Holzlasur leicht gemacht

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Weilheim hat mich  an meine unfertigen Schachfiguren erinnert, an denen ich seit Jahren schnitze. Annette erbarmte  sich bereits in Lütjenburg und stellte das Spielfeld als gesticktes Stoffstück fertig. In Weilheim kam ein Beutelchen nach dem Vorbild aus dem Schachbuch (allerdings 13. Jhd.) dazu. Das würde zusammen mit meinen kleinen Schachfiguren aus Buchenholz geschnitzt ein schönes mitnehmbares Lagerschachspiel ergeben. In Weilheim fand es Anklang trotz des unfertigen Zustandes. Denn es mussten nicht nur die Figuren noch einmal sauber abgeschliffen, sondern die schwarzen Figuren auch ihre Farbe erhalten. Die weißen Figuren sollten ihren natürlichen Holzton behalten.

Heinrich, unser Nachbar, erzählte mir dazu folgende Geschichte: In seinem griechischen Ferienhaus war er am Basteln und wollte die Holzarbeit mit einer Holzlasur versehen. Allerdings gab es weit und breit keinen Baumarkt in der Nähe, wie von Zuhause gewöhnt. Was tun? Er fragte einen Nachbarn und er verwies ihn auf einen alten Mann, der seine Lasur selbst herstellte. So soll es schon jahrhundertelang zumindest in Griechenland gemacht worden sein:

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Walnussschalen, also die grüne Haut, die die Nuss umgibt, aufsammeln und trocknen lassen. Sind trockene Schalen bereits vorhanden, ganz nach Mengenbedarf in Topf mit Wasser kochen lassen, bis die Schalen zu einem braunen matschigen Brei geworden sind. In diesem Breizustand abseien und die fertige Lasur in einem Gefäß auffangen. Abkühlen lassen und sofort auftragen. Reste bald verbrauchen oder durch Einfrieren oder Einkochen konservieren, da lt. Heinrich ansonsten die Gefahr des Schimmelbefalls besteht.

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So sahen meine Schachfiguren nach dem ersten Auftragen aus. Dabei habe ich die Figuren gleich mit in den Topf geworfen. Der Farbeindruck nach dem zweiten Auftragen der Lasur ist ganz oben zu sehen.

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Das ging bei hartem Buchenholz ganz gut. Bei weichem Holz, siehe oben Verzierung unseres Pfostenbettes, muss der Auftrag etwas vorsichtiger erfolgen, sonst zieht die Lasur zu stark in das Holz ein (wie oben auch zu sehen). Ansonsten ergibt es auch hier einen schönen Braunton.

Eine zweite Verwertung der Lasur ergab sich als Wallnuss-Tinte für die Feder. Das Schreiben damit soll lichtecht sein und ergibt ein schönes altertümliches Schriftbild. Evt. zu diesem Zweck noch weiter andicken. Für Tagebucheinträge und Briefe ideal, aber beim kreativen Schreiben bevorzuge ich doch die schnelle moderne Feder… mit der ich fliegen kann.

Euer Isí