9. Heerbann und 10. Slawisches Mittelalterfest

Foto: Jacob, mit freundlicher Genehmigung

Heute widme ich mich der Nachbereitung: Das waren doch zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen, die wir dieses Frühjahr bestritten haben. Die erste war eine große interne Veranstaltung, das Kämpfertreffen der berlin-brandenburgischen Mittelaltergruppen (und der weiteren Umgebung), kurz Heerbann genannt. Das zweite Event war ein Museumsfest mit großem Besucherandrang und mit dem für Mittelalterveranstaltungen eher seltenen Schwerpunkt auf die Kultur der frühmittelalterlichen Slawen.

Der Heerbann kleiner, aber feiner …

Den Heerbann besuchte ich dieses Jahr als Tagesgast, aber Vereinsmitglieder waren auch als Kämpfer vor Ort. Der Heerbann ist in erster Linie ein Treffen und eine Trainigsmöglichkeit der mit Waffenhandlungen und -darstellungen Beschäftigten. Der Charme dieses Lagers liegt aber auch in der Masse der Teilnehmer (dieses Jahr ca. 600, etwas kleiner als in den Vorjahren) und der Geschlossenheit des mittelalterlichen Bildes. Es ist ist ein internes Treffen ohne „störende Besucher“. Deswegen zieht es auch viele Fotografen an. Odo von Crain war wie jedes Jahr der Organisator und die gute Seele des Treffens und es ist imponierend, was er jedes Jahr leistet. Dieses Jahr ist es ihm meiner Meinung nach besonders gut von der „Templerhand“ gegangen. Mir fiel nichts auf, was mein kritisches Auge (besonders) störte. Der Gruppen waren alle von einer befriedigenden bis beeindruckenden Qualität. Alles, was man dem Heerbann einzig vorwerfen könnte, ist das sich (mittelalterliche) Zeiten und Kulturen bunt mischten. Dies macht aber auch den Reiz des Treffens aus, das keinesfalls die Absicht hat ein in sich stimmiges mittelalterliches Bild abzuliefern. Und natürlich ist der Besuch des Heerbanns auch ein Treffen von (alten) Freunden und Gleichgesinnten. Das war der neunte berlin-brandenburgische Heerbann. Der Jubiläumsheerbann im nächsten Jahr steht schon fest in unserem Kalender.

Weitere Impressionen von Foto-Jacob, bitte hier klicken…

Markt in Dissen: Grubenhäuser und Lager direkt am Dorfrand

Wir springen von Ende April bis Ende Mai. Das zehnjährige Jubiläum hat ein slawischer Mittelaltermarkt in der Niederlausitz gerade hinter sich.

Ein slawischer Mittelaltermarkt ?

oder ist das Fest in und um das Heimatmuseum in Dissen-Striesow nicht eher ein wundervoll stimmiges Museumsfest? Von der Qualität der Darsteller stand das Fest auf jeden Fall hochhaushoch über jedem herkömmlichen Mittelaltermarkt landauf, landab. Fest steht auch, wir sind noch nie auf einer Veranstaltung so freundlich und herzlich begrüßt worden. Das lag nicht nur an den vielen Vereinsmitgliedern und Freunden, die bereits vor Ort waren, und an der Fürsorge und der Herzlichkeit der Organisatoren, sondern es ist die Grundstimmung dort im Museum und im ganzen Ort Dissen. Fast alle machten nämlich mit! Ich könnte sagen, in Dissen herrscht ein reenactmentfreundliches Klima. Und das setzt Maßstäbe für die Zukunft.

Wie muß man es sich vorstellen? Hinter dem Dorfensemble aus Heimatmuseum und Kirche ist ein kleines slawisches Dorf mit Grubenhäusern, Bohlenwegen, Brücken und Palisadenwall entstanden. Trotz der Lage mitten im Dorf und der geringen Größe wirkt die Anlage sehr gelungen. Aber nun tobte dort an zwei Tagen das Leben!

Das Viernationen-Event

Die Weberin war (fast) den ganzen Tag fleißig.

Teilnehmer kamen aus vier Nationen: Tschechen, Polen, Sorben und Deutsche. Der slawische Eindruck überwog. Daneben gab es Wikinger-Händler, ottonische Besatzungstruppen, arabisch-jüdische Gewürzhändler und einen Wilderer und, und, und. Sogar ein ranghoher Normanne lief herum, der sich vielleicht an der letzten Spreeabfahrt verrudert hatte. Der ottonische Miles zog sich ständig aus, damit das Publikum sehen konnte, was ein Soldat des frühen 11. Jhds. so oben und unten herum trägt. Die polnischen Schlagedraufs zeigten eindrucksvoll, dass keine Brücke zu klein ist, um sich die Äxte auf die Helme zu hauen. Das Wetter war gut, die Stimmung hervorragend und das Publikum gehörte zu den interessiertesten, die wir je erlebt haben. Es zeigt sich, eine gute Veranstaltung mit guten Darstellern lockt auch interessierte Besucher an. Wir würden uns freuen, wenn wir das nächste Jahr wieder dabei sein könnten. Denn aus unserer Darstellersicht besehen, können wir Dissen 5 von 5 verfügbaren Sternen verleihen mit dem Prädikat „Darstellerfreundlicher Ort“. Das war redlich und hart verdient. Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich!

Weitere Fotos in einer wundervollen Galerie von Michael Helbig in der Lauzitzer Rundschau, hier klicken … und zur gemeinsamen Geschichte von Ottonen und Slawen gibt unsere Zeitleiste einen guten Überblick, hier klicken …

Euer Isidorus

2 Gedanken zu „9. Heerbann und 10. Slawisches Mittelalterfest

  1. Jacza 28 September, 2015 at 20:53

    …hey erst mal vielen dank für die positive kritik…..
    einen hab ich aber noch 😉
    wir waren in diesem jahr die ein oder andere „aktuelle nation“ mehr ….
    dänen, mehr als einer 😉
    holänder
    leute aus cz
    polen
    russen
    deutsche
    nun gut uns sorben/wenden könne wir auch als etwas separates zählen…
    weißrussen
    ach ja und slowaken….

    und näxtes jahr werden wir noch mehr!!!
    zusammengezählt haben sich mehr als 140 darsteller_innen nach dissen „verirrt“
    und natürlich seid ihr das näxte jahr wieder gern gesehen…bringt freunde mit (aber bitte angemeldete wegen des aufbau-settings) 😉
    Jacza!

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