Mittelalterlicher Frühjahrsputz (oder?)

Nach langer Zeit der Vernachlässigung des Blogs und der ganzen Ottonenheit und -zeit komme ich heute einmal wieder dazu etwas in diesen Blog zu schreiben. „Schuld“ ist die Twitterin Emily Steiner, die eine mittelalterliche Putzszene aus der Goldenen Haggadah, Spanien  c. 1320 wahrscheinlich Barcelona,., BL MS Additional 27210, präsentiert hat (links zu sehen). Mit ist persönlich keine andere Putzszene gegenwärtig und auch Nachfrage bei Freunden erbrachte keinen weiteren mittelalterlichen Hausputz.

Mittelalterlicher Hausputz gesucht!

Der Hintergrund der Szene liegt in der Schrift selbst. Die Haggadah ist „im religiösen Leben der Juden Erzählung und Handlungsanweisung für den Seder am Erev Pessach, dem Vorabend des Fests der Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei“ (Wikipedia). Zur Vorbereitung des Festes gehört auch die gründliche Reinigung des Hauses, ohne jetzt alle religiösen Details umfangreich wiedererzählen zu wollen (wen es interessiert, hier ist es gut erklärt, auch für Nichtjuden). Und genau das ist, der Pessachputz sozusagen, auf der Buchmalerei abgebildet. Etwas über die Juden aus Barcelona habe ich bereits früher geschrieben, siehe hier…

Vermutlich wird man in anderen mittelalterlichen Haggadot noch weitere Putzszenen finden. Verwandt mit der Goldenen Haggadah ist die Sarajevo-Haggada, die ebenso in der ersten Hälfte des 14. Jhd. in Spanien hergestellt wurde. Aber eine schnelle Suche nach verfügbaren Bildern ergab keine weitere (Pessach)-Putzerei. Vielleicht gibt es noch Überraschungen.

Euer Isidorus

 

In einer alten Synagoge

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„Ich habe noch einen Schlüssel in Barcelona“

So ein bißchen habe ich es immer für eine sephardische Legende gehalten: Es sollen die Familien nach der Vertreibung aus Spanien (1492) die Schlüssel ihrer Häuser behalten und sie über Generationen als Memoria weitergegeben haben. Jetzt habe ich im Museum acb (Call Association of Barcelona) diesen Schlüssel entdeckt (Bild links). Es ist zwar nicht der Schlüssel einer sephardischen Familie, sondern einfach ein alter Schlüssel, den man als Ausstellungsstück genommen hat, aber erzählt wird genau diese Geschichte. Neben Hörensagen habe ich davon im Buch „Sefarad“ von Antonio Muñoz Molina gelesen, das hat mich stark beeindruckt. Dies sind offenbar keine Einzelbeispiele, und nicht nur von Toledo und Barcelona wird über die „Schlüsselgeschichte“ berichtet, sondern es genügt eine oberflächliche Internetrecherche um weitere Beispiele aufzufinden: So blieb auch der Schlüssel der letzten Synagoge von Zamora in León in den Händen der sephardischen Familie Casim, die 1492 über den Hafen Barcelona die spanischen Königreiche in Richtung Syrien verließ. Die ganze Geschichte erzählt der mexikanische Wissenschaftler Carlos Zarur einer Zeitung in Zamora, hier nachzulesen … Wer des Spanischen nicht mächtig ist, dem kann ich noch zusätzlich zum Eingangssatz berichten, dass der Schlüssel zwar ein Familienerbstück der Casims ist, der ganz aus Sepharad (Spanien) stammt, aber von dem nicht ganz sicher ist, ob es sich um einen Hausschlüssel oder eben um den Schlüssel einer vergessenen Synagoge handelt. Der Historiker Jesús Jambrina stellte die Hypothese auf, dass dieses Familienerbstück zur Synagoge von Zamora gehörig sein könnte. Aber das muß nicht so sein.

Kehren wir nach Barcelona zurück. Zum Aufstieg Barcelonas vom Grafensitz bis zur großen Handelsstadt und Hauptstadt von Aragón-Catalunya trug auch die jüdische Bevölkerung der Stadt

Die alte Synagoge im Call nach der Renovierung
Die alte Synagoge im Call nach der Renovierung

maßgeblich mit bei. Während aber in Kastilien die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung erst 1492 mit der Vertreibung ihren großen Höhepunkt erreichte, war in Barcelona bereits mit dem Progrom 1391 Schluss. Obwohl Juden und Christen so lange Zeit friedlich zusammengelebt hatten,  wurde der alte und der neue Call, die Judenviertel von Barcelona, angegriffen und 300 Einwohner kamen zu Tode. Die übrigen mußten zum Christentum übertreten oder falls es Ihnen noch möglich gewesen war, fliehen. Zwar lebten auch noch weiterhin Juden in der Stadt, aber in kaum noch nenneswerter Anzahl oder als Konvertiten. Die alten Synagoge im Call wurde seitdem nicht mehr benutzt. Seit 1996 bemühte sich die Call Association of Barcelona um die Renovierung der alten Synagoge im Viertel und inzwischen wird diese auch wieder als Gotteshaus benutzt. Besonders berührt hat mich die Hochzeit eines canadischen Paares, die erste seit mehr als 600 Jahren, hier nachzulesen … Dazu muß man wissen, dass der Hass von Franco auf Mitglieder der jüdischen Religion fast genauso groß war wie der seines großen Vorbildes Franco. So war es erst nach der Diktatur möglich, dass wieder etwas jüdisches Leben in das Call eingezogen ist. In einer Zeit, in der immer mehr Hass auf andere Religion zu einer Art Modedroge wird, ist dies für mich ein starkes Hoffnungsszeichen. Neben der acb, kümmert sich übrigens auch eine Nebenstelle des Städtischen Museums um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte im Call. Zudem kann man auf einem mit Hinweistafeln ausgestatteten Rundgang durch die jüdischen Viertel spazieren. Am Ende noch ein engl.-sprachiges Video zur Geschichte des Juden in Barcelona.

Euer Isidorus

Jüdisches Leben in der Ottonenzeit

Efraim Joel gewidmet

Mein Beitrag „Juden in der Ottonenzeit“ ist ein unfertiger Versuch, den ich einem alten, leider schon verstorbenen Freund widmen möchte. Waren die Juden in der Ottonenzeit Fremde (fremde Händler?) oder bereits Einwohner? Dieser Frage möchte ich vorsichtig nachgehen.  Wie schwierig Zugehörigkeiten noch heute zu beantworten sind, zeigt das Beispiel meines Freundes: Efraim, mein Freund, fühlte sehr deutsch und liebte die deutsche Sprache, er war am Ende seines Lebens aus Notwendigkeit israelischer Staatsbürger. Der jüdischen Religion aber stand er nie sehr nahe. „Die heiligen Männer“, wie er sie nannte, waren ihm nicht geheuer. Sein Misstrauen gegen Fundamentalismus jeglicher Art hat sich tief in mir eingeprägt.

Kontinuität oder Neubeginn ?

Vor über 1000 Jahren stand das jüdische Leben in Mitteleuropa erst am Beginn. Lediglich am Rhein, in Städten wie Köln gab es länger zurückliegende jüd. Traditionen. Kürzlich erfolgte Ausgrabungen dort belegen eine Kontinuität vom Altertum bis in die Ottonenzeit. Sven Schütte und Kollegen belegen eindrucksvoll die Kontinuität der Kölner Gemeinde von der Spätantike bis zum Progrom 1096 und ab 1105 bis 1424. (siehe: „Von der Ausgrabung…“ in der Literatur).  Mit dem Untergang des römischen Reiches scheinen andere bestehende jüdische Gemeinden jedoch verschwunden zu sein. Viele gründeten sich im Frühmittelalter neu und begannen einen Neuanfang. Diese jüdischen Siedlungsanfänge nutzten die beginnende Stabilität im ottonischen Ostfrankenreich. Dazu kam die Sicherheit durch den kaiserlichen Rechtschutz, unter den die Juden ab den Karolingern und Ottonen standen. Dieser Grundsatz schlug sich noch im Sachsenspiegel Eike von Repkows (1220 – 1235) nieder: Ein Christ, der einen Juden tötet, wird aus diesem Grunde enthauptet.

Sie kamen als Händler

Durch die Ausgrabungen in Köln ist klargeworden, dass einiges vom in der Antike entstandenen jüdischen Leben bis in die Ottonenzeit Bestand hatte. Nachrichten über jüdisches Leben im Frankenreich sind dagegen spärlich (wie über manch anderes auch!), aber vorhanden: Bei der Rückeroberung von Narbonne leisteten jüdische Einwohner 759 den Franken Waffenhilfe und eine Gesandtschaft Karl des Großen nach Bagdad war nur mit jüdischer Hilfe möglich. Bei der Durchsicht der spärlichen Quellen und der Nachrichten scheint es mir so, das Fernhandel zwischen Europa und den Gebieten des Orients (inkl. Spanien), sogar bis nach Indien und China zu einer jüdischen Angelegenheit geworden war. Der arabische Schriftsteller Obbaidallah ibn Khardadtbeh erwähnt um 870 die jüdischen Kaufleute und ihre weitreichenden Handelswege, die vom Frankenreich bis nach Palästina, über den Seeweg über das Rote Meer bis nach Sind, Indien und China reichen. Auch nach Byzanz, nach Bagdad und ins Land der Chasaren führen diese Handelswege. Diese jüdischen Händler sind auch für die Ottonenzeit belegt: Ibn Jakubs „Berichte von Fürstenhöfen des 10. Jahrhunderts“ beweisen seine Anwesenheit u.a. in Prag und in Magdeburg. Es waren auch jüdische Händler, die den „Slawenhandel“ über Prag, Regensburg (Funde von Fußfesseln), Verdun nach Spanien organisierten. Laut dem arabischen Geographen ibn Hauqal übernahmen die jüdischen Händler die nötigen Operationen zur „Herstellung“ der begehrten slawischen Eunuchen, die nach nach Spanien weiterverkauft wurden. Vermutete Gegenleistung für die durch Kriegszüge erbeuteten Slawen waren Waffen für die ottonischen Miles aus den Waffenmanufakturen von Al Andalus (islamisches Spanien). Besonders der Winterfeldzug 928/929 von Heinrich I. scheint diese Vermutung sehr zu unterstreichen. Die spanischen Waffen wurden dringend gegen die Ungarnabwehr gebraucht. Jüdische „Slawenhändler“ waren es auch, die den Abgesandten von Otto I., Jahannes von Gorze, an den Hof des Kalifen von Córdoba geleiteten. Und auch der Gegenbesuch von Recemund von Elvira im Auftrag des Kalifen bediente sich des Netzwerkes jüdischer Händler und ihrer weitgespannten Verbindungen.

Weitere Händler sind in Magdeburg (965) und Halle (973) nachgewiesen. Wieweit in Siegmar von Schultze-Galléras zweibändigem Werk „Das mittelalterlicher Halle“ die Ansiedlung von Juden in der Ottonenzeit im Stadtgebiet von Halle bereits erfolgte, bleibt fraglich. Allerdings kann ich seinem Gedanken folgen, das Juden in eigenen Viertel deswegen siedelten, nicht weil sie sich als Juden separierten oder separiert wurden, sondern weil sie als Händler zusammen einem Gewerbe nachgingen, das zu dieser Zeit fast ausschließlich ihnen überlassen wurde.

Die ersten Gemeinden

Evt. 4000 bis 5000 jüdische Einwohner wird es um 1000 im ostfränkischen Reich gegeben haben. Vorhanden war eine jüdische „Urbevölkerung“ (siehe oben Köln), zusätzlich erfolgte ein Zuzug hauptsächlich aus Italien und Frankreich. Belegt ist z.B. die Übersiedlung der Familie Kalonymos von Lucca (Italien) nach Mainz. Thietmar von Merseburg berichtet darüber, in welcher Nähe sich besagter Kalonymos zu Otto II. im Jahr 982 befand:
„Da fielen, – o der schmerzlichen Erinnerung! – am 13. Juli Richari, der Lanzenträger des Kaisers, ferner Herzog Udo, der Oheim meiner Mutter, und die Grafen Thietmar, Bezelin, Gevehard, Günther [Markgraf zu Meißen], Ezelin und dessen Bruder Bezelin, nebst Burchard und Dedi und Konrad und unzähligen anderen, deren Namen nur Gott weiß. Der Kaiser aber entkam mit seinem Neffen Otto fliehend ans Meer, und wie er in der Ferne ein Schiff, eine sogenannte Salandria, erblickte, schwamm er auf dem Rosse des Juden Calonymos darauf zu; das Schiff aber fuhr vorüber, ohne ihn aufnehmen zu wollen.
Als er dann wieder nach den Schutzwerken am Ufer zurückkehrte, fand er den Juden noch daselbst stehen, indem er voll Angst abwartete, wie es seinem geliebten Herrn ergehen möchte. Als nun der Kaiser die Feinde herankommen sah, fragte er den Juden traurig, was nun wohl aus ihm werden sollte? Dann warf er sich, als er auf einer anderen Salandria, die der ersten nachfolgte, einen ihm wohlgesinnten Mann bemerkte, von dem er Hülfe erwarten konnte, aufs neue mit dem Rosse ins Meer, erreichte das Schiff und ward, indem ihn nur jener eine, der sein Dienstmann war, Namens Heinrich, auf Slavisch Zolunta genannt, erkannte, von demselben ins Fahrzeug gelassen und auf das Bett des Schiffsherrn gebracht. “
Geschildert wurden die Geschehnisse um die verloren gegangene Schlacht am Cap Colonna gegen die Sarazenen, die im Prinzip ein Patt war, da die Araber ihren Anführer verloren und so starke Verluste hatten, dass sie sich nach Sizilien zurückziehen mussten. Auch die ottonische Reichsgewalt war stark angeschlagen, aber immerhin lebte Otto II. noch. Allerdings überlebte er nur  dank der Hilfe eines Juden, eines Slawen und der Besatzung eines byzantinischen Schiffes.
Die ältesten Gemeinden sind  Köln und Mainz, die durch Zuzug im 10. Jahrhundert neu erblühten, Magdeburg ist lt. Backhaus 961 unzweifelhaft belegt.  Bei Regensburg als Drehscheibe für den „Slawenhandel“ ist es nicht verwunderlich, dass dort um 981 bereits eine jüdische Gemeinde erwähnt wird. Halles Gemeinde ist für die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts archäologisch durch einen Friedhof nachgewiesen. Weitere Gemeinden in Trier (1066), Worms (1084) und Speyer (1090) folgten. Zunächst bevorzugten die Gemeinden für den Handel die frühen urbanen Zentren bevorzugt im Rheinland. Sie bekamen von König oder ortsansässigen Bischof Rechte und Privilegien und werteten die Stadt mit ihren (zunächst überwiegend) Handelshäusern auf. Ob sie Schrittmacher einer frühen Urbanisierung waren, das halte ich allerdings für zu hoch gegriffen. Dafür war ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im 10. u. 11. Jahrhundert zu gering. Von dort breiteten sich die Gemeinden später aber auch in ländliche Regionen aus: Jüdische Bauern produzierten im ländlichen Wein den eigenen (koscheren) Wein für die nachfragenden Gemeinden und sind neben den Mönchsorden wohl für die Verbreitung des Weinbaus in Deutschland verantwortlich.

Stätten jüdischer Gelehrsamkeit

Während sich in den dt. Stämmen im 10. Jahrhundert so etwas wie ein Gefühl der Gemeinsamkeit entwickelt (womöglich zuerst im kriegsführenden Adel), das zu gemeinsamer Sprache und Kultur der Deutschen führte., waren es die in den Rheinlandgemeinden Worms, Speyer und Mainz beheimateten Talmud-Schulen (Jeschiwen), die eine neue Ausrichtung des Judentums begründeten: Die dort im 10. u. 11. Jahrhundert entstandenen Schulen prägten den Begriff „Aschkenasim“ (=der Deutschen). „Aschkenasim“ bezog sich seitdem auf alle Juden Europas ausgenommen die Sepharden (Sepharad=Spanien) Spaniens, Portugals und ihrer späteren Diasporas in Europa und im Orient (u.a. im osmanischen Reich).
Durch regen Austausch von Lehrern und Lehrmeinungen verbreitete sich die die aschkenasische Interpretation des Talmuds in weiten Teilen Europas, wurde bedeutend, wenn nicht gar beherrschend. Die aschkenasischen Lehrer bewerteten den überlieferten sogenannten babylonischen Talmud (500 n. Chr. entstanden) neu und wandten sich  demokratischeren Wurzeln in der Gesetzeslehre zu.
Bedeutende Vertreter der Aschkenasim in der Ottonenzeit und kurz danach waren Rabbi Gerschom ben Juda (ca. 960 – 1028), der in Mainz lehrte und wirkte, und der aus der Wormser und Mainzer Schule hervorgegangene Rabbi Salomon ben Isaak genannt Raschi, der später in Troyes lehrte:

  1. Rabbi Gerschom mit dem Beinamen „Licht des Glaubens“ versuchte das jüdische Recht mit dem damals u.a. geltenden Recht „Lex Salica“ in Einklang zu bringen. Er verbot die noch im Judentum erlaubte Polygamie, auch die Scheidung gegen den Willen der Frau und sorgte bei den internen Rechtsfällen innerhalb der Gemeinden für eine autonome Rechtssprechung bis hin zu Körperstrafen und Einzug des Eigentums. Gleichzeitig mit dem Recht erfolgte eine Festigung der Sitten und Gebräuche innerhalb der jüdischen Gemeinden. Das Judentum erfand sich im aschkenasischen Lehrgebiet also neu und im Austausch mit der Umgebung („Wie es so christelt, so jüdelt es sich“ und umgekehrt). Das in der Rechtsprechung enthaltene Bannrecht gegen Gemeindemitglieder konnte von der Führungsschicht natürlich auch gegen Zuzügler oder unliebsame Personen ausgesprochen werden.
  2. Aus den rheinischen Jeschiwen stammte auch Raschi von Troyes, der als größter Talmudkommentator des Mittelalters gilt und dessen Auslegungen bis heute im Studium und in der religiösen Erziehung Gültigkeit haben. In der von mir gerne gehörten Radiosendung „Zum Sabbat“ bin ich auch wiederholt auf Raschi gestossen worden.

Wichtig für die aschkenasische Richtung des Judentums war die bereits erwähnte Kalonymos-Sippe, deren weite Verzweigungen, weitgespannte Handelsverbindungen und deren Einfluß für eine weite Verbreitung sorgt. Als späte Nachfahrin der Familie gilt die deutsche Lyrikerin Else Lasker-Schüler.

(Mind.) 1000 Jahre Gemeinsamkeit

Am Beispiel der Kalonymiden wird klar, wie Nationalismus und Antisemitismus ein ungeheures Verbrechen ab 1933 an unseren Landsleuten, den Aschkenasim, verübt haben. Die im 7. – 13. herrschende Wärmeperiode ließ Händler zuerst im Rheinland, später auch an den Handelsrouten sesshaft werden. Ihre Umgangssprache wechselte vom Arabisch zum Rheinfränkischen, später zum Mittelhochdeutschen, aus dem sich das Jiddische entwickelte. Dieses hatte wiederum großen Einfluss auf das Hochdeutsche und seine Dialekte. Hebräisch verblieb dagegen als Schrift, Kult- und Wissenschaftssprache. Eine ähnliche Zweiteilung können wir auch zwischen Volkssprache und Latein feststellen. Von einigen unserer Sagen sind die ältesten erhaltenen Exemplare in hebräischen Buchstaben überliefert. Dies nur als Beispiel vieler Gemeinsamkeiten, die in der Ottonenzeit begannen. Die Könige und Kaiser, die den ersten jüdischen Gemeinden Rechte und Schutz gewährten, handelten weise und sahen den Vorteil und die Bereicherung durch neue Einwanderer. Die Geschichte der Aschkenasim begann unter den Ottonen, sie darf nicht beendet sein. Nach über 1000 Jahren gemeinsamer Geschichte, wenn auch mit sehr viel Leid vermischt, darf ich sagen: Wir sind ein deutsches Volk aus Juden, Christen, Moslems und vielen anderen mehr.

Falsche Orientalistenromantik

Bei meinen Recherchen bemerkte ich folgenden Sachverhalt, der mich störte und gerade deswegen korr. werden muss: Gerne werden die Verfolgungen der Kreuzzugszeit zum Anlass genommen, das Emirat/Kalifat Córdoba bezüglich der Lebensverhältnisse und einer  Gleichberechtigung der Juden dort zu verklären. Zunächst war das Kalifat in Spanien längst Geschichte, als die Kreuzzüge begannen! Und es wird vergessen, dass bereits 1066 ersten Pogrome an Juden in Granada stattfanden, lange vor den Kreuzzügen, und die Vertreibungen und Progrome der aus Afrika gekommenen Almoraviden-Sekte zeitgleich mit denen des Kreuzzugsmob stattfanden. Die jüdischen Flüchtlinge wurden übrigens von den christlichen Königen auf der Halbinsel mit offenen Armen empfangen. Nein, Juden und Christen wurden (und werden) im Islam als „Religionen des Buches“ geachtet, das hinderte Fanatiker jedoch nicht, Verfolgungen und Vertreibungen zu unternehmen. Islamischer Verfolgung jüdischen (und christlichen) Lebens fehlte lediglich die im Christentum durch Teilen der Institution Kirche installierte Verfolgungsideologie. Diese stand oft im krassen Widerspruch zum Rechtschutz christlicher Herrscher (auch geistlicher). Das Geduldetsein war in beiden Kulturkreisen gefährlich, wie die Geschichte zeigt. Da gibt es nichts zu romantisieren oder zu verklären. Leider.

In einen zweiten Teil möchte ich mich dem jüdischen Leben im Mittelalter in Halle widmen. Bis dahin, Euer Isí

Empfohlene Literatur:

Backhaus, Fritz: Die Juden von Halle im Mittelalter in: Geschichte der Stadt Halle / Mitwirkung (sonst.): Minner, Katrin. Herausgegeben von Freitag, Werner / Ranft, Andreas. – 1. Auflage – Halle : Mitteldeutscher Verlag, 2006. – 2 BD. Gebunden in Schube.

Die Chronik des Thietmar von Merseburg / nach der Übers. von J. C. M. Laurent, J. Strebitzki und W. Wattenbach. Neu übertr. und bearb. von Robert Holtzmann. Mit Ill. von Klaus F. Messerschmidt
[Halle] : mdv, Mitteldt. Verl., 2007

Gidal, Nachum T.: Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik : Mit einem Geleitwort von Marion Gräfin Dönhoff / Nachum T. Gidal. – Köln : Könemann Verlagsgesellschaft mbH, 1997. – 440 S.

Hilton, Michael: Wie es sich christelt so jüdelt es sich : 2000 Jahre christlicher Einfluss auf das jüdische Leben / Michael Hilton. – Berlin : Jüdische Verlagsanstalt, 2000. – 319 S.

Jüdisches Leben in christlicher Umwelt : Ein historischer Längsschnitt / Herausgegeben und bearbeitet von Wolfgang Borchardt und Reinhard Möldner. – 1. Aufl. – Düsseldorf : Cornelsen, 1991. – 192 S. – (Themen und Probleme der Geschichte)

Jüdisches Leben in Deutschland
Bonn : Bundeszentrale für Polit. Bildung, 2010; 307

Von der Ausgrabung zum Museum – Kölner Archäologie zwischen Rathaus und Praetorium : Ergebnisse und Materialien 2006 – 2012 / Sven Schütte [(Hrsg.) im Auftr. der Stadt Köln] ; Marianne Gechter. Mit Beitr. von Astrid Bader … 2., erw. und verb. Aufl. [Bramsche] : Rasch, 2012. – 331 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.