Alchemie in Halle

Dr. Wunderlich, unser Ehrenmitglied im Lebendige Geschichte e.V. Für ihn lassen wir es schon mal krachen
Dr. Wunderlich, unser Ehrenmitglied im Lebendige Geschichte e.V., und bekannter Alchemist. Für ihn lassen wir es schon mal krachen

Wieder gab es eine Ausstellungseröffnung in Halle. Das Thema heißt „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“ Natürlich war ich bei der Ausstellungseröffnung dabei. Aber dieses Mal soll es keinen eigenen redaktionellen Beitrag von mir geben, sondern ich werde mit Erlaubnis des HalleSpektrums zwei Beiträge von den Kolleg/innen übernehmen:

Alchemie – Neue Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte

Ein sensationeller Fund aus dem ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg ist für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle Anlass zu einer Sonderausstellung mit dem Titel „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“. Im Mittelpunkt stehen die Überreste eines alchemischen Laboratoriums des 16. Jahrhunderts. Rund um den Fund geht die Schau nicht nur dem Thema Alchemie, sondern auch den Anfängen der modernen Naturwissenschaften bis zur heutigen Zeit nach. Hier bitte weiterlesen …

Das Puzzle aus 10.000 Scherben

Die Inszenierung der Funde im Atrium
Die Inszenierung der Funde im Atrium

Da die neue Sonderausstellung „Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis“ im Landesmuseum für Vorgeschichte ab morgen für Besucher geöffnet hat, blickt Halle-Spektrum hinter die Kulissen. Di
eses Mal beleuchten wir die Restaurierung der Wittenberger Alchemistenfunde. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen etwa 50 alte Arbeitsgeräte der Alchemie-Werkstatt in Wittenberg aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Hier bitte weiterlesen….

Noch ein kleiner eigener Eindruck von mir am Schluss: Wie gestern der Landesarchäologe Meller sagte, ist es eine kleinere Sonderausstellung. Das kann ich bestätigen, aber es ist auch eine sehr feine Ausstellung. So etwas, eine ganze Alchemistenwerkstatt, ist noch nie gefunden, geschweige denn gezeigt worden. Ich erwarte Euch in Halle!

Euer Isidorus

Der Krieg gehört ins Museum

Ein volles Haus, so wird Archäologie zum Ereignis. Foto: T. Kreutzfeldt
Ein volles Haus, so wird Archäologie zum Ereignis. Foto: To. Kreutzfeldt

so erläuterte Landesarchäologe Harald Meller programmatisch bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Krieg“ im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Selten war die Archäologie so politisch wie heute. Die Spurensuche der Hallenser geriet sich zu einem Mahnmal gegen Krieg und Vertreibung allgemein. Obwohl man das Ausstellungskonzept bereits seit Jahren im Kopf gehabt hatte, waren Meller und Mitarbeiter doch überrascht, wie aktuell Funde und Artefakte angesichts der „Flüchtlingskrise“ sind. Kultusminister Dorgerloh befand in seinem Grußwort: „Wenn wir für jeden Panzer und jedes Sturmgewehr, dass Deutschland in die Welt liefert, einen Flüchtling aufnehmen müßten, ist das Ende der Flüchtlingsaufnahme noch lange nicht erreicht.“

Eine Blockbergung wie ein mahnender Monolith

Über die politische Dimension hinaus, die während der Konzeption der Ausstellung über die Macher hereingebrochen ist, gelang dem Team eine beeindruckende archäologische Sicht auf den Krieg als Kulturphänomen, das die Menschheit nur eine kurze Zeit ihrer Geschichte erlernt hatte und beherrschte. Eine Kulturtechnik, die wir als Menschen  „auch wieder verlernen sollten“. (Meller)

Mahnmal oder Inszenierung einer gewaltigen Blockbergung? Foto: To. Kreutzfeldt
Mahnmal oder Inszenierung einer gewaltigen Blockbergung? Foto: To. Kreutzfeldt

Ein wenig erinnert mich das Ganze an den alten Science-Fiction-Film „2001 – Odysee im Weltall“, in dem ein schwarzer Monolith eine Hauptrolle spiel und Menschenaffen den Krieg erlernen. (tatsächlich, Max-Planck Leipzig demonstriert dies in einem Nachbarraum mit dem Beispiel der Schimpansen!). Dieser Monolith scheint sich direkt ins Foyer des Museums materialisiert zu haben, dem Hauptraum der Sonderausstellung, in dem die Schlacht von Lützen (Dreißigjähriger Krieg) thematisiert wird. Die gewaltige Blockbergung eines Massengrabes vom Schlachtfeld, in dem Soldaten ausgeplündert bis aufs Hemd in die Grabgrube geworfen wurden, steht damit mehr als Mahnmal denn als Ausstellungsstück zu Beginn der Ausstellung und überlagert alles.  Hunderte von Geschosskugeln liegen in einer Vitrine davor.  Das typische Schwarz der Hallenser dominiert die Ausstellungswände, an den Seiten Fotos vom heutigen Schlachtfeld, ein nächtlicher Blick. Ist es wieder mehr Kunst als Archäologie? Das volle Haus zur Eröffnung, Menschen, die auf allen Galerien standen, erscheint tatsächlich als Pop-Event der Archäologie mit dem Landesarchäologen als Hohepriester. Seine Zuhörer klatschen gemessen, das Thema ist ernst.

Funde vom Schlachtfeld bei Lützen (1632) auf einer zeitgenössischen Darstellung der Schlacht. © LDA, Foto: Juraj Lipták
Funde vom Schlachtfeld bei Lützen (1632) auf einer zeitgenössischen Darstellung der Schlacht. © LDA, Foto: Juraj Lipták

Living History ist im Landesmuseum angekommen

Zu jeder guten Inszenierung  gehören auch Statisten: In diesem Fall waren es etwas mehr als ein Dutzend Reenacter von unterschiedlichen Gruppen, die Darstellungen im Zeitfenster Dreißigjähriger Krieg machen. Pikenmänner im Lagerfeuerschein begrüßten die geladenen Gäste im Schein von Lagerfeuern. (Cool, dafür wurden extra designierte Feuerkisten angeschafft, ein bißchen mit dem Flair einer brennenden Mülltonne!), Marketenderinnen gaben nach den Begrüßungs- und Einleitungsworten den Besuchern Brot, Entenbeine etc., Wasser und Wein zur Stärkung aus. Alles, lt. dem Landesachäologen, „in den umliegenden Geschäften geplündert worden“. Die Darsteller waren von einer guten Qualität, soweit ich das beurteilen kann. Über moderne Brillen kann man sich immer streiten. Ins Programm sind sie außer Fanfarenstöße zur Eröffnung nicht einbezogen gewesen, aber die Gruppen erhalten schließlich noch ein eigenes Wochenende zur Entfaltung, hier zu lesen … Archäologie wird so lebendiger, schön, dass es in Halle auch angekommen ist. In UK gehört es wie selbstverständlich dazu, wie wir z.B. im Museum von Culloden erfahren konnten (eigener Bericht, folgt bald).

Tollensetal, eine Schlacht in der Bronzezeit

Schädel mit Hiebverletzung, Fund vom ältesten bekannten Schlachtfeld Europas im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern). Bronzezeit, um 1200 v. Chr. © LDA, Foto: Juraj Lipták
Schädel mit Hiebverletzung, Fund vom ältesten bekannten Schlachtfeld Europas im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern). Bronzezeit, um 1200 v. Chr. © LDA, Foto: Juraj Lipták

 Natürlich kann die Sonderausstellung, die ohnehin den Schwerpunkt „Lützen“ hat, nicht den Krieg in allen seinen Entwicklungsstufen und Abschweifungen bis heute darstellen. Genausowenig kann ich der Ausstellung mit all ihren detaillierten Informationen in diesem kleinen Artikel gerecht werden. Aber besonders gefreut habe ich mich auf die Funde vom ältesten bekannten Schlachtfeld Europas im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern). Bronzezeit, um 1200 v. Chr., wieder einmal vom Künstler Karol Schauer dramatisch illustriert (wie die ganze Ausstellung). Die Funde werden hier in Halle das erste Mal einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Anders als bei der annährend zeitgleichen Schlacht von Kadesch besitzen wir darüber keinerlei historische Aufzeichnungen. Gesichert ist nur eine eine große Gruppe junger bronzezeitlicher Kämpfer, zu kleinen Teil beritten, an den Fluss kam und versuchte diesen zu überqueren. Dabei wurden sie von einer anderen Gruppe Kämpfer mit Pfeilbeschuss bekämpft und am Fluss gestellt. Dabei gerieten mehrere Tausend Männer aneinander. Gekämpft wurde mit Bogen, Holzkeulen, weniger mit Schwertern und im Nahkampf auch mit Messern. Über Steinschleuderbeschuss ist nichts bekannt. Wer diese Schlacht gewonnen hat und worum es ging, entzieht sich auch der Kenntnis der Ausstellungsmacher. Fast hätte ich nicht gemerkt, dass das Hallenser Schwarz plötzlich in den Seitenräumen der Ausstellung zu einem dunklen Blau geworden war.

„Krieg ist eine Sache der jungen Männer, das lerne ich hier“, sagte die beste Ehefrau von allen. Und auch der Landesarchäologiehohepriester schlug in diese Kerbe, in dem er Frauen als Beute und Gewinn im Kriege in seiner Einführung bezeichnete. Frauen schuldlos an den Kriegen? So einfach kann es sicher nicht gesehen werden. Denn zur Gruppengehörigkeit und Ausgrenzung anderer, die Kriege mitverursacht, gehören auch die „Weibchen“ und tragen ihren Teil mit zu bei, wie jeder, der an solchen Prozessen beteiligt ist, rasch merken wird, wenn sie auch in der Geschichte, von kleinen Ausnahmen abgesehen, eher weniger an an Kampfhandlungen beteiligt waren.

„Fischschwanzdolch“ aus Feuerstein aus Bebertal (Sachsen-Anhalt). Das Objekt datiert in die Frühe Bronzezeit um 2300-1800 v. Chr.). © LDA, Foto: Juraj Lipták
„Fischschwanzdolch“ aus Feuerstein aus Bebertal (Sachsen-Anhalt). Das Objekt datiert in die Frühe Bronzezeit um 2300-1800 v. Chr.). © LDA, Foto: Juraj Lipták

Und selbst in den Krieg ziehen?

Ich lade jedenfalls ganz herzlich ein, sich selbst ein Bild zu machen. Zusammen mit der inzwischen größer gewordenen Dauerausstellung (wir sind inzwischen mit dem „Swebenzimmer“ bei den ´ömern angelangt) lohnt sich für diese Sonderausstellung auf jeden Fall eine längere Fahrt, viele sensationelle Leihgaben kann ich hier nicht einzeln erwähnen (z.B. siehe Abb. links)

Geöffnet hat der Krieg von Di-Fr von 9-17 Uhr, Sa, So und Feiertage: 10-18 Uhr, Montag nach Vereinbarung, 24. und 31.12.2015 geschlossen. Die Eintrittskarten (berechtigt zum Eintritt von Sonder- und Dauerausstellung) kosten für Erwachsene 8,- €, ermäßigt 6,- €. Kinder  6-14 Jahre brauchen nur 3,- € bezahlen. Gruppen (ab 10 Pers.) bezahlen 6,- € pro Person. Schulklassen können für 1,- € pro Person herein. Eine Familienkarte (Mutter, Vater und die lieben Kleinen) bezahlen zusammen 16,- €. Weitere Informationen über die Kriegsführung gibt es hier … Und hinweisen möchte ich besonders auf das umfangreiche Veranstaltungs- und Vortragsprogramm hinweisen. Die Sonderausstellung ist vom 06. Nov. 2015 bis zum 22. Mai 2016 geöffnet.

Euer Isidorus

Ein Landesmuseum im Krieg (ab 6. Nov.)

KRIEG-plakat
© LDA

Ab Freitag, 6. Nov. 2015,  beginnt im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle eine neue Sonderausstellung, die sich der unangenehmen Eigenschaft von Menschen, blutige Kriege zu führen, archäologisch annähern soll. Da ich einige Exponate entweder aus eigener Anschauung oder aus der Literatur kenne, bin ich bereits sehr gespannt. Vielleicht finde ich nach einem eigenen Augenschein bereits am Freitag die Zeit, einiges dazu zu blogen. Bis dahin wird auf den interessanten blog der Ausstellungsmacher verwiesen. Der beinhaltet einen Blick hinter die Kulissen mit vielen interessanten Beiträgen und schönen Bildern. Selbst die Museumspädagogik stattet sich aus: Karton mit voller Ausrüstung kommt, es wird angezogen. So einfach geht also Living history ?

Eine Sonderausstellung beginnt, eine andere endet: Bis zum 9. November ist noch Zeit nach Merseburg zu fahren, um sich die Ausstellung „1ooo Jahre Kaiserdom Merseburg“ anzuschauen.

Euer Isidorus

 

 

Führungen in Merseburg

Im August hatte dieser Blog Pause. Wir waren auf der Turmhügelburg Lütjenburg (wie jedes Jahr) und auf Familienurlaub (und Schlachtfeldtourismus) in Schottland. Zu beiden Dingen wird es hier noch kurze Berichte geben.

Die Spätsommer/Herbstblogerei möchte ich mit Veranstaltungstipps zur Sonderausstellung im Merseburger Dom beginnen, die unter dem Titel „1000 Jahre Merseburger Kaiserdom“
bereits seit 10.08. läuft und am 9. 11. 2015 endet. Zur Sonderausstellung bieten die Vereinigten Domstifter ein vielseitiges Begleitprogramm an. Zum Programm gehören verschiedene Sonderführungen, interessierte Gäste sind herzlich dazu eingeladen.

Die nächste findet am Freitag, 04.09.2015, 17.00 Uhr, im Merseburger
Dom mit dem Titel „Der Merseburger Domschatz“ statt. Im Mittelpunkt
steht die wechselvolle Geschichte des Merseburger Domschatzes. Sie
erhalten Informationen zu den sakralen Ausstattungsstücken sowie zu
ausgewählten Archivalien und Handschriften aus dem Bestand des
Domstiftsarchivs, die teilweise bis auf die Ottonen zurückgehen. Erleben Sie
die Mystik der Merseburger Zaubersprüche und entdecken Sie das Geheimnis
der mumifizierten Hand. Bestaunen Sie den Wappensaal des Kapitelhauses,
den Bischof Thilo von Trotha im 16. Jahrhundert repräsentativ ausgestalten
ließ, und lassen Sie sich vom Ambiente des barocken Kapitelhausgartens
verzaubern.
weitere Termine:
25.09.2015 – „Rudolf von Rheinfelden und das Geheimnis um die
mumifizierte Hand“
02.10.2015 – „Das Geheimnis der Romanik“
09.10.2015 – „Die Merseburger Zaubersprüche“
16.10.2015 – „Der Merseburger Domschatz“
23.10.2015 – „Auf den Spuren Thietmars von Merseburg“
30.10.2015 – „Rudolf von Rheinfelden und das Geheimnis um die
mumifizierte Hand“
06.11.2015 – „Das Geheimnis der Romanik“
Die Führungen beginnen jeweils 17.00 Uhr. Karten sind an der Domkasse für
8,50 € pro Person erhältlich. Eine Voranmeldung beim Besucherservice des
Merseburger Doms wird empfohlen.

KONTAKT
Besucherservice Merseburger Dom
Domplatz 7 | 06217 Merseburg
Tel. (03461) 21 00 45 | E-Mail: fuehrung@merseburger-dom.de

Euer Isí

Ottonenland Sachsen-Anhalt

ottonenlandAb 29. Juli (Ausstellungseröffnung 16 Uhr) wird für einen Monat wird im Landesverwaltungsamt Halle, in der Maxim-Gorki-Straße 7 die Ausstellung „Ottonenland Sachsen-Anhalt – Von der Peripherie zur Zentralregion in Europa“ eröffnet. Konzipiert und entwickelt wurde die Wanderausstellung vom Zentrum für Mittelalterausstellungen in Magdeburg. Sinn und Absicht des Zentrums für Mittelalterausstellungen ist es nach eigenem Bekunden, die Mittelalterliche Geschichte und Kulturgeschichte Mitteldeutschlands einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das ZMA ist in der Kulturstiftung Kaiser Otto Magdeburg verankert. Hinsichtlich seiner Aufgaben und Ziele versteht es sich als unterstützende und ergänzende Institution an der Seite des Kulturhistorischen Museums Magdeburg. Das wird auch in der stark kunsthistorisch ausgerichten Ausstellung deutlich:

Tafelausstellung über 12 Stationen

Die Ausstellung widmet sich zwölf Kunst- und Kulturdenkmälern der ottonischen Ära im Bundesland Sachsen-Anhalt. Am Beispiel ausgewählter Sehenswürdigkeiten behandelt sie politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte der ottonischen Geschichte. Einzigartige Denkmäler gehören zu den vorgestellten Orten: Die Kirche St. Cyriakus, die eine der am besten erhaltenen ottonischen Kirchen überhaupt ist. Quedlinburg, Ort festlicher ottonischer Hoftage sowie die Pfalzanlage Tilleda oder Memleben, der Sterbeort Heinrichs I. und Ottos des Großen. Das Zentrum der Schau, wie auch des ottonischen Herrschaftsbereiches, bildet Magdeburg. Hier lag die Lieblingspfalz Ottos des Großen, der Mittelpunkt des von ihm gegründeten Erzbistums und Ort der Grablege des Kaisers. Erst vor wenigen Jahren bestätigten sensationelle archäologische Funde, dass in Magdeburg auch Ottos I. erste Gemahlin Editha bestattet worden war. Während der Regierungszeit Ottos des Großen (936-973) erlebte das ottonische Herrschaftszentrum zwischen Harz und Elbe eine Blütezeit, die von kulturellem und wirtschaftlichem Aufschwung sowie dem Ausbau der Kirchenstruktur geprägt war. Mit Hinblick auf die politischen Verbindungen des Adelshauses kann man mit Recht behaupten, dass die Ottonen innerhalb kurzer Zeit in die europäische Machtelite aufgestiegen waren. Heiratsbeziehungen nach England, Ausdehnung des politischen Einflussgebietes nach Italien und Expansionskriege gegenüber den Dänen und Slawen prägten ihre Herrschaft. Der enorme Machtzuwachs der Ottonen wurde auch in ihrem heimatlichen Kerngebiet spürbar, das sich binnen kurzer Zeit von einer ländlichen Peripherie zur Zentralregion im Herzen Europas wandelte.
Nach erfolgreichen Präsentationen in Magdeburg und Berlin wird die Schau nun in Halle und anschließend in Braunschweig zu sehen sein. Weitere Stationen im In- und Ausland werden folgen. Weiteres zur Ausstellung im Katalog…

Es ist sicher keine Ausstellung, zu der man sich ins Auto setzt, um durch das ganze Bundesgebiet zu fahren. Aber die Bewohner von Halle, Leipzig und dem ganzen Süden Sachsen-Anhalts dürften herzlich eingeladen sein, sich über die Ottonen zu informieren. Ein Thema, das im Schulunterricht nur am Beginn der Sekundarstufe I. vorkommt, auch im Ottonenland Sachsen-Anhalt. Eine Ausstellungskritik folgt etwas später, leider nicht gleich nach der Eröffnung, sondern erst Mitte August.

Euer Isí

Noch bis 9. Dez.

Noch bis zum 9. Dez. 2012 ist Gelegenheit die Ausstellung in Magdeburg zu besuchen. Aber wie ich schon sagte, ist es keine Ottonenausstellung, sondern eine Ausstellung über das Kaiserreich bis Otto I. Es sind einige Darsteller bereits sehr enttäuscht von der Ausstellung wieder nach Hause gefahren. Bitte informiert Euch noch einmal vorher über das Motto der Ausstellung um das zu vermeiden. Auch meine Rez. über den wiss. Begleitband bei Chronico ist dazu hilfreich. Schöner für viele von uns ist wahrscheinlich die Ausstellung Pracht auf Pergament. Wer es nicht schafft, über den Link sind viele der Handschriften digital zu bekommen. Ein unglaublicher und praktischer Service. Ganz, ganz herzlichen Dank liebe Ausstellungsmacher!

Euer Isí

Wer baute den Dom zu Magdeburg?

frei nach Brecht.

St.Gereon

St. Gereon Kodex auf dem Weg zur Ausstellung. Bildrechte:  Pressebüro Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Otto der Große und das Römische Reich“

…. Otto I. war es nicht. Er ordnete es höchstens an. Vieles an der Kirchenlandschaft in Magdeburg entstand ohnehin erst nach seiner Lebenszeit. Herr Puhle war es auch nicht. Auch wenn er manchmal so tut. Der langjähriger Leiter des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und verantwortlich für die Magdeburger Ottomania wechselt nun ins Kultusministerium von Sachsen-Anhalt und wird dort verantwortlich für den Bereich Kultur und damit für alle Museen im Land. Hoffentlich agiert er dort mit sicherer Hand als bei der „Editha-Affäre“. Sein letzter Streich als Museumsleiter war die Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“, die ab heute, 27.08. 2012, bis zum 9. Dezember 2012 dem Publikum, dass sich von mächtigen Kaisern und ihren Hinterlassenschaften blenden lassen möchte, etwa 350 hochkarätige Exponate vorstellt. Anlass genug dazu ergab sich durch den 1100 Geburtstag des ersten kaiserlichen Ottos und des 1050. Jahrestages seiner Kaiserkrönung. Mit der Ausstellung soll das Entstehen, die Entwicklung des römischen Kaisertums und die Umwandlung dieser Kaiseridee zum mittelalterlichen Kaisertum von Karolingern und Ottonen nachzeichnen. Inwiefern das gelingt, mag der Ausstellungsbesucher entscheiden. Falls nicht, kann sich dieser mit wundervollen Kunstgegenständen und herrlichen Büchern (wieder ist die Magdeburger Ausstellung stark urkunden- und bücherlastig) trösten: Die erst kürzlich gefunden Insignien des Kaisers Maxentius, die frisch restaurierte römische Kaiserstatue aus dem Pergamonmuseum in Berlin, die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu aus dem Staatsarchiv Wolfenbüttel, der Chludow-Psalter aus dem Staatlichen Historischen Museum Moskau all dies und noch viel mehr ist zu sehen. Wer zu faul ist hinzugehen oder einfach zur Vor- oder Nachbereitung Bücher braucht: Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog sowie ein Kurzführer. Zum wissenschaftlichen Begleitband habe ich bereits folgendes bei Chronico gesagt:

Kaisertum bei Chronico

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Ich freue mich darüber, dass es eine Ausstellung im weitesten Sinne zum Thema Ottonen gibt. Ich freue mich darüber, dass die Schau die Ottonenzeit wieder in den Blickpunkt rückt, ganz wie es Herr Puhle heute früh bei MDR Figaro sagte: „wir müssen dran bleiben an der Zeit der Ottonen“. Es wäre für jemanden, der den Alltag der Ottonenzeit versucht nachzustellen und zu rekonstruieren, ja unnatürlich, wenn ich mich nicht freuen würde.

Ich werde die Ausstellung dennoch nicht besuchen und kann hier die Gründe auch schildern. Wie bei dem Magdeburger Dom war es nicht nur ein Mann, der die Ottonenzeit gestaltete, mag Otto I. noch so viel Bedeutung für Magdeburg haben. Ich halte es für bedenklich, eine ganze Epoche auf das Wirken eines Mannes zu reduzieren. Nach der ganzen Aufregung um Editha frage ich mich ohnehin, warum es wieder Otto sein musste. Zudem wird so getan, als würde es sich um eine Mittelalterausstellung handeln. Das ist aber nicht richtig. Die Auseinandersetzung und die Entwicklung des Kaisertums ist eine Sache der Antike und dementsprechend sind auch viele der angekündigten Ausstellungsstück aus dieser Epoche. Die Entwicklung des römischen Kaisertums mag theoretisch sehr interessant sein und mit großen Interesse habe ich deswegen auch den wissenschaftlichen Begleitband gelesen (ja, von der ersten Seite bis zur letzten !), aber gibt das genug her für eine Ausstellung? Und wenn, interessiert das dann? Und welche Relevanz hat das bitte? Wird Geschichte wieder wie im 19. Jahrhundert auf die Taten der Herrscher reduziert. Ging Otto alleine nach Italien und wurde dort Kaiser? Wer bestellte zu Hause die Felder? Wer spann die Fäden, wer webte die Tuche, um Bauer, Edelmann und Kaiser zu kleiden? Das werden wir in dieser Ausstellung gewiss nicht erfahren. Die vom Geschichtsredakteur des MDR, Herr Nölke, heute früh angesprochene Urkunden- und Bücherlastigkeit der Magdeburger Ausstellungen hat mich bereits bei den zwei vorherigen Otto-Ausstellungen in Magdeburg ermüdet. Ich schimpfe ja oft und gerne über die Kunstlastigkeit des Landesmuseums in Halle, aber gelangweilt habe ich mich dort noch nie. Genau das befürchte ich bei der dritten Ottoausstellung aber. Von einem Erkenntnisgewinn ganz abgesehen. Ich liebe Bücher, aber der Gedanke an endlosen Vitrinen mit Urkunden und Büchern vorbeischreiten zu müssen, die ich nicht anfassen, in denen ich nicht blättern kann, macht mich schon ganz trübsinnig. Aber das ist nur eine museumsdidaktische Kritik.

Den Geldgeber das Museums aber möchte ich fragen: Müssen wir Geschichte auf einen Mann und auf die Institution „Kaiser“ reduzieren? Sicherlich ist es angemessen, dies zu erforschen, aber muss ein demokratisches Land dies auf diese Weise feiern und würdigen? Sind wir nicht längs darüber hinaus, die Geschichte vieler auf das Wirken eines einzelnen und seines Amtes zu reduzieren? Sicherlich hätte sich ca. 1874 Kaiser Wilhelm I. über diese Ausstellung maßlos gefreut und sich bestätigt gefühlt. Sind wir aber noch Preußen? Können wir uns mitfreuen? Etwas weniger Kaiser Otto und etwas mehr Mensch Otto und Ottonenzeit wäre wünschenswerter gewesen.

Und der Link zur Ausstellung ist

http://www.otto2012.de/

Euer Isí