Massengrab Lützen

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Foto: hei-wu

Beim Aufräumen gefunden: Ein Foto von der Blockbergung des Massengrabes vom Schlachtfeld Lützen (Dreißigjähriger Krieg) . Unten wie die Toten heute aussehen, oben wie sie mal ausgesehen könnten, bevor das Schlachten begann. Die riesige Blockbergung kommt ggf. für eine Ausstellung an die Öffentlichkeit. Aber Genaues weiß ich noch nicht. Mehr zur Schlacht von Lützen hier …

Euer Isí

Interessantes im Netz

Über einige interessante Dinge im Netz bin ich heute gestolpert: So räumt Störtebecker mit dem Mythos von Störtebecker auf. Die Archäologische Gesellschaft Sachsen-Anhalt fördert die Archäologie, was sonst? Und eine der größten frühmittelalterlichen Siedlungen Deutschlands wurde ausgegraben. Warum sie aufgegeben wurde, blieb den Archäologen ein Rätsel.

Heute auch nicht in Rätsellaune, Euer Isí

Die Steinzeit an den Himmel nageln

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Das Atrium mit dem Steinkammergrab aus der Dölauer Heide und dem Pfeilschauer; Foto Andrea Hörentrup, LDA Sachsen-Anhalt

 Vielleicht ergeht euch das auch so: Die Anfangschritte im Museum, frühe Steinzeit und Neolithikum, reizen mich nicht im geringsten, schnell durcheile ich diese Teile, um zu den „spannenderen Zeiten“ zu kommen. Ich geschehe dies ohne Scham, obwohl mich am gestrigen Abend, den 13. November 2013 um 19 Uhr ein befreundeter Steinzeitler eingeladen hatte. Der Grund: Es gibt eine neue Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle mit dem Titel „3300 BC : Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt“,die ab heute 14. Nov. 2013 ihre monumentalen Pforten für die breite Öffentlichkeit auftut.

 „Wir sind alle Neolithiker!“, begrüßt Landesarchäologe Harald Meller die Eröffnungsgäste und schießt mit seiner Steinzeit-Uzi einen Ausstellungspfeilhagel auf alle ab. Er ist heute locker drauf, der Herr der Scheibe weiß sich unter Freunden und Gönnern, und wer in „Science“ veröffentlicht, „hat immer recht“. Und bevor ich weiter berichte, oder wie befürchtet über das „Schauerhaus“ in Halle rumnörgele, sage ich gleich: Nein, will ich heute gar nicht, es hat mir gefallen, denn das Team in Halle, Stadelmacher, Schunke, Wunderlich und alle, haben es geschafft, ihren Chef gut in Stellung zu bringen. Es ist ihnen gelungen, neolithische Steinzeit spannend zu machen und einen regionalen Fund, das Erdwerk von Salzmünde vor den Toren von Halle, so aufzubereiten, dass es interessant wird, richtig interessant. Wenn ich das Lied des Landesarchäologen singe, fragt man sich aus welcher Alchemistenwerkstatt der Wein stammt, der zur Eröffnung ausgeschenkt wird. Nein, ich sage euch, knallharte Geschichtsbloger wie mich kann man nicht mit Leckerschinken und Rotwein überzeugen, da muss knallharte Überzeugungsarbeit ran.

Eine Bestattung am Fundplatz Salzmünde während der Ausgrabung; Foto Torsten Schunke, LDA Sachsen-Anhalt

 Bereits bei den Eröffnungsreden merkt man, Halle muss niemanden mehr etwas beweisen. Trommeln, die auf die vielen in Salzmünde gefundenen Tontrommeln hinweisen, schlagen zur Ausstellungseröffnung, wir stehen dem Pfeilhagel gegenüber, der Hohepriester des Amtes erscheint, begrüßt die Stammeshäuptlinge und danach auch jovial das Fußvolk. Finanzminister Jens Bullerjahn wegen seiner Sparpläne an der Universität eigentlich im Moment in Halle eine Unperson, ist froh, dass der Steinzeitpfeilhagel von ihm wegfliegt. Er lobt nicht nur das Landesmuseum, er ist geradezu euphorisch drauf und bringt dies kurz und knapp rüber. Beifall in Halle, das ist der Minister gar nicht mehr gewohnt! Frau Wessler stellt die Förderung durch die Volkswagen-Stiftung in den Vordergrund, gut, das ist ihr Job und wir machen einen braven Diener. Die Chauffeuse des Blogers fährt zwar lieber Renault, aber egal, denn jetzt tritt der Scheibenreiter Meller wieder an das Rednerpult und bringt uns die Bedeutung des Neolithikums für unsere heutige Welt so anschaulich rüber, dass ich am liebsten sofort den Bogen von der Wand nehmen würde, von den Pfeilen die Stahlspitzen abnehmen und mit Flintspitzen bewehren und auf der Peißnitz den Wildschweinen auf den Pelz rücken würde. Nein, nein, das ist jetzt falsch, ich werde ja auf ganz andere Weise vor den Pflug gespannt. Wir sind alle Neolithiker! Ja, auch Du!

Wenden wir uns deswegen den ersten Eindrücken von der Ausstellung zu, die ich in drei Teilen aufschlüsseln würde, die Kuratoren mögen es mir verzeihen, einen allgemeinen Teil von Jericho bis Ötzi, den Hauptteil mit den Funden vom Salzmünder Erdwerk und einen kleinen Ethno-Teil zum völkerkundlichen Vergleich, obwohl ich von diesen Vergleichen nicht viel halte. Minuspunkt, Herr Meller! Schön gedacht, aber man kann auch übertreiben! Der allgemeine Teil besticht nicht nur durch die Dominanz des Pfeilhagel, den tollen Leihgaben, die im üblichen Halle-Schwarz umrandet und präsentiert werden, den riesigen Fotos mit Hinkelsteinen von Mellerix, sondern auch mit einem gewaltigen Steingrab aus der Dölauer Heide. Endlich ist es wieder zu sehen. Die Visualisierung der neolithischen Stadt auf der Heide mit ihren Wällen, Toranlagen und 6fachen Grabensystem hat mich besonders gefreut. Ein dickes Plus! Nach einen Abstecher zu den Pfahlbausiedlungen in der Schweiz und dem ältesten Rad der Welt

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Plakat zur Sonderausstellung „3 300 BC – Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt“; LDA Sachsen-Anhalt
Weitere Informationen auf das Plakat klicken …

trete ich hinüber in den nächsten Raum hinein, hinein ins Rot.

Aber ist denn das noch Wissenschaft? Ist das noch Archäologie? Im Augenschein mit der Steinzeit-Uzi werde ich einen Teufel tun und das zu verneinen. Der Mann bringt es fertig und drückt ab. Und Meller schießt auch schneller. Mich in den (neolithischen) Graben geworfen, kann ich noch rufen: Alte Kritikpunkte, hier geäußert, bleiben: Wieder viel zu wenig für Kinder, der Vorrang der künstlerischen Inszenierung. Aber wie man so sagt: Man gewöhnt sich dran. Sogar die Nörgelbloger! Und es ist wahr, das sind unwiderstehliche Alleinstellungsmerkmale der Hallischen Archäologie-Shows: Die monolithisch stehenden Blockbergungen, die künstlerische Inszenierung und das Geschichtenerzählen oder anders gesagt: „den Toten ein Gesicht geben“. Da ist es schon fast egal, dass ein Pfeilhagel so niemals fliegt, es sei denn wie bei Don Harald mit der Steinzeit-Maschinegun, der das Sternenbanner des Neolithikums an den Himmel nagelt.

 

Heutige Burg auf dem Giebichenstein nicht ottonisch

Und leider auch nicht salisch. Ich muß den Beitrag vom 19. Febr. 2013 hier korr., nachdem ich mit dem Archäologen Torsten Schunke (und weiteren Mitgliedern der archäologischen Gesellschaft) letzten Donnerstag oben auf dem Giebichenstein gewesen bin. Das hat doch einige Klarheit gebracht: Zwar ist die Ausgrabungsgeschichte der Oberburg (um es höflich auszudrücken) ein Trauerspiel, aber für den Nachgräber Torsten Schunke und seinen Kollegen Mario Küßner ist es recht schnell klargewesen, dass der höfische Ausbau der Oberburg mit Palas, Wohnturm, Kapelle etc. frühestens zu Zeiten des Erzbischofs Wichmann (ca. 1116 – 1192) erfolgt sein kann. Zu ottonischer oder salischer Zeit kann hier allerhöchstens ein vermutlich hölzerner Wachturm gestanden haben. Die Civitas Giebichenstein, die noch im 11. Jahrhundert Marktrecht hatte, befand sich wohl dort, wo heute der Amtsgarten ist, das von mir skizzierte Gebiet der Alten Burg (siehe 1. im Beitrag von 19. Febr.). Ein Teil der Siedlung könnte sich auch auf dem Gebiet der heutigen spätmittelalterlichen Unterburg befunden haben. Schunke ausführliche Veröffentlichung zu seinen Nachgrabungen gilt es noch durchzuarbeiten und hier zu einer abschließenden Bewertung zu kommen.

Euer Isí

Ottos Situla

gefunden im Victoria-and-Albert-Museum, London, datiert ca. 980, Elfenbein und mit der Widmungsinschrift für den „Augustus Otto“, gemeint ist Otto II., Fundort: Mailand, Italien, Mu..Nr.: A 18-1933

100_6786100_6787Dieses Weihwassereimerchen (Situla) wurde höchstwahrscheinlich nach Museumsangaben für den Besuch von Otto II. in Italien gefertigt. Es könnte für den Einzug des Kaisers in die jeweilige Stadt (evt. nur Mailand) benutzt worden sein, um Beteiligte mit Weihwasser zu besprengen und den Besuch des Kaisers damit gleichzeitig zu heiligen, wie den Einzug Jesus in Jerusalem.

Da Otto II. in Italien gestorben und in Rom beerdigt worden ist, zeigt eine gewisse geschichtliche Ironie.

Euer Isí

Lindesfarne ? Das war doch Hühnerkacke!

Noch etwas früher als das berühmte Lindesfarne 793 griffen Wikinger, Nordmänner, Skandinavier oder wie wir sie auch immer nennen mögen, die Insel Saaremaa (heute Estland) an. Anscheinend wurden sie zurückgeschlagen und beerdigten ihre Gefallenen in zwei Schiffen, die ab 2008 ausgegraben wurden (Salme 1 u. Salme 2). Salme 1 war ein schnelles Ruderboot. In ihm wurden einfache Leute mit einfachen Beigaben bestattet. Datiert wurde das Schiff zwischen 650 – 700 n. Chr. Salme 2 war anscheinend bereits ein Segler und gilt somit nun als ältestes nachgewiesenes Segelschiff der Wikinger (bisher Oseberg ca. 820). In ihm wurden 33 Männer mit reichen Beigaben beerdigt u.a. ein Mann mit einem juwelenbesetzten Schwertgriff und einer Schachfigur.

Einen vollständigen Bericht dazu gibt es im Archäologieblog des Spiegels, hier klicken, natürlich etwas sensationshaschend, wie man es vom Spiegel kennt.
Eine Bildergalerie hat die estnische Seite, haltet Euch schon mal fest, hier klicken

Aber die Eiderlinie wird gehalten, meine Ottonen! , befiehlt euer Isì

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