Verdammt lange her!

Gestern, am 18.03.2014, hat der Archäologe Torsten Schunke neue Erkenntnisse zur (Steinzeit-) „Stadt auf der Heide“ unter dem Titel: Großsteingrab und Steinzeitfestung – Die Dölauer Heide bei Halle in neuem Licht im Hörsaal des Landesmuseums für Vorgeschichte vortragen können.

Seit ich in Halle wohne, hat mich die gewaltige Anlage auf der „Bischofswiese“ im Waldgebiet Dölauer Heide fasziniert. Hintereinander gestaffelte Wälle schützten nicht nur wenige Häuser, sondern eine gewaltige (Stadt-)Siedlung. Tore, Wälle, Anlage, alles ist für den, der es weiß, noch deutlich im Gelände zu erkennen.  Eine ca. 25 ha umfassende Fläche war durch ein mehrfach gestaffeltes Grabensystem mit zusätzlicher Innenpalisade umfaßt und geschützt. Das monumentale Grabensystem ist heute noch im Gelände zu sehen. Aber besonders deutlich wurden die auch an den Hängen angelegten tiefen Gräben im modernen Laserscan, hier zu sehen… Durch zwei Tore kam man in die Siedlung, eines davon war durch einen sanft ansteigenden Einschnitt auch für Wagen passierbar. Für die Palisade hinter den Gräben mußten ca. 15 000 Bäume gefällt und bearbeitet werden. Zwar sind nur im Grabenbereich zahlreiche Suchschnitte angelegt worden, der Innenbereich  nur am Rand ergraben worden, aber durch umgefallene Bäume im heute bewaldeten Innenbereich kamen immer wieder Keramikscherben ans Tageslicht. Schunke nimmt an, dass auch ein großflächige Besiedlung des Bereiches Bischofswiese möglich gewesen sein könnte. Wem gehörte diese bewohnte Festung?

Die Baalberger Kultur

Wir befinden uns noch in der Steinzeit, genauer gesagt der Jungsteinzeit. Eine schöne Einführung dazu bieten die Seiten des Hallenser Landesamtes für Archäologie, hier anzuklicken… Das gesamte Elbe-Saalegebiet war entwaldet worden, wurde für den neolithischen Ackerbau benutzt und war dementsprechend dicht besiedelt. Die „Stadt auf der Heide“, wie ich die Momumentalfestung der Jungsteinzeit nenne, wird der Baalberger Kultur zugerechnet, die von ca. 6.000-5.400 Jahre vor heute nach den festgestellten Keramikfunden im oben angesprochenen Gebiet vorherrschte. Die Baalberger Kultur ist ähnlich wie der ihr folgenden Salzmünder Kultur Teil der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur. Etwa vor 5600 – 5500 Jahren errichteten die Menschen der Baalberger Kultur die Momentalanlage in der Dölauer Heide. Wir haben zwar eine Menge Keramikscherben und weitere Funde, hier einige Beispiele … Aber zum Thema Häuser ist archäologisch wenig auszusagen, wie Torsten Schunke weiter ausführte. Deswegen ist seriös nichts darüber zu sagen, wie die Innenbesiedlung der Bischofswiese wirklich ausgesehen haben könnte.

Vom Monumentalwerk zur Totenstadt

Zwar wurde der Lange Berg nahe der Bischofswiese, im Vergleich dazu winzig, noch einmal von der Bernburger Kultur 5.100-4.650 Jahre vor heute besiedelt, aber danach blieb der Berg wüst und wurde später zu dem Wald, wie er heute vor uns liegt. Allerdings reihen sich am Rand der großen Hügel der Heide die z.T. verzierten Steinkammergräber der Bernburger Kultur und der späteren Schnurkeramiker (4.800-4.100 Jahre vor heute) wie Perlen auf. Diese Gräber sind im Musem oder direkt vor Ort an exponierter Stelle zu besichtigen. Das ist alles verdammt lang her …

Euer Isí