das Spektakel wünscht? Ein Beispiel: Sitze ich ruhig am Feuer und koche oder  handwerke ich, interessiert es nur für kurze Zeit, aber wenn die Kameraden mit dem Schwert trainieren, bildet sich sofort eine Traube von Menschen: Guck mal, wie toll die Ritter kämpfen! Und sind es nicht auch die Historiker, die wieder der Ereignisgeschichte mehr Bedeutung zumessen als dem Alltag der Menschen wie z.B. unlängst bei der 3. „Otto-Ausstellung“ in Magdeburg geschehen, wo man unverhüllt vom Kaiserglück träumte.

Wie geht man angemessen mit diesem Jubiläum um? Die Reenactors vor Ort, die sich umfangreich mit dem Alltagsleben beschäftigt haben, wissen wohl am Besten um das Leid der damaligen Menschen. Aber wissen es all die Verantwortlichen in Politik und Medien? Ich bin mir nicht so sicher. So ist die Völkerschlacht keinesfalls eine Nagelprobe für das Reenactment, das ja allerhöchstens eine Illustration mit lebendigen Bildern darstellt, sondern sie ist eine Nagelprobe für die gesamte Öffentlichkeit, die hin- und herschwankt zwischen Faszination und Schrecken einer Schlacht. Das sollte thematisiert werden und nicht der „Verkleidungsfasching“ einiger Enthusiasten. Warum rufen denn die Völkerschlacht, Waterloo oder Hastings solche Begeisterung hervor? Der Bote der schlechten Nachricht ist nicht die schlechte Nachricht selbst, Herr Nölke, aber gerne köpft man ihn dennoch, oder?

Mit Grüßen vom Scharfrichter Isidorus

Wanderausstellung 2013

Es war nicht wirklich sonnig (Jörn). Dieses Jahr fand unsere „ottonische Wanderausstellung“ in Ebstorf in der Lüneburger Heide statt.

Drei Jahre hatten wir Glück, es gab herrliches Wanderwetter. Aber das vierte Jahr fiel die Wanderausstellung zunächst ins Wasser. Erst als am So. die Sonne herauskam, konnten wir von Ebstorf nach Hanstedt 1 und zurück wandern. Eine kurze Strecke, ich gebe es zu, aber wir wollten am Abend wieder alle zu Hause sein. Was haben wir stattdessen unternommen? Wir sind nach Lüneburg gefahren und haben das Salzmuseum besucht, immerhin hat Lüneburgs Salzförderung ottonischen Bezug. Im Anschluss gab es eine Führung im Ebstorfer Kloster inkl. Kreuzgang mit alten Truhen, Klosterkirche und Ebstorfer Weltkarte. Der Konventualin, die uns so lebendig durch das Kloster führte und sich auch nicht an unserer Tracht störte, sondern uns diese im Gegenteil den anderen Besuchern erklären ließ, auf diesem Wege noch einmal ganz herzlichen Dank. Irgendwie haben wir uns an diesem Tage alle ein wenig in das Kloster „verliebt“. Vielleicht hat es ja geholfen!

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über regennasse Wege …

Noch in der Nacht ging der Regen nieder, aber am nächsten Tag lachte die Sonne vom Himmel herunter. Wir brachen vom Kloster auf und machten eine kleine Rundwanderung bis Hanstedt I und seiner Findlingskirche und wieder zurück. Das Café in der Nähe des Klosters bildete den Abschluss der Wanderausstellung und die Brücke zurück in den Alltag. AllenTeilnehmern (14 bei der Wanderung) einen ganz herzlichen Dank!

Schließen möchte ich heute passend mit dem Ebstorfer Reisesegen:

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Hier gibt es ja große Pilze !

Gottes Geist beflügle Deine Schritte.

Gottes Liebe trage Dich, wenn der

Weg zu beschwerlich wird.

Gott begleite Dich,

heute, morgen und alle Tage.

Amen (Quelle: http://www.kloster-ebstorf.de)

Euer Isí

Herbst und Wanderausstellung

Wanderausstellung 2012

Wie man sieht, es ist Herbst. Die Saison 2012 ist beendet. Wie in den letzten zwei Jahren haben wir zum Schluß eine „Wanderausstellung“ veranstaltet, d.h. wir sind in Gewandung eine längere Strecke gewandet, ganz für uns, aber selbstverständlich nicht unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Hier einige öffentliche Fotos von der Wanderausstellung 2012… Ich hoffe, dass ich noch zu einen eigenen längeren Beitrag über diese Veranstaltung komme. Übrigens: Teilnehmer anderer Gruppen sind gerne im nächsten Jahr gesehen. Einfach mit mir Kontakt aufnehmen.

Wir waren auch auf den Petersfelstagen. Darüber gibt es auch noch (hoffentlich) einen eigenen Bericht.

In Minden ist zum ersten Mal ein Reenactorpreis verliehen worden. Herzliche Glückwünsche den Gewinnern, die auf der Seite von „Minden erleben!“ vorgestellt werden, hier sind sie im Überblick zu finden…

Sehr froh bin ich über die heile Rückkehr der „Eroberer von England“, die bei der Veranstaltung „Hastings 2012“ teilgenommen haben. Ein Tag davon fiel ins Wasser. Und Schlamm ist besser als Staub! Mehr davon bei den Fotos von Mara, hier anschauen …

Allen einen schönen Herbst und Winter

Euer Isí

Wanderausstellung 2012

Mord im Mittelalter

am Fr. 21.09. 19.30 Uhr

im Bibliotheksgasthof Moritz in Rädigke / Brandenburg

(um Voranmeldung wird gebeten)

Wir schreiben das Jahr 955. Schlimmer konnte die Siegesfeier in Memleben für König Ottos Burggraf Hodo nicht enden: Am Ufer der Unstrut fand er einen seiner Reiter erdolcht, sein Bruder, der Burgkaplan Isidorus, schleppte eine ungarische Heidin mit auf die heimatliche Burg, vor lauter Nachdenken wurde selbst das Bier in der Kanne schal! Und Nachdenken war Hodos Stärke nicht. Wie gut, daß er seine Frau Luitgard, seinen Bruder und die Wolfsfrau Enikó hatte. Aber würden diese drei dem Mannstöter auf die Spur kommen? Denn dieser begnügte sich nicht mit der einen Tat an der Unstrut, er schien dem Burggraf bis hinter die heimatlichen Palisaden gefolgt zu sein und brachte mit seinem blutigen Werk Wenden und Sachsen gegeneinander auf. Hodo verließ seine Bierkanne erst, als es wieder galt, kräftig dreinzuschlagen. Und wie es nicht nur in der „dunklen Zeit“ des 10. Jahrhunderts geschah, die blindwütige Justizia erwischt nicht immer den Richtigen! Luitgard, Isidorus und Enikó hatten viel zu rätseln, bevor wieder Frieden in der Grenzburg einzog.

Der Bibliothekar und Autor Torsten Kreutzfeldt wird aus seinem Krimi „Wolfsfrau und die Schlacht auf dem Lechfeld“ in rekonstruierter Kleidung der Ottonenzeit vorlesen. Auch Waffen und Alltagsgegenstände der Zeit werden mitgebracht. Denn inzwischen wurde aus der damaligen Recherche für den literarischen Stoff eine intensive Beschäftigung mit den Zeitumständen und dem Alltag der Menschen in der Ottonenzeit, ader Epoche, die von etwa 919 – 1024 andauerte. Das Projekt Ottonenzeit und der dazugehörige Verein Lebendige Geschichte e.V. präsentieren Kleidung, Bewaffnung und Alltag der Ottonen seit etwa 10 Jahren in Freilichtmuseen, Museen und Stadtfesten.

Neben der Lesung aus der „Wolfsfrau“ wird Torsten Kreutzfeldt seinen zweiten Krimi, der in der Zeit des spanischen Nationalhelden „El Cid“ spielt, vorstellen. Wir schreiben das Jahr 1096. Die zwei Caballeros (Ritter) Beato und Gerardo de Canehan werden von ihrem Fürsten beauftragt aufzuklären, wer während der lange zurückliegenden Schlacht von Graus den König von Aragón mit einem gekonnten Lanzenstoß ins Auge tötete. Wir werden in hineingezogen in das komplizierte Geflecht der Beziehungen zwischen den kleinen und großen mittelalterlichen Reichen Spaniens, ein Teil davon christlich, ein Teil islamisch. Dazu kommt die große jüdische Minderheit. Nicht immer werden Koalitionen nach der Religion abgeschlossen. Am Ende müssen zwei der christlichen Fürsten ihre Kräfte vereinen, um eine erneute islamische Eroberung der iberischen Halbinsel abzuwenden.

Nach der  kriminalistischen Aufbereitung des Mittelalters an der Saale und am Ebro soll auch das leibliche Wohl soll nicht zu kurz kommen. Begleitend zu der Lesung serviert der Gasthof Moritz mittelalterliche Getränke und Speisen. Deswegen wird um Voranmeldung gebeten.

 

Frühjahrsklausur 2012

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Ein wenig Kaspar-David-Friedrich-Reenactment : Ottonen auf der „Akropolis“ der Steinsburg

Die Frühjahrsklausur 2012 gestalteten wir in Ruhe und Besinnung mit Rückblick auf das alte Jahr und mit Vorausblick auf Kommendes. Dieses Jahr fand das Treffen zwischen Bayern und Thüringen unterhalb der vermutlich keltischen Steinsburg im Hotel Waldhaus statt. Nach dem langen Winter war Zeit für Gespräche und Muße, so dass gar nicht viel Program geplant werden musste. Auch erledigen wir in diesen Tagen unsere notwendigen Vereinsregularien.

Wir genossen die thüringische Gastfreundschaft mit gutem Essen. Natürlich statteten wir dem Steinsburgmuseum einen Besuch ab. Es gehört zu den kleinen Museen, die viel zur Alltagsgeschichte und mit umfangreichen Fundgut (hier von der Steinsburg, ca. 100 vor unserer Zeit verlassen) glänzen. Wir staunten über umfangreiche Eisen und Schmuckarbeiten: Eiserne Nadel, eiserne Pflugschar, Schmuck und sogar Stempel für den Textildruck. Für unsere Schleuderer sind in einer Vitrine Schleudergeschosse aus Ton ausgestellt. Am Ende der Museumsausstellung gab es Funde von Altenrömhild-Rotemulde, die für uns interessant war. Hier gibt es den umfangreichen Ausgrabungsbericht.

Rotemulde wurde 799/800 von der Äbtissin von Milz an das Kloster Fulda übergeben und bestand bis ins 13. Jhd. (Neugründung als Römhild). Für eine Siedlung mit 24 Grubenhäusern mit Schwerpunkt Eisen- u. Textilherstellung war die „Häuslersiedlung“ ausgesprochen wehrhaft. Neben Pfeilspitzen fanden sich auch ein Schwertortband, Lanzenschuhe, sowie Stachelsporen (11. Jhd.). Interessant für die Alltagsausstattung ist auch eine eiserne Kelle (11. Jhd.), für die Frauentracht eine Bronzenadel (10./11. Jhd) und Glasfingerringe des 10./11. Jhd. Gerade dieser Teil der Ausstellung des Museum war auch für uns Ottonen relevant.

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Die Siedlung Rotemulde in der Rekonstruktion von Wolfgang Timpel aus Alt-Thüringen Nr. 29 (1995) S. 129 – 189

Kirche und Friedhof der Siedlung lagen im Westen, ein Mühle am Bach im Norden (beides nicht auf dem Bild) der Siedlung.

Nach der Museumsbesichtigung inkl. dem Einkauf einiger Rebliken stiegen wir, obwohl noch etwas winterlahm, hinauf auf die „Akropolis“ der Steinsburg. Hier entstand auch das Gruppenfoto. Ohne ottonische Kleidung erkennt uns ja ohnehin keiner!

Steinsburg Frühjahrsklausur

Ich denke, allen Vereinsmitgliedern und Freunden hat die Frühjahrsklausur Spass gemacht und eingestimmt auf die Ereignisse und Veranstaltungen in diesem Jahr, sozusagen vom Heerbann bis Hastings, von Bärnau bis zur „Wanderausstellung“.

Ich hoffe, ich sehe Euch oft wieder, Euer Isí