Das neue Jahr (2016)

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Sylvester 2015 – 2016, Turmhügelburg Lütjenburg. Foto: Torsten Mann

Allen einen guten Start ins neue Jahr und viele schöne historische Ereignisse sollen erlebbar sein.

z.B. im jährt sich die Schlacht von Hastings zum 950., da werden auch Mitglieder des Lebendige Geschichte e.V. mitmachen. Natürlich nicht als Ottonen, sondern als Normannen. Hier dazu mehr…

Bei mir  beginnt 2016 etwas lustlos. Es wartet Vereinsbürokratie auf mich und die Vereinstermine müssen auch aktualisiert werden. Wie und Wo organisieren wir dieses Jahr eine neue Schleuderermeisterschaft? Kurz und gut. Ich bin noch gar nicht richtig im neuen Jahr angekommen. Immerhin stehen heuer alle Teilnehmer für die (interne) Winterklausur im Febr. fest. Diese findet im Kloster Drübeck statt. Alle freuen sich schon sehr auf diese Zeit.

Aber auf eine Veranstaltung möchte ich am Ende noch hinweisen: Am Dienstag, 26. Januar 2016, spricht Dr. Marianne Mödlinger (Universität Genua/I) zum Thema: „Kampf und Bewaffnung in der Bronzezeit“.  Vortragsbeginn ist 19.30 Uhr. Die Veranstaltung (Dauer ca. 60 Min.) findet im Hörsaal des Landesmuseums für Vorgeschichte (Seiteneingang), Richard-Wagner-Str. 9, o6114 Halle (Saale) statt. Der Eintritt ist frei.

Euer Isidorus

Energiesparwände für Rekonstruktionen ?

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Rekonstruktion einer bronzezeitlichen „Energiesparwand“, Quelle: Hessische Energiespar-Aktion

Es war bereits kurz in „Archäologie in Deutschland“ nachzulesen: Vor 3400 Jahren in der mittleren Bronzezeit besaßen die Menschen die Fertigkeit, Wände zu bauen, die Wärme besser hielten als Fachwerk- oder Vollziegelwände späterer Jahrhunderte. Ich weiß, es ist schwer zu glauben und vermutlich eine bautechnische Sensation. Die Rekonstruktion einer bronzezeitlichen Hauswand (siehe Abb. ) erreicht Wärmedämm-Qualitäten, technisch als U-Wert bezeichnet, wie sie „durch die Wärmeschutzverordnung in Deutschland erst ab 1977 (um 0,8-0,9 W/(m²K)) oder mit der Wärmeschutzverordnung von 1995 (0,51 W/(m²K) wieder erreicht wurden.“ (Hessische Energiespar-Aktion). Der U-Wert der Rekonstruktion hat im ungünstigsten Fall einen U-Wert von 0,77 W/(m²K) im günstigsten Fall einen U-Wert von 0,37-0,5 W/(m²K). Im Vergleich dazu hat eine Fachwerkwand von 1300 bis 1800 einen U-Wert von 1,6 – 3,2 W/(m²K) und eine Ziegelwand ab 1870 einen U-Wert von 1,5 W/(m²K). Ich finde, das überzeugt.

Kurz der archäologische Hintergrund

Bereits 2003 wurden auf einer Grabung bei Langenselbold in Hessen mittelbronzezeitliche Siedlungsreste gefunden. Dabei waren verziegelte Hüttenlehmstücke, die  Abdrücke von Staken und Ruten, aber z. T. auch deutliche Grasabdrücke aufwiesen. Der Lehm war allerdings nicht mit Lehm gemagert. Im Experiment und mit Nachbauten bestätigte sich, dass die Lehmstücke zu einer zweischaligen Wand mit Grasfüllung gehört haben müssen. Eine einfache lehmbestriche und geputzte Flechtwand kennen wir alle oder haben an so einer Wand sogar schon einmal selbst gearbeitet (z.B. im Geschichtspark Bärnau). Die Vorteile eine doppelte Flechtwand mit trockenen Gras als Dämmstoff leuchten ein:

  • sie ist leichter zu verputzen, der Dämmstoff hält den Lehm an der Flechtwand fest
  • sie ist stabiler und tragfähiger, wobei der genaue Konstruktion des betreffenden bronzezeitlichen Hauses noch nicht geklärt ist
  • der wesentliche Vorteil aber ist die oben aufgeführte Wärmedämmung. Wir alle haben bereits in Hausrekonstruktionen übernachtet und kennen die Probleme. Ab sinkender Außentemperatur, besonders nach Löschen oder Herunterbrennen des Feuers, erfolgte ein rascher Temperaturabfall.

Was bedeutet das für evt. Hausrekonstruktionen ?

„Bisher geht man bei der Rekonstruktion vieler vorgeschichtlicher Häuser von einem einfachen Flechtwerk aus, das man beiderseits mit Lehm bewirft, dann glättet man die Außenflächen.“  (Irene Staeves) Die doppelte Flechtwand ist nun ein völlig neuer Typ. Damit ist die Diskussion eröffnet. Was bedeutet dies für evt. Hausrekonstruktionen, wie sie z.B. auf der Lütjenburg ausgeführt sind und in Bärnau entstehen? Können wir einfach, wenn wir wissen, hier hat eine Flechtwerkwand gestanden, daraus eine wärmedämmende Wand nach dem Beispiel der Bronzezeit machen? Zumal, wenn wir nur noch Pfostenfunde im Boden haben und keine Lehmwandreste. Das Wohnen in einer wärmegedämmten Hausrekonstruktion ist auf jeden Fall angenehmer. Es wäre auf jeden Fall eine Lösung, die besser vertretbar wäre, als so manche anderen faulen Kompromisse, die bei Rekonstruktionen gemacht werden (wobei ich hier nicht auf die oben erwähnten Museen anspiele). Ich bin gespannt, ob der Faden noch weitergesponnen wird.

Weitere Informationen hier:

„Ein Energiesparhaus vor 3500 Jahren“ von Irene Staeves

Energiesparwand aus der Bronzezeit – eine U-Wert-Bestimmung

Ich danke Herrn Eike-Henning von der Hessischen Energiespar-Aktion ganz herzlich für die Überlassung der Informationen.

Euer Isí